Thommie Bayer: Weißer Zug nach Süden

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Thommie Bayer: Weißer Zug nach Süden

Autor

Biografie & Bibliografie von
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783492056106

Informationen zum Buch

Seiten
144

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Chiara steht am Fenster.

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Handlungsort

Handlungsorte
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Die junge Italienerin Chiara schlüpft in das Leben ihrer Freundin Leonie und begegnet dabei einem Mann, der ihre Gedanken zu lesen scheint - "Weißer Zug nach Süden" erzählt von dem geborgten Leben einer Frau und ist zugleich ein raffinierter kurzer Roman über die Unergründlichkeit menschlicher Inspiration. Chiara stammt aus Castelnuovo in Italien. Warum sie nach Deutschland gekommen ist, geht niemanden etwas an. Jetzt ist sie da und führt das Leben, das ihre Freundin Leonie ihr hinterlassen hat: Chiara wohnt in Leonies Haus auf dem Hügel und hat auch ihren Job übernommen, sie putzt. Für den Übergang, sagt sie sich, aber dieses Leben gefällt ihr, sie mag es, in fremde Wohnungen zu schauen, die Dinge in Ordnung zu bringen. Die Wohnung des Herrn Vorden übt dabei eine besondere Anziehung auf sie aus. Und auch Vorden scheint eine tiefere Verbindung zu ihr zu haben - denn jede Woche, wenn Chiara seine Räume betritt, findet sie auf seinem Schreibtisch einen Stapel Blätter mit einer Geschichte. Und jede Woche fragt sie sich, ob der Mann, von dem sie nicht einmal den Vornamen kennt, ihre Gedanken lesen kann. Denn seine Geschichten haben sehr viel mit ihrem Leben zu tun.

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Viel mehr Inhalt als erwartet

In Chiaras Leben ist irgendetwas geschehen und hat sie dazu gebracht, fluchtartig ihren Heimatort zu verlassen. Sie kommt in der Wohnung ihrer Freundin Leonie unter, die ihrerseits gerade in den USA ist und jemanden braucht, der für eine gewisse Zeit ihre Wohnung hütet und ihre Putzjobs bei verschiedenen Leuten übernimmt. Chiara kann sich so ganz unauffällig in Leonies Leben einrichten. Sie putzt die Wohnungen ganz unterschiedlicher Menschen. Doch eine hat eine ganz besondere Wirkung auf Chiara. Obwohl sie ihrem Besitzer, Herrn Vorden, nie begegnet, entwickelt sich zwischen den beiden ein sonderbarer Dialog mit tiefen Einblicken.

Ich liebe die Bücher von Thommie Bayer und war zuerst enttäuscht, dass das neue Werk nur knapp 150 Seiten umfasst. Doch einmal mit der Lektüre begonnen, war diese Enttäuschung schnell vergessen, denn dem Autor gelingt es, hier eine dermaßen dichte und besondere Story zu erzählen, mit Geschichten in der Geschichte, dass mir das Buch viel dicker vorkam.

Wunderschön fand ich auch das Ende, das dem Leser viel Raum für eigene Gedanken lässt, wie eigentlich das ganze Buch hindurch schon. Es bietet so viele Facetten und interessante Ansätze, die man dann selbst im Kopf weiterspinnen kann. Es werden viele Fragen aufgeworfen, die jeder Leser für sich beantworten kann. Immer wieder schmunzeln musste ich über manche der Szenen, es zeigt sich durchgehend ein tiefsinniger und feiner Humor.

Sprachlich hat mich der Autor, wie bisher jedes Mal, auch hier wieder völlig überzeugt. Die Geschichte an sich wird sicher noch einige Zeit in mir nachhallen.

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Chapeau!

Eine junge Frau verlässt ihr Heimatstädtchen Castelnuovo nahe Rom Hals über Kopf und schlüpft bei ihrer Freundin Leonie unter. Diese hat in einem Ort im Badischen ein Häuschen, weilt aber selbst momentan in New York City.
Chiara, die Italienerin mit deutscher Mutter, kümmert sich nicht nur um das Zuhause ihrer Freundin, sondern vertritt Leonie während ihrer Abwesenheit auch als Putzfrau in ganz unterschiedlichen Haushalten. Chiara macht diese kleinen Jobs mit Hingabe - vielleicht sogar mit etwas zu viel davon, denn sie findet die fremden Wohnungen ziemlich spannend. Besonders fasziniert ist sie schon bald vom Heim eines gewissen Herrn Vorden, den sie allerdings noch nie gesehen hat: mit besonderer Vorsicht stellt sie nach der Oberflächenreinigung die einzelnen Gegenstände an ihren Platz zurück - einfach, weil sie diese Wohnung ganz besonders schätzt. Nach kurzer Zeit greift sie aber in das Stillleben ein: sie isst Schokolade aus dem Kühlschrank, hört Musik und lässt sich zum Abschluss zur Entspannung in Vordens Badewanne gleiten. Klingt das befremdlich? Vielleicht. Aber die zusätzliche Würze bekommt die Geschichte als Chiara einen Papierstoß findet - geradezu von Vorden für sie zurecht gelegt. Und so liest sie jede Woche eine neue Erzählung, von der jede zu ihrem Erstaunen viel mit ihrem eigenen Leben zu tun hat... Ausgerechnet mit Chiara, die ein Geheimnis um ihre überhastete Abreise aus dem Haus ihres Vaters macht. Werden wir erfahren, was die junge Frau in ein geliehenes Leben getrieben hat?

Thommie Bayer ist in meinen Augen ein Satzakrobat: mit seiner feinen, klaren Sprache schafft er kluge Sätze, die die Suche einer jungen Frau nach ihrem eigenen Leben gekonnt einfängt. Es ist ein bisschen wir mit einer Skizze: mit nur wenigen Strichen entstehen Bilder im Kopf. Dabei haben viele Szenen eine bemerkenswerte Tiefe: ich habe mich nicht nur einmal dabei ertappt, dass mich vor allem so manche zwischenmenschlichen Situation nachdenklich gemacht hat... Nicht zu vergessen: Sätze, die man sich schon fast auf der Zunge zergehen lassen kann und auf denen ich regelrecht durch das Buch geschwebt bin, und ein Wortwitz, der mich immer wieder zum Grinsen gebracht hat und dabei wirklich intelligent daherkommt.

Ach, was soll ich sagen? Ich liebe dieses Buch. So einfach ist es.

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Weißer Zug nach Süden

Chiara hat ihre Heimat Italien verlassen um ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Sie ist geflohen und in das Leben ihrer Freundin Leonie eingetaucht, die ihrerseits für einen längeren, noch unbestimmten Zeitraum in Amerika weilt. Chiara bewohnt Leonies Haus und übernimmt ihre Jobs. Sie putzt und übt im Rahmen ihrer Tätigkeit auch andere Alltagsaufgaben aus. Jeden Tag unterhalb der Woche ist sie beschäftigt, morgens und nachmittags trifft sie auf andere Menschen und/oder andere Wohnungen. Am liebsten putzt Chiara die Wohnung des Herrn Vorden. Diese Wohnung ist so anders. Alles ist ordentlich, geradlinig und gepflegt. Herrn Vorden selbst kennt sie nicht persönlich, aber je länger Chiara seine Wohnung putzt, je mehr hat sie das Gefühl diesen Mann zu kennen und ihm emotional sehr nahe zu sein. Und das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn Vorden ist Schriftsteller und in den Kurzgeschichten, die er schreibt und in seiner Wohnung liegen lässt, findet Chiara sich selbst und Teile ihres Lebens wieder.

Thommie Bayer schafft es in seinem kleinen Buch eine wundervolle Geschichte zu erzählen über die Möglichkeiten, die das Leben bietet. Hierbei spielen zwischenmenschliche Beziehungen und die Vorstellungskraft jedes Einzelnen eine große Rolle.
Besonders gelungen sind die vielen kleinen Geschichten, die hier perfekt in die Rahmenhandlung integriert sind. Und doch stellt jede für sich gesehen eine kleine Besonderheit dar.

Man sollte „Weißer Zug nach Süden“ in Ruhe genießen und auf die vielen kleinen, erzählerischen Details achten, die der Autor hier einstreut. Erst dann wird das Buch seine ganze Faszination entfalten.

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Wenig Seiten - viel Inhalt

Inhalt:
Die junge Deutsch-Italienerin Chiara hat Hals über Kopf ihre Familie in Castelnuovo verlassen und ist bei ihrer Freundin Leonie in Deutschland untergekommen. Leonie wiederum zieht es nach New York. So kommt es, dass Chiara in Leonies Haus lebt und deren Putzjobs übernimmt, ein Stück weit in deren Leben schlüpft. Sie entwickelt ihre eigenen Routinen, die ihr Sicherheit geben. Durch die Wohnungen, die sie putzt, lernt sie deren Bewohner kennen, auch wenn sie ihnen persönlich nie begegnet. Dabei haben es ihr besonders Herr Vorden und seine schöne Wohnung angetan. Ganz langsam entwickelt sich eine subtile Kommunikation zwischen den beiden. Hier ein Zettel, da eine Tafel Schokolade, schließlich Kurzgeschichten, in denen Chiara sich und ihr Leben wie auf magische Weise wiederfindet.

Meine Meinung:
Mit viel Empathie lässt Thommie Bayer den Leser an einer Episode in Chiaras Leben teilhaben. Auf wenigen Seiten zeichnet er ein dichtes Bild seiner Protagonistin, die ihren weiteren Lebensweg finden muss. Es sind die leisen Töne, die punktgenauen Beschreibungen, die mir an Bayers Schreibweise so gut gefallen. Jedes Wort ist sorgfältig ausgewählt und harmonisch mit den anderen kombiniert, hier ist nichts überflüssig. So gelingt es, auf wenigen Seiten so viel auszudrücken.

Möchte man anfangs unbedingt wissen, was in Chiaras Vergangenheit passiert ist, weshalb sie aus Italien geflüchtet ist, wird mit der Zeit diese faszinierende, kaum zu fassende Beziehung zu Vorden immer interessanter. Hier kann die Fantasie des Lesers auf Hochtouren arbeiten.

Mich hat das Buch von vorne bis hinten gefesselt, es hat mich auch zwischen zwei Leseabschnitten beschäftigt. Dabei war mir Chiara nicht einmal besonders sympathisch, einige ihrer Verhaltensweisen kann ich nicht gutheißen. Doch zu ihr passen sie, sie machen das Besondere dieser Figur aus.

Thommie Bayer hat mit diesem kleinen, aber feinen Buch wieder einmal gezeigt, was für ein großartiger Autor er ist.

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Das Leben einer Anderen leben?

Über dieses zauberhafte Buch bin ich nur durch Zufall gestolpert und es war mein erster Roman von Thommie Bayer, aber ganz sicher nicht mein letzter.

In der Geschichte geht es um Chiara, die ihre Heimat Italien fluchtartig verlassen hat. Sie nimmt in Deutschland den Platz ihrer Freundin Leonie ein und verdient ihren Lebensunterhalt als Putzfrau. Dieser Job soll eigentlich nur für den Übergang sein, doch sehr schnell stellt Chiara fest, dass ihr der Beruf liegt, ist sie doch gern in den Wohnungen fremder Menschen unterwegs und hat es gern ordentlich. Doch dann findet sie in einer der Wohnungen jede Woche eine Geschichte und immer mehr wird zur Gewissheit, dass diese Geschichten etwas mit ihr zu tun haben. Kann das wirklich sein?

Obwohl dieses Buch verhältnismäßig wenige Seiten umfasst, strömt diese Geschichte so viel aus. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, der Schreibstil des Autors ist fesselnd und allgemein ist eine Tiefe gegeben, die ich so nicht erwartet hatte.

Die Ereignisse werden uns durch einen allwissenden Erzähler übermittelt.

Chiara als Protagonistin ist unheimlich spannend, eine quirlige Person, deren Schicksal man gern miterlebt. Als Leser möchte man unbedingt das Geheimnis ihrer Flucht ergründen. Ich konnte mich mit ihr identifizieren und auch wenn ich selbst nicht alle Entscheidungen, die sie trifft gutheiße, so konnte ich sie dennoch gut verstehen.

Für mich ist dieses Buch ein klarer Geheimtipp, denn es verzaubert und verwöhnt einen zudem mit einer unheimlich tollen Sprache.

Fazit: Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Perfekt auch als Geschenk für Freunde und Bekannte. Klasse!

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Faszinierende, tiefgründige Erzählung

Mit „Weißer Zug nach Süden“ ist dem deutschen Autor Thommie Bayer erneut ein außerordentlich faszinierender Roman gelungen, der die kurze, recht unspektakulär verlaufende Geschichte eines Neubeginns in der Fremde aus Sicht der jungen Italienerin Chiara erzählt.
Sehr ruhig und behutsam entwickelt sich die Handlung, in der allmählich immer mehr Details aus der Vergangenheit der Hauptfigur Chiara enthüllt werden. Fasziniert folgt man den Schilderungen von Chiaras neuem Leben und ihrem eher eintönigen Alltag als Putzhilfe, einem Job, den sie von ihrer deutschen Freundin Leonie übernommen hat, die ihrerseits ihr Glück in New York sucht. Schon bald taucht man in Chiaras ganz eigene Welt voll seltsamer Gewohnheiten ein, beginnt gemeinsam mit ihr die spannende Wohnung des mysteriösen Wohnungsinhabers Vorden zu ergründen und sich für seine rätselhafte Persönlichkeit zu interessieren. Zudem fragt man sich neugierig, was Chiara zur Flucht aus ihrem alten Leben bewogen haben könnte und ist gespannt darauf, ihr vermeintlich fesselndes Geheimnis zu ergründen.
Trotz seiner geringen Seitenzahl ist die virtuos komponierte Erzählung auf beeindruckende Weise äußerst tiefgründig angelegt, steckt voller Poesie und versteht den Leser zu berühren. Sehr bemerkenswert sind auch die genial in die Rahmenhandlung eingeflochtenen, geheimnisvollen Kurzgeschichten, die aus der Feder des fiktiven Schriftstellers Vorden stammen, auf verstörende Weise besondere Momente aus Chiaras Leben aufzugreifen scheinen und den Leser zum Nachdenken über das Leben anregen.
Bayer versteht es, punktgenau und mit viel Feingespür außergewöhnliche Stimmungen und zwischenmenschliche Zwischentöne in seiner Geschichte einzufangen, auf unnachahmliche Weise zu bewegenden Ereignissen zu verdichten.
Sein prägnanter, leichter und faszinierend nuancierten Sprachstil gewürzt mit feinsinnigen, humorvollen Passagen macht die Lektüre zudem zu einem besonderen Leseerlebnis.

FAZIT
Eine außerordentlich faszinierende, tiefgründige Erzählung mit einem wundervollen Schreibstil!
Sehr lesenswert!

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