Rebecca Gablé: Der dunkle Thron

Rebecca Gablé: Der dunkle Thron

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Rebecca Gablé: Der dunkle Thron
ET (D)
2011
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783431038408

Informationen zum Buch

Seiten
960

Serieninfo

Sonstiges

Erster Satz
"Waringham, du bist einfach hoffnungslos."

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Handlungsort

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London 1529: Nach dem Tod seines Vaters erbt der vierzehnjährige Nick of Waringham eine heruntergewirtschaftete Baronie und den unversöhnlichen Groll des Königs Henry VIII. Dieser will sich von der katholischen Kirche lossagen, um sich von der Königin scheiden zu lassen. Bald sind die Papisten, unter ihnen auch Henrys Tochter Mary, ihres Lebens nicht mehr sicher. Doch in den Wirren der Reformation setzen die Engländer ihre Hoffnungen auf Mary, und Nick schmiedet einen waghalsigen Plan, um die Prinzessin vor ihrem größten Feind zu beschützen: ihrem eigenen Vater.

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Eine Lanze für die Katholiken gebrochen

Seit 1360 (und drei Büchern) darf man Rebecca Gablés englische Adelsfamilie Waringham als Leser begleiten. Im vierten Teil schreiben wir das Jahr 1529 und für die Waringhams sind die Zeiten nach den Rosenkriegen und der Thronübername durch die Tudors nicht rosiger geworden: Das Gut ist verschuldet und die Pferdezucht durch den aktuellen Earl of Waringham, Jasper, vernachlässigt. Dieser kann mit Pferden nicht viel anfangen, er widmet sich lieber philosophischen und religiösen Fragen, namentlich der Reformbewegung, die die katholische Kirche und ihre Würdenträger in Zweifel zieht und die Kirche neu aufbauen möchte. Natürlich werden solche Ansichten als ketzerisch angesehen und so muss sich Waringham nicht wundern, als er verhaftet und im Tower von London eingekerkert wird. Sein 14-jähriger Sohn Nicholas muss die Stellvertretung einnehmen, was dank der bösen Stiefmutter zunächst mehr Probleme verursacht als löst.

Und auch in der hohen Politik mischt der junge Waringham mit: Er pflegt freundschaftlichen Umgang mit Catalina, die Frau von König Henry VIII., und deren ältester Tochter Mary, die die Reformbewegung ebenso verabscheuen wie Nick selber. Als Henry sich von Catalina scheiden lassen will, um die junge Anne Boleyn zu heiraten, steht Nick den beiden Frauen bei (und wendet sich gegen den König), was ihn in noch ernstere Schwierigkeiten bringt.

Von allen Gablé-Romanen, die ich bis jetzt gelesen habe – immerhin sieben – fand ich diesen den interessantesten. Das liegt vor allem daran, dass ich die historischen Fakten um Henry VIII. und seine sechs Königinnen schon im Vorfeld recht gut kannte, bisher allerdings eher aus der Sicht der historischen «Sieger», also der Protestanten. Rebecca Gablé hat den Ansatz gewählt, die Geschichte aus der Warte papsttreuer Katholiken zu erzählen, die zwar wissen, dass in ihrer Kirche vieles im Argen liegt, die aber dennoch an den Glaubensgrundsätzen des Katholizimus festhalten wollen.

Henry und seine Berater sind in dem Buch keine Hauptfiguren und kommen insgesamt nicht gut weg, während die fromme Mary für einmal nicht als halsstarrige Katholikin auftritt, sondern als starke Frau mit eigener Meinung porträtiert wird. Daran musste ich mich zuerst gewöhnen, zumal sie später als berüchtigte «Bloody Mary» in die Geschichte einging. (Der Teil ist allerdings nicht mehr Bestandteil des Romans.) Nachdem ich mich also in neutrale Stimmung versetzt hatte, war die Lektüre ein Genuss, da Gablé auf gewohnt hohem Niveau zu unterhalten weiss und ganz nebenbei eine für mich neue Perspektive auf die Geschehnisse eröffnete.

Auch die Waringham-Geschichten und Geschichtchen, die wie immer den Hauptteil des Romans ausmachen, scheinen einerseits altbekannt, weil man beispielsweise die Schauplätze schon sehr gut kennt, andrerseits wandeln sich mit den Zeiten auch die Probleme der Familie. Während die früheren Waringhams Schlachtrösser züchteten und mit ihrem König ins Feld zogen, muss sich Nick darauf einstellen, dass die Zeit der grossen Reiterheere mit der zunehmenden Verbreitung von Schusswaffen ein Ende hat und man entsprechend eher gute Reitpferde für die immer einflussreicher werdenden Kaufleute züchtet. Zudem ist er mit Landverlust durch Verkäufe und mit schrumpfenden Pachten konfrontiert. Ein erstes Anzeichen dafür, dass ein Wandel ansteht, an dessen Ende nicht mehr die edelste Abstammung sondern die dickste Geldbörse bestimmen, wer in der Gesellschaft oben und wer unten ist.

Und auch das Kriegshandwerk gehört nicht mehr unbedingt zu den Künsten, die jeder Adlige beherrschen muss. Politik spielt in diesem Roman eine viel grössere Rolle als in früheren Bänden und Nick, der für höfische Intrigen und politisches Geplänkel nicht viel übrig hat, stolpert des Öfteren blauäugig in Fallen, die ihm versiertere Gegner gestellt haben. Da er zudem noch das traditionell lose Mundwerk der Waringhams besitzt, bringt er sich in Situationen, in denen er mit Mut und Standhaftigkeit das kompensiert, was ihm bisweilen an Verstand fehlt. Er ist also kein strahlender Held wie einige seiner Vorfahren und gerade diese Grauschattierungen gefielen mir besser als die blütenweissen Hauptcharaktere, die in früheren Büchern vorkamen.

Ein wunderbarer historischer Roman einer Schriftstellerin, die sich auf sehr hohem Niveau weiter entwickelt hat (die dummen Zufälle werden auch weniger). Das Buch überzeugt durch historische Faktentreue, wie immer gekonnt vermischt mit Fiktion. Der Wunsch nach einem fünften Teil ist bei mir definitiv geweckt.

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Endlich Neues von den Waringhams!

Wir lernen den jüngsten Spross der Familie als jungen Schüler von Sir Thomas More kennen, der sich mit Latein und Griechisch abquält und immer wieder feststellt, dass er wohl nicht zum Gelehrten taugt. Als sein Vater wegen Ketzerei verhaftet wird, bedeutet dies das Ende seiner Ausbildung, doch wirklich böse ist er darüber nicht. Allerdings warten schwierige Aufgaben auf ihn, nachdem sein Vater im Tower gestorben ist - als Erbe seines Vaters ist er der neue Lord Waringham, was bedeutet, dass er ein ziemlich heruntergekommenes Gut zu verwalten und zu erhalten hat, und er muss mit seiner zickigen und eifersüchtigen Stiefmutter zurechtkommen.

Auf König Henry VIII. hegt er einen unstillbaren Groll, weil er ihm die Schuld am Tod seines Vaters gibt, doch als er Prinzessin Mary, die in Ungnade gefallene Tochter aus dessen unglückseliger Ehe mit Katharina von Aragon kennenlernt, sind sich die beiden schnell sympathisch ...

Henry VIII. und seine vielen Frauen sind schon lange eines meiner Lieblingsthemen in historischen Romanen, ebenso wie Rebecca Gablé eine meiner Lieblingsautorinnen des Genres ist. Darum war ich äußerst entzückt, dass Frau Gablé sich doch zu einer Fortsetzung der Waringham-Saga entschlossen hat, und ich wurde nicht enttäuscht.

Nick ist ein sympathischer Protagonist mit Macken und Fehlern, der die Irrungen und Wirrungen am Hof des wohl berüchtigsten englischen Königs aller Zeiten mal aus nächster Nähe miterlebt und mal "nur" von ferne deren Auswirkungen am eigenen Leib verspürt. Seine Familie und Freunde und die höfische Welt sind wunderbar lebensnah gezeichnet (vor allem der pfiffige Francis ist mir sehr ans Herz gewachsen); am Ende der knapp 1000 Seiten glaubt man sie förmlich zu kennen. Lediglich die fiese Stiefmutter und -schwester wirkten manchmal ein bisschen zu eindimensional. Ansonsten konnte ich auch diesmal wieder mitlachen und mitweinen, mitleiden und mich mitfreuen.

Die komplizierten historischen Hintergründe sind leichtfüßig und verständlich in die Handlung eingebettet und dürften, wie ich die Autorin einschätze, auch bestens recherchiert sein. Im Nachwort gibt es dazu auch noch ein paar interessante Anmerkungen.

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Rebecca Gablé gehört zu den wenigen Autoren, deren Bücher ich mir direkt nach Erscheinen kaufe, auch wenn mir sonst kaum Hardcover ins Haus kommen. „Der dunkle Thron“ stand also kaum eine Woche nach Erscheinen in meinem Regal und musste nur noch ein wenig darauf warten, dass ich einen anderen historischen Roman beendete.

Gablé hat es erwartungsgemäß geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen, die fast 1000 Seiten lasen sich fast von alleine. Trotzdem kann ich mich nicht so begeistert äußern, wie zu früheren Büchern der Autorin.

Das liegt sicherlich auch am Zeitpunkt zu dem das Buch spielt. Das Mittelalter ist vorbei und dadurch sind Schlachten durch Intrigen ersetzt worden. Die problematische religiöse Lage zu Zeiten Heinrich VIII trägt das ihrige dazu bei, man weiß nie, wann es an der Zeit ist, den Glauben zu wechseln oder sich politisch anders zu positionieren, um seinen Kopf zu retten. Mir fehlte ein wenig die Spannung, im Sinne von körperlicher Action. Mein objektiv falscher, aber trotzdem vordringlichster Eindruck war, dass nur geredet wird und nichts passiert. Gerade Nicholas erschien mir deutlich passiver als ich andere Helden früherer Bücher in Erinnerung habe. Dabei war er für mich zwar sympathisch, ein netter Kerl, aber in gewisser Weise ein Langweiler. Das konnte das restliche Personal des Buchs nicht wettmachen. Die Nebenfiguren waren zwar auch in den bisherigen Büchern Nebenfiguren, aber diesmal wirkte der zentrale Waringham wie das alleinige Zentrum, die restlichen Figuren konnten mein Herz nicht erwärmen, sie blieben blass und austauschbar. Selbst seine Familie blieb mir egal, normalerweise gab es da immer mindestens einen Menschen, der der Hauptfigur wirklich Nahe stand und deren Schicksal ich mit Interesse verfolgt habe.

„Der dunkle Thron“ ist immer noch ein guter historischer Roman, den ich gern gelesen habe, aber Gablé konnte mich damit nicht so begeistern, wie ich es mir erhofft hatte, es gibt leider bessere Bücher der Autorin.

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