Christiane Gohl: Das gestohlene Lied

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Christiane Gohl: Das gestohlene Lied
ET (D)
2005
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783404153572

Informationen zum Buch

Seiten
589

Sonstiges

Erster Satz
Der Strand schien unter den Hufen des Schimmels zu erbeben.

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Der große Nibelungen-Roman - erzählt aus weiblicher Sicht Kriemhild, Prinzessin von Burgund, ist völlig unvorbereitet, als Hagen von Tronje, Waffenbruder ihes Vaters, um ihre Hand anhält. Erschrocken brüskiert sie ihn und legt damit den Grundstock für eine lebenslange Fehde. Kriemhilds Interesse an der Liebe erwacht erst, als sie den Helden Siegfried trifft. Doch ihre berechnenden Brüder machen es ihr nicht leicht. Eine Probe nach der anderen hat Siegfried zu bestehen, und schließlich fordert einer der Brüder auch noch einen letzten Dienst: Siegfried soll ihm helfen, Brünhild, die Königin Isenlands, zur Gemahlin zu gewinnen. Doch die Brautfahrt wird zum Fiasko, weil Brünhild von Jugend auf in Siegfried verliebt ist ...

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Christiane Gohl hat hier eine Nacherzählung des Nibelungenliedes aus Kriemhilds Sicht vorgelegt und hält sich dabei im wesentlichen an den bekannten Ablauf. Am Wormser Hof regieren die drei Könige Gunther, Gernot und Giselher (letzterer am Beginn noch nicht so richtig, weil er noch seine Schwertleite erwartet), in ihrem Schatten zieht Hagen viele Fäden. Siegfried kommt als strahlender Held an den Hof, weil er um Kriemhild werben will. Der Zufall in Form eines anrückenden Sachsenheeres kommt ihm zu Hilfe, denn nachdem er sich dort als wertvolle Hilfe erwiesen hat, kann man ihm Kriemhilds Hand kaum mehr abschlagen. Dumm nur, daß die junge Frau Hagen einmal abgewiesen hat.

Siegfried macht sich weiter nützlich, als er Gunther dabei behilflich ist, Brünhild als Ehefrau zu gewinnen. Diese fügt sich am Hof nicht besonders gut ein, weil sie Gunter gar nicht, Siegfried dafür seit Kindertagen liebt, und Kriemhild ist daher froh, als sie Worms mit ihrem Mann verlassen kann. Bei einem Verwandtenbesuch Jahre später wird Siegfried von Hagen ermordet, die Xanthener müssen auch ohne ihre Königin wieder nach Hause ziehen, weil diese von ihren Brüdern nach geltendem Wormser Recht wieder unter Vormundschaft gestellt wird. Kriemhild versucht sich so gut wie möglich mit der Situation zu arrangieren und nutzt vor allem ihr Gold, um sich Sympathien im Volk zu erkaufen. Hagen war wegen unritterlichen Verhaltens für einige Jahre vom Hof verbannt, unterbindet dies aber sofort nach seiner Rückkehr. Kriemhild, im Gedanken an die Rache für ihren toten Gemahl gefangen und sich nun auch noch ihres Schatzes beraubt sehend, nimmt die Werbung König Etzels an und zieht an den Hunnenhof. Dort bereitet sie den Untergang ihrer Brüder und vor allem Hagens vor, in der Gewißheit, daß in Xanthen gleichzeitig der Sarazene Al Barija (Alberich) für die Erziehung von Siegfrieds und Kriemhilds Sohn Gunther sorgt. Kriemhild lädt ihre Brüder auf Etzels Burg ein, mit dem bekannten blutigen Ende.

So weit, so gut, so bekannt. Grundsätzlich könnte Kriemhilds Perspektive interessant sein, nur leider ist es hier relativ mißlungen. Schon wie sie dauernd von Siegfried als "meinem Ritter" spricht, hat im Zusammenhang etwas furchtbar Gekünsteltes. Daß sie sich als junges, unerfahrenes Mädchen in einen strahlenden Ritter verliebt, ist dabei durchaus noch glaubhaft, meinetwegen auch eine glückliche Ehe mit diesem und Trauer und Rachegelüste kann ich bis zu einem gewissen Grade auch nachvollziehen. Aber selbst höfische Einschränkungen in Betracht ziehend, muß man sich doch nicht wie eine dumme Kuh benehmen. Dafür ist Hagen von Beginn an der große Unsympath und steigert sich zum absolut Bösen, während die drei Königsbrüder als Marionetten von Hagens Herrschaft an seinen Fäden zappeln, völlig willenlos und nur an Luxus und Vergnügen interessiert, weshalb sie ja auch Xanthens Nibelungengold brauchen. Die Personen wirkten auf mich allesamt derartig eindimensional und ausrechenbar, daß mich die Pferde im Tjost mehr interessierten.

Es handelt sich bei dieser Version nicht um die erste Nacherzählung der Nibelungensage, die ich gelesen habe. Es ist eindeutig die, die am meisten Wert auf die Darstellung des höfischen Umfeldes legt und das ist gar nicht mal so schlecht, auch wenn es, wie die Autorin auch im Nachwort erläutert, an einer völlig anderen Zeit orientiert ist als die Geschehnisse eigentlich anzusiedeln wären. Das geht daher in Ordnung, allerdings macht die schwache Personenzeichnung vieles von diesem Ansatz zunichte. Etwas mehr Ambivalenz in den Charakteren hätte der Geschichte einfach mehr Spannung verschafft, dafür, daß der grundsätzliche Ablauf ja schließlich feststeht. So hat man zwar ein locker herunterzulesendes Buch vor sich, aber wer nicht ein grundsätzliches Interesse daran hat, möglichst alle Neuerzählungen der Sage zu lesen und sich auf eine beschränken möchte, dem würde ich stattdessen lieber von Viola Alvarez "Die Nebel des Morgens" empfehlen, das nicht nur mit weitaus differenzierteren Charakteren, sondern auch mit einer wunderbaren Sprache fesselt.

Die Bewertung enthält ein bißchen Goodwill, aber zwei Leseratten wäre dann doch etwas zu tief gestapelt.

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