Sarit Yishai-Levi: Die Schönheittskönigin von Jerusalem

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Sarit Yishai-Levi: Die Schönheittskönigin von Jerusalem
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Malkat Ha-Yofi Shel Yerushalayim
ET (Original)
2013
ISBN-13
9783351036317

Informationen zum Buch

Seiten
618

Sonstiges

Originalsprache
hebräisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Kurz vor meinem 18. Geburtstag starb meine Mutter Luna.

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Strahlend, lebenslustig und wunderschön ist Luna Ermoza mit den grünen Augen. Doch ihre Ehe ist ein Desaster hinter perfekter Fassade, und für ihre Tochter Gabriela kann sie keinerlei Zärtlichkeit empfinden – wie einst ihre Mutter Rosa für sie. Denn während das Delikatessengeschäft Rafael Ermoza & Söhne im Jerusalemer Machane-Jehuda-Markt floriert, scheint auf den Frauen der Familie ein Fluch zu lasten, der ihnen das Glück in der Liebe verwehrt und sie verbittern lässt. Meisterlich verwebt Sarit Yishai-Levi das Schicksal vierer Generationen der sephardischen Familie mit den bewegtesten Jahrzehnten israelischer Geschichte.

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Keine einfache Familie

Die israelische Autorin Sarit Yishai-Levi legt mit ihrem Roman "Die Schönheitskönigin von Jerusalem" eine anspruchsvolle wie durchweg packende Familiengeschichte einer sephardischen Familie vor. Wir begleiten vor allem die weiblichen Mitglieder der Familie Ermoza von der Zeit des Endes der osmanischen Herrschaft in Palästina über vier Generationen hinweg - eine sehr spannende Zeit, die uns durchaus auch die Entwicklung des Staates Israel näher bringt.
Alles beginnt damit, dass Gabriel sich buchstäblich auf den ersten Blick in eine aschkenasische Frau verliebt. Eine Liebe, die nach den Gepflogenheiten seiner Familie nicht sein darf und die seine Mutter Merkada regelrecht bestraft: sie verheiratet ihren gebildeten Sohn mit der einfachen Rosa - und stürzt somit beide ins Unglück. Die in ihrer eigenen Ehe nicht glücklichen Merkada merkt schon bald, dass sie sich mit dieser Entscheidung selbst auch bestraft hat, denn sie kann ihre Schwiegertochter nicht im Geringsten ausstehen... Die Konsequenz ist, dass sie Rosa das Leben zur Hölle macht. Auch die nachfolgenden Ehen der ältesten Ermoza-Kinder sind schwierig und unglücklich - als läge über der spanischstämmigen Familie im Herzen Jerusalems ein Fluch.

Abgesehen von den Blickwinkeln der Frauen der Familie - Merkada, Rosa, Luna und Gabriela - ist das Lebensmittelgeschäft der Ermozas ein wichtiger Mittelpunkt des Romanes. Während die Familie taumelt und die Welt in seine dunkelste Epoche stürzt, liegt vor allem Gabriel sehr viel an seinem Delikatessenladen. Dieses Herzblut verschafft der Familie nicht nur Ansehen, sondern auch ein gutes Auskommen - keine schlechten Bedingungen in schwierigen Zeiten.

Die Autorin schafft es historische Ereignisse einzubetten und so von der Geburtsstunde des jüdischen Staates und den folgenden Schwierigkeiten bis hin zu Kriegen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zu erzählen. Doch der Fokus der Autorin liegt auf ihren Hauptfiguren, die allesamt schwierige Charaktere sind - was nicht bedeuten soll, dass sie nicht ihre Schattierungen haben. So schält sich der wahre Kern der Figuren nach und nach heraus und sie werden verständlicher - wenn auch nicht zwingend sympathischer.

Einfach ist dieser Roman nicht, denn Sarit Yishai-Levi verlangt ihren LeserInnen einiges ab: nicht nur die über 600 Seiten sind erst einmal eine Hausnummer, nein, der Roman lässt sich meines Erachtens auch nicht einfach so weglesen, da ich mich sehr darauf konzentrieren musste, aus wessen Sicht da gerade erzählt wird und nach Lesepausen musste ich mich auch erst einmal auf die bisherigen Geschehnisse fokussieren und eindenken. Dennoch habe ich die Geschichte als Bereicherung empfunden, gerade die sehr komplexen, teilweise sperrigen Figuren, die einem gleichermaßen Verachtung wie auch Anerkennung abringen können...
Ein Kritikpunkt war für mich allerdings schlussendlich doch die Erzählweise mit den Perspektivwechseln: hier hätte ich einen allwissenden Erzähler irgendwie runder gefunden, da die Perspektive manchmal mit dem Inhalt nicht ganz stimmig ist und die Lektüre bei mir dann kurzzeitig etwas holperte.

Fazit: Ein ziemlich guter Roman, der eine jüdische Familie über mehrere Generationen begleitet und nicht nur Einblicke in deren schwierige Beziehungen zulässt, sondern auch in den teilweise tief verankerten Aberglauben, sephardische Traditionen und dabei die historischen Eckdaten in Israel und gesellschaftlichen Entwicklungen nicht außer Acht lässt. Keine einfache Lektüre, aber in meinen Augen eine lesenswerte!

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Vier Generationen in Jerusalem

Seit vier Generationen haben die jeweils ältesten Kinder der Ermozas, einer spanischstämmigen jüdischen Familie aus Jerusalem, kein Glück in der Liebe. Sei es Urgroßvater Rafael mit seiner kaltherzigen Ehefrau Merkada, sei es deren Sohn Gabriel, der die Liebe seines Lebens nicht ehelichen darf, weil sie Aschkenasin ist und somit für einen sephardischen Juden völlig tabu, oder Luna, Gabriels älteste Tochter mit den roten Haaren und der hübschen Figur, die trotz ihrer umwerfenden Schönheit in der Ehe und überhaupt in ihrem Leben nie richtig glücklich ist.

Ebenso wie der Fluch der schwierigen oder gar völlig lieblosen Ehen ziehen sich Konflikte mit den Eltern durch alle Generationen. Gabriel entzweit sich wegen seiner verbotenen Liebe mit seinen Eltern. Luna hasst ihre Mutter, eine derbe, unscheinbare Frau aus einfachen Verhältnissen, praktisch vom Tag ihrer Geburt an und verehrt ihren Vater abgöttisch. Und bei Lunas Tochter Gabriela scheint sich die Geschichte erneut zu wiederholen, auch hier gibt es wenig Wärme und Zuneigung zwischen Mutter und Kind, das sich wiederum zu seiner Großmutter flüchtet.

Die Ermozas sind eine stolze und schwierige Familie. Über Gefühle wird kaum gesprochen, Probleme schweigt man lieber tot oder züchtigt die Kinder, wenn sie sich danebenbenehmen, statt sie verstehen zu wollen. Gabriel übernimmt das Lebensmittelgeschäft seines Vaters in einer schweren Zeit, als der Krieg und die Judenverfolgung in Deutschland (und anderswo in Europa) die gesamte Welt erschüttern und der Staat Israel unter heftigen, blutigen Geburtswehen geboren wird.

Dieses heißgeliebte Geschäft, einst Dreh- und Angelpunkt einer kleinen Welt, die zwar keinen Luxus, aber doch Annehmlichkeiten und Wohlstand bietet, will er um jeden Preis vor dem Untergang retten, was zur Zeit von Hunger und bürgerkriegsartigen Zuständen eine schier unerfüllbare Aufgabe scheint. Es gibt kaum mehr etwas zu verkaufen, und der Weg zur Arbeit ist potentiell tödlich, überall gibt es Anschläge und Schießereien, nichts ist mehr sicher.

Die bewegte Geschichte Palästinas bzw. Israels wird am Beispiel der Ermozas lebendig, doch nicht nur dieser Hintergrund macht diesen umfangreichen Roman interessant, sondern auch die vielen kleinen Einzelheiten über das Leben in Jerusalem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wo Aberglaube und Mystik noch tief verwurzelt sind und zwischen den verschiedenen Strömungen des Judentums genauso tiefe Gräben liegen wie zwischen Juden und Arabern. Hier spricht man Jiddisch, da Spaniolisch (eine an das Spanische angelehnte Sprache) - dass es letzteres überhaupt gibt, mag manchem Leser (wie auch mir) gänzlich neu sein.

Auch über die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse und Verhältnisse kann man viel lernen, jedoch lässt das Buch ein Glossar vermissen, das Begriffe erklärt, die vielleicht nicht jedem Leser vertraut sind.

Die Charaktere nimmt man wie durch einen Schleier wahr, man kommt ihnen allesamt nicht so nahe, dass man sie wirklich hautnah zu spüren vermag, selbst die Sympathischeren unter ihnen, obwohl sie durchaus Mitgefühl oder Verachtung beim Leser wecken. Die Parallelen zwischen den Generationen wirken manchmal recht konstruiert, und die nicht ganz konsequente Erzähltechnik verwirrt zwar nicht direkt, hakt aber gelegentlich. Hat beispielsweise gerade noch Gabriela aus ihrer Sicht im Präsens gesprochen, sind wir plötzlich im gleichen Absatz des Kapitels bei einem auktorialen Erzähler im Imperfekt gelandet. Hier hätte etwas mehr Stringenz gutgetan.

Ein ungewöhnliches Familienporträt vor einem bewegten historischen Hintergrund, das nicht in allen Punkten gänzlich überzeugt, aber anregt, sich einmal näher mit der Geschichte Israels zu beschäftigen.

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Hervorragende, ruhige Geschichte aus Jerusalem

"Die Schönheitskönigin von Jerusalem" begleitet die Familie Ermoza während vier Generationen. Als Leser wird man mitten ins Geschehen geworfen. Wie spricht Gabriela mit ihrer Mutter? Nach ein paar Seiten habe ich mich dann über die Mutter Luna geärgert, in ihr die Hauptschuldige am schlechten Verhältnis zwischen Mutter und Tochter gesehen. Den Vater hatte ich anfangs in die positive Ecke gestellt, bis ich ihn näher kennenlernte. Irgendwann habe ich es eingesehen. Es geht nicht um gute oder schlecht Menschen, es geht nicht darum wer Schuld ist und es geht schon gar nicht um einen angeblichen Fluch, der die Familie seit Generationen beherrscht und weswegen alle Frauen unglücklich sind und nicht von ihren Männern geliebt werden. Es geht um Liebe und Respekt, um alte Traditionen, die die Liebe ersticken und Unzufriedenheit heraufbeschwören.

Das Buch ist extrem vielschichtig. Neben den komplizierten Verhältnissen der Familienmitglieder, ihrem alltäglichen Leben und ihren Sorgen erzählt es auch die Geschichte von Jerusalem. Die erste Generation, die der Leser kennenlernt, flucht über die Türken, später verwünscht man die "Ingländer" aus dem Land, kämpft ums Überleben während der Belagerung von Jerusalem bis die Israeli selbst über ihr Land bestimmen können. Die Familie Ermoza sind sephardische Juden, deren Vorfahren aus Spanien geflüchtet waren und in Jerusalem eine neue Heimat gefunden haben. Ihre Traditionen behielten sie bei und versuchten so viel wie möglich davon aufrecht zu halten. Vom spanischen abgeleitete Wörter kommen immer wieder im Text vor.

"Die Schönheitskönigin von Jerusalem" ist ein vielschichtiges und interessantes Buch, das ich gerne weiterempfehle.

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Eine spannende israelische Familiengeschichte

INHALT
Die jüdische Familie Ermoza wurde im 15. Jh. aus Spanien vertrieben und lebt seitdem in Jerusalem. Hier betreibt sie ein florierendes Delikatessengeschäft und scheint nach außen ein glückliches Familienleben zu führen. Doch der Schein trügt. Die Frauen der Familie sind todunglücklich, denn sie werden von ihren Ehemännern nicht geliebt und waren nur zweite Wahl...

MEINUNG
Die Autorin Sarit Yishai-Levi hat mit "Die Schönheitskönigin von Jerusalem" einen mitreißenden und sehr emotionalen Familienroman geschrieben, in dem einmal die Frauen die Hauptrolle spielen.

Über vier Generationen wird das komplizierte Familienleben der Familie Ermoza beschrieben. Bereits Großmutter Rosa wurde von ihrem Mann Gabriel nicht geliebt. Sie hat zu ihren Kindern, vor allem zur attraktiven Tochter Luna, kein gutes Verhältnis und neidet ihnen die väterliche Liebe. Eine Liebe, die sie von Gabriel nie erfahren wird. Aber auch Luna kämpft mit sich. Als schönste Frau von Jerusalem ist sie sehr begehrt. Die Heirat mit Ex-Soldat David scheint perfekt, doch der kann seine große Liebe in Venedig einfach nicht vergessen und ringt ständig mit sich und der Hochzeit. Auch Lunas Tochter Gabriela hat es nicht einfach. Sie kämpft gegen die Spießigkeit und gegen die familiäre Kälte. Insgesamt schafft es Yishai-Levi, den Leser für Jerusalem und die Geschichte der Ermozas zu begeistern. Der Fatalismus bzw. die Melancholie der Geschichte nimmt gefangen. Alle Frauen der Ermozas scheinen verflucht zu sein, nicht geliebt zu werden bzw. nicht lieben zu können. Besonders den Gegensatz von Schönheit und Unglücklichsein fand ich spannend.

Sprachlich bietet der 618 Seiten starke Roman einiges auf. Mir hat besonders gefallen, dass der Übergang von Vergangenheit zur Gegenwart fließend verlief. Entweder erzählte die alte Großmutter oder eine Tante aus dem eigenen Erleben. Zudem habe ich erstmals etwas über die Sprache Spaniolisch erfahren, die sich mit ein paar Spanischkenntnissen recht gut verstehen lässt. Alles in allem ließ sich die Geschichte sehr flüssig und angenehm lesen.

Darüber hinaus wird auch der Gazakonflikt Mitte bzw. Ende der 1940er Jahren nicht ausgespart und thematisiert, wenn auch am Rande. So lernt man als Leser auch geschichtlich noch dazu. So erfährt man u.a., dass sich die Juden je nach Abstammung/Lebensraum als Aschkenasim und Sepharde bezeichnen.

FAZIT
Ein vielschichtiger Generationenroman, der am Ende sogar Hoffnung vermittelt. Große Unterhaltungslektüre.

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Vom Schicksal der Sepharden in Israel

Inhalt:

Es geht um die Frauen der sephardischen Familie Emoza im zerissenen und umkämpften Jerusalem. Merkada eröffnet den Reigen, und ihre Großenkelin Gabriela beschließt ihn. Die Schicksale der Frauen ähneln sich irgendwie, denn keine findet Liebe und Erfüllung in ihrer Ehe. Ein Fluch scheint auf den Ehen der Frauen zu liegen. Wird es Gabriela gelingen, diesen Bann zu brechen?

Meine Meinung:

Im Zuge einer Postleserunde bekam ich ein kostenloses Rezensionsexemplar dieses wundervollen Romans.

Die Geschichte fängt mit Gabrielas nüchterner und mitleidloser Beschreibung der Krankheit und des Todes ihrer Mutter Luna an. Nach und nach erfahren wir die Lebensgeschichte Lunas, ihrer Mutter Rosa, und deren Schwiegermutter Merkada (obwohl wir von Letzterer am wenigsten erfahren).

Merkada entpuppt sich als mitleidlose Intrigantin, die nicht nur ihren Sohn, sondern auch ihre Schwiegertochter ins Unglück stürzt, was zur Folge hat, dass auch deren Tochter Luna unglücklich ist, und auch ihre Enkelin Gabriela ficht einen Kampf mit ihrer Mutter aus.

Der Kampf und die Hoffnungslosigkeit der Frauen wird reflektiert im Kampf Israels um seine Unabhängigkeit.

So wie das Land und die Leute in ständige Kämpfe, Anschläge, Verfolgungen und Verleumdungen verstrickt ist, sind es die jeweiligen Frauen der Familie Ermoza, wobei es ihren Ehemännern nicht unbedingt viel besser ergeht, denn auch sie sind Opfer der äußeren Umstände und Traditionen.

Die Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit kommen gut herüber, vermutlich, weil sie jeweils gespiegelt sind. Letztendlich kann man die äußeren und inneren Kämpfe nicht voneinander trennen.

Vom Klappentext ausgehend hatte ich eigentlich ein Buch mit Lokalkolorit erwartet: über das Delikatessengeschäft, den Markt, Gebräuche und Traditionen. All dies wird bedient, aber es ist immer überschattet von Krieg und Tod, und von daher ist es keine leichte Sommerlektüre, die man mal so nebenbei lesen kann.

Es ist ein großartiges Buch das zum Nachdenken anregt und dabei etwas von der wechselvollen Geschichte des neuen Staates Israel vermittelt.

Es zeigt außerdem, dass es neben den Ultra-Orthodoxen noch diverse andere jüdische Glaubensrichtungen gibt, wie zum Beispiel die Sepharden, oder die Aschkenasen, schließlich sind die Juden überall auf der Welt vertrieben worden, aber sie alle hatten ihre speziellen Gebräuche, und eine Vermischung wurde abgelehnt, was sehr schön zeigt, dass die Leute nicht miteinander auskommen, selbst wenn sie die selbe Religion haben, und dass Vorurteile überall einem friedlichen und glücklichen Miteinander im Weg stehen.

Eine lohnenswerte Lektüre für die man sich Zeit nehmen sollte.

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Anspruchsvolle Familiengeschichte in einem umkämpften Land

Dieser Roman ist nicht nur unterhaltsam, er ist auch informativ.
Der Leser durchschreitet hier mehrere Jahrzehnte Geschichte in einem immer fortwährend umkämpften Land. Zuerst unter der Herrschaft der Osmanen, dann als britisches Mandatsgebiert deklariert und schließlich die Ausrufung eines israelischen Staates, mit einem direkt darauf folgenden Angriff 5 arabischer Staaten und welcher in einen weiteren Krieg führt. Die Geschichte Israels, der Weg von einem Stück staubigen Land in einen Staat, ist gut und wahrheitsgemäß beschrieben. Die Beschreibungen von Israel sind klar und so bildhaft, dass sich auch Menschen, die niemals dort waren, ein Bild davon machen können, und genau durch diese instabilen Zeiten, begleitet man die Familie Ermoza und ihre Töchter.

Hauptthema ist hier das Leben der Tochter Luna. Die Erzählperspektiven wechseln oft, und nicht immer weiß man, wer hier berichtet, aber das ist eigentlich auch egal, denn die Geschichte ist so fesselnd, dass dieser Fakt in den Hintergrund tritt.
Die Autorin schreibt von dem Leben der sephardischen Juden und ihrer Kultur, aber auch von der Familie im Allgemeinen. Davon, welche ein Bereicherung und Hilfe eine große Familie sein kann; in guten, wie auch in schlechten Zeiten, aber auch gleichzeitig von dem Fluch, welcher eine Familie sein kann, die keinen Raum für eigenen Wünsche und Entscheidungen lässt.
Rührend ist es dennoch mit zu erleben, wie diese Familie auf Gedeih und Verderb zusammenhält, auch wenn die äußere Welt in Schutt und Asche liegt. Dies sind Familienbindungen, wie sie in der westlichen Welt immer weniger werden, im jüdischen und auch arabischen Raum aber nach wie vor gepflegt werden.
Das Thema Ehe steht hier ebenfalls im Vordergrund, bzw. die zerstörende Wirkung, wenn sie nur noch für die Familie, die Kinder und die Tradition aufrechterhalten wird. Hier wird ganz klar gezeigt, wie tödlich solche Bindungen sind, wenn sie nicht auf Liebe basieren.

Liebe zieht sich durch das ganze Buch. Die Liebe zu den Eltern, zu Geschwistern, zu Kindern und Partnern, aber auch zu den Geliebten.
Die Liebe, die einen Menschen auch Dinge ertragen lässt, an welchen er ansonsten zerbrechen würde.
Hier geht es oft um das Zerbrechen. Das Zerbrechen des Einzelnen, wie auch der Bindungen untereinander. Verursacht durch die falschen Partner, rachsüchtige Mütter, instabile äußere Verhältnisse, falschen Stolz und dem Unvermögen miteinander offen und ehrlich zu sein.

Dieses Buch ist kurzweilig und fesselnd geschrieben, in einer klaren und schnörkellosen Sprache. Der Vergleich jedoch mit Amos Oz‘ Geschichte zwischen Liebe und Finsternis oder gar der Buddenbrooks, ist an den Haaren herbeigezogen und nicht nachvollziehbar.

Mit diesem Buch wird man gut unterhalten. In diesem kurzweiligen Familienepos erfährt man nebenbei interessante Dinge über das kleine umkämpfte Land am Mittelmeer und gewinnt Einblick in eine Kultur, die der Europäischen in nichts gleicht.
Einen Kritikpunkt gibt es, denn es ist schade, dass dieses Buch kein Glossar besitzt, in welchem Leser nachschlagen können, denn viele Ausdrücke und Termini der jüdischen und israelischen Kultur sind nicht gebräuchlich und für den ein oder anderen Leser verwirrend.

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Spannende Familiengeschichte vor packendem Hintergrund

"Kurz vor meinem 18. Geburtstag starb meine Mutter Luna." Mit diesem Satz katapultiert die israelische Schriftstellerin Sarit Yishai-Levi den Leser in ein packendes Familienepos vor der Kulisse der Emanzipations Israels. Es stehen die Frauen der Familie im Mittelpunkt, die langsam über die einzelnen Generationen hinweg lernen müssen, sich von bestehender Unterdrückung zu lösen und in die eigene Selbstbestimmung zu finden. Die erste - Merkada - wird noch während der osmanischen Herrschaft in die Ehe gezwungen. Sie wiederum verwehrt unter dem britischen Protektorat ihrem Sohn die Liebe seines Lebens und bestraft diesen mit der von ihm ungeliebten und von ihr selbst verachteten Rosa.

Dagegen liegt Rosas Tochter Luna ganz Jerusalem zu Füßen. Die Männer überschlagen sich in ihren Gunstbeweisen, nur der, den sie sie selbst wählt, liebt sie nicht. Während Israel nach der Staatswerdung von allen Seiten angegriffen wird, verwandelt sich ihre eigene Ehe in einen privaten Kriegsschauplatz. Kann sich Lunas Tochter Gabriela von dem auf den Frauen der Familie lastenden Unglück befreien oder ist sie dazu verdammt, ihr Dasein einsam und ungeliebt zu fristen?

Man kann das Buch als fesselnden Familienroman lesen, der sich vor einem ereignisreichen Abschnitt der israelischen Geschichte abspielt. Man kann es aber auch als Allegorie auf die jüngere Geschichte Israels verstehen. Fasst man es so auf, erhält die Handlung mehr Tiefe und wirkt nicht bei den sich wiederholenden tragischen Frauenschicksalen in einer Endlosschleife gefangen. Dann erkennt man die kleinen Schritte nach vorne, bis man mit Gabriela in den 1960ern letztendlich bei einem zaghaften unter schmerzlichen Kämpfen erworbenen echten Selbstvertrauen angelangt ist.

Geschrieben in nüchternem Stil bleibt man den Charakteren auf Distanz. Der Schleier, der über den Figuren liegt, erlaubt es gleichzeitig hinter die Kulissen zu blicken und ein unverstelltes Portrait auf das Leben sephardischer Frauen über einen Zeitraum von 40 Jahren zu erhaschen. Zur Meisterschaft eines Amos Oz gelangt Yishai-Levi dabei nicht - Lust sich näher mit der Geschichte und Kultur Israels zu befassen, macht sie aber allemal.

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