E. Annie Proulx: Schiffsmeldungen

E. Annie Proulx: Schiffsmeldungen

Hot
 
3.8 (4)
 
5.0 (1)
4153   1  
Bewertung schreiben
Add to list
E. Annie Proulx: Schiffsmeldungen
Verlag
ET (D)
1995
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The shipping news
ET (Original)
1993
ISBN-13
9783596130412

Informationen zum Buch

Seiten
392

Sonstiges

Übersetzer/in

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)
Quoyle ist mit seinen 36 Jahren ganz unten angelangt: mittelmäßig bis erfolglos mit allem, was er beginnt. Er ist groß, dick, unbeholfen, schüchtern und unfähig zu allem - so redet er, so reden es ihm die anderen ein. Auf eine glühende Liebesaffäre folgen sechs trostlose Ehejahre mit einer notorisch untreuen Frau. Als sie bei einem Unfall stirbt, bleibt Quoyle mit den beiden Töchtern ratlos zurück, er fühlt sich verraten, verloren und ohne jede Perspektive. In dieser Situation taucht seine Tante auf und überredet ihn, im Heimatland der Familie ein neues Leben zu beginnen. An der rauhen, spröden und schönen Küste Neufundlands versuchen die vom Pech verfolgten Familienmitglieder einen Neuanfang. Es gelingt ihnen trotz der widrigen Umstände, in dieser abweisenden und zugleich faszinierenden Landschaft Fuß zu fassen.

Autoren-Bewertungen

4 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.8
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.8  (4)
Charaktere 
 
3.8  (4)
Sprache & Stil 
 
3.8  (4)
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Ich habe dieses Buch vor einigen Jahren gekauft, weil die Verfilmung inzwischen zu meinen All-Time-Lieblingsfilmen gehört. Ich wusste gar nicht, dass dieser Roman den Pulitzerpreis gewonnen hatte, und so ließ ich ihn erst einmal eingeschüchtert liegen. Gott sei Dank habe ich es dann doch nicht allzu lange liegen lassen.

Inhalt:

Quoyle, seine beiden kleinen Töchter Bunny und Sunshine und seine Tante Agnis brechen ihre Zelte in den USA ab und ziehen gemeinsam nach Neufundland, um dort ein neues Leben anzufangen. Beide Erwachsenen haben unterschiedliche Motive: Während Agnis sich ihrer Vergangenheit in ihrem Geburtsort stellen will, will Quoyle seiner Trauer um den Tod seiner Frau und seinem bisherigen passiven Dasein entkommen. In der kargen Landschaft Neufundlands beginnen sie ein neues Leben, und beide lernen, dass sowohl Versöhnung als auch Liebe wieder möglich sind.

Der Roman spielt um 1990.

Meine Meinung:

Die Hauptperson des Romans ist in meinen Augen weder Quoyle noch seine Tante Agnis, sondern Neufundland selbst. Mit einem unglaublich scharfen Blick charakterisiert Annie Proulx das Land und seine Bewohner, die alle im Herzen noch Fischer und Seefahrer sind, aber in der heutigen Zeit kaum mehr davon leben können oder dürfen. Proulx lässt vor dem inneren Auge Landschaften entstehen von einer Detailreiche, dass ich sagen möchte, sie malt die Landschaften eher, als dass sie sie in Worten beschreibt.

Auch die Personen werden mit wenigen, aber dafür umso treffenderen Worten charakterisiert. Sogar die kleinsten Nebenfiguren erhalten scharfe Konturen und ganz persönliche Eigenheiten. Nach und nach zeigen sich dann auch die inneren Antriebskräfte und Gedanken der handelnden Personen, so dass man auch Ereignisse in der Vergangenheit verstehen kann.

Proulx beschreibt alle Personen und auch die Handlung aus einer angenehmen Distanz heraus, die es dem Leser ermöglicht, sich eigene Gedanken zu machen. Auch für die schlimmsten Ereignisse wird keine Wertung seitens der Autorin vorgegeben, wodurch sich nirgends ein moralischer Zeigefinger erhebt.

Proulx Schreibstil ist sehr knapp, die Sätze sind nicht immer vollständig, was aber sehr gut zu der Kargheit der Landschaft und den dargestellten Gefühlswelten passt. Viele Dinge werden zunächst angedeutet und erst später erklärt, man braucht als Leser etwas Geduld, bis sich einem die Zusammenhänge erschließen.

Wenn man sich an den knappen Stil gewöhnt hat, liest sich das Buch sehr gut. Die Geschichte ist fesselnd, ich habe sie innerhalb von zwei Tagen gelesen und hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn sie noch länger gewesen wäre.

Über dieses Buch werde ich auch sicher noch eine Weile nachdenken müssen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
2.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
2.0
Charaktere 
 
2.0
Sprache & Stil 
 
2.0

Leider konnte "Schiffsmeldungen" meine Erwartungen nicht im geringsten erfüllen, im Gegenteil. Über weite Strecken musste ich mich regelrecht durch dieses Buch quälen und mich zum Weiterlesen zwingen.

Das lag aber keinesfalls am Setting, denn die großartige Kulisse der neufundländischen Küste mit ihrer rauen See und der zerklüfteten Uferlandschaft hat mir sehr gut gefallen. Auch die Figuren können nichts dafür, ich fand sie sehr authentisch und ungekünstelt, allen voran die Hauptfigur Quoyle, dessen Entwicklung vom absoluten Greenhorn zum erfolgreichen Zeitungsreporter schön zu verfolgen war. Sowohl die kleinen Dinge des neufundländischen Alltags als auch die großen Gefühle hatten ihren Platz in diesem Buch und harmonierten wunderbar zusammen. Gut gefallen hat mir die Darstellung der Zeitungsredaktion, die immer am Puls des neufundländischen Lebens war, und natürlich das viele Seemannsgarn, das im Laufe des Romans gesponnen wurde.

Warum es mir trotzdem nicht gefallen hat? Ich konnte mich in keinem Abschnitt des Buches auch nur einigermaßen mit Annie Proulx' Sprachstil anfreunden. Der besteht in erster Linie aus kurzen, nein aus sehr kurzen Sätzen. Da gibt es einige Passagen, in denen nur einzeln hingeworfene Worte vorkommen. Oder ich stolperte über Sätze, die gänzlich ohne Verb auskommen mussten - ab und zu ist das ja ok. Aber wenn sich diese Schreibangewohnheiten häufen, dann nervt es mich doch gewaltig. Dabei beschränkt sich die Autorin nicht nur auf die Dialoge, in denen ich die Kurzangebundenheit durchaus akzeptieren könnte, oder auf die Schlagzeilen, die Quoyle in seinen Gedanken formt und die sich naturgemäß auf Schlagworte beschränken müssen. Nein, dieser Stil zieht sich konsequent von der ersten bis zur letzten Seite durch den Text, was mich immer wieder aus dem Lesefluss warf und mir die Lektüre schwer machte.

Leider wurde mir dadurch das Vergnügen an der Geschichte doch sehr getrübt, was sich natürlich auch auf meine Bewertung auswirkt.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Quoyle ist ein trauriger Fall, über den (zunächst) kaum etwas Positives zu sagen ist, denn er ist erfolglos, schüchtern, alles andere als gutaussehend. So weiß er kaum, wie er in die Ehe mit der zwar attraktiven, aber untreuen Patel gerät, ist den beiden Töchtern aber ein liebevolle Vater. Eines Tages verschwindet Patel, kommt aber bei einem Unfall um. Der hilflose Quoyle hat Glück, den seine Tante Agnis kommt bei ihm vorbei und überredet ihn, sie nach Neufundland, der Heimat der Familie zu begleiten, um dort einen Neuanfang zu wagen. Quoyle findet Anstellung beim "Gammy Bird", der Lokalzeitung von Killick-Claw, wo er neben dem Aufmacher mit einem Verkehrsunfall (zur Not mit Photos aus dem Archiv) die "Schiffsmeldungen" betreuen soll. Hier entwickelt er das erste Mal Eigeninitiative und verfaßt einen Artikel, den der Herausgeber Jack Buggit gar nicht verlangt hatte. Allerdings schlägt dieser so gut ein, daß Quoyle von Jack dafür eine wöchentliche Kolumne erhält – eine Entwicklung, die dem Chefredakteur Tert Card nicht besonders gefällt. Aber Quoyle und seine Familie finden auch schnell Freunde im Ort, seien es Wavey mit ihrem Sohn, Jacks Sohn Dennis mit seiner Familie oder Quoyles Redaktionskollegen. Aber Quoyle muß auch erfahren, daß es in der Geschichte seiner Familie mehr als einen dunklen Fleck gibt.

Ein rundum gelungenes Buch, das sich durch eine bemerkenswerte Einheit von Setting, Charakteren und Sprache auszeichnet. Die rauhe und die Menschen fordernde Landschaft ist wunderbar beschrieben, ich hatte ständig das Gefühl, daß mir der Wind um die Ohren pfeift und die Gischt um mich herum spritzt. Die Menschen passen in diese Landschaft, sie sind pragmatisch auf das Wesentliche konzentriert, dabei keineswegs verbittert ob der schweren Lebensumstände, sondern immer zu einem (derben) Scherz aufgelegt. Daraus wie aus Quoyles Kolumne und seiner Formulierung von möglichen Schlagzeilen bezieht die Erzählung ihren besonderen Humor.

Quoyle, der zunächst als ziemlich unselbständiger und leicht vertrottelter Weichling präsentiert wird, macht sicher die größte Entwicklung durch. Er ist aber natürlich auch derjenige, bei dem es am nötigsten ist. Proulx beschreibt dies alles in einer extrem lakonischen Art und Weise, was sich auch an den vielen Satzbruchstücken zeigt, die gar nicht zu kompletten Sätzen ausformuliert werden. Trotzdem (oder deswegen?) gelingt es ihr damit auch, die Zwischentöne in den Beziehungen deutlich zu machen, die sich langsam wandelnden Ebenen des Umgangs miteinander.

Sehr gut hat mir an der mir vorliegenden Ausgabe auch die Gestaltung gefallen. Nicht nur, daß jedes Kapitel mit einem Zitat aus Das Ashley-Buch der Knoten, Erklärungen aus Seemannslexika, Zeilen aus Shantys oder ähnlichem eingeleitet werden (was integraler Bestandteil des Romans ist und in der Regel sowohl auf die Kapitelüberschrift wie den Inhalt Bezug nimmt), die Knoten werden auch abgebildet, so daß man sich eine Vorstellung davon machen kann, wie sie geknüpft werden.

Ein kleiner Vergleich mit dem Film: Natürlich ist im Film eine Straffung gegenüber dem Buch erforderlich. Das macht sich besonders deutlich an der Personalausstattung bemerkbar, denn im Film gibt es nur eine statt zweier Töchter, in der sich dafür Eigenschaften beider Buchtöchter konzentrieren. Auch die übrigen Familien sind für den Film verkleinert worden. Die wesentlichen tragenden Elemente der Handlung aus dem Buch finden sich allerdings wieder, auch wenn diese zum Teil in einer Episode zusammengelegt werden. Erstaunlicherweise sind die Verweise auf die Quoylesche Familiengeschichte komplett erhalten geblieben. Abweichungen in der Handlungen, die nicht Kürzung sondern Erweiterung gegenüber dem Buch sind, finden sich vor allem in der Beziehung zwischen Quoyle und Wavey, die eine erhebliche Dramatisierung erfahren hat. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, wieviel von den Charakterzügen und Stimmungen des Buches der Film hat einfangen können. Dafür gebührt sowohl dem Regisseur Lasse Hallström, als auch den Darstellern Kevin Spacey (Quoyle), Julianne Moore (Wavey) und der großartigen Judi Dench (Quoyles Tante Agnis) eindeutig ein Lob.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Top 50 Rezensent
Zeige alle meine Rezensionen (115)
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Die Geschichte fängt sehr traurig und trostlos an. Wir lernen Quoyle kennen, der vor den Scherben seines Lebens steht und nicht weiß, wie es mit ihm und vor allem seinen beiden Töchtern Bunny und Sunshine weitergehen soll. Er scheint blass und unbeholfen zu sein, ist jedoch sehr liebenswert und durch seine Erlebnisse einfach verunsichert und so gar nicht von sich überzeugt. Ratlos wie er ist, lässt er sich von seiner Tante zu einem Neuanfang in Neufundland überreden.

Die Landschaft wird detailliert beschrieben, ich konnte mir die wilde stürmische Küste gut vorstellen, und mir pfiff regelrecht der Wind um die Ohren. In dieser Umgebung muss man um sein Überleben kämpfen, es der harten und gleichzeitig wunderschönen Natur abtrotzen. Wir erfahren, wie Quoyle und seine Familie hier Fuß fassen, was sie erleben und wie sie sich entwickeln. Tatsächlich scheint es der passende Ort für Quoyle zu sein, er verändert sich und wird selbstsicherer. Durch seine Arbeit beim Lokalblatt, dem Gammy Bird, lernt er viele - oft eigenwillige - Personen kennen, und findet auch Freunde.

Es ist eine leise Geschichte, bodenständig und vom Grundton her eher traurig. Es geht vorrangig um den Kampf ums Überleben in dieser rauen Gegend. Die Entwicklungen erfolgen langsam und mit einigen Rückschlägen, führen aber doch zu einem hoffnungsvollem Ende. Die Sprache ist öfter etwas grob, wirkt auf mich aber sehr lebensnah und echt - und trägt zur stimmungsvollen Atmosphäre dieses Buches bei.

Es ist für mich kein Buch, das sich mal schnell nebenher lesen lässt - man muss sich darauf einlassen können, und auch ein wenig Geduld mitbringen. Aber dann wird man mit einer besonderen Geschichte belohnt!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

"Und es mag sein, dass die Liebe ohne Schmerzen und Elend kommt" Dies ist der letzte Satz der deutschen Übersetzung von "Schiffsmeldungen", das Meisterwerk von E. Annie Proulx, und er ist bis heute in meinem Gedächtnis verankert. Das sprachliche Können der amerikanischen Schriftstellerin ist meines Erachtens exzellent, ihre Ideen sind überraschend und die Charaktere überzeugend. Ich empfand die Lektüre der Geschichte des unbeholfenen und erfolglosen Quoyle, der Hauptcharakter dieses im unwirtlichen Neufundland spielenden Romans, als außerordentlich tröstlich, erheiternd und motivierend. Ich liebe dieses Buch!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue