Imre Kertész: Roman eines Schicksalslosen

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Imre Kertész: Roman eines Schicksalslosen
Verlag
ET (D)
1999
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Sorstalanság
ET (Original)
1975
ISBN-13
9783499225765

Informationen zum Buch

Seiten
286

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Handlungsort

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Nichts ist so unmöglich, daß man es nicht auf ganz natürliche Weise durchleben würde, und auf meinem Weg, das weiß ich schon jetzt, lauert, wie eine unvermeidliche Falle, das Glück auf mich. Denn sogar dort, bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas, daß dem Glück ähnlich war. Alle fragen mich immer nur nach Übeln, den "Greueln": obgleich für mich vielleicht gerade diese Erfahrung die denkwürdigste ist. Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. Wenn sie überhaupt fragen. Und wenn ich es nicht selbst vergesse."

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Im Frühjahr 1944 erlebt der Junge Gyurka wie sein Vater zum Arbeitsdienst abkommandiert wird und damit verschwindet. Aber auch er selbst hat mit der Arbeit in einer Fabrik nur einen Aufschub gewonnen, bis er einem Transport zugeteilt wird. Er kommt zunächst nach Auschwitz, wo er die Ermordung der Häftlinge zumindest soweit in Ansätzen sieht, daß er sich den Rest dazu denken kann. Er wird aber durch weitere Lager geschickt und entwickelt dabei sogar eine gewisse Routine des Überlebens und versucht, wenn auch nicht unbedingt bewußt, so lange wie möglich der Entmenschlichung seines Daseins entgegenzuwirken. Er hat das Glück, in Buchenwald befreit zu werden und kehrt nach Budapest zurück, aber ist es auch ein "zu Hause", wohin er zurückkommt?

In der Kurzbeschreibung zum Buch heißt es auf einer der vordersten Seiten:

"Was macht diesen Roman über Auschwitz und Buchenwald so anstößig? Ist es der unschuldige und optimistische Ton des jüdischen Jungen, der seine Deportation als Aufbruch ins Unbekannte und die Ankunft in Auschwitz als groteskes Spektakel erzählt? Liegt die Blasphemie darin, daß er so bereitwillig die Logik der Lager erprobt – ein gelehriger Schüler, der seine Sache möglichst gut machen will? Oder sind es die schockierenden Antworten auf die Fragen eines wohlmeinenden Journalisten, den er auf der Straße in Budapest trifft, kaum daß er aus Buchenwald zurückgekehrt ist?"

Ich bin nicht sicher, ob "anstößig" das Adjektiv ist, das ich hier verwenden würde, obwohl mir kein besseres einfällt. Angesichts dessen wie auch ich durch Familie, Schule, Medien etc. im Hinblick auf den Holocaust geeicht wurde, konnte ich mich an manchen Stellen schon kaum des Gefühls erwehren, schockiert zu sein – schockiert gerade eben über die Harmlosigkeit oder, wie es oben heißt, Unschuld des Erzählers.

Sicher bezieht der Roman seine Wirkung aus mindestens den drei in den Fragen genannten Aspekten. Die konsequente Beibehaltung der gewählten Perspektive, die eine gewisse Naivität ausstrahlt, entmystifiziert (wie es auf der Buchrückseite heißt) nicht nur, sondern wandelt den Schrecken, der es für viele bzw. die meisten Insassen sicher war, fast in eine Groteske, an der der Erzähler eben nur selber als Darsteller beteiligt ist. Ich bezweifle ein wenig, daß jemand, der ein KZ als älterer Mensch oder über eine längere Zeit als der Erzähler erlebt hat, diese Wahrnehmungen so teilen kann. Bemerkenswert ist aber trotzdem, daß Kertész sich in Lage fühlte, einen Roman über dieses Thema zu schreiben ohne eine klagende Opferperspektive einzunehmen. Der Wirkung tat dies, jedenfalls bei mir, keinen Abbruch – eher im Gegenteil. Einen minimalen Abzug würde ich für den Beginn vornehmen, bei dem ich immer noch das Gefühl habe, daß Stil und Reflexionsgrad nicht ganz mit dem Alter des Erzählers zusammenpassen, aber das kann sich hier keinesfalls im Abzug einer ganzen Leseratte niederschlagen.

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