Valérie Perrin: Die Dame mit dem blauen Koffer

Valérie Perrin: Die Dame mit dem blauen Koffer

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Valérie Perrin: Die Dame mit dem blauen Koffer
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Les oubliés du dimanche
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783426654057

Informationen zum Buch

Seiten
352

Sonstiges

Originalsprache
französisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Ich war beim alten Prost und habe ein blaues Heft gekauft.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Französisch charmant und mit dem richtigen Gespür für Tragik, Komik und zauberhafte Figuren verknüpft Valérie Perrin die Geschichte einer großen Liebe während des Zweiten Weltkriegs mit dem tragischen Familiengeheimnis einer jungen Frau. Ein berührender und warmherziger Roman über Erinnerungen und Familiengeheimnisse - generationenübergreifend erzählt durch die witzige und erfrischend junge Erzählerin Justine, die, seit sie sich erinnern kann, bei ihren Großeltern lebt. Ihre Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Die quirlige und lebenshungrige Justine arbeitet als Altenpflegerin in einem Seniorenheim. Besonders rührend kümmert sie sich dabei um die 90jährige Hélène, die sich die meiste Zeit mit einem blauen Koffer am Strand, irgendwo im Süden Frankreichs, wähnt. Dort glaubt sie, von ihrem geliebten Mann Lucien erwartet zu werden.

Peu à peu erzählt sie der 21jährigen Justine die bewegende Geschichte ihrer großen Liebe, die während des Zweiten Weltkriegs nicht nur Verzweiflung und Verrat überdauern musste. Dadurch inspiriert begibt sich Justine schließlich selbst auf Spurensuche und kommt dem tragischen Geheimnis hinter dem Autounfall und Tod ihrer Eltern auf die Spur.

Autoren-Bewertungen

2 Bewertungen

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Plot / Unterhaltungswert 
 
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3.5  (2)
(Aktualisiert: 07 Mai 2017)
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Sprache & Stil 
 
4.0

Charmantes Debüt

Justine ist Anfang zwanzig und lebt, seit sie denken kann, bei ihren Großeltern, da ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind.Die lebenshungrige, fröhliche Frau arbeitet als Altenpflegerin im nahegelegenen Seniorenheim und besticht dabei vor allem mit ihrer Bereitschaft, den älteren Herrschaften zuzuhören. Ganz besonders kümmert sich Justine dabei um die 90jährige Hélène, die die meiste Zeit in der Vergangenheit lebt und sich mit ihrer großen Liebe Lucien am Stand wähnt...

Nach und nach kann Justine der alten Dame die Geschichte ihres Lebens entlocken. Zum Beispiel, wie sie als junges Mädchen verzweifelt versucht hat, lesen zu lernen. Erst der Sohn des blinden Organisten, Lucien, hat ihr eine neue Perspektive eröffnet, indem er ihr das Lesen der Brailleschrift beigebracht hat. Der junge Lucien, der sich Hals über Kopf in die Schneiderin Hélène verliebt und um sie geworben hat. Gemeinsam haben sie ein Café übernommen und ein glückliches Leben gelebt - bis Lucien von den Nazis deportiert wurde.

Aber nicht nur die sich nach und nach entblätternde Geschichte um Hélène und ihre große Liebe hat mir sehr gut gefallen, auch Justines eigene Vergangenheit hält ein Geheimnis und Überraschungen bereit. Warum sind sowohl ihre Eltern als auch die ihres Cousins eigentlich ums Leben gekommen? Justine hat dieses tragische Geschehen nie weiter hinterfragt, aber nun beginnt sie doch, einige Nachforschungen anzustellen...

Überhaupt ist Justine meine absolute Favoritin! Die junge Frau ist so einfühlsam und klug, dass ich mich manchmal anerkennend daran erinnern musste, dass sie erst 21 Jahre alt ist. Ich habe nicht nur einmal gedacht, dass es schön wäre, wenn Menschen, die mit einsamen Senioren in den Pflegeheimen zu tun haben, solch ein Interesse zeigen könnten und würden.

Valérie Perrins Debütroman ist charmant erzählt - ja, die Autorin ist in der Lage, mit leisen, teils knappen Tönen diesen Roman zu erzählen, zu der die Geschichte ihrer eigenen Großeltern sie wohl angeregt hat. Dabei hat mir besonders gefallen, dass sie relativ unerwartet einen spannenden Strang einbaut, der auf dem Unfalltod von Justines Eltern beruht. Gemeinsam mit der Liebesgeschichte rund um Hélène und Lucien hat dies zu einem fast komplett runden Roman geführt. Was in meinen Augen nicht nötig war, waren solche Elemente wie die Möwe, die Hélène ihr ganzes Leben begleitet. Wahrscheinlich als kleiner imaginärer Kunstkniff gemeint, kann ich mit so etwas immer relativ wenig anfangen.
Ein weiterer Punkt, bei dem meiner Ansicht nach mehr drin gewesen wäre, ist die Zeit der Okkupation Frankreichs. Da bleibt Perrin knapp unter der Oberfläche - hier hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht. Alles in allem sind das aber wenige Kritikpunkte, die mein Lesevergnügen nur gering geschmälert haben.

Ich bin auf weitere Romane Valérie Perrins gespannt!

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(Aktualisiert: 19 April 2017)
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Justine ist einundzwanzig, lebt noch bei ihren Großeltern, tanzt am Wochenende gerne im nächstgelegenen Club ab und arbeitet sonst im Altenheim eines kleinen französischen Städtchens namens Milly. Der schönste Bestandteil ihres Jobs ist für sie das Zuhören, wenn die alten Herrschaften aus ihrem Leben erzählen. Geschichten, die ihr besonders gut gefallen, schreibt sie sogar auf.

So wie die Geschichte von Hélène, die jetzt mit über 90 im Geiste fast die ganze Zeit mit ihrem geliebten Lucien an einem sonnigen Strand liegt. Hélène, die als junge Schneiderin Lucien kennenlernte, der in ständiger Furcht lebte, wie sein Vater und sein Großvater vor ihm irgendwann zu erblinden, und schließlich mit ihm die Dorfkneipe übernahm, wo sich die halbe Stadt gerne auf ein Gläschen traf. Dieses beschauliche Leben findet ein jähes Ende, als der 2. Weltkrieg mit schwerwiegenden Folgen über Milly hereinbrach und auch für Hélène und Lucien plötzlich nichts mehr war wie zuvor.

Während Justine aus vielen kleinen Puzzleteilchen, die sie Hélène entlocken konnte, ein trotz der provinziellen Kulisse ziemlich außergewöhnliches Lebensbild zusammensetzt, geschieht in ihrem eigenen Leben das eine oder andere, das sie dazu bringt, sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Ihre Eltern hat sie früh bei einem Autounfall verloren und ist gemeinsam mit ihrem Cousin, dessen Eltern bei demselben Unglück starben, bei den Großeltern in eher einfachen Verhältnissen aufgewachsen. Die Umstände des Unfalls hat sie noch nie groß hinterfragt, doch nun ist ihre Neugier geweckt, und sie beginnt, Nachforschungen anzustellen, mit überraschenden und teils auch erschreckendem Ergebnis.

Valérie Perrins Stil ist wie der vieler moderner französischer Autor(inn)en ziemlich geradlinig, mit knappen Beschreibungen, kurzen Sätzen und schnörkellosen Dialogen, was jedoch ein gewisses surreales Element nicht ausschließt, das immer wieder zwischendurch anklingt wie etwa bei der Möwe, die Hélène anscheinend zeitlebens überallhin begleitet.

Hélènes und Luciens Geschichte hat berührende Momente, ist spannend und in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich, mir fehlten jedoch über weite Strecken ein bisschen die ganz großen Gefühle zwischen den beiden. Erst spät nimmt man ihnen die große Liebe wirklich ab. Die Darstellung der Geschehnisse im Krieg bleibt auch eher lapidar und geht nicht sonderlich in die Tiefe. Auch da hätten die Gefühlswelten deutlicher herausgearbeitet werden können. Gut gelungen hingegen ist die Beschreibung der Kneipe und der Stammgäste, hier vermittelt die Autorin viel Stimmung und Farbe.

Überraschenderweise sind es die familiären Verwicklungen bei Justine, die letztendlich für die meiste Spannung sorgen. Da tun sich Abgründe auf, mit denen nicht zu rechnen war, und es entspinnt sich förmlich ein kleiner, feiner Familienkrimi.

Die kriminalistischen Elemente, die rund um einen mysteriösen Anrufer im Altenheim eingebaut wurden, überzeugen hingegen nicht und finden eine ziemlich konstruierte Auflösung. Ebenso wenig glaubwürdig ist, dass Justine nach x Treffen den Namen des Mannes immer noch nicht weiß, mit dem sie seit einigen Wochen schläft. Vielleicht ist es auch eines der Bücher, bei denen man nicht jeden Aspekt auf die Realitäts-Goldwaage legen sollte.

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Benutzerkommentare

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Sprache & Stil 
 
4.0

Ränke und andere Verbindungen

sowohl in der Gegenwart als auch vor allem in der Vergangenheit spielen in diesem Buch eine große Rolle. Ränke und Liebschaften der unterschiedlichsten Art und - hauptsächlich ungewöhnliche - Familienverbindungen.

Justine ist noch sehr jung und hat eine ungewöhnliche Vorliebe, nämlich Senioren, die sie zu ihrem Beruf gemacht hat, indem sie als Pflegerin im örtlichen Altenheim arbeitet. Am liebsten lässt sie sich von ihnen Geschichten erzählen. Ihre Favoritin ist Helene, schon über 90 Jahre alt, die gerne von ihrem "Nicht-Ehemann" Lucien erzählt, den sie vor dem Krieg kennenlernte und mit dem sie eine nicht einfache, doch umso faszinierende Beziehung verband.

Ein charmanter Roman, der stellenweise französische Leichtigkeit in sich trägt, immer wieder aber auch von Schwermut, der Last des Lebens an sich durchdrungen ist. Ein Buch, das ich mir erst einmal "erlesen" musste, in das ich hineinfinden musste, eines, das mich nicht sofort gepackt hat, sondern erst im Laufe der Handlung. Zu verwirrend waren die Ränke zu Beginn die Handlung, zu sperrig die Figuren.

Aber es hat mich dann doch gepackt, zumal es gleich zwei große Geheimnisse zu ergründen gibt, eines um den frühen Tod von Justines Eltern und denen ihres Cousins- die Väter waren Zwillingsbrüder - durch einen Autounfall, das andere um Helenes Leben. Ja, es ist Unterhaltung, aber keine leichte, die wir hier finden, man muss sich schon sehr konzentrieren und hineinfinden in die Handlung, um ihr gebührend folgen und die ganzen Entwicklungen nachempfinden zu können, zumal es - finde ich jedenfalls - einige recht heftige Erkenntnisse zu verarbeiten gibt. Ja, die Menschen sind nicht gerade einfach, selbst nicht - oder auch gerade nicht - ihren Nächsten gegenüber.

Deswegen würde ich dieses Buch nicht als Wohlfühlroman bezeichnen, nein, es tun sich wahre Abgründe in Familienleben auf. Aber es ist sehr spannend, teilweise auch berührend zu lesen, wenn es einen dann mal gepackt hat. Empfehlenswert auch als Urlaubslektüre, aber wirklich nur für Leser, die sich auch im Liegestuhl gern mal richtig konzentrieren und in eine andere Welt denken.

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