Nickolas Butler: Die Herzen der Männer

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Nickolas Butler: Die Herzen der Männer
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Heart of Men
ET (Original)
2017
ISBN-13
9783608983135

Informationen zum Buch

Seiten
477

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Der Signaltrompeter braucht keinen Wecker.

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In den Augen seines Vaters ist Nelson eine Enttäuschung. Wer will schon ein Kind, das weder Freunde noch Selbstbewusstsein besitzt? Je intensiver der verunsicherte Junge sich nach Zuwendung sehnt, desto stärker sondert sich der Vater ab, bis er irgendwann ganz aus dem Leben seines Sohnes verschwindet. Doch in einem Punkt hat er sich getäuscht. Nelson ist nicht allein. Jonathan, sein bester Freund aus dem Pfadfinderlager, ist das genaue Gegenteil von Nelson: bei allen beliebt, pragmatisch und mit einer unverwüstlichen Leichtigkeit ausgestattet. Was aber treibt jemanden wie Jonathan dazu, sich mit einem Außenseiter anzufreunden? Und stand Jonathan wirklich immer so rückhaltlos zu ihm? Das Leben im rauhen Wisconsin verlangt Nelson, Jonathan und dessen Familie Prüfungen ab, die Freundschaft und Loyalität auf eine harte Probe stellen.

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Werte im Wandel der Zeit

Nickolas Butlers neuer Roman erstreckt sich über drei Teile, die 1962, 1996 und 2019 jeweils im Pfadfinderlager Camp Chippewa in Wisconsin, USA, angesiedelt sind. Hier verbringen heranwachsende Jungen eine Woche im Sommer.

1962 treffen wir im Lager den dreizehnjährigen Nelson. Er ist mit Feuereifer dabei, jagt ein Abzeichen nach dem anderen und hält sich hundertprozentig an den Ehrenkodex der Pfadfinder. Er gibt mit seinem schmächtigen Körper, seiner Brille und seinem Ehrgeiz ein perfektes Mobbingopfer ab. Freunde hat er nicht, für seinen Vater ist er eine Enttäuschung. Nur der etwas ältere Jonathan steht Nelson hin und wieder zur Seite.

In Teil 2 und 3 stehen andere Protagonisten im Vordergrund. Trotzdem tauchen die bereits bekannten immer wieder am Rande auf. Durch den Perspektivwechsel ist die Handlung trotz einiger Wiederholungen, die sich eben in jeder Generation abspielen, einigermaßen abwechslungsreich und interessant. Allerdings erlangen die einzelnen Personen dadurch auch nicht so viel Tiefe wie bei nur einer Hauptperson. Kaum einer der Protagonisten ist sympathisch. Nickolas Butler macht es einem nicht leicht, die Figuren zu mögen, denn er stellt sie nicht gerade von der besten Seite dar. Ich fand das ziemlich deprimierend.

Dadurch, dass man hier drei verschiedene Generationen erlebt, kann man den Wertewandel in der US-amerikanischen Gesellschaft direkt nachvollziehen. Denn darum geht es. Welche Werte sind den Männern wichtig? Freundschaft, Familie, Moral, Ehre? Wie werden sie erlernt? Was geben Väter an ihre Söhne weiter? Oder haben die Söhne ganz andere Idole? Wann ist ein Mann ein Held?

Die Helden haben sich immer von ihren Herzen leiten lassen, und die Feiglinge von ihrem Verstand. [ … ] Helden kalkulieren nicht und kalibrieren nicht. Sie tun einfach nur, was richtig ist. (S. 253)

„Die Herzen der Männer“ ist ein anspruchsvoller Roman, der den Lesenden einiges abverlangt. Man wird dazu angehalten, sich in die unterschiedlichsten Charaktere hineinzudenken, denn hier gleicht keine Figur der anderen. Stellenweise lässt der Autor einen dabei ziemlich allein und führt nicht aus, warum und wieso etwas geschieht und wie einzelne Szenen zu interpretieren sind. Oft konnte ich die Handlungsweisen der Protagonisten nicht nachvollziehen, sie passten einfach nicht zum vorherigen Verhalten der jeweiligen Person.

Sprachlich fand ich den Roman recht gut. Er lässt sich locker lesen trotz einer gehobenen, bildhaften und wortstarken Sprache, die manchmal aber auch ins Kitschige abtriftet.

Fazit:
Insgesamt ist „Die Herzen der Männer“ ganz unterhaltsam. Der Roman weist jedoch vor allem im Mittelteil auch Längen auf und wirkt nicht immer rund.

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Literarisches Können

In den Wäldern Wisconsins, 1962. Nelson Doughty ist im Camp Chippewa mit seiner Trompete für den Ruf zum Morgenappell verantwortlich. Der Dreizehnjährige ist gleichzeitig Außenseiter und Überflieger, denn er sammelt mit großem Ehrgeiz und Erfolg Pfadfinder-Abzeichen. Als Einziger im Sommerlager bewohnt er alleine ein Zelt - selbst sein Vater, der als Begleitung mit dabei ist, teilt es sich nicht mit ihm. Überhaupt scheint die Vater-Sohn-Beziehung von Enttäuschung und sonstiger Emotionslosigkeit geprägt, denn der Vater kann kaum mit Nelson umgehen.
Doch dann zeichnet sich wider Erwarten eine Freundschaft ab: Jonathan Quick, ein ziemlich beliebter älterer Pfadfinderjunge, nimmt sich unerwarterweise Nelsons an.
34 Jahre später leitet ein vom Vietnamkrieg geprägter Nelson das Pfadfinderlager - unter den Schützlingen ist Trevor, der Sohn seines alten Freundes Jonathan. Dieser hat sich von Trevors Mutter scheiden lassen und seinen Sohn somit zutiefst enttäuscht.
Über 20 Jahre später, 2019, kommt auch Trevors Sohn ins Camp Chippewa, allerdings begleitet ihn seine Mutter. Dass Rachel die einzige Frau unter den Pfadfindern ist, macht die Situation nicht gerade einfach. Außerdem begegnen wir Nelson wieder, der seinen letzten Sommer vor dem Ruhestand im Camp verbringt.

Zugegebenermaßen war ich nicht ganz sicher, was mich bei diesem Roman erwartet, aber alleine die Tatsache, dass es sich bei „Die Herzen der Männer“ um einen weiteren Roman des Autors von „Shotgun Lovesongs“ handelt, hat mich dazu bewogen, dieses Buch zu lesen. Zum Glück wurde ich nicht enttäuscht, denn im vorliegenden Roman zeigt Nickolas Butler erneut, dass er das Erzählen einer interessanten und bewegenden Geschichte in Perfektion beherrscht. Mit scheinbar leichter Hand erzählt er in einer unglaublich dichten Sprache, zeichnet Bilder, die mir vor meinem inneren Auge erschienen sind und mich beispielsweise die Gerüche und Geräusche des Waldes wahrnehmen ließen. Auch die emotionalen Eindrücke werden sehr detailliert eingefangen - aber all das ist niemals zu viel. Kein Satz, keine Silbe ist überflüssig.

Die Geschichte selbst ist voller zwischenmenschlicher Themen. Lügen, Ehebruch, Enttäuschung, Vertrauen, Unreife, Abhängigkeit und so weiter. Alles liegt nahe beieinander, vor allem Verzweiflung und Triumph. Die Charaktere sind allesamt glaubhaft geformt, auch wenn sie nicht gerade einen Sturm der Sympathie auslösen. Im Kern ist es die Geschichte einer ungewöhnlichen, zarten Freundschaft - aber eben auch die Geschichte von Heranwachsenden, von Hoffnung und Verlust, eine Geschichte auch von Sprachlosigkeit, die unter die Haut geht.

Fazit: Ein bemerkenswerter, berührender Roman, der das literarische Können des Autors zur Schau stellt. Chapeau!

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Die Herzen der Männer

Dreh- und Angelpunkt dieses Romans ist das Pfadfinderlager Camp Chippewa in Wisconsin zu dem jährlich eine Vielzahl von Jungen mit ihren Vätern fahren.

Im Sommer 1962 sind das u. a. auch Nelson Doughty und sein Vater. Nelson ist ein verantwortungsbewusster und fleißiger junger Mann, der es sich im Pfadfinderlager zur Aufgabe gemacht hat die Signaltrompete zu blasen und auch viele weitere Pflichten zu erledigen. Für die anderen Jungs aber ist er einer, den sie nicht dabei haben wollen, ein Opfer, einer mit dem sie ihren Schabernack treiben können. Nur Jonathan Quick scheint ein wenig wie ein Freund für Nelson zu sein.

Jahre später ist es dann Jonathan, der mit seinem Sohn Trevor das Pfadfinderlager besucht. Auf dem Weg dorthin steht auch ein Treffen mit Jonathans altem Freund Nelson auf dem Programm. Doch das gemeinsame Essen wird nicht so harmonisch wie geplant, denn Trevor kann sich mit dem was er an diesem Abend von und über seinen Vater erfährt nicht anfreunden.

Wiederum einige Jahre später, im Jahr 2019, fahren Trevors Sohn Thomas und seine Mutter Rachel in das Pfadfinderlager, das zu diesem Zeitpunkt von Nelson bereits seit vielen Jahren geleitet wird.

Der Leser begleitet somit die jungen Männer zweier Familien über mehrere Generationen und darf erfahren wie unterschiedlich die Herzen der Männer sind. Die einen erscheinen verantwortungsvoll und moralisch korrekt, die anderen sind unmoralisch und egoistisch in jeder Hinsicht. Die Geschichte an sich ist stellenweise schön, stellenweise traurig. Sie erschüttert und schont den Leser nicht.

Als Leserin haben mich “Die Herzen der Männer“ nicht wirklich erreichen können. Butler schildert diese Männer so egoistisch und selbstverliebt und in einer Art und Weise, die jede Frau wohl als abstoßend empfinden wird. Sollten alle Männerherzen so sein, dann wäre ein Leben ohne Männer sicher die bessere Wahl. Butlers Schreibstil ist dabei aber ein absoluter Pluspunkt. Er beschreibt so detailliert, so ausdrucksstark. Ob das Thema an sich dann gefällt ist eben eine andere Frage.

Copyright © 2018 by Iris Gasper

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Wann ist ein Mann ein Mann?

1962. Nelson Doughty, ein sensibler, stiller Junge mit einem ausgeprägten Sinn für Verantwortung und Gerechtigkeit, fährt wie jeden Sommer mit seinem Vater ins Pfadfinderlager, wo er als Signaltrompeter morgens zum Weckruf und abends zum Zapfenstreich bläst. Im Lager versteht er sich am allerbesten mit dem alten Lagerleiter, unter seinen Altersgenossen ist er eher der Prügelknabe, der verspottet und gedemütigt wird. Dabei wünscht er sich nichts mehr als einen echten Freund, am liebsten so einen wie den drei Jahre älteren Jonathan Quick, der sportlich, gescheit und beliebt ist, und Anerkennung durch seinen Vater, der seinen ruhigen Sohn für einen Waschlappen hält und ihn bei jeder Gelegenheit seinen Gürtel oder den Stock spüren lässt.

1996. Jonathan ist mit seinem Sohn Trevor auf dem Weg in eben jenes Camp, doch zuvor ist noch eine Zwischenstation eingeplant - ein Essen mit seinem alten Bekannten Nelson sowie eine weitere Begegnung, von der Trevor noch nichts ahnt, die er aber nie vergesen wird.

2019 ist Trevors Sohn Thomas dann derjenige, der ins Pfadfinderlager fährt, jedoch ohne väterliche Begleitung, und auch er wird dort Erfahrungen machen, die sich tief ins Gedächtnis einbrennen.

Drei Generationen von Jungen, drei Generationen von Vätern, drei Kriege, die diese Väter geprägt haben, und ein Pfadfindercamp als verbindende Klammer über die drei Abschnitte des Buches. Einfühlsam und gleichzeitig unverblümt widmet sich Nickolas Butler in seinem zweiten Roman dem Verhältnis zwischen Vätern und Söhnen, der Frage, was Männlichkeit bedeutet (oder ob es dafür überhaupt eine allgemeingültige Definition geben kann), der Unfähigkeit, empfundene Liebe auch auszudrücken und dem mangelnden Verständnis der älteren Generation für die Bedürfnisse und Emotionen der jüngeren.

Butler versteht es meisterhaft, Umgebungen, Sinneseindrücke und Stimmungen zu schildern und sich in seine halbwüchsigen Protagonisten hineinzuversetzen, die beim Erwachsenwerden nicht nur mit Problemen unter Gleichaltrigen konfrontiert werden, sondern auch die Auswirkungen der jeweiligen Vergangenheit ihrer Eltern, insbesondere der Väter, zu spüren bekommen. Gleichzeitig nimmt er mit den Perspektiven von Jonathan im zweiten Abschnitt und von Thomas' Mutter Rachel im dritten auch äußerst gekonnt zwei sehr unterschiedliche elterliche Blickwinkel ein.

Seine Figuren sind nicht immer sympathisch, aber durchweg authentisch, sicher auch ein Grund dafür, dass sie beim Leser starke Gefühle - negativ wie positiv - wecken.

Doch das Buch funktioniert nicht nur als psychologische Studie seiner Protagonisten ausgezeichnet, sondern auch als minutiöses Spiegelbild der Gesellschaft. Butler legt den Finger zielsicher in Wunden, die 1962 genauso vorhanden waren wie heute, nur vielleicht in etwas anderer Ausprägung: Machotum und daraus resultierende Auswüchse wie an Mobbing grenzendes Verhalten und Missbrauch sowohl von Macht als auch von Menschen, ein falsches Verständnis für "Männlichkeit", das Generationen von Männern hervorbringt, die ihre Gefühle unterdrücken und sich stattdessen durch markige Sprüche, Sex und Alkohol hervortun wollen, und nicht zuletzt auch die fatalen Spuren, die die Teilnahme an einem Krieg bei einem Menschen hinterlässt.

Gegen Ende trägt Butler vielleicht ein klein wenig dick auf, was den guten Gesamteindruck des Romans jedoch nicht trüben kann.

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Braveheart

Nicholas Butler - Die Herzen der Männer

Wisconsin, 1962-2019

Nelson Daughty ist 13 Jahre alt und der kleine Nerd ist der Prototyp eines unbeliebtenJungen der amerikanischen 60er Jahre:
Schmächtig, unsportlich, wissensdurstig. Eine dicke Brille und eine Pfadfinderuniform vervollkommnen das Bild des "all american Nerdboy".
Der 13. Geburtstag ist eine herbe Enttäuschung. Trotz vieler verschickter Einladungen muss er der Torte zusehen, wie sie in der Nachmittagssonne immer klebriger wird und zerläuft. Die Stimmung kippt und Nelson lässt seinen Tränen freien Lauf, gerade als sein Vater ihm eine Tracht Prügel verpassen will, kommt der 15 jährige Jonathan um die Ecke, in der Hand ein Geschenk mit Schleife. Auch im Pfadfindercamp beschützt Jonathan seinen kleinen Freund, manchmal auf sehr zweifelhafte Weise.
Der innere Schweinehund wackelt immer wieder mit den Ohren und so bringt er den sensiblen Nelson in die Bredouille. Der kleine Trompeter schläft alleine und traurig in seinem Zelt und hat genug Zeit zu nachdenken.
Hat er jemals einen Freund gehabt, einen der bedingungslos zu ihm hielt?
Alles was in diesem Camp passiert, wird maßgebend für Nelson Zukunft sein.
Camp Chippewa wird zur Wiege der einsamen Entscheidungen.
Werden hier, in der unberührten Natur die Herzen der Männer geschmiedet?
Militärische Laufbahnen, Liebesdramen, Männerfreundschaften..und was davon übrig bleibt, ein Feld aus Blut und Tränen, bis ins Jahr 2019.
Den meisten "Männerherzen" kann man mit Verständnis begegnen, es ist eigentlich nur einer dabei, der anstatt eines warmen pochenden Organs, ein schwarzes Kohlestück hat.

Liest man dieses Buch mit Verstand und Verständnis, wird es zu einem grandiosen Leseerlebnis. Tief in mir drin hege ich den leisen Verdacht, dass Nicholas Butler einen kleinen Verrat an seiner eigene Art beging und er dieses Buch als Geschenk an uns Frauen geschrieben hat. Es hat mich tief berührt.

Der Roman ist spannend, warmherzig, humorvoll, ehrlich, authentisch, grausam, raffiniert, rührend, gegensätzlich und ist durch und durch dramatisch.
Viel Gefühl, scheinbar mühelos geschrieben. Schnörkellose Leichtigkeit.
Ich bin begeistert. Absolute Kaufempfehlung!
Aber Vorsicht, das Buch dreht sie durch den Lesewolf! Allzeit Bereit!

"Manchmal tun Menschen etwas Falsches, nur aus den richtigen Gründen."

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Das Leben verläuft oft anders als erwartet

"Jede Generation ist eine Fortsetzung der andern und ist verantwortlich für ihre Taten." (Heinrich Heine)
Sommer 1962: Der 13-jährige Nelson ist der Signaltrompeter der Pfadfindertruppe auf dem Camp Chippewa in das er seinen fünften Sommer geht. Doch Nelson hat keine Freunde, weder im Camp noch zu Hause oder in der Schule. Vielleicht liegt es an seinen 27 Verdienstabzeichen, die er inzwischen verliehen bekommen hat oder aber auch nur an seiner Brille? Lediglich Jonathan Quick, einer der älteren Pfadfinder, scheint ihm etwas wohlgesonnener zu sein. Doch was soll man tun, wenn man in den Augen des eigenen Vaters eine Enttäuschung ist? Dies lässt ihn sein Vater auch immer mehr spüren, bis die Kluft zwischen ihnen immer größer wird. Als eines Tages der Vater dann seine Familie verlässt, sieht Nelson nur einen Ausweg. Sein einziger Freund Wilbur Whiteside der Leiter des Pfadfindercamps, er ermöglicht ihm eine Zukunft und ist fortan der Halt in seinem Leben.
Sommer 1996: Jonathan Quick inzwischen unglücklich verheiratet und sein Sohn Trevor sind auf dem Weg zum Camp. Eigentlich könnte er stolz sein auf Trevor, er ist wie er Pfadfinder geworden, himmelt den Leiter Nelson Doughty an und möchte ein Adler Pfadfinder werden. Doch dieses Mal wird alles anders kommen, vor dem Camp möchte Jonathan sich mit seinem früheren Freund Nelson, einer Bekannten und Trevor zu Abendessen treffen. Doch diese Begegnung wird alles verändern.
Sommer 2019: Wichtige Ereignisse haben das Leben von Rachel und Trevors Sohn Thomas überschattet. Nun sind sie trotz Thomas Widerwillen aufgebrochen zum Camp. Doch auch in diesem Jahr werden einige Ereignisse den Sommer überschatten.

Meine Meinung:
Das Buch von Nickolas Butler gehört zweifelsohne zu den großen Gegenwartsromanen. In seinem Buch geht es um Männer, Pfadfinderschaft, Loyalität, Freundschaft, Disziplin, Väter aber auch um Liebe. Ich erlebte in dieser Geschichte eine ganz eigene Art Männer, wie ich sie bisher nicht kannte. Der Roman ist eingeteilt in 3 große und 1 kleiner Abschnitt, dabei begeben wir uns auf eine Zeitreise von mehreren Jahren und 3 Generationen. Butler hat es vortrefflich hinbekommen den Zeitgeist der einzelnen Abschnitte dem Leser nahezubringen. Diese Veränderungen merkt man vor allem im Pfadfindercamp am deutlichsten. Wo am Anfang noch Disziplin und Ordnung herrscht, wird es mit den Jahren immer lockerer gehandhabt. Wir erleben aber auch Männer mit ihren Schwächen, Problemen, gezeichnet durch Kriegserlebnisse und dabei sind diese nicht immer unbedingt sympathisch. Manches hat mich erschüttert, einiges entsetzt und vieles hat mich traurig gemacht. Die Geschichte strotzt vor Liebe, Wut, Emotionen und so hatte ich an einigen Stellen Tränen in den Augen. Der Schreibstil ist sehr gut, mitunter auch ein wenig ausholend, aber nie hatte ich das Gefühl von Langeweile. Das Cover mit dem Rücken gekehrten jungen Mann passt hervorragend zum Inhalt es Buches. Trotzdem der Klapptext vorwiegend nur von Nelson berichtet, ist dieses Buch viel mehr als nur das Leben von Nelson Doughty. Auch wenn das Buch sicher vorwiegend für Männer und Jungen geschrieben wurde, könne auch Leserinnen viel von dieser Geschichte lernen und mitnehmen. Mich hat dieses Buch begeistert, sehr bewegt und ich kann es nur weiterempfehlen, darum vom mir 5 von 5 Sterne.

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Blick ins Männerherz

1962 Pfadfindercamp Chippewa/Wisconsin. Der 13-jährige Nelson Doughty ist ein ehrgeiziger und strebsamer Junge, der aufgrund seiner Intelligenz ein Außenseiter ohne Freunde allein in einem Zelt wohnt. Als Pfadfinder sammelt er recht erfolgreich Abzeichen, was ihm den Neid und die Verachtung seiner Altersgenossen einträgt. Auch für seinen Vater, der als Begleitung mit im Lager ist, ist Nelsen eine einzige Enttäuschung, so dass dieser seinem Sohn etwas mehr Aufgeschlossenheit einprügeln will¸ anstatt ihm Liebe und Verständnis entgegen zu bringen. Einzig Jonathan Quick ist Nelson in dieser Zeit so etwas wie ein Freund, der sich seiner annimmt. Die beiden bleiben all die Jahre in Kontakt. Nach 34 Jahren leitet 1996 nun Nelsen das Pfadfinderlager, nachdem er im Vietnamkrieg gedient hat und betreut unter anderem Jonathans Sohn Trevor. Während dieses Sommers lernt Trevor seinen Vater von einer ganz neuen und nicht gerade positiven Seite kennen, denn dieser verlässt seine Frau für eine Geliebte und lässt Trevor zudem an einer dauerhaften Liebe zweifeln. Im Jahr 2019 schließlich begleitet Trevors Ehefrau Rachel Sohn Thomas ins Pfadfinderlager, wo Nelsen seinen letzten Sommer vor dem Ruhestand verbringt. Dass Rachel die einzige Frau in dem Lager ist, bringt einige Probleme mit sich, die dann schnell ausufern…
Nickolas Butler hat mit seinem Buch „Die Herzen der Männer“ einen sehr fesselnden, gefühlvollen und teils sogar poetischen Roman vorgelegt, der sich hauptsächlich mit Männern beschäftigt und mit den Themen Familie, Väter, Freundschaft und Disziplin beschäftigt sowie mit dem Zusammenleben in einem sommerlichen Pfadfinderlager. Butler weiß zu berühren und gleichzeitig auch Entsetzen und Abscheu hervorzurufen aufgrund seiner schonungslos offenen Erzählweise. Die Handlung ist in drei verschiedene Jahresabschnitte unterteilt, der letzte reicht sogar bis in die nicht mehr weite Zukunft ins Jahr 2021. Nelsen Doughty ist dabei in jedem einzelnen Abschnitt vertreten, erst als Hauptprotagonist, dann eher als Nebenrolle, doch Butler schafft damit eine direkte Verbindung zu den einzelnen Jahresabschnitten, die immer eine weitere Generation von Männern im Pfadfinderlager vereint. Besonders interessant ist Butlers Können, die jeweilige Zeitzone hautnah zu treffen. So hält er sich an die entsprechenden Eigenheiten der 60er Jahre, lässt die späten 90er wiederauferstehen und lässt sogar einen Blick in die Zukunft zu. Dreh- und Angelpunkt ist dabei immer wieder das Pfadfinderlager, eine typisch-amerikanische Besonderheit, die dort regelrecht zelebriert wird.
Die Charaktere sind meisterlich ausgestaltet und mit Leben versehen worden. Aufgrund ihrer Individualität wirken sie sehr authentisch und real. Nelsen ist zu Beginn ein einsamer kleiner Junge, der die Liebe und Aufmerksamkeit seines Vaters damit erhalten möchte, in dem er besser und klüger ist als alle anderen. Leider macht ihn das zu einem Außenseiter, der zum Dank Prügel bezieht und von allen geschnitten wird. Im Verlauf der Geschichte nimmt der Leser an Nelsons Leben teil, sieht ihn älter werden und einiges Schicksalsschläge durchlaufen einschließlich seiner Zeit in Vietnam. Doch immer behält Nelsen die Tugenden Gerechtigkeitssinn, Ordnung und Disziplin bei, versucht dieses auch den Kindern im Camp immer wieder zu vermitteln. Aber je weiter die Zeit voranschreitet, umso mehr verschieben sich die Prioritäten der einzelnen Generationen. Jonathan ist zuerst ein charismatischer offener und netter Junge, der sich im Laufe der Jahre dann zu einem Zyniker entwickelt, der schonungslos seinem eigenen Sohn Illusionen raubt. Protagonisten wie Wilbur Whiteside, Clete Doughty oder Trevor Quick bereichern die Handlung ebenfalls mit ihren ganz eigenen Geschichten und Erfahrungen.
„Die Herzen der Männer“ ist ein sehr tiefgründiger und einfühlsamer Roman, der das Verhalten der Männer über Generationen beobachtet und verdeutlicht, dass einige ihre eigenen Fehler weitergeben, während andere aus Erfahrungen gelernt haben und es besser machen. Butler lässt einen Blick durchs Schlüsselloch zu, um vielleicht ein besseres Verständnis für Männer zu wecken. Ihm ist ein wunderbarer Roman gelungen, der eine absolute Leseempfehlung in jeder Beziehung verdient.

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Starke, erste Hälfte!

Nelson Daughty ist 13 Jahre alt , als er im Sommer 1962 ins Camp Chippewa der Pfadfinderbewegung, fährt. Nelson hat keine Freunde und sein Vater Cete, der als Begleitperson mitfährt, ist enttäuscht von seinem Sohn. Anders Lagerleiter und Pfadfinderführer Wilbur Whiteside, der schnell erkennt, dass Nelson ein ganz besonderer Junge ist.
Im Lager im Norden Wiscosins, wird Nelson regelmässig gemobbt. Bei einer dieser Schikanen hilft im Jonathan, ein etwas älterer Pfadfinder, aus der Patsche.
Jahre später haben Jonathan und Nelson immer noch Kontakt. Nelson war im Krieg und ist traumatisiert. Jonathan hat Karriere gemacht , verheiratet und hat einen Sohn, Trevor. Wie schon Generationen zuvor fahren auch Jonathan und Trevor ins Pfadfinderlager. Nur der Weg dahin ist für Trevor beschwerlich, lernt er doch seinen Vater unter ganz anderen Voraussetzungen kennen.

Mit diesem Gegenwartsroman ist Nikolaus Butler ein guter Wurf gelungen. Obwohl die Geschichte von Testosteron nur so trieft, habe ich mich als weibliche Leserin gut unterhalten gefühlt. Die Story zeigt wie Männer denken, fühlen, handeln…ticken ! Ab und zu werden auch einige Klischees bedient. Zu dem oben erwähnten guten Wurf beigetragen, hat ganz sicher der unvergleichliche Schreibstil Butlers. Sehr lebendig und ausdrucksstark beschreibt er Szenen so, dass man nicht anders kann als mitzufühlen. Ich denke, es gibt nicht viele Autoren die einen gebackenen Pfirsichauflauf so beschreiben können, dass man die vor Süsse triefenden Pfirsiche in dem Kuchenteig bildlich vor sich sehen kann.
Die Lageratmosphäre, die Pfadfinderbewegung, ist sehr authentisch beschrieben und hat mich gefesselt. Gerade das Thema "Mobbing" in diesem Lager hat mich emotional sehr mitgenommen. Kinder , die ausgegrenzt werden, da geht mein Herz auf und ich empfinde sehr viel Mitleid für sie. Im grössten Teil des Buches konnte Butler Emotionen bei mir wecken. Wut, Unverständnis, Schadenfreude, Mitleid…ich habe die ganze Palette durchlebt. Leider hält dies nicht bis zum Schluss an. Die Szenen, die mich emotional berührt haben, wurden weniger und weniger. Einige Passagen, die ich als langatmig empfunden habe, gab es ebenfalls in der zweiten Hälfte.
Die Charakterisierung der Figuren ist neben einem tollen Schreibstil ein weiteres grosses Plus in diesem Buch. Genial wie Butler diese mit viel Fingerspitzengefühl gezeichnet hat. Sie überzeugen durch und durch. Sind jedoch nicht überzeichnet, so dass sie lächerlich wirken. Grandios! Nelson, die Hauptfigur vom ersten Teil, wird gegen Mitte zur Nebenfigur und macht Platz für andere Hauptprotagonisten. Ich empfand das als sehr abwechslungsreich, da man ja normalerweise das ganze Buch lang mit der selben Hauptfigur verbringt. Gegen Schluss rückt sogar noch eine Frau ins Rampenlicht, was für mich nun nicht wirklich gepasst hat, in dieser Geschichte.
Die Handlung spielt über 57 Jahre . Sehr gut hat mir gefallen, wie sich die Protagonisten entwickelt haben. Als Leser konnte man verfolgen, wie sie sich angefangen als junger Pfadfinder, in einen Familienvater und später Grossvater verwandelt haben. Unvorhersehbare Entwicklungen haben mich gerade in dieser Hinsicht sehr gefesselt.

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Männer sind auch nur Menschen


2013 hat Nickolas Butler mit seinem ersten Roman „Shotgun Lovesongs“ einen unerwarteten Bestseller gelandet. Nun folgt sein zweiter Roman, der von Dorothee Merkel ins Deutsche übersetzt wurde: „Die Herzen der Männer“

Zentraler Ort der Handlung ist das Pfadfindercamp Chippewa in Wisconsin. Über 57 Jahre lang begleitet der Leser Nelson und seine Freunde.
Wir beginnen im Jahre 1962: Nelson ist gerade mal 13 Jahre alt, Außenseiter und Opfer zahlreicher Quälereien. Aber neben den Demütigungen erlebt er auch wahre Schönheit und sogar so etwas wie Freundschaft. Das Camp und die Ideale der Pfadfindergemeinschaft werden ihn ein Leben lang begleiten und prägen.
Dann der Sommer 1996 – Nelson hat bereits einen Krieg überlebt, ist mittlerweile Leiter des Camps Chippewa geworden. Für Trevor, Sohn seines Freundes Jonathan, ist er Vorbild und väterlicher Freund – und das sogar in einem Stripclub! Zahlreiche Rückblenden erlauben dem Leser ein besseres Verständnis für die Entwicklung die Nelson und seine Freunde erlebten.
Am Ende dann 2019: die nahe Zukunft. Thomas (Trevors Sohn) und seine Mutter Rachel sind im Camp und werden mit Sexismus, Machos und perfider Gewalt konfrontiert.

Butler erzählt uns nicht nur die Geschichte von einzelnen Männern – er erzählt von zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen, die im Laufe von Jahrzehnten Traditionen und Normen in Frage stellen, das gesellschaftliche Miteinander verändern und somit für jeden einzelnen zur Herausforderung werden. Er erzählt von Männern und Machos, von Loyalität und Idealen, Vorbildern und Freundschaft aber auch von Kriegen, Wünschen, Illusionen und zerstörten Träumen, von gebrochenen Herzen eben. Er beschränkt sich nicht auf Stereotypien oder Klischees, sondern zeichnet ein vielschichtiges, feinfühliges Bild von Männern. Manchmal zum Lachen, manchmal fürchterlich traurig! Männer sind halt auch nur Menschen!
Sein Schreibstil zeichnet sich durch ruhige Lebendigkeit und Klarheit aus. Er schafft es, mit wenigen Worten den Leser zu fesseln und in sein Universum zu ziehen. Die Hauptpersonen werden liebevoll und trotzdem komplex charakterisiert. Vielleicht ist es gerade die psychologisch sensible Schilderung der menschlichen Ambivalenz, die diese Geschichte so berührend werden lässt.
Fazit: Große Erzählkunst, mit vielen philosophischen Denkanstößen! Lesenswert!

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