Susann Rehlein: Die erstaunliche Wirkung von Glück

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Susann Rehlein: Die erstaunliche Wirkung von Glück
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783832198060

Informationen zum Buch

Seiten
250

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Dies ist die Geschichte von Dorle. Sie lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge ausnutzen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist aber was soll man machen, wenn plötzlich acht Topfpflanzen vor der Tür stehen mit dem Hinweis »Bitte gießen, verreise. MfG Bock«? Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, 84 und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Nicht ohne Hintergedanken trägt sie ihr auf, genau die Dinge zu tun, mit denen sich die alte Dame sonst das Leben schön macht: im Bett Filme gucken und Pralinen essen, Wellnesstermine wahrnehmen, köstliche Gerichte kochen. Für jemanden wie Dorle ist das ganz schön herausfordernd. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie behandeln sie wie eine Dame. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben. Doch dies wäre keine gute Geschichte, wenn es nicht ein paar Umwege und Sackgassen gäbe auf dem Weg zum zum Happy End, oder?

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Ein bisschen Zauber im Leben

Dorle ist zwar offiziell nicht die Concierge des Hauses, aber sie lebt in der Concierge-Wohnung im Souterrain. Dementsprechend wird sie von den Bewohnern als solche angesehen und behandelt. Und da Dorle nur sehr schlecht Nein sagen kann, Putzen außerdem als beruhigende Beschäftigung empfindet und sich nicht gut gegen andere Menschen behaupten kann, erfüllt sie eben klaglos alle Aufgaben, die ihr so aufgeladen werden. Dabei scheint sie gar nicht zu bemerken, dass sie ausgenutzt und teilweise wirklich unverschämt behandelt wird.

Aber jemand anderem fällt dies auf: Frau Sonne im oberen Stockwerk macht es sich zur Aufgabe, Dorle aus ihrem Kellerdasein herauszuholen. Sie bittet Dorle, drei Monate lang ihre Wohnung zu hüten und bietet ihr dafür eine großzügige Bezahlung. Es gibt nur zwei Bedingungen, Dorle darf nicht in ihre Wohnung zurückgehen und sie muss die gelegentlich per Fax eintreffenden Aufträge von Frau Sonne erfüllen. Dorle sagt zu und eine spannende Entwicklung setzt ein.

Ich wusste zu Beginn überhaupt nicht, wohin mich dieses Buch führen wird. Die Hausbewohner haben mich von Anfang an furchtbar aufgeregt, genauso aber auch Dorle selbst, die sich so behandeln lässt und nicht einmal wirklich aufbegehrt. Im Verlauf des Buches wuchs mir Dorle aber immer mehr ans Herz, man erfuhr mehr über sie und konnte besser verstehen, warum sie so ist, wie sie ist.

Die Hausgemeinschaft ist ziemlich verrückt, auf ganz unterschiedliche Weise. Es gibt Bewohner, die waren bis zum Ende hin einfach nur grässliche Gestalten, andere entpuppten sich als gar nicht so schlimm und hatten doch das Herz am rechten Fleck.

Frau Sonne und ihre Mitarbeiterin Henriette Schräubchen bleiben dabei relativ mysteriös und schwer greifbar, auch darf man nicht alles, was hier geschieht, bis ins allerletzte Detail hinterfragen und nach logischen Erklärungen für alles suchen. Manches muss man einfach hinnehmen und auf sich wirken lassen.

Ein bisschen Zauber im Leben tut uns doch allen gut und so war das Buch wirklich eine zauberhafte Geschichte, die gleichzeitig aber auch an vielen Stellen zum Nachdenken anregt.

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Wie aus Dorle Dorothea wird ...


Dorle ist eigentlich mit ihrem Leben als graue Maus zufrieden: der Tag ist perfekt durchgeplant (Störungen
sind ausdrücklich unerwünscht), sie hat einen Freund (der aber bitte schön nicht so oft vorbeikommen und so viel reden soll) und sie ist der Fußabtreter für ihre Nachbarn (das macht aber nichts).
Als ihre betagte Nachbarin Frau Sonne Dorle um Hilfe bittet und ihr gegen Bezahlung die große Wohnung überlässt, wird ihr Leben und ihre Gefühlswelt auf den Kopf gestellt: Massagen, Fitnessclub, Klangschalentherapie für Pflanzen, ein Kater und achtzigjährige Gigolos halten sie auf Trab. 

Gleich auf den ersten Seiten fiel mir der Schreibstil der Autorin positiv auf: tragikomisch mit ironisch-zynischen-humorigen Zwischentönen und Emotionen. Dadurch kommt das traurige Leben der Dorle anfangs gar nicht so traurig beim Leser an, vielmehr sind es die Umgebungsbeschreibungen, bei denen es mir allmählich dämmerte, dass sie von den Nachbarn lediglich als kostenlose Putzkraft und nicht als Mensch wahrgenommen wird. Bis Frau Sonne mit ihrer Assistentin Henriette Schräubchen beschließt, genau das zu ändern. 

Dorle ist eine junge Frau, die kein Selbstwertgefühl hat, keine Nähe zulassen kann und es in Ordnung
findet, wenn Andere auf ihr rumtrampeln. Manchmal möchte man sie einfach nur in den Arm nehmen und manchmal schütteln, dass sie doch endlich den Hintern hoch kriegen und sich wehren soll. Ihr einziger
Freund ist Joe, der in sie verliebt ist: wenn er bei ihr ist, dann nervt und ängstigt er sie mit seiner zappeligen Art, wenn er weg ist, dann vermisst sie ihn. 

Kein Wunder, dass sie teilweise ganz schön überfordert mit ihrem neuen Auftrag ist, der ihr jede Menge
Kontakte zu wildfremden Menschen beschert – aber auch Glücksmomente und Sehnsüchte, die sie bisher nie kannte und die süchtig machen. Glück kann eben erstaunliche Wirkungen haben. 

Mir hat dieses Buch gut gefallen, da es trotz des deprimierenden Lebens der Dorle leicht und augenzwinkernd
daherkommt und durch seine leichten magischen Einschläge für etwas Zauber im Leben sorgt. 

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Neuer Auftrag: glücklich sein!

Inhalt
Die junge Dorle wohnt in der winzigen Concierge-Wohnung eines herrschaftlichen Mehrfamilienhauses, deren Bewohner vom Alter her ihre Großeltern sein könnten. Als ehemaliges Heimkind kann sie Nähe nur schwer zulassen, worunter der junge Joe leidet, der gerne ihr Freund wäre. Er ist Dorles einziger junger Kontakt, denn er bringt ihr ihre regelmäßige Heimarbeit, mit der sie sich etwas Geld verdient. Kein Geld bekommt sie für die vielen Arbeiten, die sie für die Alten des Hauses leistet, weil diese sie als Concierge ausnutzen und ihr immer wieder wie selbstverständlich neue Aufträge geben, obwohl sie gar keine Concierge ist. Und wie selbstverständlich führt Dorle diese Aufträge auch einfach aus und putzt sogar noch der Putzfrau hinterher, weil ihr deren Arbeit nicht gründlich genug erscheint.

Dies geht irgendwann einer der Bewohnerinnen gegen den Strich. Als lebenslustige und selbstbewusste Frau kann Frau Sonne es nicht mehr mit ansehen, wie sehr Dorle sich ausnutzten lässt und gibt ihr einen Auftrag der anderen Art: Dorle soll für sie ihre große Wohnung hüten, dort Filme schauen, Pralinen essen, den Kater füttern und Faxe mit neuen Aufträgen erwarten. Diese Aufträge sind immer wieder neue Herausforderungen, auch wenn es sich dabei um Massagen, Sport oder Dates mit alten Männern handelt. Denn diese Aufträge bewirken einige Veränderungen in Dorle...

Meine Meinung
Dieses Buch ist ein zauberhaftes Buch, denn genau solch eine Ausstrahlung hatte es für mich beim Lesen. Es erscheint zwar erst einmal traurig und bedrückend, denn Dorles Leben, ihr mangelndes Selbstbewusstsein, ihr fehlendes Selbstwertgefühl wirkten bedrückend und ich war entsetzt darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit sie alles tat, was man ihr auftrug und das ganz ohne bitte und danke, sondern per Zettelnachricht oder wortlos. Noch entsetzter war ich, wenn Dorle froh darüber war, dass z. B. eine boshafte Nachricht einer Mitbewohnerin von ihr selbst gefunden wurde und somit für niemanden Schaden entstand. Niemand? Dorle sieht sich als Niemand! Ich hätte sie gleichzeitig drücken und schütteln mögen. Gleichzeitig tat mir auch Joe sehr leid, dem man anmerkte, dass er in Dorle verliebt war und der doch immer wieder von ihr zurückgewiesen wurde, weil er zu anstrengend für sie sei. Dass sie ihn selbst liebte, konnte sie sich einfach nicht eingestehen.

Doch dann kam Frau Sonne – und wie bei vielen Märchen, die ebenso eine bedrückende Anfangssituation bieten, passieren dann ungewöhnliche Dinge. Die Stimmung der Geschichte erinnerte mich beim Lesen daher oft an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Alice im Wunderland“. Ersteres aufgrund der Ausgangssituation und Handlung, das zweite aufgrund der oft skurrilen Situationen und Figuren, die manchmal eine seltsam unwirkliche Atmosphäre schafften. So kam ich beim Lesen in eine eigenartige zauberhafte Stimmung.

Dorles Weg zu mehr Selbstwertgefühl war trotzdem nicht einfach. Es gab immer wieder Rückschläge und man begleitete Dorle durch ein Hoch und Tief der Gefühle. Traurigkeit, Wutanfälle, Depressionen wechselten mit Begeisterung, Staunen und Neugier. In einem Moment vergräbt sie sich niedergeschlagen in der hintersten Ecke, in einem anderen Moment erlebt sie ihren ersten Tanz und ein paar Küsse wie einen einzigen schönen Rausch. Es ist nicht so, dass sie irgendetwas bekommt und deshalb geht es ihr gut, sondern sie arbeitet an sich, sie erkennt, was mit ihr passiert, was man mit ihr macht und reagiert aber dann darauf. Diese Entwicklung war spannend und emotional zu lesen.

Man sollte für diese Geschichte aber auch ein bisschen Magie mögen, denn ein Zauber, den die Geschichte für mich auch ausmacht, ist, dass man mitten in der Realität auch mal mit zauberhaften Szenen überrascht wird. So spielt ein Kater mit ausgefallenen Fähigkeiten eine ganz besondere Rolle, den ich sehr mochte. Wer damit kein Problem hat und sich auf eine „Therapie“ der etwas anderen Art einlassen möchte, kann viel Spaß mit dieser Geschichte haben und dabei vielleicht sogar das ein oder andere für sich selbst mitnehmen.

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Zauberhaft

Die 24jährige Dorle lebt in der Souterrain-Wohnung eines noblen Mietshauses und verdient ihr Geld damit, Kristalle für Kronleuchter in Heimarbeit zusammenzustecken. Ihr Leben ist ziemlich trostlos und einsam, aber Dorle, die ein Problem mit Nähe hat und deswegen auch ihren Verehrer Joe nicht wirklich an sich heranlässt, ist ganz zufrieden in ihrer überschaubaren Welt und hat auch kein Problem damit, von den anderen Hausbewohnern als Concierge und Putzfrau ausgenutzt zu werden.
Doch dann bekommt Dorle von Frau Sonne, ihrer betagten Nachbarin, einen Auftrag der ganz besonderen Art. Sie soll in Frau Sonnes Abwesenheit deren Wohnung hüten und sie im Fitnessstudio, beim Massagetermin und beim Treffen mit zwei älteren Herren vom Escort-Service vertreten. Am Anfang fällt es Dorle schwer, ihre Komfortzone zu verlassen und sich auf all die neuen Erfahrungen einzulassen, doch wie der Titel des Buches schon verrät, kann Glück eine erstaunliche Wirkung auf Menschen haben...

Ich hatte nicht damit gerechnet, in diesem Roman mit Dorle einer so traurigen und selbstwertlosen Person zu begegnen, aber der Autorin gelingt es ganz wunderbar, Dorles Geschichte ganz ohne Kitsch und Tränendrüse auf eine ironischen-humorvolle Art und Weise zu erzählen.
Die meisten Figuren dieses Buches haben irgendeinen Tick oder eine Macke und wirklich "normal" ist eigentlich keiner, aber das passt zu der Atmosphäre des ganzen Buches gut. Besonders die Hausbewohner sind nun nicht gerade sympathisch, aber wenigstens einige davon durchlaufen, zusammen mit Dorle, mit fortschreitender Handlung eine Wandlung zum Besseren.

Sicherlich darf man nicht alles, was hier passiert, mit Vernunft und rationalem Verstand hinterfragen, aber wenn man sich auf die skurrile, manches Mal an Alice im Wunderland erinnernde Buch, einlässt und akzeptiert, dass eine Frau mit rosafarbenen Harren Gedanken lesen kann und ein Kater gerne auch mal den CD-Spieler bedient, wird man mit einer zauberhaften und traumartigen Geschichte belohnt. Und ein bisschen Zauber und Glitzer im Leben kann ja nie schaden!

Mit hat das Buch großes Vergnügen bereitet und ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Einziger kleiner Kritikpunkt sind all die Glücklichmacher für Dorle, die nur mit Geld zu bekommen sind und den Eindruck vermitteln könnten, nur Konsum allein würde schon zu einem besseren Leben führen. Am Ende kann Dorle aber auch ganz ohne viel Geld glücklich sein, so dass sich dieser kleine fade Beigeschmack wieder relativiert.

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Und welche Macke hast du so?

Das ungewöhnliche Cover hat mich auf das Buch aufmerksam werden lassen, denn eine Frau sitzt doch eher selten in einem Kronleuchter.

In der Geschichte geht es um die 24 jährige Dorle, deren Leben irgendwie verkorkst ist. Sie wohnt in einer kleinen Wohnung und die anderen Hausbewohner halten sie für die Concierge und geben ihr dauernd Aufträge, für die sie kein Geld bekommt. Zudem ist ihr Job als Kristallsteckerin auch keine Erfüllung. Wird sich an ihrem Leben jemals etwas ändern?

Ein beobachtender Erzähler führt uns durch die Geschehnisse und hat einen recht distanzierten Blick auf Dorle und die Hausbewohner, weshalb mir lange der Zugang zu den einzelnen Personen fehlte.

Dorle trägt in der Geschichte die entscheidende Rolle. Sie ist ein sehr schwieriger Charakter, in den ich mich nur schwer einfühlen konnte, was aber nicht heißt, dass sie mir unsympathisch war. Sie hat halt immense Probleme, die sie mit sich rumträgt und nur schwer ablegen kann. Durch ihr Helfersyndrom und ihren Putzfimmel versucht sie zu verbergen, was sie wirklich umtreibt. Manchmal hätte ich sie gern geschüttelt, damit sie endlich lebt und den Schmutz der anderen Schmutz sein lässt.

Was sie alles durch Frau Sonne organisiert erlebt, ist spannend und bei der ein oder anderen Begebenheit musste ich schmunzeln. So ganz wollte der Funke dann aber trotzdem nicht überspringen.

Dorle erinnert sich bruchstückhaft immer mal wieder an ihre Kindheit und die Zeit im Kinderheim, aber was da genau alles vorgefallen ist, erfahren wir in dem Roman leider nicht, so dass für mich einige Fragen einfach offen geblieben sind.

Ganz besonders gefallen haben mir der Kater und die Klangschalentherapie, etwas nervig fand ich die andauernde Erwähnung des Wolpertingers.

Fazit: Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und auf jeden Fall unterhaltsam ist. Mir hat jedoch das gewisse Etwas gefehlt, um mich vollends zu überzeugen, weshalb ich nur bedingt eine Leseempfehlung ausspreche.

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3 Küsse für Aschenbrödel

Susann Rehlein - Die Erstaunliche Wirkung von Glück - Dumont

Dorle, 24, wohnt in einem alten herrschaftlichen Haus in der ehemaligen Concierge-Wohnung im Souterrain, wo die Bewohner schon genauso alt sind, wie der Putz, der von den Wänden bröckelt. Dorle fühlt sich eigentlich ganz wohl, in ihrer 15 qm kleinen Nußschale. Alles ist überschaubar 
und in der Toilette gibt es sogar einen Platz für ihre Lieblingssachen, ansonsten ist alles besetzt mit Heimarbeit-Kartons voller Glitzerkram. Dorle steckt Kronleuchterketten zusammen, einen Luxuxartikel, den sie zwar schön findet, sich aber nie leisten könnte. Sie ist froh, das sie nirgendwo einer regulären Arbeit nachgehen muss. Ihrem Lebenslauf als Heimkind zu Folge, hat sie wohl einige "Altlasten" oder Traumata in 
ihr kleines Leben mitgenommen, Zurück bleibt ein armes verhuschtes nettes Mädchen, so eine, an die jeder eine Bitte hat, aber nicht bitte sagt.  In diesem Haus füttert jeder Dorles Helfersyndrom mit seiner unendlichen Bedürftigkeit, ohne den kleinsten Funken  Anerkennung, die Dorle so bitter nötig hätte. Jeder schikaniert und beleidigt Dorle nach belieben, die Liste der zu erledigenden Frohndienste ist lang und die Zeit, die ihr täglich für ihren Lebensverdienst zur Verfügung steht, wird knapp. Die Gemeinschaft des Hauses wird für Dorle zum Dorle zum sozialen Desaster, keiner scheint zu merken, wie sehr ihre Seele darunter leidet.
Die extravagante Frau Sonne aus der "bel étage" schon.
Sie sagt es ihr "Frei Schnauze" ins Gesicht:
"Schreiben sie 10 x "Ich darf niemand erlauben meine Würde zu verletzen! und liefern sie es heute abend bei mir ab!" Dorle kauft tatsächlich einen Block und liefert die erledigte Strafarbeit im obersten Stockwerk ab. Dort verbringt sie den schönsten Abend, seit sie denken kann. Gespräche, lachen, spielen und die köstlichsten Häppchen vom Catering, das Appartement ist ein Traum! Dann bekommt sie ein Angebot, das sie unmöglich ablehnen kann, sie soll die Wohnung für 3 Monate hüten und bekommt jede Menge Geld dafür.
Einzige Bedingung: 
Sie darf während der Zeit nicht in ihre Wohnung und sich von niemand "beschäftigen" lassen, nicht in alte Lebensgewohnheiten zurückfallen. Abund zu käme ein Fax mit Anweisungen und die Pflanzen müssen täglich ihre Klangschalentherapie bekommen. Frau Sonne und deren Assistentin, genannt Schräubchen, halten Dorle ebenfalls für eine Pflanze mit verkümmerten Wurzeln..was sie ganz richtig erkannt haben..
Statt Buchstabensuppe gibt es jetzt Sushi und die alten Klamotten weichen "Haute Couture"..

Die erstaunliche Wirkung von Glück
 soll bei Dorle eintreffen, ohne dass sie es merkt..
was haben sich die Damen da wohl noch alles ausgedacht?
UnterhaltsameSozialstudie mit Achenputtel-Anleihe.. Ein charmantes Buch über Phobien, Ängste, Zwangsneurosen, neuen Mut und wie man seine Mitmenschen nicht behandeln sollte.
Die Moral von der Geschicht: Ein fröhliches Herz, ist die beste Arznei!

Michhat dieses Buch leider nicht allzu glücklich gemacht, weil ich stark mit Dorle mitgelitten habe, ich habe mich zu sehr auf die Hauptperson eingelassen und war enttäuscht von dem Verhalten ihrer Mitmenschen.
Ein automatischer Effekt.

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Lass dich verzaubern

Dorle lebt in einer Kellerwohnung, die Wohnungen über ihr sind von älteren Menschen bewohnt, die Dorle immer wieder und ganz selbstverständlich für ihre Dienste einspannen. Auch wenn sie Frust ablassen wollen oder aus purer Langeweile ein paar Gemeinheiten loswerden müssen, wenden sie sich an Dorle, die alles mit sich gefallen lässt und nicht daran denkt, ihre Situation zu verändern.

Als Dorle von Frau Sonne beauftragt wird, deren Wohnung zu hüten und ein paar Aufgaben zu erledigen, lehnt Dorle selbstverständlich nicht ab, auch wenn manches ihr etwas komisch erscheint. Erst nach und nach merkt Dorle, dass sie nicht für Frau Sonne arbeitet, sondern an sich selbst und an ihrem Glück, das sie in teuren Restaurants, Massagesalons, dicken Teppichen und bezahlter Begleitung findet.

Das ist auch schon meine erste Kritik, dieser Luxus, den Dorle sich mit ihrer Heimarbeit nie wird leisten können und der in diesem Buch als eine der Haupttherapien für Glück angepriesen wird. Darauf hätte ich verzichten können. Glück durch Konsum und Glück durch Geld gaukelt die Werbung uns täglich vor, das kennt die Menschheit. Billigere Glücksmomente hätten mir besser gefallen. Natürlich ist ihr plötzlicher Reichtum spektakulär, ihr Fall später, wenn sie wieder mit ihrem eigenen Gehalt klarkommen muss, wird umso tiefer sein.

Aber darauf geht das Buch nicht ein. Wie in Weihnachtsbüchern oder Märchenbüchern werden aus grantigen alten Einzelgänger Freunde, Dorles Probleme, die sie seit ihrer Kindheit mit sich schleppt, werden in Kürze gelöst ganz ohne Probleme, ganz ohne Therapie. Ich mag diese Art Bücher nicht. Sie sind unrealistisch und 
vorhersehbar.

Gut gefallen haben mir die Emotionen, die Dorle durchläuft. Sie werden intensiv und glaubhaft beschrieben. Dorles Gefühle, ihre Trauer, ihre Wut, ihr Zorn und ihre Liebe wird niemanden kalt lassen. Auch die verschiedenen Personen ihrer Umgebung, die einsamen und traurigen Alten, die fiesen Klatschbasen und nörgelnde Nachbarn werden wunderbar beschrieben. Allerdings fand ich den Schreibstil als etwas anstrengend zu lesen, weil ich immer konzentriert lesen musste, um nicht zu verpassen, wer was sagte. Manches musste ich ein zweites Mal lesen, was den Lesefluss störte.

"Die erstaunliche Wirkung von Glück" ist ein Buch von dem man sich verzaubern lassen sollte, ohne nach zu denken und ohne zu analysieren. Empfehlen kann ich es jedem, der diese Art von Büchern mag.

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