Rose Tremain: Und damit fing es an

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Rose Tremain: Und damit fing es an
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Gustav Sonata
ET (Original)
2016
ISBN-13
9783458176848

Informationen zum Buch

Seiten
333

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Mit fünf Jahren wusste Gustav Perle nur eines sicher: Er liebte seine Mutter.

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Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Umso härter trifft es ihn, als Anton – beide sind längst erwachsen – Matzlingen verlässt, weil er seine große Chance als Pianist wittert. Gustav widmet sich seinem Hotel Perle, das er inzwischen mit Erfolg führt – doch er ist einsam und verspürt eine große Leere in seinem Leben. Bis Anton, gescheitert, zurückkehrt – und beide erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.

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Wunderbar gezeichnete Figuren

Gustav Perle ist ein stiller Junge. Er wächst bei seiner Mutter Emilie auf, der Vater ist bereits kurz nach seiner Geburt gestorben, die Umstände sind für den Jungen lange nicht klar. Seine Mutter ist keine liebevolle Frau und ihr Verhältnis zu ihrem Sohn recht unterkühlt und distanziert. Sich in jeder Lebenslage zu beherrschen, ist ihr sehr wichtig und das vermittelt sie auch ihrem Sohn.

So wächst Gustav zwar nicht direkt unglücklich, aber auch eher freudlos auf. In der Vorschule trifft er dann eines Tages auf Anton, den Sohn wohlhabender jüdischer Eltern. Die beiden Jungen freunden sich an und Gustav verbringt viel Zeit bei und mit Antons Familie. Anton ist ein musikalisches Wunderkind und seine Eltern setzen große Hoffnungen in seine Zukunft als Konzertpianist. Durch sie erhält Gustav Einblicke in eine ganz andere Welt, aber auch immer wieder Dämpfer, wenn ihm deutlich gemacht wird, dass seine Familie eben nur aus Emilie und ihm besteht und sie ein gänzlich anderes Leben führen.

Nach und nach erfährt man als Leser in Rückblenden, warum Emilie ist, wie sie ist und wie es dazu gekommen ist. Auch Gustavs verstorbenen Vater Erich lernen wir so im Nachhinein kennen und diese Rückblenden erklären einiges.

Die Lebenswege von Anton und Gustav bleiben immer irgendwie verknüpft, driften manchmal etwas weiter auseinander, doch nähern sich dann auch wieder an.

Gustav Perle ist ein liebenswürdiger Mann, aber anscheinend liebt ihn niemand. Seine Mutter nicht, da sie zu sehr mit ihrer eigenen Vergangenheit kämpft, sein Freund Anton ist zu selbstbezogen und viele andere Menschen gibt es in Gustavs Leben nicht. Dennoch steht Gustav wiederum den Menschen, die ihm nahestehen, immer bei und ist für sie da.

Es ist ein Buch für Leser, die ruhige Töne mögen. Wer viel Action erwartet, ist hier sicherlich falsch beraten. Aber gerade wegen dieser leisen Töne hat mir die Geschichte sehr gut gefallen. Die Figuren werden gut gezeichnet, man sieht sie regelrecht vor sich. Auch wenn man anfangs nicht alles versteht, erklärt sich im Laufe der Handlung doch alles und man kann nachvollziehen, warum sie so geworden sind.

Gustav ist in den 1940er Jahren geboren, die Geschichte der Schweiz vor und während des Zweiten Weltkriegs spielt eine gewisse Rolle für die Handlung und war für mich sehr interessant, da ich bisher immer nur Bücher gelesen habe, in denen Menschen zwar in die Schweiz geflohen sind, aber nie Romane aus Schweizer Sicht.

Das Hauptaugenmerk liegt aber klar auf den Figuren und ihrem komplizierten Beziehungsgeflecht.

Ein tolles Buch, wenn man sich auf derartige Geschichten einlassen kann und will!

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Eine Leseempfehlung!

In den 40er und 50er Jahren wächst Gustav Perle in Matzlingen in der Schweiz auf. Da er früh seinen Vater verloren hat, ist sein Leben vor allem von seiner Mutter Emilie geprägt - einer Frau, die depressiv ist und keine besonders gute Bindung zu ihrem Sohn aufbauen konnte. Dennoch liebt Gustav seine Mutter über alles und lernt schnell, mit wenig zufrieden zu sein.
Erst als Anton in seine Vorschul-Klasse kommt, verändert sich Gustavs Leben: Anton ist von Bern nach Matzlingen gezogen und kommt aus einem wohlhabenden und kultivierten jüdischen Elternhaus - ein harter Gegensatz zu den ärmlichen Verhältnissen, die Gustav von zuhause kennt. Die gemeinsame Zeit der beiden Jungs bedeutet Gustav sehr viel und es entsteht eine gewichtige, lebenslange Freundschaft.
Doch Anton verlässt Matzlingen bei der ersten Gelegenheit, während Gustav ein altes Gasthaus kauft und seine Aufgabe, dieses in ein schönes Hotel umzubauen, als ziemlich erfüllend empfindet. Dennoch verliert er Anton nie ganz aus den Augen...

Zusätzlich zu den Geschehnissen rund um Gustav und Anton gibt es auch noch Einblicke in die Vergangenheit von Gustavs Eltern. Sein Vater Erich, über dessen frühen Tod die Mutter ihrem Sohn nur wenig erzählt hat, jedoch nicht ohne "den" Juden die Schuld an diesem Unglück in die Schuhe zu schieben. Nun dröselt sich das wenig Erzählte auf, indem die Geschichte die letzten Kriegsjahre aufnimmt.
Damit lässt sich auch so manche Figur und zwischenmenschliche Beziehung besser nachvollziehen - ganz wie der Titel des Buches auch verspricht...

Rose Tremain ist für mich eine der AutorInnen, die mit einem unglaublichen Feingefühl für ihre Geschichte und vor allem ihren Figuren ausgestattet sind. Sie erzählt in klarer Sprache mit gekonnter Intensität und gleichzeitig einer Reduziertheit, die keine unnötige Silbe finden lässt.

"Und damit fing es an" ist eine wundervolle Geschichte rund um eine ungewöhnliche Freundschaft, aber auch Liebe, Vorurteilen und enttäuschten Hoffnungen. Für mich richtig gute Literatur, der ich - ebenso wie der Autorin - viele LeserInnen wünsche.

Fazit: Ein ruhiger, literarisch eleganter Roman über ein spätes Glück.

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Die Geschichte einer besonderen Freundschaft

Inhalt:
Gustav wächst in den 1940er Jahren bei seiner Mutter im schweizerischen Matzlingen in kargen Verhältnissen auf. Er liebt seine Mutti über alles, auch wenn es umgekehrt nicht so zu sein scheint. Als ein Neuer in die Vorschule kommt, der jüdische Junge Anton, entwickelt sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden Kindern. Gustav wird von Antons gut situierter Familie liebevoll aufgenommen, was Mutti allerdings ein Dorn im Auge ist. Gibt sie doch den Juden die Schuld an ihrem gescheiterten Leben.

Meine Meinung:
„Und damit fing es an“ ist ein stiller Roman, ein Buch der leisen Töne. Hier gibt es keine Hochspannung und keine reißerischen Szenen, und trotzdem hat mich die Geschichte von Gustav und Anton enorm gefesselt. Dies liegt sicher an dem wunderbaren Schreibstil von Rose Tremain, die feinsinnig ihre Figuren beschreibt und zum Leben erweckt. Ja, ich hatte wirklich den Eindruck, ich wäre mit Gustav und Anton in der Vorschule oder beim Schlittschuhlaufen, ich sah die beiden im Konzertsaal – den einen nervös auf der Bühne, den anderen im Publikum. Und ich spürte die unbedingte Zuneigung, die Gustav seinem Freund stets entgegenbringt. Ich litt mit den beiden und auch mit ihren Eltern, wenn es nicht so ging, wie sie es sich vorstellten. Rose Tremain hat mich wirklich ganz tief in diese Geschichte hineingezogen, sodass ich mich als Teil davon fühlte und alles um mich herum beim Lesen vergaß.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Teil 1 erzählt die Jahre 1947-1952, die ersten Jahre der Freundschaft zwischen Gustav und Anton. Im 2. Teil erfahren wir, wie Erich und Emilie Perle, Gustavs Eltern, sich kennenlernten und wie es zu dem Unglück in ihrem Leben kam. Hier spielt die Zeit von 1937-1942 eine große Rolle. Der dritte Teil springt schließlich weit nach vorne, nämlich in die Jahre 1992-2002. Gustav und Anton haben nun schon einen Großteil ihres Lebens hinter sich, in der Freundschaft gibt es ein Auf und ein Ab, aber sie bleiben doch immer verbunden.

Es fiel mir leicht, mir die einzelnen Charaktere vorzustellen. Ich hatte sofort ein detailliertes Bild von ihnen im Kopf. Dabei wirken sie alle ganz verschieden. Gustav hat von kleinauf gelernt, sich zu beherrschen und ist ein eher ruhiger, zurückhaltender Typ. Er versucht, es seiner Mutti immer recht zu machen. Obwohl diese ihm wenig mütterliche Gefühle entgegenbringt, schafft Gustav es, andere Menschen zu lieben. Anton ist der Mittelpunkt seiner Familie, der kleine Prinz, für den die Eltern alles tun. Schon früh träumt er davon, Konzertpianist zu werden und wird von seinen Eltern dabei voll unterstützt, aber nicht unter Druck gesetzt. Der Gegensatz zwischen Antons und Gustavs Elternhaus könnte kaum krasser sein, und doch verbindet beide so viel.

Interessant waren für mich auch die Ausführungen zur Schweizer Neutralität und die Thematisierung der Ereignisse während der Nazizeit. Dies alles einmal aus Schweizer Sicht zu lesen – wenn auch von einer Engländerin geschrieben -, war für mich neu.

Fazit:
Rose Tremain hat mich mit ihrem neuesten Werk wirklich begeistert. Die schöne Sprache macht einfach Spaß und der Roman über Freundschaft, Liebe und Verrat gibt viele Anstöße zum Nachdenken und wird mich sicher noch nachhaltig beschäftigen.

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Die Gustav Sonate

Inhalt:

Gustav wächst in einer lieblosen, von Armut geprägten Kindheit auf. Sein einziger Lichtblick ist sein Freund Anton und dessen Familie. Gustav lernt früh, sich zu beherrschen, denn das bläut seine Mutter ihm beständig ein. Er wächst zu einem genügsamen, freundlichen, mitfühlenden Mann heran der selbst keine Zuneigung erfährt, außer einmal kurz von einem englischen Gast.

Meine Meinung:



Das Buch ist bedrückend, denn Gustav ist sympathisch, und man wünscht ihm auch einmal Glück in seinem Leben, aber die Umstände sind gegen ihn. Seine Mutter ist gefühlskalt und erwartet von Gustav, dass er sich wie ein Erwachsener verhält. Seinen Vater kennt er nicht, da dieser verstarb als Gustav noch ein Säugling war. Die Mutter hebt den Vater auf ein Podest, aber eigentlich war er nur ein (meist) guter Mensch, der zu der falschen Zeit am falschen Ort lebte.

Überraschend für mich waren die Fakten über die Schweiz. Aufgrund ihrer bedrohlichen Lage während des zweiten Weltkrieges traf die Schweizer Regierung ein paar sehr fragwürdige Entscheidungen. Außerdem waren alle so paranoid, dass auf 100% Bewohner 114% Bunkerplätze kommen.

Dass die Schweizer von Nationalstolz erfüllt sind habe ich schon mehrmals bei Besuchen des Landes erlebt, da ist es irgendwie beruhigend zu wissen, dass auch sie moralischen Dreck am Stecken haben, wie in dem Buch deutlich wird.

Es ist kein actiongeladenes Buch, die Geschichte scheint streckenweise vor sich hinzuplätschern, und große Zeiträume werden immer wieder übersprungen. Trotzdem ist die Lektüre fesselnd, wenngleich die Autorin die eine oder andere Antwort schuldig bleibt.

So wird zum Beispiel ein Charakter eingeführt der einen um Gustav bangen lässt -- nur um danach in der Versenkung zu verschwinden.

Es liegt ein Beziehungsgeflecht vor, und keine dieser Beziehungen wirkt sich langhaltig positiv auf Gustav aus, was sehr traurig ist. Glücklicherweise schafft sich Gustav eine Umgebung, in der er weitgehend glücklich ist -- würden nicht immer wieder Leute von außen einbrechen und ihm sein Unglück vor Augen führen.

Die Sprache ist gut, scheint aber der Zeit in der die Geschichte spielt nicht immer angemessen. Möglicherweise ist das aber auf die Übersetzung zurückzuführen, den Originaltext hatte ich leider nicht vorliegen.

Rose Tremain gelingt es, den Leser an Gustavs Geschichte teilhaben zu lassen. Ich finde den Originaltitel (The Gustav Sonata) eigentlich sehr viel treffender und aussagekräftiger als den deutschen Titel, habe aber vor langem aufgehört, mich über die deutsche Titelwahl zu ärgern -- wundern tue ich mich dennoch oft.

Trotz der traurigen Handlung ist es keine schwer verdauliche Lektüre, aber sie regt zum Nachdenken und Nachforschen an.

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Freundschaft für immer

Gustav Perle lebt mit seiner Mutter in den Nachkriegsjahren im schweizerischen Matzlingen. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen und Emilie hält viel von Beherrschung. Gustav kennt kein anderes Leben bis Anton Zwiebel in seine Klasse kommt. Er kümmert sich um Anton, den das heulende Elend gepackt hat. So entsteht eine Freundschaft und Gustav lernt kennen, was Familienleben bedeutet. Der musikalische Anton scheitert beim Vorspielen mehrfach an seinen Nerven. Daher bleibt ihm die Karriere als Konzertpianist verwehrt. Er unterrichtet daher als Musiklehrer, doch die Träume bleiben. Gustav führt sein Hotel Perle, macht es seinen Gästen behaglich und ist einsam. Als sich Anton noch einmal eine Chance bietet, verlässt er Matzlingen und lässt Gustav zurück.
Für mich dreht sich in diesem Buch alles um Gustav. Auch wenn wir die Geschichten der anderen Personen ausführlich kennenlernen, bleibt er doch die Hauptperson.
Emilie Perle hat sehr früh ihren Mann verloren und schiebt die Schuld auf die Juden. Dass es so einfach nicht ist, erfahren wir erst so nach und nach. Sie ist eine sehr herbe Frau, die keine Gefühle für ihren Sohn zeigt. Aber sie spricht auch nicht weiter über ihren Mann, den sie auf ein Podest gestellt hat an dem nicht gerüttelt wird. Auch über ihre Mutter verliert sie kein Wort. Es ist wundervoll, dass Gustav trotzdem so ein liebes Kind ist. Er liebt seine Mutter und möchte ihr alles recht machen und sie verwöhnen, doch sie ist unfähig, dass anzuerkennen. Emilie hat etwas gegen Gustavs Freundschaft mit Anton, da die Familie jüdisch ist.
Erich Perle ist Polizist und sein Mitleid mit jüdische Flüchtlingen bringt ihn in Schwierigkeiten. Er verliert seine Arbeit, was auch Einfluss auf die Beziehung zu Emilie hat. So kommt es, dass er in ein Gefühlschaos gerät, das ihm das Herz bricht.
Anton kommt in Gustavs Leben. Er hat eine Familie, die in seinen Wünschen unterstützt. Während der Vater in sehr realistisch betrachtet, hat die Mutter einen viel verklärteren Blick.
Anton ist zwar mit Gustav befreundet, aber er hegt lange nicht so intensive Gefühle Gustav gegenüber, wie es umgekehrt ist, dafür ist Anton einfach zu Ich-bezogen. Er hat seine Träume und fühlt sich vom Schicksal betrogen. Erst als er ganz unten ist, besinnt er sich auf Gustav. Das Ende ist versöhnlich, macht mich aber nicht ganz zufrieden.
Der recht poetische Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen.
Eine melancholische Geschichte über Beziehungen und Freundschaft, die einen nachdenklich stimmt.

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Beziehungen

Das ist der rote Faden in diesem Buch: Beziehungen unterschiedlicher Art: zwischen Eltern und Kindern, zwischen Eheleuten, unter Freunden - darauf basiert das gesamte Konstrukt des Buches.

Im Mittelpunkt stehen Gustav und Anton, die sich bereits in der Grundschule kennenlernen, wobei Gustav die eigentliche Hauptfigur ist, aus deren Perspektive die Geschichte kolportiert wird, wenn sie auch nicht nur in seiner Zeit spielt. Nein, auch davor, denn auch die Geschichte seiner Eltern hat eine Bedeutung für die späteren Entwicklungen.

Gustav ist ein Nachkriegskind, eigentlich ein während des zweiten Weltkrieges geborenes Kind, das jedoch in den Nachkriegsjahren aufwächst. Und zwar in der Schweiz, die ja neutral war. Es ist interessant, in diesem Roman zu erfahren, was die Neutralität bedeutet. Die britische Autorin Rose Tremain, die hier ein für sie ungewöhnliches Thema gewählt hat, hat wie immer hervorragend recherchiert. Denn Gustavs Vater Erich, ein Polizist, hatte sich durch sein Handeln am Arbeitsplatz, in eine gehörige Bredouille gebracht und war zu Tode gekommen. Gustav wächst also allein bei seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf und genießt seine Freundschaft zum musikalischen Anton, der in einer intakten Familie lebt. Eine Freundschaft mit vielen Facetten und einer klaren Rollenverteilung, die bis in das Erwachsenenleben hinein anhält.

Doch es ist nicht nur die Geschichte dieser Freundschaft, die das Buch ausmacht, auch wenn sie im Mittelpunkt steht, es sind - wie erwähnt - weitere Bindungen bzw. Kontakte unterschiedlicher Art, die sich drum herum ranken.

Ein außergewöhnliches Buch, das sich auf Themen einlässt, die für eine britische Autorin durchaus gewagt zu sein scheinen, angesichts der Erfahrung dieser Autorin jedoch hervorragend von ihr gemeistert werden. Nein, es ist etwas anderes, das mich störte - stellenweise fehlte mir dann doch eine durchgehende Zielführung und die Erzählweise kam ab und an ein wenig fahrig rüber.

Dennoch lesenswert wie jedes Buch von Rose Tremain, schon des Themas und vor allem der Charaktere wegen, die aus meiner Sicht eine Stärke der Autorin sind. Rose Tremain entwickelt wunderbare Figuren, die lebendig und greifbar sind, sich im Kopf des Lesenden und vor seinen Augen klar entwickeln, also zum Kopfkino einladen. Für historisch Interessierte und Tremain-Fans also definitiv ein Muss!

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Zwiegespalten

Der kleine Gustav war anscheinend immer schon eine liebenswerte kleine Persönlichkeit, jedoch konnte seine Mutter Emilie nie wirklich Liebe für ihn empfinden und ihm diese auch nicht zeigen. Umso glücklicher war (und ist) Gustav, wenn er Zeit in der Nähe seines besten Freundes Anton (und dessen Familie) verbringen konnte. Hier konnte er Kind und ausgelassen sein, hier konnte er aber auch Stärke zeigen und für Anton da sein. Das war anscheinend alles, was Gustav je brauchte, um glücklich zu sein.

Mit einem Sprung in die Schweiz der 90er Jahre erfahren wir dann, wie es den Erwachsenen Gustav und Anton geht und wie ihre gemeinsame Geschichte weiterging und -geht.

Parallel dazu erfährt man auch noch einiges über das Leben von Gustav's Eltern und ihre Beziehung zueinander. Vor allem auch über die Probleme, die beide hatten.

Richtig leicht fällt mir die Bewertung dieses Buches ausnahmsweise mal nicht.

Ich bin zwiegespalten. Einerseits bin ich nach wie vor angetan von dem Schreibstil und davon, wie die Geschichte erzählt wurde.

Das hat mir sehr gut gefallen. Obwohl nicht wirklich "viel passiert" ist war es zu keiner Zeit so, dass es nicht zumindest interessant gewesen wäre.

Andererseits jedoch hatte ich anscheinend an die Lektüre andere Erwartungen, so dass mir das Buch trotz allem nicht hundertprozentig gefallen hat.

Ich war davon ausgegangen, dass es sich hierbei und eine traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen Gustav und Anton handelt. Die ist es im weitesten Sinne auch, aber irgendwie auch nicht. 
Ja, es geht auch um die Liebe (in all ihren Facetten) aber hauptsächlich ging es hier vor allem darum zu erfahren, warum Gustav (und seine Mutter) so wurden, wie sie sind. Um Handlungsmuster zu verstehen und nachvollziehen zu können.

Sicherlich waren diese Begebenheiten wichtig um zu verstehen, wie Gustav sich entwickelte. Andererseits jedoch hätte ich gerne einfach mehr von Gustav und Anton und dafür weniger von Emilie, Erich und Lottie gelesen. Die Beziehung zwischen Gustav und Anton kam mir einfach etwas zu kurz und war mir irgendwie zu farblos.

Und vor allem hat man Mitleid mit Gustav, von dem man das Gefühl hat, dass er sich nie richtig getraut hat, etwas vom Leben zu erwarten, sondern sich immer nur mit dem zufrieden zu geben, was die anderen ihm bieten.

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Ruhiger Beziehungsroman

Gustav Perle lernt Anton in der Vorschule kennen. Anton ist mit seinen Eltern von Bern nach Matzlingen gezogen und steht nun als Häuflein Elend vor der Klasse. Eigentlich will Gustav nicht den verheulten Neuen trösten müssen, aber nachdem er von seiner Lehrerin dazu eingeteilt worden ist, bleibt ihm nichts anderes übrig. Seine ersten Worte zu Anton sind: "Meine Mutter sagt, man soll lieber nicht weinen. Sie sagt, man muss sich beherrschen." Damit hebt eine lebenslange Freundschaft an.

Rose Tremain spannt in ihrem Roman "Und damit fing es an" einen großen Bogen von den Dreißiger Jahren bis zur Jetztzeit. Sie schildert prägende Erlebnisse in der Kindheit von Gustav und Anton, springt zurück in die Vergangenheit von Gustavs Eltern und landet schließlich in den späten 90ern. Die Halbwaise Gustav wächst in liebloser Umgebung bei seiner depressiven Mutter auf. Sie gibt den Juden Schuld am Tod seines Vaters und kommt gerade noch finanziell über die Runden. Anton stammt aus einem wohlhabenden jüdischen Haus. Seine Eltern unterstützen ihn auf alle erdenkliche Weise und fördern die Freundschaft der Jungen trotz der offensichtlichen Ressentiments von Emilie Perle.

In leisen Worten entsteht ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht. Es zeigt, dass die große Liebe nicht immer romantisch sein muss und das manche Partnerschaften von Anfang an im Ungleichgewicht sind. Die große Stärke des Romans liegt in der gewissenhaften Charakterzeichnung. Die Diskrepanz zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung wird ebenso verdeutlicht, wie die Wirkung von Handlungen und Aussagen auf das Leben von anderen.

Fazit: Melancholisch und stimmig.

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