Johanna Friedrich: Winterfeldtstraße, 2. Stock

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Johanna Friedrich: Winterfeldtstraße, 2. Stock
ET (D)
2014
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783547712001

Informationen zum Buch

Seiten
416

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Der Mittwoch, der alles verändern sollte, begann nicht ungewöhnlich, zumindest nicht für eine Zeit, in der man sich täglich mit unliebsamen Überraschungen konfrontiert sah.

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Berlin, Juni 1923. Charlotte Berglas ist im fünften Monat schwanger, als man ihren Mann Albert tot aus dem Landwehrkanal zieht. Es muss ein Unfall gewesen sein, davon ist sie überzeugt. Niemals hätte er sie in diesen Zeiten der Not alleingelassen. Im Zuge der Inflation haben die Berglas ihr komplettes Vermögen verloren. Da Geld nichts mehr wert ist und Charlotte hochschwanger nicht arbeiten kann, beginnt die junge Frau, Zimmer ihrer Wohnung in der Winterfeldtstraße zu vermieten. Eine ungewöhnliche Gemeinschaft entsteht, die den Wirren der Zeit entschlossen und ideenreich standhält. Mittendrin kämpft Charlotte – für sich selbst und für die Zukunft ihrer kleinen Tochter Alice.

Autoren-Bewertungen

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Die Weimarer Republik wird lebendig
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Die Fotografin Charlotte ist am Boden zerstört, als ihr Mann tot aus dem Landwehrkanal gefischt wird. Die Polizei tut Alberts Tod als einen von vielen Selbstmorden ab - wir schreiben des Jahr 1923, in Deutschland grassiert eine galoppierende Inflation, und viele Menschen wissen sich nicht mehr anderes zu helfen. Doch Charlotte ist überzeugt, dass Albert sich nie umgebracht hätte, vor allem nicht jetzt, da sie ihr erstes Kind erwarten.

Weil alles Grübeln nichts nützt, das Leben irgendwie weitergehen und Geld hereinkommen muss, entschließt sich Charlotte sehr schweren Herzens, Zimmer ihrer großen Wohnung in der Winterfeldtstraße unterzuvermieten und lebt somit bald in einer bunt zusammengewürfelten Gemeinschaft aus zwei Kleinganoven (einer davon ihr eigener Bruder), einer schon etwas älteren Bardame und einem rätselhaften, schweigsamen Kommunisten, der ganz offensichtlich nicht alle Karten auf den Tisch legt. Man rauft sich irgendwie zusammen, versucht von Tag zu Tag sein Auskommen zu finden, was alles andere als leicht ist in solch ungewissen Zeiten, und Charlotte hegt trotz aller Schwierigkeiten insgeheim immer noch den großen Traum vom eigenen Fotostudio, auch wenn sie weiß, wie unrealistisch er ist.

Ungewiss ist nicht nur die wirtschaftliche Lage in Deutschland, sondern auch die politische. An den linken und rechten Rändern des politischen Spektrums finden extreme Ansichten Zulauf, die ersten Schlägertrupps der SA treiben ihr Unwesen, Kundgebungen der NSDAP werden von Tausenden besucht.

Johanna Friedrich nimmt sich mit der Weimarer Republik einer Zeitspanne an, die sonst oft wenig Beachtung erhält, und erzählt im perfekten Tonfall jener Zeit von einem Berlin, in dem hemmungslose Partystimmung und schiere Verzweiflung ganz nahe beieinanderliegen. Die wichtigsten Figuren neben Charlotte decken ein breites Spektrum an politischen Standpunkten ab, die dann in der Winterfeldtstraße aufeinanderprallen. Der Autorin gelingt es gut, das nicht zu konstruiert wirken zu lassen.

Im letzten Viertel des Buches trägt sie allerdings das Drama doch manchmal etwas zu dick auf, wobei das Ende durchaus passend ist (auch wenn es einen mit dem Wissen um die weitere politische Entwicklung in Deutschland mit schwerem Herzen zurücklässt).

Ein detailreicher und wirklichkeitsgetreuer Einblick in eine viel zu oft "übersehene" Zeit, der gerade heute unter dem Aspekt "Wehret den Anfängen" zu empfehlen ist.
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Benutzer-Bewertungen

4 Bewertungen

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Eine Wohngemeinschaft, die für Spannung sorgt
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Charlottes Geschichte aus dem Berlin der 1920er erzählt von einer Menge Trauer um den unerklärlichen Tod des Ehemanns, dem Kampf ums Überleben in einer Zeit, in der ein Laib Brot so teuer wie ein Auto und eine Besserung dieses Zustands nicht in Sicht war, aber auch von den Problemen der damaligen Zeit, wenn man als Frau durchstarten wollte, um seine Träume zu verwirklichen (in Charlottes Fall war es der Wunsch, ein eigenes Fotostudio zu führen).

Zwischen all diesen Schwierigkeiten lässt sich glücklicherweise aber auch die Hoffnung und die Liebe blicken. Für mich war es schön zu lesen, dass Charlotte in ihrer Situation nicht gänzlich vom Pech verfolgt worden ist, sondern auch Hilfe und Unterstützung von lieben Menschen erhalten hat, die ihr Mut gemacht haben, an ihren Zielen dranzubleiben, nicht aufzugeben und weiterhin an die Liebe zu glauben. Nicht zuletzt ihre kleine Tochter Alice schenkt ihr Lebenswillen, Kraft und Zuversicht.

Vom Anfangsteil des Buches war ich noch recht überzeugt, dass die Geschichte wirklich interessant und fesselnd wird, im Mittelteil bin ich diesbezüglich dann aber schon zu Ernüchterung gelangt. Denn ich bin leider weder mit Charlotte, noch mit den anderen Hauptprotagonisten besonders warm geworden. Im Grunde sind mir die Charaktere im Laufe des Lesens zu oberflächlich beschrieben worden. Ich hätte mir ein wenig mehr Kenntnis von (authentischem) Innenleben gewünscht. Eben irgendwas, womit ich eine Bindung herstellen hätte können. - So ist das für mich alles nur an der Oberfläche herumgeplätschert.
Hinzu kommt, dass das Buch zwar positiv endet (etwa 1928), aber einer der wichtigsten Protagonisten ist Jude und wir wissen ja alle, was mit jüdischen Personen im 2. Weltkrieg passiert ist, also dürfte Charlottes Zukunft schon sehr bald gar nicht mehr so rosig aussehen. - Und dieses Wissen hat mich auch irgendwie ... verstört!

Beim Zusammenfassen des Inhalts habe ich gemerkt, dass die Story durchaus Potenzial gehabt hätte, die Umsetzung hätte ich persönlich aber definitiv in die Tiefe gehender, hauptsächlich die Charaktere betreffend, gestaltet. Was nicht heißen soll, dass ich diese Geschichte als schlecht empfunden habe, nein, nur eben als nichts besonders Besonderes.

Dieses Buch dürfte vor allem für Leute, die sich für Fotografie, Politik und das harte Leben (der Frauen) in der Zwischenkriegszeit begeistern können, interessant sein. - Also sofern man mit einfacher Charakterskizzierung kein Problem hat und das Ende so nehmen kann, wie es ist, ohne die Zukunft der Protagonisten im Sinn zu haben.
J
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Irrsinnig gut!
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Die 20er Jahre in Berlin. Man bezahlt Brot mit Millionenbeträgen und nächste Woche braucht man schon eine Milliarde. Charlotte lebt mittendrin, verkauft, was sich verkaufen lässt, um sich, ihren Mann Albert und ihr ungeborenes Kind durchzufüttern. Doch plötzlich stirbt Albert und Charlotte ist komplett allein mit ihrer Trauer. Ihr verschlagener Bruder Gustav kommt jedoch mit einer ganz besonderen Idee um die Ecke: Die leere, große Wohnung, die doch jetzt nur noch von ihr allein bewohnt wird, könnte man doch zimmerweise vermieten und sich durch die Miete den Lebensunterhalt sichern. Und so ist die Wohnung bald mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten gefüllt: Der Kleinkriminelle Gustav und sein Kumpel, der Lange, die lesbische Power-Frau Claire und Theo, den keiner so richtig durchschauen kann. Sie alle müssen sich jetzt miteinander arrangieren…

Was diese Geschichte am meisten auszeichnet, das ist ihre Atmosphäre, die Stimmung, das Zwischenmenschliche und die Einzelschicksale, die sich immer mehr vermischen. Der Schreibstil von Johanna Friedrich trägt das seine dazu bei, da er unglaublich einfühlsam und emotional ist, an vielen Stellen auch poetisch, und zwischen den Zeilen gibt es immer allerhand zu lesen. Man bekommt hier also nicht jedes Detail vorgesetzt, sondern hat im Gegenteil immer die Chance die Charaktere und ihre Handlungen selbst einzuschätzen und das hat mir beispielsweise sehr viel Spaß gemacht.

Die Atmosphäre in der nicht ganz so freiwilligen WG ist einfach himmlisch: viele Missverständnisse, teils witzig, teils tragisch, aber auch viel Harmonie und noch mehr gegenseitiger Halt in dieser wahnsinnigen und schwierigen Zeit. Da wird ein gegenseitigen Vorschwärmen der Lieblingsgerichte, die man sich momentan aber nicht leisten kann, zu einem ganz besonderen Moment und das kommt beim Leser auch immer so an.

Hier geht es allerdings nicht nur um das Leben in der WG, sondern auch um die Schicksale der Einzelnen. Charlottes Tochter Alice wird bald geboren, mit dem Geld klappt es mehr schlecht als recht, aber irgendwie klappt es. Doch trotz des Halts in der Wohnung, muss sich doch jeder selbst durchkämpfen, trifft Entscheidungen, möchte sich endlich seinen Traum erfüllen… Nach und nach fängt es doch immer mehr zu brodeln an und die Geschichte wird immer spannender, da sich die Charaktere weiterentwickeln, ob nun in eine bessere oder schlechtere Richtung. Dann treffen Nazis, Juden und Kommunisten aufeinander, Verzweiflung und Eifersucht, Geldsorgen und riskante Pläne, aber auch Liebe, ein zuckersüßes kleines Mädchen, beste Freundinnen und ein bisschen Glück.

Zu empfehlen für alle, die diese irrsinnige Zeit in Form dieser fabelhaften WG miterleben möchten!
C
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Es muss weitergehen
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TochterAlice

vor einem Augenblick
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1923 in Berlin: der Mann von Charlotte Berglas wird tot aus dem Landwehrkanal gezogen. Sie ist schwanger - beide haben sich riesig aufs erste Kind gefreut, an einen Freitod ihres geliebten Albert mag sie nicht glauben. Eine fürchterliche Situation, in die sie da geraten ist: in tiefer Trauer, ohne Geld und ohne viel Hilfe, denn ihr einziger Bruder Gustav ist ein nichtsnutziger Kleinkrimineller. Doch ausgerechnet der bringt sie auf eine Idee, denn Charlotte hat sehr wohl etwas, das viele zu der Zeit begehren, nämlich Wohnraum. Albert hat ihr eine riesige Wohnung hinterlassen, die sie verkaufen will, doch Gustav schlägt ihr vor, sie teilweise - per Zimmer nämlich - zu vermieten und schleppt auch schon den ersten Kandidaten an: seinen Kumpel, den jeder nur den "Langen" nennt. Rasch wächst das kleine Trüppchen an und wird durch die schon etwas ältere Bardame Claire und den geheimnisvollen Theo aus verarmtem Adel komplettiert.

Charlotte, in tiefer Trauer, findet nach der Geburt der kleinen Alice erst nach und nach zurück ins Leben - natürlich mit Unterstützung der neuen Mitwohner, die sich auf sehr unterschiedliche Weise einbringen.

Eine wichtige Rolle im Buch spielt der historische Hintergrund - die 1920er Jahre werden überaus plastisch beschrieben - farbige Eindrücke von politischen Strömungen, dem regen und freizügigen Nachtleben der "goldenen Zwanziger", doch auch der materiellen Knappheit und wirtschaftlichen Not tun sich vor den Augen der Leserschaft auf - ich zumindest hatte den Eindruck, als würde vor meinen Augen ein Film ablaufen, so gut hat die Autorin auf der einen Seite recherchiert und auf der anderen ihre Eindrücke aufs Plastischste und Eindringlichste wiedergegeben.

Ein pralles, ein spannendes Buch? Prall ist es, doch geht die überaus sorgfältige Darstellung des Umfeldes gelegentlich auf Kosten der inhaltlichen Entwicklung. Auch wenn das Ende rund und stimmig ist, blieben bei mir doch einige Punkte offen in Bezug auf Nebenstränge, auf gewisse Reaktionen bestimmte Handlungen betreffend. Das eigentliche Ende die Hauptfigur, also Charlotte, betreffend, ist auch durchaus rund und vollständig, doch trotzdem fehlt etwas: die Intensität, die so oft spürbar ist, endet manchmal abrupt im Nichts - an manchen Stellen geht es einfach nicht weiter und alle (weiteren) Fragen bleiben offen.

Trotzdem insgesamt ein schöner und stimmungsvoller Roman, der sowohl die dunklen Seiten als auch die Lichtblicke aufzeigt und das Leben in den 1920ern ein wenig näher rücken lässt.
T
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Berlin in den "goldenen Zwanzigern"
Gesamtbewertung 
 
3.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
4.0
Inhalt:

Die optimistische Berlinerin Charlotte Berglas lässt sich auch von den schwierigen Verhältnissen Anfang der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht unterkriegen. Sie ist im fünften Monat schwanger und mit ihrem Mann Albert glücklich verheiratet, alles andere wird sich schon finden. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als eines Tages die Polizei vor ihrer Tür steht und ihr zum Tode Alberts kondoliert. Alles deutet auf Selbstmord hin, doch das kann und will sie nicht glauben. Um halbwegs über die Runden zu kommen, sieht sie sich nun gezwungen in ihre Wohnung Untermieter aufzunehmen. So kommt es, dass sie sich bald mit ihrem umtriebigen Bruder Gustav, seinem schüchternen Freund Heinrich, dem geheimnisvollen Theo und der lebenshungrigen Claire arrangieren muss.

Meine Meinung:

Charlotte Friedrich beschreibt mit Hilfe ihrer liebenswerten Wohngemeinschaft die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit. Sie spiegelt mit ihren Personen im Kleinen, was Deutschland damals im Großen im Würgegriff hielt. Eine lesbische Bardame, ein kleinkrimineller Tunichtgut, ein radikaler Kommunist und ein mitlaufender Rechter leben gemeinsam mit einer trauernden Witwe und ihrem Baby auf engstem Raum. Obwohl sich (fast) alle im Laufe der Zeit mit einer gewissen Sympathie gegenüber stehen, muss es bei derart gegensätzlichen Weltanschauungen zwangsläufig zu größeren und kleineren Reibereien kommen, erst recht als die Liebe auch noch beginnt dazwischen zu funken.

Die Autorin lässt ihren Hauptpersonen Zeit sich nach und nach zu entwickeln und neue Facetten ihrer Persönlichkeit zu zeigen. Als Leser fällt es sehr leicht sie ins Herz zu schließen und mit ihnen mitzufiebern. Leider verblassen die Nebencharaktere zusehends im Laufe des Romans. In ihren Geschichten werden manche Ereignisse oft nur angedeutet beziehungsweise wird ein Nebenstrang etliche Seiten, nachdem er sich zeigte, lediglich mit einem Nebensatz beiläufig abgehandelt. Auf diese Weise komprimieren sich auf etwas mehr als vierhundert Seiten sechs Jahre einer gerade in Deutschland hochexplosiven Zeit.

Fazit: Ein spannender historischer Roman, der etwas mehr Dichte verdient hätte.
D
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