Vera Buck: Runa

Hot
 
5.0 (2)
 
4.8 (4)
1903   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Vera Buck: Runa
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783809026525

Informationen zum Buch

Seiten
608

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Ich holte Luft, als wir uns aufstellten und ich nun selbst sah, was man sich vorhin, beim Umkleiden, nur hinter vorgehaltener Hand zu erzählen gewagt hatte.

Autoren-Bewertungen

2 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0  (2)
Charaktere 
 
5.0  (2)
Sprache & Stil 
 
5.0  (2)
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Runa

Inhaltsangabe:

Jori ist Medizinstudent an der berühmten Salpêtrière, dem Krankenhaus, in dem psychisch kranke Frauen behandelt werden. Sein Dozent Dr. Charcot sieht die Patientinnen dort eher als Experimentiermasse und Jori ist von seinen Methoden hin- und hergerissen. Doch dann trifft er auf das Mädchen Runa und ist von ihrer Krankheit, an der jeder Heilungsversuch wirkungslos abprallt, fasziniert. Kann Jori ihr die Krankheit aus dem Gehirn herausoperieren? Und kann er dann endlich der Arzt sein, der seiner Freundin Pauline Rettung bringt?

Die Geschichte spielt in Paris im Jahr 1884.

Der erste Satz:

„Ich holte Luft, als wir uns aufstellten und ich nun selbst sah, was man sich vorhin, beim Umkleiden, nur hinter vorgehaltener Hand zu erzählen gewagt hatte.“

Meine Meinung zum Buch:

Mit dieser Geschichte wartet keine einfache Lektüre auf den Leser. Ich war von den hier beschriebenen (uns sicher sehr gut recherchierten) medizinischen Experimenten teilweise sehr entsetzt und fassungslos. Die Goldgräberstimmung der Ärzte und der rücksichtslose Umgang mit Kranken bzw. solchen Personen, die sich nicht in die gängige Norm einfügen konnten oder wollten, sind sehr eindringlich beschrieben. Wieder einmal war ich nach dem Lesen eines Buches sehr froh, in der heutigen Zeit leben zu dürfen. 

Aber das ist nur ein kleiner Aspekt dieses Buches. Die sehr spannende Geschichte um Jori und die anderen Ärzte an der Salpêtrière, bei denen man viele später sehr bekannte Namen erkennen kann, ist sehr gut geschrieben. Auch wenn ich das Buch nur in kleinen Häppchen lesen konnte, ging es mir nicht mehr aus dem Kopf. Es ist ganz sicher kein Buch, das man liest und anschließend gleich wieder vergisst, sondern eines, das die Gedanken noch über das Lesen hinaus beschäftigt. Das habe ich als sehr positiv empfunden. 

Normalerweise beschreibe ich in meinen Rezensionen auch, welche Figuren mir sympathisch waren oder nicht, aber das ist hier sehr schwierig. Alle Protagonisten sind Menschen ihrer Zeit und es ist für mich heute schwer nachvollziehbar, wie sie handeln. In ihrer Haltung sind sie aber alle glaubwürdig, auch wenn ich ihre Ansichten als ziemlich roh empfinde. Aber das ist natürlich mein Blick aus der heutigen Zeit, mit den heutigen Erkenntnissen, zurück in die Vergangenheit. 

Die Sprache in diesem Buch habe ich als sehr schön empfunden. Es gibt einige Passagen, die ich mehrfach gelesen habe, einfach weil ich das Lesen genossen habe. 

Mein Fazit:     Unbedingt lesen, und dafür Zeit nehmen. 

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
(Aktualisiert: 31 Oktober 2015)
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Was für ein Debüt!

Vera Buck legt mit "Runa" einen medizinisch-historischen Roman vor, der mir nicht nur einmal einen kalten Schauer den Rücken hinunter gejagt hat.
Es ist eine große Zeit auf dem Gebiet der Neurologie und die große Zeit des Pariser Hôpital de la Salpêtrière. Eine sogenannte Nervenheilanstalt, die viele Weichen für die Forschung, auf dem Weg zu unserem heutigen Wissen, gestellt hat und wichtige Fachausdrücke geprägt hat - aber zu welchem Preis? Das ist eine der Fragen, mit der man sich bei der Lektüre unweigerlich beschäftigt...
"Runa" entführt den Leser ins Jahr 1884 an die berühmte Salpêtrière, wo unter der Leitung von Dr. Jean-Martin Charcot Experimente an Patientinnen durchgeführt werden. Seine dienstäglichen "Vorführungen" locken zahlreiche Neugierige an - unter ihnen auch die Schweizer Studenten Jori und sein Freund Paul. Die beiden verfolgen die Versuche an hysterischen Patientinnen wie gebannt. Besonders Jori, der in Pauline verliebt ist, die - ausgerechnet - ebenfalls an einer angeblichen Hysterie erkrankt und in der heimischen Nervenheilanstalt Burghölzli in Behandlung ist. Jori hat das hehre Ziel, seiner großen Liebe helfen zu können und steckt deshalb alle Energie in sein Studium. 
Doch dann taucht Runa auf, ein Mädchen, das nicht isst und spricht, aber all den gängigen Behandlungsmethoden an der Salpêtrière trotzt. Selbst Charcot - stets von seinem Bestreben nach mehr Ruhm getrieben - resigniert an Runa, im Gegenteil zu Jori, der seine Chance sieht. Kann er mit einer gewagten Operation seinen lang ersehnten Doktortitel erlangen und dann zu Pauline heimkehren und sie ebenfalls heilen? Doch sein Plan ist sogar für die damalige Zeit schier undenkbar: er möchte den Wahnsinn aus dem Gehirn Runas schneiden und ihr so eine Genesung ermöglichen...

Dieses Buch ist etwas Besonderes, so viel schon einmal vorweg. Zum einen liegt das am Thema an sich, da ich so eine Geschichte noch nie gelesen habe. Ich finde, dass man deutlich die Leidenschaft der Autorin für dieses Fachgebiet bemerkt - die Herangehensweise ist bemerkenswert, da sich sehr gute Recherche, medizinische Details und Schilderungen mit haarstäubenden Gruselelementen mischen. Für mich war hier nicht nur stellenweise das Fürchten angesagt, sondern vor allem musste ich vieles sacken lassen. Es ist schlicht und ergreifend schockierend, was vor nicht einmal 150 Jahren viele Frauen im Dienste der Forschung und der Heilkunst (!) erdulden mussten. Nicht nur, dass man sie in Schubladen gedrängt und durch Zwänge und komplett absurde Methoden sie erst recht krank gemacht hat, nein, sie wurden auf das Übelste bloß gestellt, gequält und sogar getötet! Und keinen hat es so recht gekümmert... Wenn man dann noch liest, dass es sich bei den behandelnden Ärzten um Koryphäen der Neurologie gehandelt hat, von denen sich mancher zum Beispiel mit Sigmund Freud ausgetauscht hat, wird einem schlecht. Zumal mir klar wurde, dass so manche - noch heutige gültige - Erkenntnis auf Basis von brutalsten Versuchen erlangt wurde. Hier hat der Roman für mich schon fast philosophische Tendenzen, da er mich sehr stark zum Nachdenken gebracht hat, was ethisch ist und was gar unmenschlich. Diese angeblich hysterischen Frauen waren in den Augen der großen und wichtigen Köpfe lediglich Mittel zum Zweck. Ihr Leben war keinen Heller wert.
Der andere große Faktor dieses Buches ist die Sprache und der Stil der Autorin. Schlicht sind die Sätze und dennoch von ungeheuerlicher Eleganz. Dadurch wird die Geschichte besonders eindringlich und geht nicht nur aufgrund der schockierenden Stellen unter die Haut... Aber auch der Mix aus medizin-historischen Fakten und fiktiven Handlungen ist einfach nur gelungen. Auch wenn ich manche Stellen als schwer zu ertragen empfand, hat mich diese Geschichte und das Können Vera Bucks einfach vom Hocker gehauen.

Auch wenn "Runa" kein einfach zu lesendes Buch ist - was an der Thematik und dem bei mir ausgelösten Nachdenken darüber liegt, es lohnt sich so sehr. Als ich mich halbwegs an das Personal gewöhnt hatte, wurde ich auch schon von einer ganz eigenen Spannung mitgerissen und mit einer Handlung mitgerissen, die mich zu wichtigen Fragen geführt hat. Dass die Figuren nicht unbedingt Sympathieträger sind, liegt nicht an einer Autorin, die sie mir nicht nahebringen konnte, sondern schlicht und ergreifend daran, dass Vera Buck sie sehr authentisch dargestellt hat. So ist der einzige Lichtblick ein gewisser Joseph Babinski - aber um das in Gänze einordnen zu können, empfehle ich die Lektüre von "Runa".

Fazit: Wenn dies das Debüt einer jungen Autorin ist, dann kann ich nur sagen, dass ich schon jetzt mit allergrößter Neugier auf den zweiten Roman warte! Unbedingt lesen - auch wenn man für manche Szenen nicht unbedingt allzu zartbesaitet sein darf!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

4 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.8
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.8  (4)
Charaktere 
 
4.8  (4)
Sprache & Stil 
 
4.8  (4)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Ein faszinierender Ausflug zu den Anfängen der Psychiatrie...

Je mehr ich über das Buch hörte, desto mehr wuchs meine Neugierde und um diese zu befriedigen, blieb mir nichts anderes übrig als mir selbst eine Meinung zu bilden und was soll ich sagen: Dieses Debüt hat mich geflasht.

Die Autorin entführt uns nach Paris um 1884, in die berühmte Nervenklinik Salpêtrière. Hier studiert Jori Hell am lebenden Objekt Psychologie. Zu seinem Erfolg fehlt ihm nur noch der Doktortitel, den er durch eine ganz besondere Operation erlangen will. Er möchte der erste Mediziner sein, der den Wahnsinn aus den Hirnen der Patienten schneidet. Kann ihm dieses gewagte Unterfangen wirklich gelingen und wird er dabei Unterstützung bekommen?

Vera Buck erschafft hier eine Welt, die faszinierend und abstoßend zur selben Zeit ist. Es ist wie bei einem schweren Unfall: man mag nicht hinsehen, aber die Neugierde treibt einen dazu.

Zunächst werden dem geneigten Leser zahlreiche Protagonisten in unterschiedlichen Handlungssträngen vorgestellt. Da die Autorin sehr detailliert und authentisch die Charaktere zeichnet, kann man diese sehr gut auseinander halten und jeder ist für sich überaus interessant und spannend. Alle Darsteller sind Menschen mit Ecken und Kanten, die sehr glaubwürdig und realistisch rüber kommen. Mir hat es ganz besonders Lecoq angetan, der etwas von einem Antihelden hatte, der mich einfach beeindruckt hat.

Die Story an sich ist ein Mix aus Historie, Krimi und Horror. Die historischen Einschübe bringen einem die Erforschung psychischer Krankheiten näher. Dabei streut die Autorin auch real existierende Personen ein. Ein Krimi ist es deshalb, weil es gilt herauszufinden, was es mit dem mysteriösen Mädchen Runa auf sich hat. Horror ist vielleicht etwas übertrieben von mir dargestellt, aber die Operationsszenen und Behandlungsmethoden kamen mir ein ums andere Mal wie aus dem fiesesten Folterkeller erdacht vor.

Mich hat dieses Debüt wirklich überrascht. Es fesselt bis zur letzten Seite und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt.

Fazit: Überzeugende Geschichte, die einen in ihren Bann zieht. Von mir aus hätte der Roman noch einige hundert Seiten mehr haben können. Ich kann nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Genial!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Großartiger Debütroman

Im endenden 20. Jahrhundert überschlagen sich die wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnisse.  Auch vor der Psyche des Menschen macht das Interesse der Wissenschaft nicht halt. Wie funktioniert das Gehirn? Wie entstehen scheinbar absonderliche Verhaltensmuster? Warum verhalten sich Frauen häufig so hysterisch?
Vor diesem Hintergrund werden die damaligen Koryphäen der Pariser Salpetriere-Klinik lebendig. Sie und ihre Assistenzärzte, die noch nach wissenschaftliche Anerkennung streben. So wie Jori, der hofft mit Hilfe eines
Doktortitels könne er seiner Geliebten Pauline helfen. Dazu muss er sein Können aber erst einmal unter Beweis stellen – dieser Beweis wird Runa sein. 
Ein eigenwilliges, wildes Kind, das keine Nahrung zu sich nimmt und auch sonst so anders ist als alle anderen Menschen, die er bisher kennen gelernt hat. Auch weil sie ihn auf eine eigentümliche Art anrührt. 

Mit „Runa“ ist Vera Buck ein großartiger Debütroman gelungen. Stilistisch changiert er zwischen einem Geschichtsroman und einem Thriller. 
Die Amazon-Kategorisierung „Medizingeschichte“ zeigt wie liebevoll und detailreich Vera Buck mit der
historischen Vorlage umgegangen ist. Wenn man im Bereich Neurologie, Psychologie, Psychiatrie Vorkenntnisse hat, kann man diesen Roman genauso gut genießen wie Leser, die bisher keine Berührungspunkte damit hatten. Denn die Fragestellungen sind allgemein gültig: was macht den Menschen aus? Wie weit darf man für wissenschaftliche Erkenntnis gehen? Ethische Fragen, die heute genauso
relevant sind, wie sie damals waren. Dabei werden einzelne Szene so gekonnt beschrieben, dass man sich direkt in die Atmosphäre einfühlen kann und die Szenen interessiert-abgestoßen beobachtet. Empfindungen, die man bestimmt mit den Beobachtern der damaligen Zeit geteilt hat. 

Die Thriller-Komponente ist Teil dieser geschichtlichen Entwicklung. Menschen sterben, es passiert ein
Mord, Kinder verschwinden und es tauchen merkwürdige Zeichen an unterschiedlichen Stellen der Stadt auf. Was passiert dort? Wer ist dafür verantwortlich? Der Spannungsaufbau ist sehr gut gelungen, wobei ein sehr
gutes, weil realistisches und den Charakteren entsprechendes, Ende gefunden wird. 

Die Charaktere verfügen über Ecken und Kanten, was das Herausfiltern eines wahren Sympathieträgers
erschwert, aber die Figuren um so realistischer erscheinen lässt. Egal, wen ich mir vorstelle, es bereitet mit keine Schwierigkeiten alle vor mein geistiges Auge zu rufen und mit ihnen zu diskutieren. 

Ein ganz großartiges Buch, das ich unbedingt weiterempfehlen möchte!



War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Neurologie im Paris des 19. Jahrhunderts

Paris im 19. Jahrhundert. An einer renommierten Nervenheilanstalt werden psychisch kranke Frauen behandelt. Der Medizinstudent Jori Hell möchte seiner großen Liebe Pauline helfen und endlich promovieren. Als das Mädchen Runa eingeliefert wird, sieht er seine Chance gekommen. Da bei Runa sämtliche Behandlungmethoden des großen Professor Charcot versagen, will Jori sich beweisen. Er plant eine Hirnoperation bei Runa.

Vera Buck verbindet in ihrem Debüt-Roman den fiktiven Fall von Runa mit historisch belegten Fakten. Die damals aktiven Ärzte waren Koriphäen ihrer Zeit. Die Behandlungsmethoden muten heutzutage unmenschlich und brutal an. Die Frauen wurden als Forschungsobjekte benutzt und im Rahmen von Vorlesungen vor den Augen der Studenten "behandelt". Beim Lesen war ich von den unglaublichen Dingen, die den Frauen angetan waren, schockiert. Man muss dabei aber auch bedenken, dass Männer wie Tourette und Charcot im Dienste der Wissenschaft gehandelt haben und dazu beitrugen, dass die Neurologie heute so weit ist, wie sie ist. Der Autorin gelingt es sehr gut, das in ihrem Roman darzustellen.

Das Buch fesselt den Leser, insbesondere nachdem Runa in die Klinik eingeliefert wird. Warum redet sie nicht und warum hat sie so einen eigenartigen Blick? Gut hat mir gefallen, dass Jori während des Romans seine Menschlichkeit entdeckt und Runa nicht nur als Mittel zum Zweck betrachtet, sondern sie wirklich heilen will. Aber kann man defekte Teile des Gehirns einfach wegschneiden?

Das Ende des Romans ist nicht komplett offen, lässt aber Spielraum für eigene Gedanken des Lesers.

Der Autorin ist ein beeindruckendes Erstlingswerk gelungen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Starkes Erstlingswerk

Vera Bucks Debütroman "Runa" entführt den Leser in die Welt der Pariser Nervenheilanstalt Hôpital de la Salpêtrière am Ende des 19ten Jahrhunderts. Große Entdeckungen im Bereich der Neurologie und Psychiatrie wurden bereits gemacht und große Entdeckungen sind noch zu erwarten. Es herrscht eine Goldgräberstimmung unter den Herren Gelehrten, moralisch-ethische Überlegungen gibt es noch nicht.

In diesem Umfeld möchte der junge Medizinstudent Jori Hell einerseits eine Heilung für seine große Liebe Pauline finden und andererseits ein ergiebiges Thema für seine Promotion finden. Dieses präsentiert sich in Form des jungen Mädchens Runa, das sogar dem weithin berühmten Prof. Charcot ein Rätsel aufgibt. Jori beschließt, an ihr den ersten psycho-chirurgischen Eingriff vorzunehmen, um sie so zu heilen.

Anhand des fiktiven Falles "Runa" entwirft Vera Buck ein erschreckend realistisches Sittenbild der damaligen medizinischen Forschung. Schönenden, stark verzerrenden Kitsch wird man hier vergeblich suchen. Die Protagonisten handeln als Kinder ihrer Zeit, mit eben einer anderen Einstellung zu Patienten und deren Rechten. Niemand denkt sich etwas dabei, zu Forschungszwecken an einer als unheilbar eingestufte Frau experimentell zu operieren. Ihr sicherer Tod wird billigend in Kauf genommen. Was bedeutet schon ein Leben, wenn es im Endeffekt hilft, eine Heilung für viele zu finden?!

Namhafte Professoren führen ihre Patientinnen in medizinischen Vorlesungen zum Vergnügen der gelangweilten Pariser Bohéme vor. Alles im Namen der Wissenschaft versteht sich natürlich. Trotz allem Abscheu vor diesen Methoden muss sich der moderne Leser vor Augen halten, welche bahnbrechenden Erkenntnisse die Neurologie Männern wie Jean-Martin Charcot, Joseph Babinski oder George Gilles de la Tourette zu verdanken hat. Vera Bucks Spagat zwei Seiten einer Medaille abzubilden ist meiner Meinung nach gelungen.

Reale historische Persönlichkeiten agieren ungekünstelt mit fiktiven Romanfiguren. Der eingebaute Kriminalfall sorgt für Spannung und ist gleichzeitig eine Verbeugung an das literarische Vorbildes für Sherlock Holmes, dem gallischen Detektiv Lecoq. Gothic Novel Elemente verdichten die Atmosphäre zusätzlich.

Das offene Ende lässt nicht unbefriedigt zurück. Es wird genug beantwortet, um den Leser nicht zu frustieren und erlaubt trotzdem genug Raum für eigenen Gedanken und Interpretationen.

Fazit:

Ein gelungenes Erstlingswerk einer jungen Autorin, welches aus dem großen Wulst von historischen Romanen positiv herausragt. Der Mut ein kontroverses Thema ungeschönt darzustellen trifft auf fesselnde Thrillerelemente in einem stimmigen Ambiente.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue