Keri Hulme: Unter dem Tagmond

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Keri Hulme: Unter dem Tagmond
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The bone People
ISBN-13
9783596101733

Informationen zum Buch

Seiten
654

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Handlungsort

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Im Zentrum der Geschichte stehen drei Menschen, eine Frau, ein Mann, ein Junge, die eine seltsame Art von Familie bilden, ohne zusammenzugehören, alle drei von ihren eigentlichen Möglichkeiten abgeschnittene, gebrochene Figuren. Zwischen ihnen kommt es in einem schicksalhaften Prozeß der Annäherungen und Mißverständnisse zu einem verzweiflungsvollen Drama widerstreitender Gefühle, und erst nachdem sie alle ihre individuellen Höllen durchmessen haben, finden sie ihre Form des Zusammenlebens, dessen Schilderung freilich mythisch, fast religiös überhöht ist.

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Kerewin Holmes, finanziell unabhängig und ohne Bindung an ihre Familie lebend, bekommt eines Tages in ihrem Turm unerwarteten und unwillkommenen Besuch: Der stumme Junge Simon hat sich eingeschlichen. Da ihn niemand sofort abholen kann und es zudem heftig regnet, behält Kerewin ihn widerstrebend im Haus. Durch Simon lernt sie seinen Adoptivvater Joe kennen. Simon ist ein schwieriges Kind, zwar stumm, aber sehr intelligent, der aber leicht aggressiv reagiert, wenn man keinen Versuch macht, ihn zu verstehen, außerdem ist er als Dieb und Rüpel bekannt und berüchtigt, geht selten in die Schule, und wenn, dann kann Joe ziemlich sicher sein, wegen einer Schlägerei dorthin zitiert zu werden. Joe ist seit einiger Zeit Witwer und hat mit der Frau zugleich den gemeinsamen Sohn verloren. Um so mehr konzentriert er sich deshalb auf Simon, schwankt in seinen Erziehungsbemühungen aber zwischen übermäßiger Liebesbezeugung und Prügeln zur Strafe für Simons Fehlverhalten. Das Ausmaß des letzteren stellt Kerewin erst nach einiger Zeit fest und obwohl sie sich bis dahin im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten, Gefühle zu entwickeln, mit Joe durchaus angefreundet hat, schreckt sie das doch ziemlich ab. Ein gemeinsamer Urlaub in einer Hütte am Meer, die Kerewins Familie gehört, scheint eine Normalisierung der Beziehungen und eine größere Nähe, ein besseres Verständnis zwischen allen Beteiligten zu bringen. Wieder zurück genügt allerdings ein kleiner Anlaß, um die Gewaltspirale wieder in Gang zu setzen, die im Auseinanderbrechen der drei Protagonisten endet: Simon im Krankenhaus, Joe im Gefängnis, Kerewin auf der Flucht vor sich selbst. Alle drei benötigen besondere Erfahrungen, um wieder zu sich und zueinander zu finden, wobei Joe und Kerewin dafür auf ihre Maori-Wurzeln zurückgreifen müssen.

Wenn man sagt, daß das alles so auch in Europa passieren könne, so ist das einerseits richtig, andererseits aber auch nicht. Die Ausgangskonstellation und die Gründe vor allem hinter Simons Verhalten sind sicher nicht spezifisch neuseeländisch. Die Lösung dagegen, die vor allem Joe, mit Abstrichen auch Kerewin für sich allein nach dem Bruch finden, dagegen sehr. Ich kann mir nicht vorstellen, wo in Europa etwas vergleichbares möglich wäre, nicht einmal in abgelegenen, noch keltisch geprägten Gebieten, wo die Menschen noch an das kleine Volk glauben und Straßen um die Feenhügel herumbauen statt darüber hinweg.

Als psychologische Studie mit seinen Querbezügen zur Maori-Kultur fand ich es daher vor allem wegen letzterer gar nicht einmal schlecht, aber ich hatte zwischenzeitlich das Gefühl, mich mit der Handlung ziemlich im Kreis zu drehen und immer wieder das gleiche zu lesen – passend zu den vielen Spiralen, von denen hier explizit und implizit die Rede ist, und die man durchaus als Leitmotiv des Romans sehen kann. Abgesehen davon stößt es mich immer ziemlich ab, wenn Leute Alkohol als Mittel zur Problemlösung betrachten, das erzeugt bei mir nebem einem Widerwillen gegen die Personen auch einen gegen das betreffende Buch, und sowohl Joe als auch, vielleicht sogar in noch stärkerem Maße, Kerewin sind solche Menschen. Ja, ich weiß, daß es solche Menschen tatsächlich gibt, aber ich mag eben nicht gerne über sie lesen.

Die Landschaft und die Atmosphäre, vor allem die des Meeres, sind wunderbar eingefangen und das ist durchaus ein Pluspunkt an diesem Roman. Insgesamt muß ich daher sagen, daß das Format des Romans Hulme zumindest – für mein Empfinden – besser liegt als Kurzgeschichten, denn mit ihrem entsprechenden Band Te Kaihau, den ich vor gut drei Jahren gelesen habe, konnte ich schlicht gar nichts anfangen.

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Für viele sind die ersten Seiten eine kleine Hürde, die genommen werden muss, um sich dann dem vollendeten Lese-Genuss hingeben zu können.

Das Buch lebt von der Ungewöhnlichkeit: die ungewöhnliche einzelgängerische, launische Protagonistin, die abgeschottet in einem Leuchtturm lebt, zunächst gestört von einem kleinen, rauchenden Jungen, den sie immer mehr an ihrem Leben teilhaben läßt. Schließlich tritt auch der Vater des Jungen in ihr Leben - ebenfalls ein ungewöhnlicher, weil widersprüchlicher Charakter: feinfühlig-zärtlich bis aggressiv-gewalttätig.

Die Geschichte spielt in Neuseeland und ist durchwoben von der Mystik der Maori, die aber nie aufdringlich oder übertrieben erscheint.

Hat man sich einmal an den ungewöhnlichen Erzählstil der Autorin gewöhnt, dann ist das Lese-Flow-Erlebnis garantiert! Oder wie die Autorin Keri Hulme es selbst ausdrückt: "Für diejenigen, die eine bestimmte Norm gewohnt sind, mag dieses Buch einen zunächst fremdartigen Geschmack haben - wie der erste Mundvoll Kina roe (eine Muschelsorte??). Halten Sie aus. Kina kann zu einer Lieblingsspeise werden."

Keri Hulme hat 12 Jahre an diesem über 600 Seiten starken Roman geschrieben, abgeschieden, ohne Telefon und damals natürlich auch ohne Internet oder E-Mail, so dass dieser Roman auch autobiographische Züge tragen mag.

Auch noch nach Jahren und vielen hundert gelesenen Büchern: mein absolutes Lieblingsbuch.

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