Tanja Kinkel: Schlaf der Vernunft

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Tanja Kinkel: Schlaf der Vernunft
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426199671

Informationen zum Buch

Seiten
448

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Nach 20 Jahren Gefängnis wird Martina Müller zeitgleich mit der RAF-Auflösung begnadigt. Das „Mörder-Monster“, wie die Presse bei ihrer Verurteilung schrieb. Ihre Tochter Angelika, die ihre Entschlossenheit nie verstanden hat, soll ihrer Mutter nach der langen Haftzeit beistehen, obwohl jedwede Verbindung abgebrochen war. Martina, mit 48 noch jung, muss erkennen, dass nichts erreicht wurde, jeder Mord umsonst gewesen war. Um herauszufinden, ob sich ihre Mutter geändert hat, Reue in sich entdeckt, und Teil ihrer Familie werden kann, muss Angelika Martinas Spuren folgen. Von der Sympathisantin, über die Illegalität und dem Gängelband der Stasi, bis hin zum großen Attentat. Aber nicht nur sie. Durch die Begnadigungen gibt es zwar Ex-Terroristen, aber Ex-Opfer gibt es nicht, denn deren Leid verjährt nie. So taucht der Sohn eines RAF-Opfers auf, der wissen will, wer damals geschossen hat. Ehefrauen, Mütter und der einzig überlebende Leibwächter: Alle haben auch nach Jahrzehnten offene Fragen.

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RAF Terrorismus und seine Aufarbeitung

Nach 20 Jahren Gefängnis wird die ehemalige RAF Terroristin Martina Müller begnadigt und entlassen. Diese Nachricht trifft viele Personen wie ein Schlag ins Gesicht, insbesondere natürlich die Hinterbliebenen des Anschlags, an dem Martina beteiligt gewesen ist. Damals wurde ein Staatssekretär ermordet, seine Leibwächter und sein Fahrer kamen ebenfalls ums Leben. Nur Steffen Seidel, einer der Personenschützer, hat mit schweren Verletzungen überlebt und leidet bis heute an den körperlichen und psychischen Folgen des Attentats. Er hat sich mit seinem Lebensgefährten ein ruhiges Leben aufgebaut und hat Angst davor, dass nun alles wieder aufgewühlt wird, vor allem, weil er sich selbst nicht mehr genau an die Geschehnisse von damals erinnern kann. Dann sind da noch Michael Werder, der Sohn des ermordeten Staatssekretärs, der selbst in die Politik gegangen ist sowie Alex Gschwindner, der Sohn des Chauffeurs, der heute Journalist ist. Aber auch Martina Müller hat eine Tochter, die bei den Großeltern aufgewachsen ist und sich nun ihrer Mutter stellen muss. Angelika ist glücklich verheiratet, selbst Mutter von zwei kleinen Söhnen und hat nie verstanden, was Martina damals dazu getrieben hat, der RAF beizutreten und gegen den Staat zu kämpfen.

Durch die verschiedenen Figuren hindurch zeigt Autorin Tanja Kinkel die Geschichte der RAF und der Bundesrepublik Ende der 60er und in den 70er Jahren aus verschiedenen Perspektiven. Sie schildert den Weg einer ganz normalen jungen Frau aus bürgerlichem Elternhaus in die Radikalität. Sie zeigt den aus heutiger Perspektive kaum mehr nachvollziehbaren Wahnsinn der damaligen Zeit, genauso wie die schwierige Aufarbeitung gute 20 Jahre später.

Aufgrund der vielen Figuren und des Stoffes, der zumindest mir nicht so wirklich bekannt ist, war das Buch keine ganz einfache Lektüre. In meiner Schulzeit endete der Geschichtsunterricht mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, deutsche Geschichte danach war kein Thema mehr. Dabei lesen sich die Geschehnisse, die ja nicht erfunden sind, wie ein Krimi. Der Autorin gelingt es meiner Meinung nach hervorragend, diese Zeit und vor allem den Zeitgeist damals darzustellen. Ich habe bei der Lektüre einiges gelernt und wurde angeregt, vieles nachzulesen, um wenigstens ein paar Wissenslücken zu schließen. Im Buch wird aber auch deutlich, wie komplex und vielschichtig die damalige Situation war.

Gerade deswegen wieder finde ich es auch immer wieder faszinierend, wie Tanja Kinkel mit jedem Buch einen ganz neuen Stoff angeht. Ob es nun um eine Mongolenkaiserin geht oder um den deutschen Herbst, man spürt die genaue Recherche und das Einfühlen in die jeweiligen Personen und Gegebenheiten und hat beim Lesen das Gefühl: so könnte es gewesen sein. Ich bin jetzt schon sehr gespannt, welcher Zeit und Region sie sich als nächstes literarisch widmen wird!

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Die Opfer der RAF

1998: Angelika ist verheiratet und lebt mit Mann und Kindern ein eher unaufgeregtes Leben, als sie eines Tages Post bekommt. Nach 20 Jahren steht die Begnadigung ihrer Mutter Martina bevor, die ein Mitglied der RAF war und als Terroristin und Mörderin verurteilt wurde. Angelika, die ohne Mutter aufwuchs und in all den Jahren keinerlei Beziehung zu ihr hatte, soll Martina nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis beim Start in ein neues Leben unterstützen. Doch Martinas Taten sind noch nicht vergessen, vor allem die Familien der Opfer leiden noch heute darunter. Auch Angelika stellt sich insgeheim die Frage, ob sie den Kontakt zur Mutter überhaupt will. Wird sich zwischen Angelika und Martina eine Mutter-Tochter-Beziehung entwickeln? Wird Martina sich Angelikas Fragen öffnen und ihr Antworten liefern? Und wie gehen die Opferfamilien und –angehörigen mit der neuen Situation um?

Tanja Kinkel hat mit ihrem Buch „Schlaf der Vernunft“ diesmal einen Roman über eines der schwärzesten Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte vorgelegt. Der Schreibstil ist flüssig und weiß den Leser zu fesseln. Die Handlung wechselt mit den Kapiteln zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, beleuchtet eine fragile Mutter-Tochter-Annäherung, aber auch die Leiden der Hinterbliebenen der Opfer. Der Spannungsbogen ist sehr schön angelegt und hält sich bis zum Ende unvermindert auf sehr hohem Niveau. Die Autorin hat akribische Hintergrundrecherche über die RAF betrieben und diese sehr geschickt mit ihrer fiktiven Handlung verwoben, so dass der Leser bei der Lektüre das Gefühl nicht los wird, genau so müsse es gewesen sein.

Die Charaktere sind tiefgründig und psychologisch sehr gut ausgestaltet und lassen den Leser immer wieder zweifeln, wie er in der einen oder anderen Situation gehandelt hätte. Martina ist eine Frau, die von der Ideologie der RAF eingenommen ist, bis sie selbst sich entschließt, Mitglied zu werden und auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. Ihren Idealen opfert sie sogar ihr Kind Angelika, das sie weggibt, um sich weiterhin aktiv zu beteiligen und sich zu radikalisieren. Angelika lebt ein ruhiges und beschauliches Leben mit Mann und Kindern und will eigentlich von der Mutter nichts wissen. Doch innerlich hat sie viele Fragen, die sie gern beantwortet haben möchte, vor allem, um ihren eigenen Frieden zu finden und den Makel der Mutter loszuwerden. Auch die anderen Charaktere, die durch die Entlassung von Martina wieder an die fatalen Folgen in ihrem Leben erinnert werden und sich erneut mit der Vergangenheit auseinandersetzen müssen, werden hervorragend in Szene gesetzt und zeigen die Konflikte von Rache und Verzweiflung auf.

„Schlaf der Vernunft“ ist eine Lektüre der besonderen Art, fast schon ein Kriminalroman mit authentischem Hintergrund. Man merkt dem Buch an, dass die Autorin sich lange mit dem Thema beschäftigt hat und die Frage nach Einsehen und Reue, nach Vergebung und Vergeltung nicht so einfach zu beantworten ist. Absolute Leseempfehlung für ein außergewöhnlich erzähltes Stück deutscher Geschichte. Chapeau!

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Spannende Geschichte über die RAF

Martina, verurteile RAF-Terroristin, wird nach Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Eigentlich freut sich niemand über diese Freilassung. Die Tochter hat die Terrorakte nie verstanden, und auch nicht, dass sie deswegen als Kind von ihrer Mutter verlassen wurde. Die Angehörigen der Opfer sind regelrecht schockiert über diese Entlassung.

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Der frühere Leibwächter wurde schwer verletzt und hat nur durch ein Wunder überlebt. Ihn quält die Tatsache, dass er sich nicht an alles erinnern kann. Der Sohn des Staatsanwalts hat seinen Vater verloren und macht sich seitdem schwere Vorwürfe, weil es zwischen ihm und dem Vater vor dessen Tod Streit gab. Angelika, die Tochter der Terroristin hat ihren Kinder nicht einmal erzählt, dass sie eine Oma haben, die im Gefängnis sitzt, weil sie Menschen ermordet hat.

Das Buch wurde gründlich recherchiert und enthält sehr viele Informationen über die absurden Beweggründe der RAF. Als Leser, der sich nicht mit dieser Epoche der Geschichte auskannte, habe ich beim Lesen sehr viel dazugelernt.

Die Geschichte schildert die die Sicht des einzig überlebenden Opfers, wie die Angehörigen der Verstorbenen weiterleben und wie sie die Freilassung der Mörderin aufnehmen. Sie kann ein normales Leben aufnehmen, während die Angehörigen lebenslänglich trauern müssen. Aber auch die Beziehung zwischen den Angehörigen der Opfer ist nicht einfach. Der Staatsanwalt wurde ermordet, aber die RAF hatte keine Ursache den Fahrer umzubringen. Der Leibwächter muss sich immer wieder der Frage aussetzten, warum er den Staatsanwalt nicht vor dem Tod bewahren konnte.

"Schlaf der Vernunft" ist ein Buch auf tiefgründiges Buch auf zwei Zeitebenen, die der Terrorakte und die Zeit der Entlassung einer der Terroristen. Die Geschichte ist spannend erzählt und ich kann sie interessierten Lesern nur empfehlen.

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Schlaf der Vernunft

Mit „Schlaf der Vernunft“ verlässt Tanja Kinkel die von ihr bereits in vielen Romanen trefflich beschrittenen Pfade des historischen Romans, die vor allem in einer mehrere Jahrhunderte von der Gegenwart entfernten Zeit spielten und wagt sich an die Aufarbeitung einer geschichtlichen Epochen, die die meisten ihrer Leser und sie selbst noch selber miterlebt haben.

Auf zwei Zeitebenen - ab 1967 und 1998 - erzählt sie die Geschichte mehrerer Menschen, deren Leben durch die RAF, deren ideologischen Kampf und deren terroristische Anschläge beeinflusst wurden.

Da ist zum einen Martina, die sich in den Sechziger und Siebziger Jahren radikalisieren lässt, zur RAF-Terroristin wird und schließlich für Jahrzehnte im Gefängnis landet. Da ist ihre Tochter, die nach der Haftentlassung der Mutter versucht, wieder eine Beziehung zu ihrer Mutter zuzulassen und deren Beweggründe für die Taten der Vergangenheit zu verstehen. Da ist der Personenschützer, der ein Attentat als einziger überlebt hat und seitdem seelisch und körperlich an den Folgen leidet. Und da sind die Söhne der getöteten Opfer, die auf ihre Weise mit dem Erlebten und den Folgen ringen.

Dass das Thema keine leichte Kost ist, weiß sicherlich jeder, der sich entscheidet, dieses Buch zu lesen. Und dass Tanja Kinkel eine der wenigen Autorinnen ist, die meiner Meinung nach das Potential dazu haben, alle Aspekte der komplizierten historischen Abläufe zu schildern und dennoch nicht die menschlichen Beweggründe zu vergessen, das ahnte ich auch schon vorher. Und meine Erwartungen wurden erfüllt und noch übertroffen.

Nicht nur, dass ich viel Neues, Wissenswertes über den Terror in der BRD erfahren habe. Viele Zusammenhänge wurden mir erst in diesem Buch so richtig klar. Die Parolen der RAF, ihre Wut auf die Gesellschaft, ihr Wunsch, mit Terror und Gewalt etwas zu ändern, was sie für die Fortführung des dritten Reiches hielten, werden so plastisch und mit den eigenen Worten und Parolen der Terroristen geschildert, dass sich dem Leser die Haare sträuben und das Entsetzen von damals noch genauso intensiv aufwallt. Die Entmenschlichung der Opfer und die Entmenschlichung der Täter gleichermaßen sind ein großes Thema in diesem Buch und angesichts der aktuellen Geschehnisse spürt man in jedem Satz, dass das Alles auch heute noch ganz nah an uns dran ist.

Aber noch mehr bewegte mich die Geschichte dort, wo sie sich mit der Aufarbeitung all der fürchterlichen Dinge beschäftigte, die den Familien der Opfer und Täter angetan wurden. Deren Schmerzen, Verluste und Ängste gewinnen am Ende die Oberhand. Und Tanja Kinkel schafft es, einen emotionalen Bogen zu spannen der den Leser und die Protagonisten dieses Buches in eine Zukunft blicken lässt, die einen Lichtblick bereit hält und die Hoffnung darauf, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit etwas lernen muss und kann und dass man verzeihen muss, wenn man selber Frieden finden möchte.

Ein Buch, welches einen nicht unbeteiligt lassen kann und welches man unbedingt lesen sollte. Denn den Terror gibt es ja weiterhin auf der Welt und immer noch gibt es die Menschen, die Gewalt ausüben und die, die darunter leiden werden.

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Mehr als nur ein Buch über die RAF...

Ich war lange unentschlossen, ob ich dieses Buch lesen soll oder nicht. Ich liebe die Bücher von Tanja Kinkel, die mich bisher noch nie enttäuscht haben, andererseits wusste ich vor Lektürestart nichts über die RAF und ob mich das Thema überhaupt interessieren würde. Letztendlich begann ich dann doch mit der Lektüre, einfach weil Tanja zu meinen Lieblingsautorinnen zählt und ich bin froh, dass ich dieses Experiment gewagt habe.

In der Geschichte geht es um Martina Müller, die nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Ihre Haftstrafe hat sie als RAF- Terroristin bekommen. Tochter Angelika hatte lange keinen Kontakt zu ihrer Mutter, aber kann sie sie jetzt wirklich hängen lassen? Vielleicht hat sie sich verändert und kann ein Mitglied von Angelikas Familie werden...

Die Handlung wird uns über zwei Handlungsstränge näher gebracht. Der eine Strang beleuchtet die fernere Vergangenheit von 1967 bis 1977. Der zweite Erzählstrang spielt 1998, der näheren Vergangenheit.

Tanja Kinkel gelingt es sehr gut zu erläutern wie Martina überhaupt zu einer Kriminellen und Terroristin werden konnte, denn genau das interessiert einen als Leser. Die Autorin schafft es einfach die dargestellte Zeit authentisch widerzugeben und das auf immens spannende Weise.

Zudem kommt sehr gut rüber wie sich Mutter und Tochter langsam aber sicher wieder annähern. Beide bringen Verständnis für die jeweils andere auf und versuchen das Band, was sie einst verbunden hat, wieder zu vereinen. Mich hat sehr gerührt wie viel Sorgen sich Angelika anfänglich um ihre Mutter macht. Letztendlich ist Blut doch dicker als Wasser, egal was einen einst getrennt hat.

Je mehr ich las, desto mehr wuchs mein Interesse. Immer wieder musste ich die Lektüre unterbrechen, um zu recherchieren, Dokumentationen zu sichten und Artikel aus der Zeit zu lesen und siehe da meine Recherchen deckten sich eins zu eins mit dem, was uns die Autorin schildert, was für ihre gelungene Recherchearbeit spricht. Sie lässt Geschichte lebendig und greifbar werden.

Mit diesem Buch ist es Frau Kinkel gelungen mir eine unbekannte Zeit deutscher Geschichte näher zu bringen, die es bisher nicht in mein Bewusstsein geschafft hatte. Gerade in der aktuellen Zeit, wo Terrorismus omnipräsent ist, zeigt dieses Buch sehr gut wie eine völlig normale, bürgerliche Mutter radikal werden kann. Unter bestimmten Bedingungen kann es jeden von uns treffen.

Für mich eines der besten Bücher des Jahres 2015, die ich gelesen habe. Selten hat mich ein Buch so sehr beschäftigt wie dieses. Immer wieder musste ich Freunden und Bekannten davon berichten und meine Erkenntnisse teilen.

Fazit: Ein unheimlich toller historischer Roman, der seinesgleichen sucht. Ich kann nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Genial! Must Read 2015...

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Fesselnd und erschreckend zugleich

In den Siebzigern schließt sich Martina Müller der RAF an. Sie gibt dafür alles auf - ihr bisheriges Leben, ihre Eltern und ihre Tochter Angelika. Nach der Selbstauflösung der Terrorvereinigung wird sie 1998 vorzeitig aus der Haft entlassen. Dieser Gnadenakt stellt viele Personen vor eine Zerreißprobe. Zum einen die Hinterbliebenen ihrer Opfer, zum anderen den einzigen Überlebenden eines blutigen Entführungsversuches, aber auch ihre Tochter und vor allem auch sie selbst. Alles, woran sie geglaubt hat, gibt es nicht mehr. Vielmehr muss sie sich jetzt die Frage stellen, ob ihre Überzeugungen, für die sie gekämpft und gemordet hat, überhaupt die richtigen waren.

Tanja Kinkel beschäftigt sich in ihrem neuesten Roman mit dem deutschen Herbst. Anhand der fiktiven Person Martina Müller zeichnet sie einfühlsam die stetige Radikalisierung eines jungen Menschen nach. Martinas Wandel von einer gutgläubigen Idealistin zur gnadenlosen Fanatikerin vollzieht sich glaubhaft. Der Punkt, an dem es für sie kein Zurück mehr gibt, ist nachvollziehbar und stellt einen selbst vor die kritische Frage, ob man in derselben Situation unter gleichen Voraussetzungen nicht vielleicht sogar genauso gehandelt hätte.

Die Sicht von Martinas Opfern wird ebenfalls behandelt. Wie haben sich ihre Taten auf die Hinterbliebenen, dem einzigen Überlebenden des von ihr verübten Anschlags und ihre Tochter ausgewirkt? Mit welchen Spätfolgen haben diese noch zwanzig Jahre nach der Tat zu kämpfen?

Leichte Kost ist dieser Roman nicht. Er lässt einen auch nach dem Lesen nicht los und währenddessen können Pausen notwendig werden, um das Gelesene zu reflektieren. Die Autorin verwendet in den Dialogen der Terroristen deren Sprache – lässt sie deutlich zwischen Menschen und Schweinen unterscheiden. Nach der sprachlichen Enthumanisierung fällt es den RAF-Mitgliedern leichter ihren Gegnern – also alle die sich im herrschenden System eingerichtet haben – generell die Menschlichkeit abzusprechen. So erklärt sich auch der entstandene Widerspruch zwischen der selbst auferlegten Mission die unterdrückte Masse erretten zu wollen und der absoluten Mitleidlosigkeit mit unschuldigen Opfern ihrer Aktionen, die sogar noch zynisch mit Hobelspänen verglichen wurden.

Fazit:
Ein fesselnder Roman, der einem auch nach dem Lesen noch beschäftigt.

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