Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla

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Anne Jacobs: Die Töchter der Tuchvilla
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783734100321

Informationen zum Buch

Seiten
736

Serieninfo

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Grau senkte sich die frühe Abenddämmerung über das Augsburger Industrieviertel.

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Handlungsort

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Augsburg, 1916. Die Tuchvilla, der Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer, ist in ein Lazarett verwandelt worden. Die Töchter des Hauses pflegen gemeinsam mit dem Personal die Verwundeten, während Marie, Paul Melzers junge Frau, die Leitung der Tuchfabrik übernommen hat. Da erreichen sie traurige Nachrichten: Ihr Schwager ist an der Front gefallen, ihr Ehemann in Kriegsgefangenschaft geraten. Während Marie darum kämpft, das Erbe der Familie zu erhalten und die Hoffnung an ein Wiedersehen mit Paul nicht aufzugeben, kommt der elegante Ernst von Klippstein in die Tuchvilla. Und wirft ein Auge auf Marie …

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Zweiter Teil der Tuchvilla-Saga

Augsburg, im Ersten Weltkrieg. Die Männer sind größtenteils an der Front, die Frauen müssen daheim dafür sorgen, dass der Haushalt weiterläuft. In der Tuchvilla der Melzers funktioniert dies trotz diversen Einschränkungen recht gut, da Herrschaft und Dienstboten sich kennen und schätzen und größtenteils alle ein eingespieltes Team sind.

Nicht so gut steht es um die Melzersche Tuchfabrik. Vater Melzer ist Neuerungen gegenüber nicht besonders aufgeschlossen und wehrt sich lange gegen jede Veränderung. Doch Schwiegertochter Marie bringt ihn mit sanfter Beharrlichkeit dazu, sich den neuen Notwendigkeiten zumindest teilweise zu beugen.

Nachdem der erste Band mit der Dreifach-Verlobung aller drei Melzer-Kinder endete, erleben wir nun den weiteren Verlauf der Familie sowie des ganzen Haushalts. Paul ist an der Front, Marie aber inzwischen völlig in die Familie integriert. Auch die Ehemänner von Elisabeth und Kitty sind im Krieg, der eine wird mehr, der andere weniger vermisst.

Nicht nur die Herrschaft, auch die Diener können sich nicht vor der Wehrpflicht drücken und zu Beginn des Krieges will dies in der allgemeinen Begeisterung ja auch kaum einer. Aber schnell holt die Realität sie alle ein. Insbesondere der feingeistige Humbert leidet unendlich an der Front, hat Panikattacken und bringt sich selbst in immer noch schlimmere Situationen.

Die Autorin schildert die Kriegsjahre aus vielen unterschiedlichen Perspektiven, spart dabei das Grauen an der Front nicht aus, der Fokus liegt aber auf dem Leben der Daheimgebliebenen. Besonders interessant finde ich hierbei, wie im ersten Teil, dass die Geschichte einmal nicht in Berlin, München oder Hamburg, sondern eben im eher beschaulichen Augsburg spielt. Aber auch hier passieren gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umwälzungen wie überall im Land zu jener Zeit.

Gut gelungen finde ich das Verhältnis in der Handlung zwischen dem Leben der Herrschaften und dem der Dienerschaft. In beiden Schichten geschieht viel, es wird geliebt und gehasst, verzweifelt und gehofft, es gibt aufrichtige und liebenswerte Charaktere genauso wie unsympathische Fieslinge und Intriganten, alles in und um den Mikrokosmos der Tuchvilla herum!

Anne Jacobs ist ein geschlossenes Pseudonym, das heißt, wir Leser wissen leider nicht, welche Autorin dahintersteckt. Ich persönlich finde das schade, denn gerne würde ich mehr aus ihrer Feder lesen!

Zum Glück hat die Autorin im Rahmen einer Leserunde angekündigt, dass es einen dritten Band der Tuchvilla-Saga geben wird. Das ist auch gut so, denn am Ende dieses Buches bleiben doch einige Fragen offen und einige Handlungsstränge sind noch nicht zu Ende geführt. Daher freue ich mich sehr auf die Fortsetzung!

Auch wenn man den zweiten Teil sicher auch ohne Vorkenntnisse lesen und genießen kann, empfehle ich doch vorher die Lektüre des ersten Bandes, um ein umfassenderes Bild der Figuren von Anfang an zu haben!

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Gelungene Fortsetzung

Die Tuchvilla gehörte ja zu meinen Jahreshighlights 2015. Daher war ich natürlich sehr auf die Fortsetzung gespannt. Und was soll ich sagen, Band 2 kann ohne weiteres an Band 1 anknüpfen.

Wir haben den ersten Weltkrieg, die Männer werden alle eingezogen und nun ist es an den Frauen für den weiteren Fortgang zu sorgen. An allen Ecken und Enden herrschen Existenzängste, man leidet an Geld und Hunger. Auch die Melzers werden hier nicht verschont. Die Maschinen stehen alle still und auch die Arbeiterinnen können nicht mehr bezahlt werden.
Aber Kitty, Elisabeth und Marie lassen sich nicht unterkriegen.
Mehr mag ich über den Inhalt gar nicht verraten, es ist ja ein zweiter Teil und ich möchte nicht spoilern für diejenigen, die den ersten Teil nicht gelesen haben. Zudem passiert in diesen über 700 Seiten soviel, was man selber entdecken sollte.

Wie auch in Die Tuchvilla sind hier die Charaktere wieder äußerst lebendig geschildert, sodaß man richtig mit ihnen mitgehen kann. Ich glaube mittlerweile schon, sie alle persönlich zu kennen.
Marie ist nach wie vor der Sonnenschein, weiß immer Rat und wird auch stets zu Hilfe gerufen, wenn es irgendwo brennt.
Elisabeth ist ja schon immer die ernstere, die vom Schicksal nicht ganz so begünstigt ist wie ihre Schwester Kitty. Aber hier finde ich geht sie so richtig aus sich heraus.
Und Kitty nimmt einfach nichts ernst und kann mit ihrer unbedarften Art dem Leser schonmal gehörig auf die Nerven gehen.
Ich finde, in dieser Geschichte waren eigentlich alle Personen Hauptprotagonisten und es wurde sehr intensiv auf jeden eingegangen.

Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und ich liebte die Dialoge zwischen der Herrschaft und den Hausangestellten sehr.
Jeder hat sein eigenes Schicksal zu tragen und es wird wunderbar erzählt, wie jeder auf seine Weise damit umgeht. Dadurch bleiben die über 700 Seiten stets spannend und auf keiner Seite kommt Langeweile auf.
Man bekommt auch sehr eindrucksvoll das Kriegsleben geschildert und ich kann wirklich nachvollziehen, dass viele Soldaten mit psychischen Störungen nach Hause zurückkehren.

Der Klappentext stimmt meiner Meinung nach nicht ganz mit dem Inhalt überein und zwei Sachen wurden für mich nicht aufgeklärt. Das tut dem Lesen aber überhaupt keinen Abbruch, nur hoffe ich sehr, dass dies im dritten und letzten Teil aufgeklärt wird.

Auch das Cover möchte ich lobend erwähnen, es paßt genau zum Inhalt und mir gefällt die wunderschöne Mode von damals sehr.

Für diese rundum gelungene Geschichte vergebe ich gerne 5 Sterne und hoffe sehr, dass die Fortsetzung nicht allzu lange auf sich warten läßt.

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Leben und Lieben im 1. Weltkrieg

"Die Töchter der Tuchvilla" ist der 2. Band einer Trilogie und schließt direkt an "Die Tuchvilla" an.

Vor Beginn meiner Lektüre habe ich den ersten Band extra nochmals gelesen und ich kann das nur jedem Leser so empfehlen, denn dadurch fühlte ich mich schon auf den ersten Seiten sofort wieder in die Tuchvilla versetzt und es fällt meiner Meinung nach leichter der Geschichte zu folgen, da es oft Bezüge zum 1. Buch gibt.

Die Geschichte beginnt Anfang des Jahres 1916 mitten im 1. Weltkrieg. Nach und nach werden sowohl die männlichen Angestellten der Tuchvilla als auch die Herrschaft in den Krieg als Soldaten gerufen und die drei jungen Frauen Marie, Elisabeth und Kitty müssen das Leben alleine bewältigen.

Nicht nur an der Front ist das Leben hart, auch in der Heimat warten Armut, Nahrungsmittelknappheit und wirtschaftliche Schwierigkeiten.
Doch die Töchter der Tuchvilla lassen sich nicht unterkriegen und jede versucht an ihrem Platz alles um die Situation zu verbessern. Es wird sogar ein Lazarett in der Tuchvilla eingerichtet, an deren Einrichtung und Pflege sowohl Marie als auch Elisabeth maßgeblich beteiligt sind.

Auch die Hausangestellten erleben allerhand Mögliches und Unmögliches und durch die vielen Seitenhandlungen wird die Geschichte erst so richtig lebendig.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten und lade dazu ein das Buch selbst zu lesen. Auf über 700 Seiten ist viel Platz zum Träumen und Mitfiebern.

Die Autorin schafft es schon wie bereits im 1. Band viele verschiedene Erzählstränge nebeneinander zu führen und die Abwechslung tut der Geschichte sehr gut. Wir treffen alte Bekannte aus dem ersten Buch wieder und lernen neue Personen kennen. Anschaulich und sehr lebendig wird von ihnen erzählt, sodass ich immer das Gefühl hatte mitten in der Geschichte zu sein. Es wurde mir beim Lesen nie langweilig und immer wieder gab es Wendungen, die ich zuvor nicht erahnen konnte und die die Geschichte mit neuem Schwung voranbringen.

Eine Sache hat mir nicht ganz so gut gefallen und das ist auch der Grund, warum ich "nur" 4 Sterne vergebe: Marie ist mir in der Geschichte selbst zu perfekt. Letztendlich macht sie keine Fehler, weiß auf alles eine Antwort und kann immer weiterhelfen. Das erscheint mir manchmal etwas zu viel des Guten. Marie hätte ich daher gerne etwas realistischer gelesen.

Ansonsten finde ich das Buch sehr gut und kann es nur weiterempfehlen. Auch gefällt mir die Umschlaggestaltung sehr, sehr gut. Diese lädt einfach zum Schmökern sein.

Mein Gesamtfazit sind also 4 von 5 Sternen und eine deutliche Empfehlung für jeden, der gerne mehr über die Tuchvilla und/oder die Zeit während des 1. Weltkrieges erfahren möchte.

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Das Leben in der Tuchvilla geht weiter...

Nachdem ich "Die Tuchvilla" gern gelesen hatte, wollte ich natürlich wissen wie es mit den Melzers und ihrer Tuchfabrik weitergeht und begann mit voller Freude diesen seitenstarken Roman zu lesen. Zudem mag ich Bücher über den 1. Weltkrieg einfach nur zu gern.

Wir schreiben das Jahr 1916 und es ist Krieg. Auch die Melzers in Augsburg sind davon betroffen. Während die Männer an der Front dienen, versuchen die Frauen die Villa und die Fabrik am Laufen zu halten. Wird den Frauen das Schicksal hold sein und sie ihre Männer bald wiedersehen?

Bereits auf den ersten Seiten hatte mich die Autorin mit ihrer blumigen Sprache in ihren Bann gezogen. Auch wenn es schon über ein Jahr her ist, dass ich den ersten Teil gelesen habe, so war ich doch sofort wieder drin im Geschehen und auch die Melzers waren mir wieder gegenwärtig. Die Schreibe der Autorin ist sehr detailliert, was manchmal zu Längen führt, die ein wenig den Lesefluss stören und nicht sein müssten.

Ein auktorialer Erzähler führt uns durch die Geschichte. Wir bekommen aus den unterschiedlichsten Perspektiven etwas mit, denn mal begleiten wir Marie, mal Kitty und wie sie alle heißen. Dadurch erfährt man besonders viel aus dem Kosmos der Tuchvilla.

Im ersten Buch hatte ich ja noch so meine Probleme mit Marie, hier mochte ich sie aber wirklich gern mit ihrer anpackenden Art und den Mut etwas verändern zu wollen. Die dargestellten Charaktere sind alle sehr unterschiedlich, so dass man sie gut unterscheiden kann und jeder Leser wird jemanden finden, der ihm sympathisch ist.

Mir gefällt an dem Buch vor allem, dass nicht nur die Herrschaften mit ihren Problemen beleuchtet werden, sondern auch deren Dienstboten und dass keine Gesellschaftsschicht dabei bevorzugt wird.

Zudem scheut sich Anne Jacobs nicht davor die Schrecken des Krieges dem Leser nahe zu bringen. Erst dadurch kommt der Umbruch der damaligen Zeit für den Leser richtig rüber.

Auch beim Lesen dieses Buches fühlte ich mich stark an die TV- Serie "Downton Abbey" erinnert. Wer daran Gefallen findet, der wird auch diesen Roman genießen können.

Fazit: Für mich eine gelungene Fortsetzung, die ich gern gelesen habe. Vom mir gibt es eine Leseempfehlung.

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Schlimme Zeiten in der Tuchvilla

Als ich das Buch begonnen habe, war das ein bisschen wie nach Hause kommen. Die Tuchvilla ist ein Kosmos für sich.
Inzwischen sorgt der erste Weltkrieg dafür, dass die Männer eingezogen werden, die Versorgung immer schwieriger wird und überall Hunger und Not herrschen. Auch wenn die Menschen in Augsburg und vor allem in der Fabrik denken, dass es den Fabrikbesitzern und den Bankern besser geht, so ist das ganz und gar nicht. Auch in der Tuchvilla fehlt es an allen Ecken und Enden, aber man hält zusammen und spart wochenlang, um ein Fest würdig begehen zu können.
Johann Melzer ist weiterhin der Chef und lässt sich ungern in seine Angelegenheiten hineinreden, auch wenn er heimlich vieles akzeptiert und anerkennt. Seine adlige Frau Alicia kümmert sich um alle und bewahrt Haltung, auch wenn das Schicksal zuschlägt. Paul, der einzige Sohn, wird wie die anderen jungen Männer eingezogen, und die Töchter Kitty und Elisabeth müssen ihren Weg gehen. Die vernünftige Elisabeth wächst über sich hinaus bei der Pflege von Kriegsverletzten, selbst die überdrehte Kitty schafft es irgendwann reifer zu werden und trotzdem Kitty zu bleiben. Dazu kommen die Bediensteten, die alle mit zur Familie gehören, von den Melzer geschützt werden und treu zur Familie stehen. Besonders gefallen hat mir da der etwas schräge Humbert, der einerseits der perfekte „Butler“, aber total kriegsungeeignet ist.
Aber im Mittelpunkt steht Marie, die Frau von Paul. Sie steht mit beiden Beinen auf der Erde, hat eine künstlerische Ader, ist diplomatisch, beharrlich und sehr praktisch veranlagt. Immer hat sie ein offenes Ohr und rückt den anderen auch schon mal den Kopf zurecht, wenn es sein muss. Vor allem aber hat sie auch Mitgefühl für die Arbeiter und findet einen Weg, zu helfen. Mir fehlt manchmal ein wenig der Fleck auf ihrem makellosen Charakter.
Der Krieg zeigt sich von seiner schrecklichen Seite, aber auch die Nachkriegszeit ist nicht einfach. Man trauert dem Kaiser nach und sieht politischen Veränderungen skeptisch entgegen. Es ist noch nicht sicher, was die Zukunft bringt, doch es gibt wieder Hoffnung.
Am Ende gibt es einige offene Fragen, die hoffentlich im nächsten Band beantwortet werden.
Eine unterhaltsame Familiengeschichte.

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