David Benioff: Stadt der Diebe

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David Benioff: Stadt der Diebe
Verlag
ET (D)
2009
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
City of Thieves
ET (Original)
2008
ISBN-13
9783896673947

Informationen zum Buch

Seiten
384

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Mein Großvater, der Messerstecher, tötete zwei Deutsche, bevor er achtzehn war.

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Handlungsort

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Leningrad im Januar 1942: Weil er während der nächtlichen Ausgangssperre die Leiche eines deutschen Soldaten nach Essbarem durchsucht hat, wird der 17-jährige Lew sofort verhaftet - auf Plündern steht die Todesstrafe. Nach endlosen Stunden in einer kargen Gefängniszelle wird er allerdings nicht aufs Schafott, sondern zusammen mit seinem Mithäftling Kolja vor den Geheimdienstchef der Stadt geführt. Der stellt die beiden vor eine schier unlösbare Aufgabe - im Tausch gegen ihr Leben sollen sie innerhalb von sechs Tagen im ausgehungerten Leningrad zwölf Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter auftreiben.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der den schüchternen, introvertierten Lew schicksalhaft an Kolja schweißt - einen schlitzohrigen, charmanten Frauenhelden und notorischen Lügner, der ihm ständig schmerzhaft bewusst macht, dass er selbst so gar nicht zum Abenteurer taugt. Als die beiden die Hoffnung, in Leningrad Eier zu finden, aufgeben müssen, fasst Kolja einen aberwitzigen Plan: Er will sich mit Lew zu einer Geflügelfarm jenseits der feindlichen Linien durchschlagen, in ein Dorf südlich von Leningrad. Ein selbstmörderisches Unterfangen, wären da nicht Koljas Kaltschnäuzigkeit, eine unerschrockene Partisanin namens Vika und Lews Schachtalent ...

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Lew Beniov ist siebzehn, als die Deutschen im Winter 1941/42 Leningrad belagern. Die Bevölkerung ist ausgehungert, Brennstoff genauso rar wie Lebensmittel, die Verzweiflung wächst. Als Lews Mutter und Schwester die Stadt verlassen, bleibt er zurück, er will kein Feigling sein und gegen die Deutschen kämpfen, obwohl er, abgemagert und eher ein Denker als ein Sportler, nicht gerade die besten Voraussetzungen dafür mitbringt.

Aufgrund einer Dummheit landet er im berüchtigten Gefängnis von Leningrad und trifft dort in einer düsteren Zelle auf Kolja, einen jungen Soldaten, der angeblich desertiert ist. Die beiden sind sich sicher, dass die den nächsten Tag nicht überstehen werden - doch das Schicksal in Form eines Offiziers, dessen hübsche Tochter am darauffolgenden Wochenende heiraten soll, hat andere Pläne mit ihnen. Trotz der Belagerung und der Lebensmittelknappheit soll es ein rauschendes Fest werden. Der liebende Vater hat auch schon für alles gesorgt, nur die Eier für die Hochzeitstorte fehlen, denn Eier hat in ganz Leningrad seit Monaten niemand mehr gesehen, geschweige denn gegessen. Nun stellt er Lew und Kolja in Aussicht, ihr Leben zu verschonen, wenn sie es schaffen, innerhalb der nächsten paar Tage ein Dutzend Eier aufzutreiben.

Die beiden ergreifen die Chance, ohne so recht zu wissen, wo sie eigentlich anfangen sollen zu suchen, und eine wahre Odyssee beginnt, in deren Verlauf die beiden Jungen mit ungeahnten Gefahren und Grausamkeiten konfrontiert werden.

Ich hatte das Buch schon jahrelang auf dem SUB und nie so wahnsinnig Lust, es zu lesen, doch David Benioffs lebendiger Erzählstil hat mich sehr schnell gepackt, und ich mochte auch Lews oft ein wenig selbstironische Erzählweise. Er ist kaum mehr als ein Junge, unter Intellektuellen aufgewachsen, der gerne Schach spielt und harmlosen Phantasien über seine junge Nachbarin nachhängt, als durch den Krieg und die Belagerung alles aus den Fugen gerät und er plötzlich in diese "Mission Hochzeitstorte" hineingerät. Er und Kolja sind ein ungleiches Paar, das sich wahrlich nicht immer einig ist - dass sie eben nicht gleich dicke Kumpels werden, sondern sich manches Mal gehörig auf den Wecker gehen, hat mir gut gefallen.

Was sie auf ihrer Wanderung durch den eisigen Hungerwinter mitbekommen und auch am eigenen Leib erleben, körperliche Gewalt wie seelische Grausamkeit, ist nichts für schwache Mägen und manchmal fast "too much", könnte andererseits aber auch gut so passiert sein in dieser Zeit. Diversen Schrecknissen steht aber auch einiger Humor gegenüber, wobei man an einigen Stellen merkt, dass es sich um spätpubertäre oder gerade knapp der Pubertät entwachsene Jungs handelt (der eine oder andere Gag unterhalb der Gürtellinie hätte jetzt nicht unbedingt sein müssen).

Dass Benioff auch Drehbuchautor ist (u.a. Co-Autor der Serie "Game of Thrones"), verwundert nicht - er hat ein Händchen für bildgewaltiges Erzählen, ohne dafür allzu viele Worte aufwenden zu müssen, und lässt vor dem inneren Auge des Lesers richtiggehend einen mitreißenden Film ablaufen. Dabei ist es ihm für meine Begriffe ziemlich gut gelungen, die Balance zwischen Grauen, Gefühl und (Galgen)Humor zu finden.

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Gerade am Anfang war ich mir nicht sicher, ob mir das Buch gefallen würde. Die aktuelle Witterung (August) passte nicht zu Eis und Schnee im russischen Winter und angesichts des allgegenwärtigen Hungers im Buch fühlte ich mich ziemlich mies, dieses Buch während des Essens oder mit Nachzeug neben mir zu lesen. Im Laufe der Zeit konnte ich das Buch aber immer weniger aus der Hand legen und die Geschichte hat mich mehr und mehr gefangen genommen. Dabei enthält sie durchaus einiges an Unwahrscheinlichkeiten und eher unglaubwürdigen Begebenheiten, aber das macht nichts, die Erzählung trägt einen darüber hinweg. Der Autor deutet an, dass es sich um eine größtenteils wahre Geschichte handelt, aus dem Leben seines Großvaters, und hier gilt auf alle Fälle die Devise: Wenn es nicht wahr ist, ist es zumindest gut erfunden.

Leningrad im Januar 1942 ist von den Deutschen eingeschlossen und Heizmaterial und vor allem Nahrung jeglicher Art ist unbezahlbar, man ernährt sich von Buchleim und Sägespänenbrot. Die Mission, in dieser Umgebung, zu dieser Zeit, ausgerechnet 12 Eier besorgen zu sollen, ist absolut grotesk, man kann eigentlich nur den Kopf schütteln über die Vermessenheit des Obersts.

Dem Autor gelingt es sehr gut, die alltäglichen Grausamkeiten zu beschreiben, wie sehr Hunger, Kälte und Krieg die Menschlichkeit zerstören, wird in aller Deutlichkeit dargestellt und ist ziemlich erschreckend, einige Szenen sind sicherlich nichts für empfindliche Gemüter oder Mägen. Umso angenehmer wirken die beiden Hauptfiguren, Kolja mit seinem Charme und Lew mit der ganz normalen Unsicherheit eines Heranwachsenden. Diese beiden Figuren, die so alltägliche Gedanken und Nöte haben, wachsen einem so im Verlauf der Geschichte immer mehr ans Herz und man fiebert mit, ob sie den Auftrag werden ausführen können.

Insgesamt betrachtet, kann ich "Stadt der Diebe" nur allen empfehlen, die eine gute Geschichte zu schätzen wissen. Lest dieses Buch!

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