Tanja Weber: Mein Herz ist ein wilder Tiger

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Tanja Weber: Mein Herz ist ein wilder Tiger
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783426304624

Informationen zum Buch

Seiten
288

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
"Hereinspaziert, hereinspaziert!", kreischte der Clown, während er auf dem Pony um das Rund der Manage galoppierte.

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Als Elly Simon 1916 geboren wird, ist ihr zukünftiger Berufsweg vorgezeichnet: Sie ist die Tochter eines Zauberers und einer Hochseilakrobatin. Als sogenannte Schlangenfrau lässt sie die Zuschauer begeistert staunen. Als sie den waghalsigen Tigerdompteur Hans kennenlernt, scheint ihr Glück vollkommen, doch das Jahr 1936 bricht an, und ihr Mann ist Jude: Die beiden müssen fliehen.
Ihre Flucht führt sie um die halbe Welt, ein Schicksal, das sie mit John Mbete teilt, der Elly viele Jahrzehnte später in einem Berliner Heim pflegt und der vor Krieg und Verfolgung aus Somalia geflohen ist. John und Elly, zwei Menschen, die auf ganz unterschiedliche Art ihre Heimat und ihre Familie verloren haben, nähern sich vorsichtig an – und werden für einen kurzen Moment einander Familie. Bis das Schicksal sie wieder auseinanderreißt.

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Von Vertreibung und Hoffnung

Elly Simon wird 1916 als Kind von Artisten im Zirkus geboren. Als ihre Eltern bei einem schrecklichen Unfall sterben, wird der Zirkus zu ihrer Familie. Elly wächst in dieser einzigartigen Umgebung auf und obwohl es kein leichtes Leben ist, fehlt es ihr an nichts, sie kennt es nicht anders und liebt den Zirkus und ihre besondere kleine große Welt.

Viele Jahrzehnte später geht Ellys Leben in einem Berliner Pflegeheim zu Ende. Sie ist mittlerweile über hundert Jahre alt und blickt auf ein aufregendes Leben zurück. Davon erzählt sie ihrem Pfleger John Mbete, einem Somalier, der ebenfalls seine Familie verloren hat und nun versucht, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen.

Die dritte Hauptfigur ist Kirsten, deren Mutter ebenfalls in dem Pflegeheim ist und die dadurch Bekanntschaft mit John und Elly macht. Kirsten ist ein harter und verbitterter Mensch, sie ist unzufrieden mit sich und der Welt und ertränkt ihren Kummer in viel zu viel Alkohol. Doch die Begegnung mit Elly und John verändert sie.

Die Geschichte handelt weniger vom Zirkus, als ich durch Cover und Klappentext zuerst vermutet hatte. Natürlich spielt der Zirkus eine große Rolle, denn er war schließlich jahrzehntelang Ellys Lebensinhalt, gemeinsam mit ihrem Ehemann und seinen Tigern ist sie um die halbe Welt gereist. Die Atmosphäre wird auch wunderbar beschrieben.

Dennoch geht es in diesem Buch um mehr als das Zirkusleben. Zuerst fand ich die beiden Handlungsstränge (eigentlich sind es ja drei, aber Kirsten hat doch eher eine Nebenrolle) etwas willkürlich zusammengestellt, doch nach und nach kristallisiert sich recht deutlich die Verbindung heraus: Flucht und Vertreibung auf der einen Seite, Familie, Liebe und Hoffnung auf der anderen. Der große schwarze Mann aus Somalia und die uralte kleine Artistin begegnen sich und spüren diese Verbindung sofort, auch wenn ihre Schicksale so unterschiedlich sind.

Das Buch ist mit knapp 300 Seiten nicht besonders dick, aber es steckt sehr viel in dieser Geschichte drin, wenn man es nicht nur als lockere Unterhaltung liest, sondern sich auf die durchaus ernsten Themen einlässt, die hier angesprochen werden.

Für mich ein Buch, das zum Nachdenken anregt und Mut macht!

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Mein Herz ist ein wilder Tiger

Elly ist ein echtes Zirkuskind. 1916 geboren, wächst sie im Zirkus auf und fühlt sich dort geborgen. Zwar wird Elly mit nur zwei Jahren schon eine Waise, aber sie wird von den anderen Zirkusleuten liebevoll aufgenommen und großgezogen. Auch lernt sie ihren Mann Hans im Zirkus kennen. Er ist Dompteur. Mit ihm und seinen Tigern reist Elly schließlich um die ganze Welt.

Im Buch "Mein Herz ist ein wilder Tiger" geht es aber nicht nur um Elly, die inzwischen über 100 Jahre zählt und im Pflegeheim lebt. Es geht auch um John, ihren Pfleger. Er ist ein Flüchtling aus Somalia und hat seine Frau und seinen Sohn verloren. Er hat in Somalia und auf seiner Flucht nach Deutschland schlimme Dinge erlebt. Mit den Erinnerungen kämpft er jeden Tag.

Und dann ist da noch Kirsten. Kirsten ist Ärztin, Ehefrau und Mutter zweier Söhne. Sie ist über 40 und unzufrieden mit ihrem Leben. Und sie hat eine demente Mutter, die sie ins Pflegeheim bringen muss.

Diese drei Protagonisten - Elly, John und Kirsten - könnten kaum unterschiedlicher sein. Dennoch tun sie sich gut.

Mir hat es sehr gefallen, diese ganz besondere Verbindung, die sich zwischen diesen drei Menschen auftut, mitzuerleben. Als Leser hat man teil an allen drei Lebensgeschichten, wobei Ellys Geschichte sicherlich im Fokus steht.

Für mich war es spannend, Ellys Lebensgeschichte zu lesen, aber auch Johns Schicksal hat mich sehr berührt. Kirsten war für mich die schwächste Protagonistin, wobei sie aber in gewisser Weise die größte Entwicklung durchgemacht hat im Buch.

Die Kapitel erzählen immer abwechselnd aus einer anderen Perspektive - die von Elly, von John und von Kirsten. Diese Abwechslung hat mir sehr gefallen; die Geschichte bleibt so immer spannend.

Auch der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm. Sie erzählt die Geschichte warmherzig und gleichzeitig leicht. Das Buch lässt sich flüssig lesen und hat mich gut unterhalten können.

Ich empfehle es sehr gerne weiter!

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Zirkuserinnerungen

1916 in Berlin geboren, im Zirkus Busch aufgewachsen, verliert die zweijährige Lotta Pignot ihre Eltern bei einem Rad-Akrobatikunfall. Die Zirkusdirektorin und die italienischen Pausenclowns Luigi und Zagarollo nehmen sich der kleinen Lotta an. Als sich für sie ein Engagement in einem Berliner Varieté anbietet, muss sie ihren Namen ändern. Ab sofort heißt die Kleine Elisabeth Lanz. Später lernt sie ihren Mann kennen und lieben und reist als die Schlangenfrau Elly Simon mit ihm und seinen Tigern rund um die Welt. Jetzt, mit über 100 Jahren lebt sie im Berliner Seniorenstift an der Bergstraße.
Hier arbeitet der aus Somalia geflohene John Mbete seit drei Jahren als Betreuer. Die Beiden freunden sich an, Elly erzählt ihre Geschichte und die Beiden geben sich für kurze Zeit Halt und Geborgenheit.

Als Kind habe ich die Besuche im Zirkus geliebt und auch heute noch gehe ich hier und da in den Festbau des Circus Krone und lasse mich durch Menschen, Tiere, Sensationen überraschen.
Ich kann mir Elly sehr gut in ihrer Rolle als Kontorsionistin vorstellen. Die Autorin bringt Ellys Angst,als sie von einem der Tiger verletzt wird und sich im KKH fragt, ob sie je wieder auftreten kann, sehr gut rüber. Ich spüre ihre Anspannung, als sie in Rio de Janeiro ankommen und alles so ganz anders ist als in Berlin. Ihr Mann Hans, der mit seinen Tigern umgeht wie mit den eigenen Kindern, die er nie gehabt hat, hat die Gabe, ihr sämtliche Ängste zu nehmen. Ich war in dieser Geschichte beim Lesen die Dritte im Bunde und bin mit den Beiden um die halbe Welt gereist. Ich bin auch noch an Ellys Bett gesessen, als sie John ihre Geschichte erzählt. Auch seine Geschichte finde ich hochspannend und hoch brisant. Genau so, wie es gerade in unseren Breiten zugeht.

Das einzige, was für mich nicht so in die Geschichte von Elly, Hans und John passt, ist Kirsten Landmann mit ihren privaten Problemen und ihre Mutter Franziska Schlemmer, die ein Bett im Zimmer von Elly Simon bekommt. Sie hat mich aus der Zirkusmanege und aus Somalia immer wieder „rausgezogen“.

Ich habe mich in die faszinierende Welt des Zirkus entführen lassen mit starken Männern, waghalsigen Kunststücken, liebenswerten Clowns und vielen Tieren. Und ich bekam einen Einblick in die trostlose Zukunft eines Landes wie Somalia, aus der die jungen Menschen fliehen um nicht in den Kriegswirren zugrunde zu gehen.

Ein wunderbares Buch, nicht nur für Zirkusliebhaber.

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Wild und gefährlich

ist das Leben der Zirkusartistin Elly Simon. Beziehungsweise war es das für lange Zeit, denn inzwischen lebt sie fast hundertjährig in einem Pflegeheim in Berlin und wartet auf ihren Tod, im Gepäck schillernde und abenteuerliche Erlebnisse vergangener Zeiten.

Wild und gefährlich ist auch das Leben von John Mbete, einem Flüchtling aus Somalia, schillernd allerdings würde es niemand nennen - voller unglücklicher Erlebnisse und Traumata ist es. Er trifft im Heim auf Elly - als ihr Pfleger, sie erzählt ihm aus ihrem Leben und findet bei ihm Gehör, Verständnis und auch Zuneigung.

Weit herumgekommen ist die alte Dame, viel gesehen hat sie, auch in ihrem Leben gab es viel Trauer, es war von Verlusten geprägt, ebenso wie das noch recht Kurze von John. Für eine kurze Zeit sind sie einander Halt und Zuflucht, doch droht John bereits der nächste Verlust, denn es ist klar, dass Elly nicht mehr lange leben wird.

Eine Geschichte voller Liebe, Achtung und Zuversicht, die mich dennoch nicht in ihrer Gänze erreicht hat. Ich bin ein großer Fan von Tanja Weber, habe viele ihrer Bücher gelesen und mich für fast alle begeistern können, hier allerdings scheint mir die Geschichte nicht ganz rund zu sein. Mit ihren Schilderungen um die Suche nach einer Zuflucht, einem Zuhause hat sie mich nicht ganz erreichen können.

Auch wenn es auf jeden Fall der richtige Schritt war, gerade in diesen Zeiten den Themen Flucht und Vertreibung gerade auch ein Format, eine Präsenz auf literarischer Ebene zu verleihen. Und wie man es von der Autorin nicht anders kennt, nähert sie sich dem Thema behutsam und voller Achtung, wobei sie mutig die unterschiedlichsten Aspekte anspricht. Schwarz und weiß gibt es bei ihr definitiv nicht, auch nicht als Hautfarben, alles verbindet sich, alles ist vielschichtig und nicht so, wie es zunächst scheint. Ach, wie gerne hätte ich mich völlig begeistert in dieses Buch "geworfen", doch irgendwie hat es mich nicht ganz gepackt. Anderen mag es anders ergehen und ich möchte interessierte auf jeden Fall dazu ermutigen, sich an dieses Buch zu wagen.

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