Alina Bronsky: Scherbenpark

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Alina Bronsky: Scherbenpark
ET (D)
2008
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783462040302

Informationen zum Buch

Seiten
286

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat.

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Jung, schnell, scharfsinnig - willkommen in Saschas Welt! Auch das gibt es noch: Eine junge, unbekannte Autorin bietet in einer E-mail dem Lektor ihr Manuskript an, der lässt es sich schicken, liest es gleich und macht eine Woche später ein Vertragsangebot. Alina Bronsky hat den Verlag mit ihrem Debüt im Sturm erobert und wird auch Sie begeistern. Was macht ihr Debüt so besonders? Da ist zum einen die siebzehnjährige Sascha Naimann, die aus Moskau nach Deutschland gekommen ist und mit ihren zwei jüngeren Geschwistern im Scherbenpark lebt - einem Hochhaus-Ghetto, in dem eigene Gesetze herrschen, die sie mit wilder Entschlossenheit bricht. Da ist zum anderen das katholische Elite-Gymnasium, das Sascha wegen ihrer Hochbegabung und ihrer prekären Lebenssituation angenommen hat, mitsamt den behüteten und ausstaffierten Mitschülerinnen, die keinen Schimmer von Algebra haben, aber ein volles Freizeitprogramm.

Und da ist der Ton, in dem Sascha ihre Geschichte erzählt: Selbstbewusst und geradeheraus, beiläufig und trocken kommentiert sie ihre Umgebung, das verzweifelte Streben nach Glück, Freiheit und Wohlstand, das Scheitern ringsum und das eigene Aufbegehren. Sascha beginnt ihre Geschichte mit zwei Vorsätzen: Sie will ihrer Mutter ein Buch schreiben, und sie will Vadim töten. Was es mit Vadim auf sich hat, warum Sascha ohne Mutter, aber mit ihrer Großtante lebt, wie die Familie durch ein Verbrechen erschüttert und zugleich berühmt wurde, und was es bedeutet, in ein Dreiecksverhältnis mit einem Journalisten und seinem sechzehnjährigen Sohn zu geraten - all das erzählt sie mit Herz, Witz und einer Energie, die mitreißt. Sascha ist eine Pendlerin zwischen zwei Welten und in keiner davon zu Hause, aber scharfzüngig und altklug genug, um sich zu behaupten - und den Leser mitzunehmen auf eine Reise, die beständig an Fahrt gewinnt.

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scherbenpark

Um Bücher, die das harte Leben deutscher Ghettokinder aus pseudobiographischer Perspektive beschreiben, würde ich normalerweise einen ganz großen Bogen machen, aber der Klappentext versprach eine direkte und vor allem nicht mitleidheischende Herangehensweise und so ist „scherbenpark“ in mein Regal gewandert.

Die 17jährige Sascha wird im „Solitär“ dem Hochhausblock voller russischer Einwanderer schief angesehen, hauptsächlich wegen der Tragödie, durch die sie ihre Mutter verloren hat. Aber auch vorher schon war sie eher eine Außenseiterin, die eine gute Schulbildung erhielt und nicht zwischen Wodka und Kleinkriminalität in Perspektivlosigkeit versank. Als sie eine Beziehung zu einem Journalisten und seinem 16jährigen Sohn eingeht, ergeben sich so einige Veränderungen in ihrem Leben.

Das Buch hat mich von Anfang an gefangen genommen. Die Erzählerin Sascha ist hart und direkt, ihre Gefühle hat sie tief in sich begraben und so dauert es auch als Leser ein wenig, bis man glaubt sie zu kenne. Nachvollziehbar sind ihre Entscheidungen trotzdem nicht immer, dazu ist die eigenen Erfahrungswelt zu weit von der Saschas entfernt. „scherbenpark“ ist ein Buch das einen mitnimmt, man schwankt zwischen Bewunderung für die Stärke, die Sascha zeigt und Mitleid. Man möchte sie umarmen und ihr helfen ihre Verantwortung für die eigentlich zu großen Aufgaben, die sie auf sich genommen hat, abzugeben. Der traumatisierte kleine Bruder, die unglückliche, im fremden Land überforderte Pflegemutter und das unterschwellige Gefühl, mit einem anderen Verhalten vielleicht den Tod der Mutter hätte verhindern zu können, sind verständlicherweise zu viel für eine 17jährige, die dann in der Begegnung mit dem Journalisten Normalität sucht.

Die Autorin nutzt, wenn man es genau bedenkt, so einige Klischees, macht es aber geschickt genug, dass es nicht auf den ersten Blick auffällt, sondern man erst bemerkt, wenn man darüber nachdenkt, dass so einiges zu plakativ ist. Die Sprache ist direkt und ausdrucksstark und in ihrem Stil dem jugendlichen Alter der Ich-Erzählerin angemessen.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, für ein Debüt war es ziemlich gelungen, ich hoffe es gelingt der Autorin über dieses biographisch angehauchte Thema hinauszuwachsen und weitere, anders gelagerte Bücher zu schreiben – deren Lektüre könnte sich durchaus lohnen.

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