Nathan Filer: Nachruf auf den Mond

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Nathan Filer: Nachruf auf den Mond
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Shock of the Fall
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783426281246

Informationen zum Buch

Seiten
320

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Sie sollten wissen, dass ich kein netter Mensch bin.

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Handlungsort

Handlungsorte
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»Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.«

Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie

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Nachruf auf den Mond

Der 19-jährige Mathew Homes ist Patient in einer psychiatrischen Klinik und er erzählt uns aus seiner Sicht die Entstehung und Entwicklung seiner Krankheit, die über ihn bestimmt. Mathew leidet an Schizophrenie.

Im Alter von neun Jahren verliert Mathew während eines Campingurlaubes der Familie seinen älteren Bruder Simon durch einen schrecklichen Unfall. Das alles ereignet sich an einem Tag, der für Mathew ohnehin schon problematisch ist, weil dem Unglück eine Auseinandersetzung mit einem Mädchen auf dem Campingplatz voran geht bei der eine Puppe eine wichtige Rolle spielt. Der Tod des Bruders und die Ereignisse an dessen Todestag beschäftigen Mathew weiter. Er gibt sich die Schuld am Tode von Simon, wohl auch, weil dieser am Down Syndrom litt und damit unter anderem auch an der mit diesem Gendefekt einhergehenden Muskelschwäche.

Mathew nimmt regelmäßig Medikamente, damit er die Stimmen des Bruders nicht mehr hört, dessen Anwesenheit nicht mehr als real empfindet und einfach wieder normal denken kann. Aber wenn er die Medikamente vergisst, dann ist sie wieder da, die Stimme von Simon.

Der Leser erfährt wie es Mathew ergangen ist, vom Tod des Bruders bis heute, also über einen Zeitraum von 10 Jahren. Dafür schreibt Mathew die Geschichte seiner Krankheit auf, mal auf einer Schreibmaschine, mal auf einem Computer und manchmal auch einfach nur durch Bilder. So erlebt der Leser eine bunte Mischung einzelner Aufzeichnungen. Auch in der Zeit springt Mathew gerne einmal hin und her, so dass dem Leser hier einiges an Konzentration abverlangt wird, damit er nicht den Faden verliert.

Mathews Welt scheint trübe und traurig, dabei gibt es aber auch schöne Seiten und es scheint sogar möglich, die Krankheit halbwegs unter Kontrolle zu bekommen. Dorthin aber ist es ein langer Leidensweg, der immer wieder auch von schlimmen Phasen unterbrochen wird. So hat die Familie nicht nur unter dem Verlust des Kindes Simon zu leiden, sondern auch unter der Erkrankung von Mathew.

„Nachruf auf den Mond“ ist eine interessante Leseerfahrung. Der Autor Nathan Filer präsentiert eine schwierige Thematik hier auf ungewöhnliche Art. Mathew empfindet sich selbst of anders als der Leser ihn erlebt, aber seine Sicht der Dinge ist interessant und regt zum Nachdenken an. Dieses Buch ist sicher nicht jedermanns Sache, aber es verändert den Blick auf schwerwiegende Krankheiten und deren Alltagsbewältigung für Patienten und auch deren Angehörige.

„Nachruf auf den Mond“ ist auch ein Nachruf auf Simon und dessen Mondgesicht und die Geschichte darüber, wie Mathew versucht seinen Bruder Simon auch durch Erfüllung dessen Wünsche am Leben zu erhalten.

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(Aktualisiert: 09 Mai 2015)
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Wundervoll geschrieben, wenn auch nicht ganz einfach zu lesen

Inhalt:
Mit neun Jahren verliert Matthew seinen drei Jahre älteren Bruder Simon durch einen tragischen Unfall. Er gibt sich selbst die Schuld an dessen Tod. Aufgrund einer psychischen Erkrankung wird er in die Psychiatrie eingewiesen, wo er lernen muss, mit seiner Krankheit zurechtzukommen und Simons Tod zu verarbeiten.

Meine Meinung:
Nathan Filer ist mit seinem Debüt ein großartiger Roman gelungen. Er lässt Matthew seine Geschichte erzählen und man nimmt ihm dabei jedes Wort ab, weil es so authentisch wirkt. Hier macht sich wohl bemerkbar, dass der Autor als Krankenpfleger in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet und intensiv recherchiert hat.

Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Man wird immer wieder mit unzusammenhängenden Bruchstücken der Handlung konfrontiert, mit zum Teil wirr erscheinenden Gedankenfetzen infolge der Vernebelung durch die Medikamente. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern immer wieder in der Zeit gesprungen, wobei es mir öfter schwerfiel, zu erkennen, wo ich mich nun gerade befinde. Dadurch dass Matthew den Leser immer wieder direkt anspricht, entsteht ein Sog, man wird tief in die Geschichte hineingezogen und kommt dem Ich-Erzähler sehr nahe. Man hat den Eindruck, Matthew will sich dem Leser öffnen, ihm alles zeigen, was ihn bewegt, womit er zu kämpfen hat. Dabei spart er auch die negativen Dinge über sich nicht aus.

Es werden nur kleine Andeutungen eingeflochten über das, was in der Nacht des Unfalls passiert sein könnte, denn anfangs erfahren wir nur, dass Simon tot ist. So wird die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten.

Der Roman lebt von seinen einzigartigen Charakteren. Sie sind so detailliert ausgearbeitet, dass man nie irgendwelche Zweifel an ihren Verhaltensweisen bekommt. Dabei war mir Matthew von Anfang an sehr sympathisch.

„Sie sollten wissen, dass ich kein netter Mensch bin.“ (S. 7) Wenn jemand so etwas sagt, kann er so schlimm schon mal gar nicht sein, oder?

Hervorzuheben ist auch die Aufmachung des Buches. Von Illustrationen bis zu verschiedenen Schriftarten wird auf diverse Hilfsmittel zurückgegriffen, um die Darstellung der Geschichte zu intensivieren. Das ist wirklich sehr gut gelungen.

Fazit:
„Nachruf auf den Mond“ ist ein anspruchsvolles Buch, das den Leser berührt und bewegt und mit vielen netten Details aufwartet, die man vielleicht sogar erst beim zweiten Lesen wahrnimmt.

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Ein Lasso zum Mond

12.05.2015
Nathan Filer - Nachruf auf den Mond - Droemer

Bristol, England
Familienurlaub auf dem Campingplatz, was könnte harmloser sein?
Der 9jährige Matthew beobachtet ein kleines Mädchen, das ihre Puppe begräbt, sie scheint untröstlich und als er sich ihr nähert, scheucht sie Matthew mit harten Worten davon.
Das alles lässt dem Jungen keine Ruhe, während seine Eltern schlafen, stiftet er seinen Bruder Simon zu einer nächtlichen Tour an, die Brüder schleichen sich davon. Simon, der am Down-Syndrom leidet, ist es nicht geheuer, aber genauso verführerisch ruft ein kleines Abenteuer. Etwas Unfassbares geschieht, danach ist nichts mehr so, wie es vorher war, die Welt ist nach aussen gestülpt, die Zeit spielt keine Rolle mehr.
10 Jahre später erzählt Matthew immer wieder in Rückblicken, wie das Leben so war, ganz ohne Simon, das liebenswerte Mondgesicht war ein kleiner Sonnenschein, alle vermissen ihn sehr. Immer wieder versucht Matthew dem Geschehen auf dem Grund zu gehen, er sieht Simon überall, seine Schuldgefühle treiben ihn in die Schizophrenie, er ist sich selbst der größte Feind. Matthew versucht der Wahrheit auf den Grund zu kommen, doch welche der vielen Wahrheiten ist die Richtige? Die Tagesklinik lässt ihn den Computer benutzen, er findet heraus, das es diesen Campingplatz tatsächlich noch gibt, Matthew fasst einen Plan..
--
Atmosphärisch, warmherzig, spannend, traurig und auch witzig, unglaublich mitreissend!
Für mich war jede Seite ein Seufzer. Dieses Buch ist eine einmalige Bereicherung, danke Nathan Filer, für dieses schöne Leseerlebnis! So viele kleine Gefühle, kribbelig, wie 1000 Ameisen, so pfadlos, wie eine Leiter zum Mond.
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Matthew hat heute am 12. Mai Geburtstag. Heute ist er 25. Happy Birthday! :-)

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Geht unter die Haut

Inhalt:
Matthew Homes sitzt in einer psychatrischen Klinik und erzählt seine Geschichte. Von seinem älteren Bruder Simon, der am Downsyndrom litt und der im Alter von 12 Jahren ums Leben gekommen ist. Von seinen Eltern, die nicht nur mit dem Verlust des einen Sohnes sondern auch mit der psychischen Erkrankung des zweiten fertig werden mussten. Von den letzten 10 Jahren, vom Leben mit seiner Krankheit, von Tiefpunkten und schweren Krisen, von der Trauer und von noch viel mehr. Er schreibt auf dem Computer, an der Schreibmaschine, kritzelt Briefe und Zeichnungen. Das Buch ist wie eine Sammlung all seiner Gedanken und Dokumente.

Meine Meinung:
Nathan Filer ist mit seinem Erstling wirklich ein großer Wurf gelungen. Dies liegt nicht nur an der einfühlsamen und authentischen Erzählstruktur sondern auch daran, wie er die Gefühle seiner Protagonisten in all ihrer Bandbreite beschreibt und dem Leser trotzdem die Möglichkeit lässt, sich ein eigenes Bild zu machen und die Hauptdarsteller langsam und sehr intensiv kennen zu lernen.
Man muss sich sicherlich auf diese ungewöhnliche Geschichte einlassen können. Auf die sehr intime Art, mit der Matt uns durch sein Leben führt. In schlechten Phasen verwirren sich seine Gedanken und er hüpft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Wir dürfen seine Wahnvorstellungen ebenso miterleben, wie tatsächliche Erlebnisse, Gespräche und Gedanken. Wie ein Puzzle, in dem die einzelnen Teile durcheinandergekommen sind, breitet er alles vor dem Leser aus.
Die zwei großen Themen des Buches sind der Tod des Bruders und die verschiedenen Formen der Trauer, aber auch die psychische Erkrankung des Erzählers Matthew, die ihn in tiefe existenzielle Abgründe führt – und der Leser ist mitten drinnen.
Man sollte nicht davor zurückschrecken, dass das Buch über weite Strecken sehr traurig und Matthew ein spröder Typ ist, der es einem nicht immer leicht macht, ihn zu verstehen oder gar zu lieben. Aber die Geschichte ist mit so viel Poesie und Liebe zu den Menschen geschrieben und das Ende mit einem versöhnlichen und heiteren Tenor, dass ich es uneingeschränkt jedem ans Herz legen möchte, der nach einem besonderen Buch sucht und der es gerne etwas anspruchsvoller hat.

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(Aktualisiert: 16 Mai 2015)
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Eine ganz besondere Geschichte

Das Cover machte mich direkt neugierig. Eine Leiter zum Mond, darunter eine Ameise. Was hat es damit aufsich? Schon nach einigen Seiten verstand ich, was sich die Buchgestalter bei dem Cover gedacht haben. Da ich nicht zu viel von der Handlung vorweg nehmen möchte, werde ich darauf nicht genauer darauf eingehen. Ich erlebte beim Lesen jedoch einen richtigen „Aha-Moment“ und bin nach wie vor begeistert, wie passend das Cover gewählt wurde.

Der Schreibstil von Nathan Filer ist ein Gedicht. Er schreibt sehr bildhaft und spricht den Leser als Matt direkt an, bezieht in mit ein. „Ich hätte ja lieber Turnschuhe getragen, aber Sie kennen ja meine Mutter.“ (S.8) Mir hat diese Form des Schreibens sehr gut gefallen. Matt schrieb, teils am PC der Psychiatrie, teils an der Schreibmaschine zuhause, seine Geschichte auf und als Leserin hatte ich das Gefühl das „Original“ in der Hand zu halten. Ich fühlte mich Matt sehr nah und verbunden. Besonders gut gefallen hat mir zudem die Art, wie der Verlag mit der Schrift spielte. Die Schriftart ändert sich, je nachdem auf welchem Gerät Matt schrieb. Das Geschriebene wird durch kleine Zeichnungen ergänzt. Leider erzählt Matt seine Geschichte nicht der Reihe nach sondern wild durcheinander, manchmal etwas wirr, sodass ich hin und wieder meine Probleme hatte zu erfassen, wo Matt denn gerade mit seinen Gedanken ist. Hier ist auf jeden Fall ein gewisses Maß an Konzentration erforderlich.

Die Charaktere sind sehr authentisch. Vor allem Matt konnte sehr gut verstehen, aber auch seinen Bruder Simon und seine Großmutter „Nanny Noo“ fand ich auf anhieb sympathisch. Matt’s Eltern waren ebenfalls authentisch und auch wenn ich wusste, dass sie teilweise nicht optimal handelten, war ihre Handlungsweise doch immer nachvollziehbar.

Matt’s Geschichte fand ich sehr berührend und durchgehend spannend. Als Leser möchte man erfahren, wie sein Bruder Simon starb und wie Matt zu dem wurde, was er heute ist. Das Ende hat mich in seiner Abgeschlossenheit positiv überrascht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass dies ein Buch wird, bei dem viele Fragen offen bleiben werden, doch dies war hier - zum Glück - nicht der Fall.

Fazit: Eine sehr berührende Geschichte die vor allem auch durch den tollen Schreibstil überzeugt. Auch wenn das Buch mit seinen 320 Seiten sehr dünn ist, ist es meines Erachtens kein Buch für zwischendurch, da man sich beim Lesen konzentrieren muss um mitzukommen. Wer diese Konzentration und ein bisschen Zeit mitbringt wird bei „Nachruf auf den Mond“ mit einer ganz besonderen Geschichte belohnt.

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Ein Leben ohne Simon...

Nachdem ich sehr viel Gutes über dieses Buch gehört hatte, war mein Interesse geweckt.

Im Roman geht es um den psychisch kranken Matthew, dessen Bruder Simon bei einem Familienausflug vor 10 Jahren starb. Seitdem ist die Familie nicht mehr dieselbe. Was geschah damals in jener Nacht?

Matthew fungiert in Roman als Ich- Erzähler und spricht den Leser oft direkt an. Die Ereignisse werden uns nicht chronologisch geordnet serviert, so dass man beim Lesen aufpassen muss, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Mal sind wir in der Gegenwart unterwegs als Matt 19 jährig im Krankenhaus liegt und mal begleiten wir die Familie in der Vergangenheit.

Ich hätte nie erwartet, dass mich das Buch so sehr emotional berühren würde. Das angesprochene Thema Schizophrenie ist sehr ernst, es wird im Buch aber durchaus locker damit umgegangen.

Matthew als Charakter ist sehr speziell. Man spürt ihm seine Krankheit förmlich an und nicht immer kann man sein Handeln ganz nachvollziehen. Je mehr man liest und ihn besser kennenlernt, desto mehr stellt man fest was für ein liebenswerter Kerl Matt ist und man mag ihn immer mehr.

Die Familientragödie zieht sich durch das gesamte Buch, so dass eine gewisse traurige Grundstimmung immer vorhanden ist, was dem Roman aber keinesfalls schadet.

Dem Autor gelang es die Spannung konstant zu halten, denn das Geheimnis des verhängnisvollen Abends wird erst zum Schluss gelüftet. Das Ende hat mich tief berührt und ein paar Tränen entlockt.

Für mich war dieses Buch eine Überraschung, die mich emotional vollends erwischt und mich nachdenklich gestimmt hat.

Fazit: Wer sich nicht vor schweren Themen scheut, der wird von diesem Buch begeistert sein. Ich kann nur meine Leseempfehlung aussprechen.

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