Nina George: Die Schönheit der Nacht

Nina George: Die Schönheit der Nacht

 
4.3
 
4.1 (3)
521   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Nina George: Die Schönheit der Nacht
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426654064

Informationen zum Buch

Seiten
256

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Es gab sie, diese aus einem unbekannten Nichts emporschnellende, die Seele mit fester Hand packende Sehnsucht, sich einfach fallen zu lassen und in der Tiefe des Meeres zu versinken.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Die angesehene Pariser Verhaltensbiologin Claire sehnt sich immer rastloser danach, zu spüren, dass sie lebt und nicht nur funktioniert. Die junge Julie wartet auf etwas, das sie innerlich in Brand steckt – auf des Lebens Rausch, auf Farben, Mut und Leidenschaft. In der glühenden Sommerhitze der Bretagne, am Ende der Welt, entdecken die beiden unterschiedlichen Frauen Lebenslust und Leidenschaft neu – und werden danach nie wieder dieselben sein.

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (1)
Charaktere 
 
4.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Wer bin ich - wer will ich sein?

Inhalt:
Claire Cousteau ist Mitte vierzig, angesehene Verhaltensbiologin, Ehefrau eines mal mehr, mal weniger erfolgreichen Musikers und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Claire musste zeitlebens funktionieren, und das beherrscht sie auch gut - aber glücklich ist sie nicht. Wie jeden Sommer verbringt die Familie die Ferien in der Bretagne. Doch diesmal ist Julie dabei, die Freundin von Claires Sohn Nicolas. Zwischen den beiden Frauen entsteht schon bald eine tiefe Verbindung. Beide sind auf der Suche nach sich selbst.

Meine Meinung:
Herausragend ist schon der wunderbar poetische Schreibstil von Nina George, mit dem sie so viele Gefühle ausdrücken und zur Leserin (ja, der Roman ist eher für Frauen als für Männer geeignet) transportieren kann. Oft liegt ein Hauch von Melancholie über dem Erzählten. Die Handlung ist auf ein Mindestmaß reduziert, es passiert eigentlich nicht allzu viel und doch stürzen Welten ein. Lange Zeit unterdrückte Gefühle brechen durch eine verkrustete oder versteinerte Oberfläche und verändern alles.

Als Verhaltensbiologin kennt Claire sich natürlich sehr gut mit Mimik und Gestik aus. So analysiert sie immer wieder ihr Gegenüber. Ich fand das größtenteils sehr interessant, wenngleich der wissenschaftliche Charakter manchmal etwas überhand nimmt.

Nebenbei betätigt sich der Roman auch ein wenig als Reiseführer durch die Bretagne. Die Beschreibungen machen große Lust, sofort die Koffer zu packen und die Gegend dort zu erkunden. Das Meer hat seine eigene Kraft, die es auch auf uns Menschen überträgt, die dafür sorgt, dass Dinge sich entwickeln können.

Fazit:
„Die Schönheit der Nacht“ ist ein sanfter und doch gewaltiger Roman, der frau nachdenklich macht und noch lange nachwirkt. Er ist unterhaltsam und trotzdem fordernd.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

3 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.1
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.3  (3)
Charaktere 
 
4.0  (3)
Sprache & Stil 
 
5.0  (3)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Der Sommer der Veränderung

Ich hatte bisher noch kein Buch von Nina George gelesen und muss sagen, dass ich von der poetischen Sprache begeistert bin.
Die Pariser Verhaltensbiologin Claire spürt eine zunehmende Unzufriedenheit mit ihrem Leben. Sie ist mit Gilles verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn namens Nicolas. Doch Claire fehlt etwas, das sie selbst nicht genau benennen kann, obwohl sie von Berufs wegen die Fachfrau ist. Gilles und sie versuchen Abstand zu wahren und beide sind nicht glücklich mit der Situation. Dann bringt Nicolas seine Freundin Julie mit und es wird etwas in Bewegung gesetzt, dessen Folgen nicht abzusehen sind. Sie beschließen, gemeinsam den Sommer in Claires Haus an der bretonischen Küste zu verbringen.
Julie ist jung und hat ihren Weg im Leben noch nicht gefunden. Sie wünscht sich, auf der Bühne zu stehen und zu singen und hat doch nicht den Mut dazu. Als sie Claire begegnet, ist sie fasziniert von dieser interessanten und selbstbewussten Frau. Wie könnte sie auch ahnen, dass Claire sich in Wirklichkeit verloren hat.
Zwischendurch erfahren wir immer mehr von Claires Leben, die schon als Kind große Verantwortung in ihrer Familie übernommen hat. Später dann wurde sie viel zu früh Mutter und hat sich selbst nicht entdecken können. Gilles ist Komponist und Claire sorgt mit ihrem sicheren Einkommen dafür, dass es an nichts mangelt. Sie hat also immer funktioniert und ihre Sehnsüchte nicht hochkommen lassen.
Dieser Sommer verändert das Leben dieser Personen. Das Meer hilft dabei, zu ergründen, was man wirklich vom Leben will. Claire und Julie kommen sich näher und entwickeln Gefühle füreinander.
Eine sehr sinnliche Geschichte über Sehnsüchte und das Sich-Finden, die nachdenklich stimmt.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

"Wie oft verlieren wir jemanden ohne Vorwarnung." S. 12

Claire, eine Frau Mitte vierzig, hat es geschafft: als Kind befand sie sich in einer ausweglos scheinenden Situation, nun als gestandene Frau kann sie auf eine berufliche Karriere als Professorin, eine langjährige Ehe, einen wohlgeratenen Sonn und einen gewissen materiellen Wohlstand schauen. Doch um Erfüllung zu finden, fehlt ihr einiges. Bildreiche Sprache, ungeahnte Leidenschaften. Und immer wieder das Meer...

Ein alltäglicher Moment wird zur Kostbarkeit, gestohlene Momente, ein flüchtiges Abenteuer. Ist es für Claire, gestandene Professorin mit geregeltem Alltag und festem Einkommen, nur eine Flucht aus dem Alltag? Werden im Zimmer Nummer 32, Claires kurzfristigem Aufenthaltsort, einschneidende Entscheidungen getroffen?

Wie jedes Jahr verbringt sie mit Ehemann Gilles und Sohn Nico den Sommer am Meer, doch diesmal gibt es einen weiteren Gast: Julie, Nicos Freundin. Dass Claire sie bereits aus einem anderen Zusammenhang kennt, wissen die anderen nicht.

Wie oft verlieren wir jemanden ohne Vorwarnung." (S. 12) Ein zentraler Satz, der sich nicht nur auf Menschen bezieht, nein, auch auf langjährige Verbindungen zur Vergangenheit unterschiedlicher Art. Aber es kommt auch etwas dazu: Personen, Erfahrungen, Eindrücke. Geheimnisse, die verwirren, die jedoch auch weiterführen. Verwirrende Erkenntnisse über sich selbst und andere. Ein Roman wie das Leben.

Nina George punktet durch bildreiche und elegante Sprache. Mal kühl, dann wieder brodelnd, so führt sie uns durch Claires Alltag, vor allem jedoch durch ihre Sinneswelt. Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle - das sind die Elemente, die diesen Roman tragen. Und immer wieder das Meer: für Claire ist es Ruhepol, Think Tank, Zuhause gleichermaßen. Und der einzige Ort, an dem sie sich wiederfinden kann, wenn sie sich - ohne Vorwarnung, versteht sich - selbst verloren hat.

Ein besonderer Roman, der durch seine kraftvolle und poetische Sprache berührt. Der mich aber auch durch die Dringlichkeit, die Vehemenz, mit der extreme Gefühle zugelassen werden und zur Sprache kommen, gefühlt und gelebt werden, durchaus verwirrt hat. Nina George entführt den Leser in eine Welt, in der die geheimsten Empfindungen einen (Lebens)raum erhalten.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Eine Geschichte vom Werden, vom Versteinern und vom Aufbrechen

Nina George gehört zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern und ihr Roman "Das Lavendelzimmer" wird immer eines meiner Lieblingsromane von ihr bleiben. Beim vorliegenden neuen Roman "Die Schönheit der Nacht" hatte ich jedoch andere Erwartungen, auch wenn mir der wirklich sehr schöne, präzise und intensive Schreibstil der Autorin nach wie vor sehr zusagt, konnte ich mich kaum mit der Hauptprotagonistin Claire identifizieren (Frauenleben und -gefühle sind nunmal sehr differenziert ;)


"Die angesehene Pariser Verhaltensbiologin Claire sehnt sich immer rastloser danach, zu spüren, dass sie lebt und nicht nur funktioniert. Die junge Julie wartet auf etwas, das sie innerlich in Brand steckt - auf des Lebens Rausch, auf Farben, Mut und Leidenschaft. In der Sommerhitze der Bretagne entdecken die beiden unterschiedlichen Frauen, welche Geheimnisse sie so sorgfältig vor sich selbst gehütet haben. Und was sie wagen müssen, um die zu werden, die sie sein können." (Quelle: Buchrückentext)

Meine Meinung:

Dr. Stephénie Claire Cousteau (44) Verhaltensbiologin in Paris, ist mit Gilles verheiratet, einem zuweilen erfolgreichen und oft auch erfolglosen Komponisten. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, Nicolas (22) und sind seither jeden Sommer acht Wochen gemeinsam in die Bretagne gefahren, um dort der Hitze von Paris zu entfliehen. So auch diesen Sommer, in dem erstmals Julie, die derzeitige Freundin des Sohnes auf Einladung von Gilles mitfährt, da angenommen wird, dass sie ohnehin bald zur Familie gehören wird... Zu dieser Zeit ahnt noch niemand, wie sehr dieser letzte Familienausflug nach Trévignon alles verändern wird...

Der Roman greift zeitlich zurück in die ersten Jahre der Ehe und ich folgerte, dass Claire, die ihren Sohn mit 22 Jahren bekam, noch nicht bereit war für ein Kind, Gilles jedoch ohne Probleme in die Rolle als Vater hineinwuchs und ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Sohn aufbaute. Claire war das finanzielle Rückgrat der Familie und sorgte mit ihrem Professorengehalt für Stabilität; die Familie lebt in einem teuren Stadtteil von Paris und gehört zur oberen sozialen Schicht. Jedoch wird im Romanverlauf klar, dass sich Risse auftun in der Beziehung zwischen Claire und Gilles - Risse, über die niemals gesprochen wird. Claire gilt im Institut als die Unterkühlte und bis zur Mitte des Buches wirkte sie auch so auf mich: Sezierend und das Verhalten ihrer Mitmenschen stets wissenschaftlich betrachtend. Dabei war sie als 11jährige ein Mädchen, das Seesterne in den Augen hatte: Mit der Geschichte ihrer Familie, auch ihrer Halbgeschwister Ludo und Anaelle, entwickelt man jedoch ein anderes Bild von ihr: Als Jüngste verhalf sie den 3 Geschwistern, dass Jeanne, die leibliche Großmutter von ihr, sie mitnahm in die Bretagne, wo sie gemeinsam aufwuchsen konnten: Jeanne de Lu ist eine sehr starke Persönlichkeit, selbstbestimmt und freie Schriftstellerin, die Claire alles Wichtige mit auf ihren Lebensweg gibt. Besonders Ludovic brachte mich beim Familientreffen am 14. Juli durch seine trockene Bemerkung zum Lachen, solche Szenen hätte ich mir mehr gewünscht!
Mit Julie, einem klugen, aber mit 19 Jahren noch recht unsicheren jungen Mädchen, das mit Nico liiert ist, beginnen beide Frauen, die "Gewordene" und die "Werdende", sich zu verändern, was Auswirkungen auf die ganze Familie haben wird.

Die Handlung, die im Finistère verortet ist, das wundervoll und atmosphärisch von Nina George (die zeitweise dort lebt) beschrieben wird, ist stilistisch teils melancholisch, teils poetisch, auch sezierend und von einer großen Sprachkraft und -freudigkeit gekennzeichnet, dem eleganten Markenzeichen der Autorin, die einen präzisen und gefühlvoll-intensiven Sprachgebrauch ihr eigen nennt.

Claire bleibt mir jedoch über weite Strecken in ihrer Verzweiflung, sich mit Männern einzulassen, über vieles hinwegzusehen, nichts auszusprechen, fremd. Sie wird mir ab da sympathischer, als Julie "Schwimmversuche" macht und Claires Persönlichkeit für mich weichere Konturen annimmt: Sie nähert sich damit auch ihrem alter ego, wie es scheint. Eine große Rolle spielt auch ein "Talisstein", den Claire als 11Jährige fand und der sie seither begleitet - er steht für die Versteinerungen, die sie im Laufe ihres Lebens zulässt und die sie nun aufzubrechen versucht.
Der aussagekräftigste, emanzipatorischste Satz im Roman, der mir sehr gefiel, war (Zitat Jeanne de Lu, der Großmutter):

"Weder deine Zukunft noch deine Vergangenheit liegen fest. Du kannst immer wieder aus dir selbst heraus neu entstehen". (S.163)

Mit dem Sturm, der sich über dem Meer ankündigt, kommt es zum Eklat: Alle reisen nach dem gemeinsam gefeierten Nationalfeiertag des 14. Juli ab - nur eine Person kehrt zurück. Das Romanende ist ebenfalls sehr ausdrucksstark und steht für das uneingeschränkte, uneingeschränkte WERDEN einer Frau und für ihre (innere) Freiheit, dieses ICH-WERDEN voraussetzt.

Fazit:

Sinnlich, poetisch, atmosphärisch, zeitweise melancholisch: Ein Roman , der eine Hommage an die Selbstentfaltung der Frau, aber auch an die zauberhafte Bretagne und das Meer als Symbol der inneren Freiheit ist.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue