Stefan Schweizer: Die Akte Baader

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Stefan Schweizer: Die Akte Baader
Verlag
ET (D)
2018
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783839222003

Informationen zum Buch

Seiten
313

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die unzähligen, endlosen und einsamen Nächten waren für Andreas Baader das Schlimmste.

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Handlungsort

Stadt
Kontinent
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Andreas Baader wächst ohne Vater bei Mutter, Tante und Großmutter auf. Früh zeichnen sich trotz verzweifelter Bemühungen der Mutter schulische Probleme und berufliches Scheitern ab. Baader schlittert in die Kriminalität, bewegt sich gern in der halbseidenen Münchener Schickeria, um dann in Berlin einen Politisierungsschub zu erfahren. Mit der Kommune 1 und der Kaufhausbrandstiftung 1968 vollzieht sich sein Weg vom Rebell zum Revolutionär. Mit der Gründung der linksrevolutionären Roten Armee Fraktion (RAF) wird er zum Staatsfeind Nr. 1!

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Biographischer Roman mit einem Mix aus Realität und Fiktion

Früher habe ich mich sehr mit den 70ern und dem Terrorismus der damaligen Zeit beschäftigt - was möglicherweise auch daran lag, dass ich nur knapp 10 Kilometer Luftlinie von Stammheim aufgewachsen bin. Aus diesem Grund hat mich der Klappentext von "Die Akte Baader" natürlich sofort neugierig gemacht.

Andreas Baader wurde 1943 in München geboren, verbrachte die ersten Lebensjahre aber bei seiner Großmutter in Halle an der Saale. Später wuchs er sehr behütet bei seiner Mutter, Tante und Großmutter in der bayerischen Landeshauptstadt auf. Quasi einem reinen Frauenhaushalt, da sein Vater im II. Weltkrieg vermisst und zehn Jahre nach Kriegsende für tot erklärt wurde.
Baader war intelligent, aber schon bald eckte er in verschiedenen Schulen an, was trotz den Bemühungen seiner Mutter dazu führte, dass er grandios scheiterte und in halbseidene Kreise und die Kriminalität schlitterte. Im Alter von 20 Jahren zog Baader nach West-Berlin und erfuhr hier schließlich eine Politisierung. Im vielzitierten Jahr 1968 entwickelt er sich schlussendlich vom rebellischen jungen Mann zu einem gewaltbereiten Revolutionär...

Der Autor Stefan Schweizer hat bereits Bücher zum Thema Geschichte und Politik, insbesondere auch zu Terrorismus, verfasst. Im nun vorliegenden biografischen Roman widmet er sich einem der führenden Köpfe der ersten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF). Sehr anschaulich schildert Schweizer den Werdegang Baaders - zeigt nicht nur einen cholerischen, gewalttätigen Mann mit einem extremen Geltungsbedürfnis, sondern auch sein Leben als geliebter Sohn und Partner.
Dennoch ist "Die Akte Baader" kein Sachbuch, denn so manches Stilmittel des Romanes zeigt eindeutig in die Richtung Roman - ebenso wie die Tatsache, dass beispielsweise Geschehnisse, deren Fortgang wir nicht (genau) kennen, hier erzählt und nicht im Dunkeln gelassen werden oder aber, dass wir an den Ideen und der Gefühlswelt der Hauptfigur teilhaben dürfen. Die fiktiven Szenen werden nicht gekennzeichnet oder im Nachgang erläutert, daher ist die Kategorisierung des Verlages, dass es sich beim vorliegenden Buch um einen biografischen Roman handelt, durchaus korrekt. Nichtsdestotrotz bleiben aber auch die belegbaren Fakten rund um die RAF nicht außen vor, so dass alles in allem eine interessante Mischung entstanden ist.

Auch wenn man am Ende der Lektüre meint, den charismatischen Baader mit einem Hang zur Selbstüberschätzung und Brutalität zu kennen, so gibt es keinen Moment während der Lektüre, in dem der Terrorist verherrlicht wird.
Nicht ganz klar ist mir, wer sich für diesen Roman begeistern kann. Wenn ich an einer sachlichen Aufarbeitung der RAF und ihrer führenden Köpfe interessiert bin, dann muss ich im Grunde zu einer fundierten Biographie oder einem Sachbuch über die erste Generation der RAF greifen. Für einen gelungenen Roman hingegen, der fest in das Fundament historischer Fakten eingebettet ist, hätte ich mir immerhin ein Nachwort gewünscht, in dem die Fiktion von der Realität getrennt und erläutert wird.

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Zwischen Roman und Sachbuch

In diesem biografischen Roman, wie der Verlag/Autor das Genre betitelt, wird die Figur von Andreas Baader, dem Kopf der Terrorgruppe RAF, in den Fokus genommen. Der Autor erzählt durchgehend von "Andreas", angefangen bei seiner Kindheit bis zu seinem Tod. Doch vor allem am Ende wechselt er für kurze Zeit die Perspektiven, um die Leser*innen noch die weiteren Verläufe der RAF-Aktionen schildern zu können, auch wenn diese sich Andreas Baaders Perspektive entziehen.

Man merkt auf Anhieb, dass der Autor sich nicht direkt entscheiden konnte, ob er nun einen Roman oder ein Sachbuch schreiben will, was vielleicht auf seinen Beruf als Geschichtsprofessor zurückzuführen ist. Die Leser*innen bekommen die Geschehnisse zwar aus Baaders Perspektive geschildert und das vertrauliche "Andreas" soll sicherlich eine Nähe zulassen, aber dennoch ist durchgehend eine klare Distanz zu spüren. Auch die (vom Autoren sicherlich fiktiv hinzugefügte) wörtliche Rede wirkt oft holprig. Hinzukommen einige Fach- und Fremdwörter, die für interessierte Laien sicherlich verständlich sind, aber für Menschen ohne Hochschulabschluss oder großem Interesse an Geschichte vielleicht überfordernd sein könnten. Dennoch ist das Buch weit von einem Sachbuch entfernt. Dafür sprechen zum einen die bereits erwähnte wörtliche Rede, aber auch jegliche Verweise in Form von Fußnoten oder einer angehängten Literaturliste, wie sie in historischen Romanen oft zu finden sind. Es gibt zwar ein vierseitiges Nachwort, das aber eher allgemein gehalten ist und nicht über Fiktion und Realität aufklärt. Doch durch diese vermischten Stilelemente schafft der Autor es, einen informierenden Roman über Baader und die RAF zu schreiben, der NICHT glorifiziert. Schonungslos beschreibt er Baaders aufbrausenden, gewalttätiges Gemüt, seinen zerstörerischen Alkohol- und Drogenkonsum, seine gewaltverherlichenden Gedanken und Visionen. Viel bleibt am Ende nicht mehr vom Mythos des Andreas Baaders übrig, das die Leser*innen glorifizieren könnten. Denn zwar werden hin und wieder auch die verqueren politischen Ansichten beschrieben, doch treten die im Gegensatz zu Baaders Geltungsbedürfnis in den Hintergrund.

So konnte der Roman mich am Ende doch noch überzeugen, obwohl ich am Anfang wegen des Stils starke Bedenken hatte. Auch entwickelt sich eine Lesesog, obwohl die Geschehnisse - zumindest die Eckdaten - mir bekannt waren.

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Gelungener Roman

Andreas Baader (1943-1977) ist die zentrale Figur des RAF-Terrors in den 70er-Jahren gewesen. Der geltungssüchtige, gewaltbereite und cholerische Münchener wuchs ohne Vater auf und eckte bereits in seiner Jugend überall an. Von keiner Person, nicht einmal von seiner Mutter, ließ er sich etwas sagen und verließ das Gymnasium nach mehreren Schulverweisen ohne Abschluss. Schon damals war der ewig unstete Baader ein Rebell. Nach einer kurzen Stippvisite in der Münchener Kunstszene zog es ihn nach Berlin, in die Kommune I. Angestachelt durch die 68er-Bewegung wollte auch er, der beruflich keinerlei Ehrgeiz erkennen ließ, etwas bewegen und sich gegen das Establishment auflehnen. Als dann noch die USA den Vietnamkrieg begannen, gab es kein Halten mehr. Gemeinsam mit seiner intellektuellen Lebensgefährtin Gudrun Ensslin wollte er Taten sprechen lassen und setzte 1968 mit ihr das Kaufhaus Schneider in Frankfurt in Brand. Auch wenn das deutsche Pendant von Bonnie und Clyde daraufhin schnell gefasst und inhaftiert wurde, den Revolutionswillen bzw. der Gewaltbereitschaft der Gründungsmitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF) tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil, eine militärische Ausbildung in Israel und diverse Straftaten mit selbst hergestellten Bomben in der BRD folgten…

Soweit dürfte die Geschichte hinlänglich bekannt sein. Das Besondere an Stefan Schweizers Fassung ist dessen Aufbereitung als biografischer Kriminalroman. Spannend und faktenbasiert schildert er darin Andreas Baaders Lebensweg, der ihn letztendlich in den Terror führte. Unklarheiten und Fehlstellen innerhalb der RAF-Historie wurden vom Autor derart fachmännisch und realitätsnah beseitigt bzw. ausgefüllt, dass eine flüssig und ungemein interessante Story entstanden ist. Und er zeigt damit, dass Zeitgeschichte mehr als graue Theorie sein kann. Zudem schaut Schweizer hinter die charismatische Macho- bzw. Revoluzzeraura von Andreas Baader und entdeckt dabei eine stets getriebene, schwer drogenabhängige Person, die immer im Mittelpunkt stehen wollte. Mehr noch, Baaders verbale und physische Entgleisungen werden ebenso ungeschönt und damit authentisch wiedergegeben wie sein Hang für Extreme und Monologe. Auf diese Weise kommt Stefan Schweizer der Person Andreas Baader m. E. extrem nahe und macht ihn für alle Leser, die diese Zeit nicht miterlebt haben, fassbarer.

FAZIT
Eine gelungene Adaption eines interessanten Stücks der deutschen Zeitgeschichte, die ich jedem Leser empfehle, der auf belletristischem Wege seine Geschichtskenntnisse erweitern möchte.

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