Tanja Weber: Die Frauen meiner Familie

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Tanja Weber: Die Frauen meiner Familie
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783426304617

Informationen zum Buch

Seiten
384

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Wenn Elsa erwachte, war das Erste, was sie sah, die Frau.

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Handlungsort

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Die 38-jährige Elsa ist Kunsthistorikerin und soll einem Diebstahl nachgehen. Es ist ein ganz besonderer Auftrag, denn es handelt sich um ein Gemälde, das Elsas Familie seit Generationen gehörte und der Familienlegende nach ihre Urgroßmutter Anneli Gensheim darstellt. Elsas Vater hatte das Gemälde jedoch vor einigen Jahren an ein Auktionshaus veräußert. Auf der Suche nach dem verschwundenen Bild taucht die Kunsthistorikerin immer tiefer in ihre eigene geheimnisvolle Familiengeschichte ein und entdeckt so nicht nur die wahre Identität der Frau auf dem Gemälde, sondern auch, wer ihre Urgroßmutter Anneli wirklich war…

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Spannend und atmosphärisch dicht

Elsa Hannapel ist Ende 30 und Kunsthistorikerin. Als solche arbeitet sie bei einer Münchner Versicherung und prüft Fälle, in denen aufgrund von gestohlenen Kunstwerken Ansprüche geltend gemacht werden. Doch ihr neuester Auftrag berührt sie persönlich, denn das Gemälde kennt sie aus ihrer Kindheit. 'Mon Amour' hing in der Wohnung ihrer Großeltern Julius und Regine - und zwar in dem Zimmer, in dem Elsa immer übernachtet hat. Laut ihrer Großmutter zeigte es Elsas Urgroßmutter Anneli Gensheim, die in eben diesem Zimmer gelebt hat. Während Elsa nun versucht, der Spur des Bildes in die Vergangenheit zu folgen, erfährt sie immer mehr über ihre Familie...

Die Autorin Tanja Weber hat für ihren Roman zwei Zeitebenen gewählt: einerseits erzählt sie und von einer anfangs noch sehr jungen Anneli Gensheim, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg eine Anstellung als Reporterin bei einer Zeitung anstrebt. Zur damaligen Zeit ein sehr ungewöhnlicher Wunsch, den ihre sehr progressiven Eltern jedoch unterstützen. So fängt sie bei der 'Münchener Post' an, einer Tageszeitung mit rund 30.000 Exemplaren in diesen Jahren, die sich an die sozialdemokratischen LeserInnen richtet.
In der zweiten Zeitebene verfolgen wir Elsa, die Nachkommin von Anneli, die sich um die Geschichte des Gemäldes bemüht und dabei unter anderem erfährt, dass ihr Vater das Bild an einen Sammler verkauft hat. Doch wie hängt 'Man Amour', das dem deutschen Expressionismus zugeordnet wird, mit ihrer Urgroßmutter zusammen?

Die beiden Erzählstränge fügen sich perfekt ineinander - als Leser ist man Elsa immer ein klein wenig voraus, da man eben auch von Anneli einiges erfährt. Trotz gewisser Vorahnungen, die durch die Geschichte der folgenden Jahrzehnte geprägt sind, ist das Buch spannend. Zum einen weil die Nachforschungen Elsas die Geschehnisse nur stückweise zu Tage fördern, zum anderen aber auch, weil Annelis Werdegang sehr interessant ist. Besonders gelungen hat die Autorin die Atmosphäre der damaligen Zeit eingefangen: Anneli wächst wohlbehalten und privilegiert in einem sozialdemokratischen Haushalt auf. Vor allem der liebevolle Vater, ein angesehener Arzt, der nicht nur den Sohn fördert, sondern die Tochter gleichermaßen, und die kunstbeflissene, gebildete und engagierte Mutter haben mir sehr gefallen. So geht die junge Frau völlig normal mit den Angestellten des Haushaltes um und lernt auch andere Menschen, die nach dem üblichen Sittenbild dieser Zeit nicht ihrem Stand entsprechen, kennen. Mit ihren Freundinnen besucht sie zudem die Münchener Cafés, die auch von der künstlerischen Avantgarde aufgesucht wird...
Elsa führt rund hundert Jahre ein vergleichsweise unaufregendes Leben. Sie arbeitet sehr gerne, lebt alleine und pflegt seit einigen Jahren eine Fernbeziehung mit einem Professor aus Potsdam. Doch kann sie eigentlich mehr vom Leben erwarten?

Tanja Weber zeichnet ihre Figuren sehr realistisch, denn sie haben allesamt eine dunkle oder auch gewöhnliche Seite. Damit haben sie vielleicht nicht sofort mein Herz erobert, sondern sich eher eingeschlichen. Aber die besondere Stärke dieses Buches ist definitiv die Stimmung der bayrischen Hauptstadt vor und zwischen den großen Kriegen. Man merkt, dass die Autorin Kunstgeschichte studiert hat - schlicht und ergreifend, weil sie ein gutes Gefühl für Künstler, ihre Musen und ihre Werke hat. Mit ihrem Roman rückt die Autorin zudem ein sehr, sehr düsteres Kapitel der deutschen Kunstgeschichte in den Fokus: die sogenannte "Entartete Kunst" ist auch heute noch ein wichtiges Thema. Vor etlichen Jahren habe ich einmal eine Ausstellung dazu in Berlin gesehen und ich muss heute noch schlucken, wenn ich daran denke, dass diese Werke, die mir teilweise außerordentlich gut gefallen haben, so übel verhöhnt wurden. Noch schlimmer finde ich jedoch die Tatsache, dass viele der rechtmäßigen Besitzer der Kunstwerke die Zeit des Dritten Reiches nicht überlebt haben und so auch eine Rückübertragung bis heute teilweise sehr schwierig bis unmöglich ist.

Fazit: Ein sehr schöner Roman, der sich einem - in meinen Augen - äußerst wichtigen Thema widmet und das dazu noch mit gelungenen Figuren und einer tollen Atmosphäre. Eine klare Leseempfehlung!

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Mon amour

Elsa ist Ende 30, arbeitet als Kunsthistorikerin für eine Versicherung und führt ein relativ unspektakuläres Leben. Eines Tages landet ein Fall auf ihrem Schreibtisch, der sie persönlich betrifft. Ein Bild namens „Mon amour“ wurde als gestohlen gemeldet und nach einem Blick darauf erinnert sich Elsa daran, dass genau dieses Gemälde in der Wohnung ihrer Großeltern hing, als sie ein kleines Kind war. Sie dachte immer, dass die Frau auf dem expressionistischen Gemälde ihre eigene Urgroßmutter Anneli gewesen ist und dass es deswegen im Besitz ihrer Familie war. Doch was geschah mit dem Bild, als ihre Großeltern gestorben sind? Wie kam es zu dem Sammler und in die Galerie, wo es jetzt gestohlen wurde? Elsa nimmt diesen Auftrag sehr persönlich und macht sich auf die Suche, nicht nur nach dem Bild, sondern nach der Geschichte ihrer Familie.

Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen geht es um Elsa in der Gegenwart, wir begleiten sie bei ihren Nachforschungen, aber auch bei den privaten Veränderungen, die sich in ihrem Leben ergeben, als sie zum einen die eingefahrene Fernbeziehung zu ihrem Langzeit-Lover Hajo zu überdenken beginnt und sich zum anderen intensiv mit ihrer Familie, vor allem ihren Eltern auseinandersetzt.

Zum anderen spielt die Handlung in München vor dem Ersten Weltkrieg. Dort lernen wir die junge Anneli kennen, die in einem wohlhabenden und liberalen Elternhaus aufwächst.
Wunderbar wird die Atmosphäre der Stadt damals dargestellt, man fühlt sich als Leser regelrecht ins damalige München hineinversetzt, geht mit Anneli und ihren Freundinnen in die Cafés und Lokale der damaligen Zeit, begegnet den Künstlern des „Blauen Reiters“ und erlebt diese spannende Zeit vor dem großen Krieg.

Doch wo ist die Verbindung zwischen Anneli und dem Gemälde „Mon amour“? Wie ist es entstanden und was ist dann damit geschehen? In Anbetracht dessen, was man als heutiger Leser über den Umgang der Nazis mit expressionistischer und somit „entarteter“ Kunst weiß, kommen einem bald unheilvolle Gedanken. Elsa muss sich damit auseinandersetzen, dass es in ihrer Familie so einige Lügen und dunkle Flecken gibt und gegeben hat.

Mir haben beide Handlungsstränge gut gefallen, obwohl mir beide Frauen nicht wirklich ans Herz gewachsen sind. Meist mag ich in solchen Romanen die Vergangenheitshandlung mehr. Auch hier gefiel mir, wie schon geschrieben, die Darstellung des historischen Münchens besonders gut, aber dennoch empfand ich Elsa als interessanter und vielschichtiger als Anneli.

Insgesamt ergibt sich aber eine runde und in sich stimmige Geschichte, die mich sehr gefesselt hat. Am Ende geht es fast ein bisschen schnell und es wird auch nicht alles bis ins letzte Detail erklärt, ich mag das aber, so kann man sich als Leser selbst noch ein paar Gedanken machen und die Geschichte nach eigenem Belieben weiterspinnen oder enden lassen.

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Das Gemälde

Die Kunsthistorikerin Elsa ist Ende 30, arbeitet in München für eine Versicherung und führt eine Fernbeziehung mit einem Universitätsprofessor, der in Potsdam lebt. Als ein Gemälde namens „Mon Amour“ von einem Mandanten als gestohlen angezeigt wird, weckt dies Erinnerungen in Elsa. Sie übernimmt den Versicherungsfall, denn sie kennt das Gemälde seit ihrer Kindheit, hat es doch vor langer Zeit in der Wohnung ihrer Großeltern gehangen. Bei ihren Nachforschungen stößt Elsa auf Widersprüchlichkeiten, was die Besitzverhältnisse betrifft. Aber auch die Informationen über die Darstellung des Gemäldes sind ganz andere, als Elsas Großmutter ihr erzählt hat. Immer tiefer gräbt Elsa in ihrer eigenen Familiengeschichte, in alten Fotos und Archiven, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Dabei erfährt Elsa viel über ihre eigene Verwandtschaft, aber auch die Sichtweise auf ihr eigenes Leben verändert sich.

Tanja Weber hat mit ihrem Buch „Die Frauen meiner Familie“ einen sehr spannenden und unterhaltsamen Roman über ein Familiengeheimnis vorgelegt, der durchaus auch ins historische Genre eingeordnet werden könnte. Der Schreibstil ist schön flüssig und vermag den Leser von Beginn an zu fesseln. Die Geschichte teilt sich in zwei Handlungsstränge, der eine erzählt von Elsa, ihrer Arbeit und ihrem Leben in der Gegenwart. Der andere behandelt die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ab 1912 bis ins Jahr 1943 und lässt den Leser am Leben von Elsas Urgroßmutter Anneli und ihrer Familie und deren Weggefährten teilhaben. Auch die damalige Künstlerszene um den „Blauen Reiter“ wird sehr schön in die Geschichte mit eingefügt. Die beiden Handlungsstränge wechseln sich gegenseitig ab, Informationen die man in der Gegenwart erhält, bekommen teilweise ihre Erklärung durch die Vergangenheit. Der Spannungsbogen wird gemächlich aufgebaut, doch schraubt er sich während der Geschichte immer mehr in die Höhe. Man kann als Leser gar nicht anders, als immer weiter durch die Kapitel zu laufen, um endlich der Lösung näher zu kommen.

Die Autorin hat besonderen Wert in die Ausgestaltung ihrer Charaktere gelegt und um sie herum eine sehr fesselnde Geschichte gesponnen. Die Protagonisten sind sehr detailliert und authentisch dargestellt und wirken mit ihrem Verhalten, ihren Sorgen und Nöten wie Menschen, die jeder von uns kennt. Elsa ist kein einfacher Charakter, wirkt auch nicht sehr sympathisch, dabei ist sie sehr komplex und vor allem vorbelastet durch ihre eigenen Eltern und das Verhältnis zu ihnen. Elsa hat ihre eigenen Wünsche nie wirklich definiert, gibt sich mit dem zufrieden, was sie hat, bis dieser Auftrag sie vor eine besondere Herausforderung stellt. Sie forscht innerhalb ihrer eigenen Familiengeschichte und entdeckt dabei viele Ungereimtheiten. Erinnerungen jagen durch ihren Kopf, dabei werden auch Wünsche entdeckt, die völlig verschüttet waren, aber die in Elsa eine Entwicklung bewirken, die den Leser erstaunt zurück lässt. Urgroßmutter Anneli wuchs in einer behüteten Familie auf, die allerdings schon zur damaligen Zeit recht fortschrittlich wirkte. Anneli hatte einigen Freiraum, aber auch einen eigenen Kopf, sie ist oftmals stur und eingefahren in ihrer Sichtweise. Obwohl sie sich für so fortschrittlich hält, ist sie doch von Vorurteilen geprägt. Auch die Nebenprotagonisten fügen sich mit ihren eigenen Geschichten und ihren Verwicklungen und Beziehungen untereinander wunderbar in die Handlung ein und bereichern das Gesamtbild des Romans.

„Die Frauen meiner Familie“ ist ein sehr fesselnder Roman um Familiengeheimnisse und die Kunstszene einer vergangenen Zeit. Alle Liebhaber von gut ausgedachten Geschichten, die auch historische Aspekte in sich vereinen, werden an der Lektüre dieses Buches ihre Freude haben. Eine ausdrückliche Leseempfehlung!

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Vielschichtige Familiengeschichte

Elsa arbeitet als Kunsthistorikerin bei einer Versicherung. Bei einem Raub wird das Bild "Mon amour" gestohlen, das bei ihrer eigenen Großmutter im Haus hing und das die Urgroßmutter als junges Mädchen darstellen soll. Elsa ermittelt, wie dieses Bild eines jüdischen Malers in den Besitz ihrer Familie kam und möchte wissen, welche Verbindung es zwischen ihrer Urgroßmutter und dem Maler gab.

Die Handlung wechselt zwischen Elsas Perspektive im Jahr 2014 und Anneli, ihrer Großmutter, die als junges Mädchen mit allen Mitteln versucht, Journalistin zu werden.

Wenn die Handlung zu Anneli in die Vergangenheit wechselt, fühlte ich mich sich als Leser gleich mit ins München dieser Zeit versetzt. Durch die Beschreibungen ihrer Umgebung, ihrer Mitmenschen und deren Ansichten bekommt der Leser eine Ahnung von der Stimmung dieser Jahre. Zuerst war es eine unbeschwerte Zeit für die junge Anneli, sie arbeitet, sie heiratet und ist immer umgeben von sehr toleranten Menschen. Mit den Kriegen wechselt die Stimmung immer mehr, zuerst zu Sorgen, zu Angst und dann zu blankem Entsetzen.
Elsa findet sehr viel durch alte Fotos, Zeitungsauschnitte und Polizeiakten über ihr Bild heraus und es ist interessant, ihr bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Allerdings weiß der Leser, der sich auf Zeitreise begeben hat, deutlich mehr Einzelheiten
.
"Die Frauen meiner Familie" ist eine ruhige und sehr vielschichtige Familiengeschichte, die durch seine lebendigen Beschreibungen von München in den verschiedensten Zeiten begeistert und mit seinen realistischen Personen punkten kann. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde gerne weitere Bücher von Tanja Weber lesen.

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