Vanessa Lafaye: Summertime. Die Farbe des Sturms

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Vanessa Lafaye: Summertime. Die Farbe des Sturms
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Summertime
ET (Original)
2015
ISBN-13
9783809026532

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Originalsprache
englisch
Übersetzer/in
Erster Satz
Die schwüle Luft fühlte sich wie Wasser in der Lunge an; man kam sich vor, als ertrinke man.

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Ein Sturm zieht auf, der alle Geheimnisse ans Tageslicht bringen wird ...

Florida, 1935. In Heron Key sind die Beziehungen zwischen den Einwohnern so verworren wie die Wurzeln der Mangrovenbäume. Fast zwanzig Jahre sind vergangen, seit Henry die Stadt verlassen hat, um in Europa zu kämpfen. Die ganze Zeit hat Missy auf ihn gewartet. Als gutes Dienstmädchen kümmert sie sich um das Baby und das Haus der Familie Kincaid und zählt bis zu seiner Rückkehr die Sterne. Nun ist er zurück, doch in dem Veteranen erkennt sie kaum noch den einst stolzen Mann. Als eine weiße Frau in der Nacht vom 4. Juli halbtot am Strand gefunden wird, gerät Henry in Verdacht. Während die Anspannung in der kleinen Stadt weiter ansteigt, fällt das Barometer – der verheerendste Tornado aller Zeiten zieht auf. Im Auge des Sturms offenbaren sich Tragödien, lüften sich Jahrzehnte alte Geheimnisse – und Missys und Henrys Liebe wird auf die Probe gestellt ...

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Kraftvoll und bewegend

"Summertime - Die Farbe des Sturms" ist des Debütroman von Vanessa Lafaye, die aus Tallahassee, Florida stammt. Ihre Geschichte erzählt nicht nur von einer Liebe zu Zeiten großen gesellschaftlichen Aufruhrs, sondern auch sehr bildhaft von einer Naturkatastrophe immensen Ausmaßes.

Florida, 1935. Missy hat sich als Dienstmädchen um den Haushalt der Kincaids gekümmert und gleichzeitig gewartet - 18 Jahre lang. Damals ist Henry in den Krieg nach Europa gezogen und seitdem zählte Missy Sterne. Als er nun zurückkehrt, erkennt sie ihn kaum wieder - aus dem einst stolzen Henry wurde in fast 20 Jahren ein verzweifelter, verarmter Veteran.
Als während der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten eine fast zu Tode geschlagene Frau gefunden wird, fällt der Verdacht auf Henry. Während die Spannungen in der Bevölkerung steigen, beginnt das Barometer zu sinken und ein gewaltiger Hurrikan zieht über Florida auf…

Lafayes Roman basiert auf mehrere historischen Ereignissen: einem Hurrikan, der tatsächlich am Labor Day 1935 auf die Florida Keys traf, dem Lynchmord an einem Afroamerikaner namens Claude Neal und der Tatsache, dass sich zu dieser Zeit zahlreiche traumatisierte und frustrierte Veteranen in Florida angesiedelt haben. Mit den Neuankömmlingen und Heimkehrern mussten die Conchs, wie man die Einwohner der Keys nennt, erst einmal zurecht kommen. Aber auch umgekehrt: die soeben noch gefeierten siegreichen Helden konnten die fortgeschrittenen Folgen der Depression und die hohe Arbeitslosigkeit zuhause kaum begreifen. Am wenigsten die Afroamerikaner, die plötzlich wieder mit rassistischen Gesetzen konfrontiert werden und feststellen müssen, dass ihr Leben daheim nicht annähernd so viel wert ist, wie das ihrer weißen Kameraden - obwohl sie es zuvor gleichermaßen riskiert haben. Die extreme Feindeligkeit verschärft die eh schon harten Lebensbedingungen.

In meinen Augen hat Vanessa Lafaye mit dem Einfließen der historischen Fakten und der gesellschaftlichen Situation in den 30er Jahren in Florida, dem Zentrum der Lynchjustiz, eine Meisterleistung vollbracht. Für mich waren die damaligen Alltagsumstände gut nachvollziehbar, ebenso wie die sonstigen Lebensbedingungen. Alleine die Hitze vor dem Hurrikan und die raschen Veränderungen der Natur waren beinahe greifbar… Dabei kommen trotz all des Ernstes auch die Besonderheiten der Florida Keys zum Tragen.
Meine einziger, wenn auch kleiner Kritikpunkt gilt der relativ großen Anzahl an Figuren, die die Autorin einstreut. Stellenweise musste ich mich ziemlich konzentrieren, um mir zu vergegenwärtigen, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen und dass eben dieser Zusammenhang durchaus bedeutsam sein kann.

Dieser Roman ist meines Erachtens ein Volltreffer - aufgrund der Atmosphäre, aber vor allem aufgrund des historischen Hintergrunds, durch den ich einiges lernen konnte, und wegen der glaubhaften Charaktere, die das Buch auch zu einem Lehrstück über menschliche Abgründe und Vorurteile machen konnte.

Fazit: Ein kraftvoller, bewegender Roman, der die bittere Geschichte der Segregation einfängt und bei dem ich den Eindruck hatte, mitten im Auge des Sturms zu sein.

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