Gioconda Belli: Waslala

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Gioconda Belli: Waslala
Verlag
ET (D)
1996
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
Waslala
ET (Original)
1996
ISBN-13
9783423126618

Informationen zum Buch

Seiten
343

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Ein Jammer war es, daß sie den Fluß nicht würde mitnehmen können, wenn sie fortginge.

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Handlungsort

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Der amerikanische Journalist Raphael soll für seine Zeitung eine Reportage über die Herstellung der Droge Philin schreiben. Offiziell behauptet er, auf der Suche nach Waslala zu sein - einem geheimnisvollen Ort, den nur wenige Menschen je gesehen haben. Melisandra verliebt sich in Raphael, und gemeinsam machen sie sich auf eine gefährliche Reise an einen Ort, an dem Melisandra auch ihre verschollenen Eltern vermutet.

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Da steckt jede Menge Stoff zum Nachdenken drin in dieser eindringlichen Geschichte, in der nichts so kommt, wie ich es erwartet hatte. Am Anfang deutet alles eher auf eine exotische Dschungel-Expedition hin und ich machte mich auf Schlingpflanzen, Sümpfe und wilde Tiere gefasst. Es ist auch ganz schön abenteuerlich, als Melisandra gemeinsam mit ihrem neuen Freund Raphael und einigen weiteren Figuren auf das Boot geht und den Fluß mit Ziel Waslala befährt.



Der Charakter der Geschichte ändert sich aber ziemlich rasch; weg von der ungezähmten Natur in den harten Alltag der lateinamerikanischen Wirklichkeit, die von Armut, Machtmissbrauch, Drogenhandel erzählt. Die Autorin zeichnet hier einen düsteren Entwurf einer zukünftigen Welt, in der die Entwicklungsländer Lateinamerikas endgültig verloren haben und auf dem Abstellgleis der Zivilisation vergessen werden. Manches davon ist sicherlich bereits Realität.



Insbesondere die Rolle des Zivilisationsmülls, der für die Bewohner Faguas den wichtigsten Rohstoff schlechthin darstellt, steht im Mittelpunkt der Geschichte und spielt auch eine Schlüsselrolle für das weitere Geschehen. Aufgerüttelt durch einen schrecklichen Unfall, keimt die Idee zum Widerstand gegen die despotischen Gebrüder Espada, die das ganze Land in ihrem Würgegriff haben. Wie immer bei Gioconda Belli, ist der Griff zu den Waffen durchaus ein probates Mittel, um der Obrigkeit die Grenzen zu weisen und aus der Unterdrückungsspirale auszubrechen, was mich persönlich immer sehr zwiespältig zurücklässt.



Sehr viel mehr konnte ich mich mit der Idee anfreunden, dass inmitten dieser Hoffnungslosigkeit eine utopische Enklave besteht, in der die Menschen glücklich, zufrieden und ohne Angst leben können, eben das titelgebende Waslala. Entworfen durch die Dichter und Denker des Landes, geschützt durch einen Windkorridor und eine unerklärliche Zeitverwerfung, sollen hier die Ideale des menschlichen Lebens ohne Einfluss von außen ausgelebt und an die späteren Generationen weitergegeben werden. Die Frage, ob es Waslals tatsächlich gibt oder nicht, zieht sich bis ans Ende des Buches und ich war immer wieder hin- und hergerissen, ob Melisandra es wohl finden werde. Interessant ist, dass alleine die Tatsache, dass es Waslala geben könnte, den Menschen Kraft und Mut zur Bewältigung ihres täglichen Lebens gibt. Was sich niemand fragt: ob Waslala tatsächlich auch so funktioniert, wie die Intellektuellen das vorgesehen haben - ein interessanter Aspekt, der am Ende nur teilweise beantwortet werden kann.



Wunderbar gelungen sind die Figuren, die allesamt sehr eindringlich und tiefgründig gezeichnet sind. Melisandra, die Unschuld vom Lande, die mehr und mehr eine charismatische Ausstrahlung bekommt; Raphael, der europäische Journalist, den die Tragödie des Landes in tiefe Zweifel stürzt und der sich mit seinem gewohnten Schwarz-weiß-Denken nicht mehr zurechtfindet; der philosophische Großvater, für den einer der größten Dichter Nicaraguas Pate stand, und schließlich Morris und Engracia, die tragischen Figuren dieses Romans, die mich sehr bewegt haben. Auch die zahlreichen Nebenfiguren sind beeindruckend ausgearbeitet und bringen so manchen zusätzlichen Aspekt in den Roman, ich denke zum Beispiel an ein lesbisches Paar aus Holland, das ein Kind aus Fagua adoptieren möchte.



Gioconda Belli hat eine mitreißenden, aufrüttelnden Schreibstil, der mich durchwegs begeisterte; er lebt auch von seine Kontrasten, denn sowohl die wunderbaren bildhaften Landschaftbeschreibungen von den Ufern des Amazonas, als auch die Schilderung der elenden Zustände in den Städten und Straßen Faguas, die absurde Verwendung von Müll, der für sämtliche Alltagsgegenstände herhalten muss, erzeugten bei mir sehr intensive Bilder im Kopf und ließen mich lange nicht mehr los. Dabei hat die Autorin aber immer auch eine Blick für das Schöne im Schrecklichen, was die Lektüre für mich umso faszinierender machte.

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