Wolfram Fleischhauer: Torso

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Wolfram Fleischhauer: Torso
Verlag
ET (D)
2011
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426198537

Informationen zum Buch

Seiten
432

Sonstiges

Erster Satz
Martin Zollangers Handy klingelte um 4:37 Uhr.

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Zwei Tote. Ein Rätsel. Keine Gnade. In einem leerstehenden Berliner Hochhaus macht die Polizei einen grausigen Fund. Ein makaber drapierter Frauentorso stellt alles in den Schatten, was Hauptkommissar Zollanger in seiner Laufbahn je zu sehen bekam. Anderswo in Berlin will eine verzweifelte junge Frau nicht an den »Selbstmord« ihres Bruders glauben - und sticht ahnungslos in ein Wespennest aus Gier, Verrat und Vertuschung übelster politischer Machenschaften.

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Ein Ankündigung für ein neues Buch von Wolfram Fleischhauer löst bei mir ja immer sofortige und uneingeschränkte Vorfreude aus - da könnte von mir aus alles unter dem Titel stehen; Chicklit, Paranormaler Thriller, irgendeine Elfengleiches-Wesen-mutiert-zum-Wasauchimmer-Romanze, egal, ich bin der felsenfesten Überzeugung, ich würde das einfach ignorieren, trotzdem kaufen und lesen. Aber gewundert habe ich mich dennoch kurzzeitig, als ich Thriller gelesen habe und vor allen Dingen die blutrünstige Covergestaltung in Augenschein genommen habe... Und das, obwohl ich sonst ja gerne Krimis und Thriller lese.

In Berlin werden in einem Hochhaus und in einem Club grausige Funde gemacht: irgendjemand scheint gefallen daran zu haben, Leichen etwas ungewöhnlich zu drapieren... Ist der Täter ein völlig verrückter Killer oder will er seiner Umwelt eine Botschaft senden? Kommissar Zollanger, der bereits schon zu DDR-Zeiten Polizist war, ermittelt mit seinen Kollegen und gerät schon bald an ungewöhnliche Informationen. Zeitgleich begibt sich eine junge Frau aus Hamburg auf die Suche nach einer Erklärung für den Tod ihres Bruders, an dessen angeblichen Selbstmord sie nicht glauben mag. Und sie wühlt in Zuständen und Machenschaften, die sie selbst in größte Gefahr bringen...

Dieser Thriller ist im Grunde kein Thriller, denn den Thrill suchte ich vergebens. Obwohl, falsch, ich habe ihn nicht gesucht; ich habe ihn überhaupt nicht vermisst - insofern ein Thrill mit besonders viel Blut oder Schockelementen einhergeht. Das Grauen liegt hier nämlich auf der Hand, ist greifbar, geschieht vor unser aller Nase und wir sind letzten Endes zu bequem oder vielleicht auch zu müde, uns mit solchen Themen wie Gier, Korruption, Machtspielen, feinstem Lobbyismus und der großen Vertuschung nach dem Deal zu beschäftigen. Liest man die Artikel zu Lehman Brothers, Ackermann, HSH Nordbank & Co. überhaupt (noch)? Verstehe ich, was da vor sich geht - wie so viel Geld einfach wie Spielgeld zum Fenster rausgeworfen wird? Um die Gier unersättlicher Pokerer und großkotziger, gewissenloser Banker zu stillen? Kann ich überhaupt begreifen, wieviele Nullen sich vor dem Komma der Summen befinden, die so manch einer an einem Tag einfach 'verbrennt'? Wir zahlen dann die Ausbesserungen - ohne wirklich zu begreifen, was da eigentlich vor sich ging, während auf dieser Welt so viele Menschen unser Geld und unsere Hilfe so viel nötiger hätten... Es ist unfassbar beschämend, wenn man darüber auch nur ein paar Sekunden nachdenkt.

Wolfram Fleischhauer beschäftigt sich mit dem Thema in diesem Buch und er macht es glänzend. Wie immer hat er es geschafft, mich mit seiner tollen Sprache und einem nicht einfachen Thema zu begeistern und gleichzeitig nachdenklich zu stimmen. Wenn man früher gesagt hat, dass die Skandinavier unter den Krimischriftstellern die sozialkritischeren seine, dann kannte man Wolfram Fleischhauer noch nicht. Er schafft es für mich perfekt, einen Kriminalfall mit Problemen unserer Gesellschaft zu verknüpfen - ohne dabei lamoryant zu sein oder gar den Zeigefinger zu erheben. Und genau das beeindruckt mich an diesem Autoren. Er kann in den unterschiedlichsten Thematiken (sei es Tango oder Komparatistik) spannende und zeitkritische Elemente verbinden und damit sehr gut unterhalten! Und ganz nebenbei habe ich durch "Torso" einige Hintergründe der Finanzkrise besser nachvollziehen können... Großartig, wirklich.

Ebenso kann ich auch zu den Figuren dieses Buches nichts negatives sagen - die Hauptpersonen haben mich überzeugt, auch wenn sie nicht immer meine Zustimmung und Sympathie hatten. Und die Spannung hat für mich auch gepasst - es gab einige Wendungen, die mich ehrlich überrascht haben.

Kurzum, Wolfram Fleischhauer kann auch Krimis oder Thriller. Auch wenn dieses Buch sicherlich dort nicht falsch eingeordnet ist, so ist es für mich mehr als das - und trotzdem kann man es bedenkenlos jedem solchen Leser in die Hand drücken.

Also... auch wenn "Torso" in der Top5-Liste der Fleischhauer-Romane nicht den ersten oder zweiten Platz einnimmt (was bei der Konkurrenz auch wirklich nicht so einfach ist ), so ist es definitiv ein echtes Highlight!

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Dieses Buch, welches sich nach außen hin so sehr als Thriller präsentierte, war durchaus spannend und intensiv. Seine eigentliche Stärke allerdings bestand für mich, in der, für den Autor so typischen, Aussagekräftigkeit. Gesellschafts und Sozialkritik, gekoppelt mit den Machenschaften von Banken und deren Unterstützung durch die Regierung, kamen auch diesmal sehr aufrüttelnd und authentisch bei mir herüber. Dabei hat es Wolfram Fleischhauer geschafft, diese brisanten und hochaktuellen Themen leicht verständlich und fesselnd in den eigentlichen Krimi zu intigrieren. Folgte ich zu Beginn noch den Ermittlungen um bizarr ausgelegte Torsi, die im ersten Moment so gar keine eindeutige Botschaft hinterlassen wollten, packte mich dieses Buch mehr und mehr durch die zuvor ungeahnte Entwicklung tief hinein in die Finanzwelt und deren potitischen Verstrickungen bis hinauf in Regierungskreise. Aber auch sozialkritische Themen, ja sogar Stasivergangenheiten und die Problematiken für Polizeibeamte nach dem Mauerfall waren hier ein Thema. Sehr lebensecht und interessant fand ich auch die Zeichung der einzelnen Characktere in diesem Geflecht. Dies alles zusammen gepackt in einen spannenden Fall, und sprachlich wie inhaltlich gut präsentiert, konnte mir "Torso" ein recht kurzweiliges Lesevergnügen bescheren und mich zu vielschichtigen Diskussionen anregen.

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Der Titel und das Cover lassen auf einen klassischen Thriller schließen, und wenn nicht der Name Fleischhauer auf dem Buch gestanden hätte, hätte ich es mir vermutlich nicht gekauft. So aber war ich mir ziemlich sicher, dass ich Unterhaltung auf einem hohen Niveau bekommen würde und schon nach einigen Kapiteln war ich dank des fesselnden Schreibstils ganz in der Handlung gefangen. Auch wenn alles recht konventionell mit dem Auffinden einer Leiche bzw. Leichtenteilen anfängt, so wird schnell klar, dass mehr dahintersteckt.

Vor allem die hier beschriebene Verstrickung der Banken in verlustreiche Milliardengeschäfte hat etwas in mir bewegt. Ich stehe allem, was mit Finanzen zu tun hat, sonst sehr misstrauisch gegenüber, weil ich das Gefühl habe, das alles überhaupt nicht überblicken geschweige denn verstehen zu können. Da wäre es einfach zu sagen: "Das interessiert mich nicht!" Aber eigentlich hat es mich als Steuerzahlerin sehr wohl zu interessieren, was mit meinem Geld passiert. Dass die hier geschilderten Ereignisse zum Teil auf wahren Begebenheiten basieren, macht die Sache nur noch ungeheuerlicher. Übrigens fand ich es sehr schön, dass die Erläuterungen zu diesem Thema so verständlich geschrieben worden sind, dass man auch als Laie einigermaßen durchblicken kann.

Ich hatte zwar schon ziemlich früh eine Ahnung, wer der Täter sein könnte, die sich auch als richtig erwies. Das hätte mich bei einem normalen Krimi etwas gestört, aber bei Torso geht es um so viel mehr als um die reine Mördersuche, daher konnte ich gut damit leben. Das Ende bietet einen schönen Ausklang, auch wenn nicht alle Handlungsstränge komplett aufgelöst werden. Dies ist aber auch gar nicht nötig, ich mag es, wenn man als Leser seine eigene Phantasie spielen lassen kann.

Insgesamt gesehen habe ich Torso sehr gerne gelesen, weil es nicht nur sehr spannend war und einige interessante Figuren enthält, sondern auch einiges in mir aufgerüttelt hat. Dennoch vergebe ich nicht die Höchstwertung, aber nur weil mir hier der Wow-Effekt, den ich bei den anderen Fleischhauer-Romanen hatte, gefehlt hat.

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