Rasha Khayat: Weil wir längst woanders sind

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Rasha Khayat: Weil wir längst woanders sind
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783832198145

Informationen zum Buch

Seiten
192

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

Stadt
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Wie soll man ankommen, wenn man längst woanders ist?

Layla und Basil waren immer eine untrennbare Einheit, Geschwister, die zusammengehören, zwischen die nichts kommt. Bis Layla eine Entscheidung trifft, die alles verändert und die niemand versteht: Sie beschließt zu heiraten. Einen Mann in der alten Heimat, Saudi-Arabien. Keine Entscheidung aus Liebe, sondern aus Prinzip.
›Weil wir längst woanders sind‹ erzählt die Geschichte von Basils Reise nach Jeddah zur Hochzeit seiner Schwester. Er möchte ein letztes Mal die alte Nähe spüren. Zugleich führt ihn sein Besuch mitten hinein in die eigene Vergangenheit: in den liebevoll-skurrilen Kosmos der saudischen Verwandtschaft, die in seinem »deutschen Leben« nie anwesend war und doch immer da in der Erinnerung. Was treibt Layla – eine nicht religiöse, freiheitsliebende junge Frau – dazu, sich für ein Land zu entscheiden, in dem Frauen alles andere als frei sind? Wie soll man umgehen mit einem Gefühl von Fremdheit, das unauflösbar scheint? Rasha Khayat stellt schmerzhafte Fragen. Und sie findet Antworten, die ebenso irritieren wie im Innersten berühren.

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Weil wir längst woanders sind

"Irgendwo muss man ja mal reinpassen, ohne sich so wahnsinnig anzustrengen."

Leyla und Basil sind seit ihrer Kindheit unzertrennlich. Als Kinder eines Saudi-Arabischen Vaters und einer Deutschen Mutter sind sie nach dem gemeinsamen Umzug der Familie von Saudi-Arabien nach Deutschland und einem Schicksalsschlag stark aufeinander angewiesen, leben auch als Erwachsene noch gemeinsam in einer WG. Umso unverständlicher ist es für Basil, als Leyla plötzlich ihr Leben in Deutschland hinter sich lässt, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln macht und in der alten Heimat heiraten will. Basil, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, reist mit gemischten Gefühlen zur Hochzeit seiner Schwester.

Rasha Khayat schafft es, in starken und intensiven Bildern die Geschichte von Leyla und ihrer Familie zu erzählen. In kurzen Kapiteln springt sie mit den Lesern von Kindheitserinnerungen über Rückblenden auf das Leben der Eltern hin zu den aktuellen Geschehnissen. Aus diesem Flickenteppich an Bildern und Erinnerungen ergibt sich schließlich ein faszinierendes Gesamtbild. Die Geschichte lebt für mich von ihrer Kürze. Rasha Khayat hält sich nicht mit langen Erklärungen auf und auch das Ende bleibt relativ offen. Ob Leyla schließlich mit ihrer Entscheidung glücklich wird, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Da ich mich schon länger für die arabische Welt interessiere, fand ich natürlich die Hochzeitstraditionen und die Familien- und Geschlechterrollen sehr spannend. Manche Vorurteile von Basil und uns Lesern werden zwar bestätigt, andererseits ist einiges sehr viel westlicher und moderner, als wir erwarten würden. Auch die Zerrissenheit von Leyla, die aus ihren zwei Heimatländern und dem Gefühl, nirgends richtig zuhause zu sein, resultiert, fand ich spannend dargestellt.

Insgesamt hat mich hat mich Rasha Khayats Debutroman aufgrund der starken Sprache, der spannenden Geschichte und der authentischen Figuren überzeugt und ich würde mich freuen, bald mehr von ihr zu lesen.

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Interessanter Inhalt, jedoch zu bruchstückhaft und es bleiben zu viele Fragen offen

Layla und Basil sind in Saudi-Arabien geboren, ihre Mutter eine Deutsche und als Kinder gemeinsam mit den Eltern zurück nach Deutschland gekommen. Als Erwachsene beschließt Layla zurück nach Saudi-Arabien zur Familie des Vaters zu gehen und auch dort zu heiraten. Basil versteht seine Schwester nicht und reist zu ihrer Hochzeit in der Hoffnung einige Antworten auf seine Fragen zu bekommen.

Das Buch wird entgegen meiner Erwartungen komplett in der Ich-Perspektive von Basil erzählt und so seltsam diese Sicht für mich zu Beginn war, so lässt sie auch viele Fragen, die sich mir gestellt haben, unbeantwortet zurück. Als Leser erfährt man in Fragmenten Auszüge aus der Familiengeschichte von Basil und Layla, kurze Einblicke aus ihrer Kindheit und in kurzen Gesprächen Hinweise auf die Gründe von Layla's Entscheidung und den zum Teil vorhandenen Problemen innerhalb der Familie. Aber alles bleibt bruchstückhaft und unvollständig und am Ende blieb ich mit vielen offenen Fragen und ungelösten Themen zurück.

Schön gefällt mir, dass hier kein Roman vorgelegt wurde, der in die Richtung "Nicht ohne meine Tochter" und ähnlicher Bücher geht, sondern fast schon rein objektiv die verschiedenen Kulturen beleuchtet und überall die guten und die schlechten Seiten zeigt. Dabei hat mich der Roman auch zum Nachdenken darüber angeregt, wie wir aus dem "Westen" zum Teil auf andere Kulturen blicken und wir die Menschen behandeln. Das finde ich sehr gut an diesem Buch. Jedoch hätte ich mir auch hier sogar noch mehr Inhalte und mehr Details gewünscht und nicht immer nur dieses Kratzen an der Oberfläche.

Alles in allem ist damit dieses kleine Buch sehr gut umschrieben: Es hat einen guten Ansatz und stellt gut die schönen und unschönen Seiten der verschiedenen Kulturen dar. Jedoch bleibt es dabei meist zu stark bruchstückhaft, liefert nur kurze Einblicke und lässt mich als Leser "hungrig" nach mehr Tiefe und Details zurück. Ein paar Seiten mehr hätten dem Buch auf keinen Fall geschadet.

Dafür vergebe ich insgesamt drei Sterne.

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... nur eine Laune?

Basil und Leyla sind vor 20 Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland gezogen. Die Eltern, eine deutsche Krankenschwester und ein arabischer Arzt, wohnt bisdahin mit ihren Kindern in Jeddah, Saudi-Arabien. Kurze Zeit später verstarb der Vater und die Kinder blieben zusammen mit ihrer Mutter in Deutschland bei den Großeltern.

Leyla bricht ihrer Buchhändlerausbildung ab und begibt sich auf eine Weltreise, die bei den Verwandten in Jeddah endet. Denn dort lernt sie Rami kennen, den sie heiraten möchte und sich damit für ein Leben in Saudi-Arabien entscheidet. Ihre Mutter ist vor den Kopf geschlagen und verweigert eine Teilnahme an der Hochzeit. Ihr Bruder Basil hingegen beschließt dabei zu sein, auch um seine Fragen von ihr beantwortet zu bekommen. Um zu verstehen, was seine Schwester veranlasst hat ihr bisher so freies Leben gegen die einschränkende Lebensweise arabischer Frauen einzutauschen.

Aber Leyla scheint dort etwas gefunden zu haben, dass ihr das Leben und die Familie in Deutschland nicht geben kann. Sie ist glücklich.



An Basils Seite, dem Ich-Erzähler, reisen wir als Leser nach Jeddah. Erleben den so herzlichen Empfang der Großfamilie. Trotz seiner langen Abwesenheit wird er aufgenommen, als wäre er ständig in Verbindung mit ihnen. Er frischt seine Kindheitserinnerungen auf, sieht die Veränderungen in den Städten und die gleichgebliebene Lebensweise, von der er sich nicht vorstellen kann, warum seine freiheitsliebende Schwester sich dort wohlfühlt, ja sogar den Rest ihres Lebens dort verbringen möchte.

Da das Buch aus Sicht Basils geschrieben ist, der uns Zutritt zur Männerwelt verschafft, kommt die weibliche Sichtweise etwas zu kurz. Zwar erklärt Layla ihren Bruder was sie dazu veranlasst hat, dieses Leben zu wählen, allerdings nimmt dies nur einen recht kleinen Teil der Geschichte ein. Die Herzlichkeit und das Angenommenwerden ihrer arabischen Familie giben ihr Halt, machen sie glücklich. Verständlich, da in kurzen Abschnitten aus dem Leben der Eltern, speziell der Mutter geschildert wird, wie verloren sie sich nach dem Tod des Vaters fühlten. Mit einer Mutter, die über den Verlust des Mannes nicht hinwegkommt und der überschwängliche Gefühle eher fremd sind.

Rasha Khayat beschreibt beide Lebensweisen ohne eine Wertung. Sowohl die Vor- als auch die Nachteile werden angerissen. Und hier liegt mein größter Kritikpunkt. Es geht nicht sehr in die Tiefe, wie ich mir das erhofft hatte. Basil, Leyla, ihre Mutter - alle blieben mir bis zum Schluss fremd. Man hat sie kennengelernt, aber es war nur eine flüchtige Begegnung.

An Basil und Leyla sollte zum Ausdruck kommen mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit mulitkulturellen Hintergrund im Alltag leben. Welche wiederkehrenden Fragen ihnen beispielsweise ihr Anderssein stets vor Augen führen. Stellvertretend für viele zu stehen, dabei ist ihre Individualität untergegangen, habe ich den Eindruck. Sie sind mir so fremd wie zu Beginn des Buches.

Ebenso bleiben am Ende viele Fragen offen. Warum verweigerte die Mutter eine Teilnahme an der Hochzeit? Basils Beziehungsproblem werden angeschnitten, aber nicht erklärt. Wie verlief die Kindheit der beiden, ihr Aufwachsen in Deutschland? Gab es nie Kontakt zur Familie väterlicherseits? Wie sieht Laylas zukünftiges Leben in Arabien aus? Hier haben wir nur die kurzen Bemerkungen Basils dazu. Und wenn man liest, womit die Männer sich die Zeit vertreiben, welche Einschränkungen auch Basil hinnehmen müsste, würde er dort bleiben, dann hätte ich mir gewünscht mehr von seinen Beweggründen zu erfahren, sich für das Gegenteil zu entscheiden.

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Interessant und vielschichtig

Layla stößt ihre Familie mit ihren Hochzeitsplänen vor den Kopf. Aufgewachsen in Deutschland konfrontiert sie ihre Angehörigen mit ihrer Entscheidung, einen Mann in Saudi Arabien zu heiraten und auch dort mit ihm zu leben. Ihre Mutter Barbara weigert sich, an der Hochzeit teilzunehmen und auch ihr Bruder Basil kann sich nicht mit ihr freuen. Was hat Layla zu diesem Entschluss getrieben?

Auf knapp 190 Seiten geht Rasha Khayat dieser Frage nach. Wieso gibt eine junge Frau ihre Freiheit und das Recht selbst Entscheidungen zu treffen freiwillig auf? Wieso will sie in einem Land leben, in dem Frauen nur mit der Erlaubnis ihrer Ehemänner arbeiten dürfen und sich Männer wie Frauen vor der Religionspolizei in Acht nehmen müssen? Die Antwort ist wie so vieles im Leben nicht einfach, sondern komplex und vielschichtig.

Der Leser begibt sich mit Laylas älterem Bruder auf Spurensuche. In klarer, nüchterner Sprache erzählt er seine Reise zu den eigenen Wurzeln. Nur in den seltenen Fällen, in den Layla selbst zur Sprache kommt, wird der Ton leidenschaftlich, zeigt das Temperament, das in ihr schlummert und das in Deutschland zu verkümmern drohte. "Natürlich hat man (...) mehr Möglichkeiten (...) vor allem als Frau. Aber was bringt mir das denn, wenn die Freude darüber fehlt bei den Menschen? Wenn sie stumm und kalt bleiben trotz all ihrer Freiheiten (...)?" sagt sie auf Seite 118 zu ihrem Bruder.

Die Autorin präsentiert die Vor- und Nachteile beider Kulturen. Sie zeigt auf, wie schwierig es für all jene sein kann, die mit je einem Bein in zwei so gegensätzlichen Welten irgendwie und doch nicht ganz beheimatet sind. Natürlich kann sie bei der geringen Seitenanzahl nicht weit in die Tiefe gehen. Das braucht sie auch nicht. Das Buch regt zum Nachdenken und zum kritischen Hinterfragen der eigenen Einstellung an. Vieles bleibt am Ende offen, vieles kann man zwischen den Zeilen lesen. Die Frage, ob Layla die richtige Entscheidung getroffen hat oder sich in einen goldenen Käfig geflüchtet hat, muss jeder für sich selbst beantworten. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass das, was für einen selbst richtig wäre, nicht unbedingt für einen anderen gelten muss, um am Ende des Tages eine zufriedene Lebensbilanz zu ziehen.

Fazit: Eine starke Erzählung, die länger nachhallt

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Rückkehr nach Saudi-Arabien

Leyla und Basil sind die Kinder einer deutschen Krankenschwester und eines saudischen Arztes.Sie wurden in Deutschland geboren, verbrachten dann einige Jahre ihrer Kindheit in Saudi-Arabien und sind schließlich in Deutschland aufgewachsen. Kurz nach ihrer Rückkehr nach Deutschland verstarb der Vater. Basil und Leyla verbrachten viel Zeit ihrer Kindheit bei den Großeltern. Barbara, die Mutter der beiden, musste arbeiten, der Tod ihres Mannes hat sie verbittert und traurig zurückgelassen.

Während Basil ziellos vor sich hinlebt, fasst Leyla plötzlich den Entschluss, in Saudi-Arabien zu heiraten und ihr Leben dort zu verbringen. Basil und Barbara verstehen das Ganze nicht und während Barbara sich schlicht weigert, an der Hochzeit ihrer Tochter teilzunehmen, reist Basil zur Hochzeitsfeier.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Basil beschrieben. Obwohl man viele Dinge erfährt, hätten mich auch interessiert, was Leyla insgeheim denkt.

Basil kann nicht verstehen, warum Leyla ein Leben, das die Entfaltungsmöglichkeiten der Frauen so sehr einschränkt, einem Leben in Deutschland vorzieht. Leyla will einen Mann heiraten, den sie erst relativ kurze Zeit kennt. Sie lebt jetzt in einem Familienverband, der ihr Geborgenheit vermittelt. Umgeben von Familienangehörigen ist sie jetzt glücklich.

Die Autorin beschreibt das Leben in Saudi-Arabien, ohne dabei wertend zu sein. Das Thema ist sehr interessant und wird auch gut umgesetzt. Man erfährt als Leser viel über den Alltag in einer saudischen Familie, die Riten und auch über die Besonderheiten einer Hochzeitsfeier. Leider fehlen mir zu viele Informationen, die den Roman insgesamt abgerundet hätten.
Ich hätte zum Beispiel gerne mehr über Barbara, die Mutter von Leyla und Basil erfahren. Söhnt sie sich mit ihrer Tochter aus, haben die beiden noch Kontakt. Was wird mit Basil, der bisher eher durch sein Leben getrieben ist, ohne festen Plan. Liebt Leyla ihren Mann?

Auch wenn die Autorin nur einen kleinen Abriss hinsichtlich der Verschiedenheit der Kulturen geben wollte, ist dieser trotzdem zu kurz geraten. Insgesamt ein interessantes Buch, dem einige Seiten mehr, gut getan hätten.

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