Gary Dexter: Der Marodeur von Oxford

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Gary Dexter: Der Marodeur von Oxford
Untertitel
und andere Geheimnisse aus dem Fallbuch von Henry St. Liver
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783037344248

Informationen zum Buch

Seiten
304

Sonstiges

Originalsprache
englisch
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Handlungsort

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London, 1892. Henry St. Liver und Olive Salter haben mit jeder Menge mysteriöser Ereignisse und beunruhigender Vorfälle zu tun: Exhibitionistische Adlige, diebische Nonnen, verschwundene Ritualgegenstände, marodierende Wesen unklarer Spezies und reichlich seltsame Gourmets bevölkern eine rätselhafte Welt, gegen die sich die simplen Verbrecherjagden der Kollegen Sherlock Holmes und Dr. Watson durchsichtig und eindimensional ausnehmen ... St. Liver und Salter treiben sich in den unwahrscheinlichsten Gegenden der Psychopathia sexualis herum. Oscar Wilde hat ebenso seinen Gastauftritt wie Edgar Rampoe, der Erfinder der japanischen Kriminalliteratur. Very sophisticated, sehr witzig, manchmal schön geschmacklos und sprachlich ausgefuchst. Penser Pulp für skeptische Freudianer, Conan Doylisten und Iwan-Bloch-Fans.


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Ein Buch über Bücher - und ein Füllhorn an scharfsinnigen Ideen

Olive Salter, Autorin des Buches "Geschichte einer australischen Scheune", welches unter einem männlichen Pseudonym veröffentlicht wurde, leidet unter vielfältigen Krankheiten. Angefangen mit Asthma und Bleichsucht, Juckflechte, Heufieber, Schlaflosigkeit, Migräne, Neurasthenie, bis hin zu Tachykardie und lokalen physischen Störungen. Als Dr. Henry St. Liver ihr einen Brief schreibt, in dem er seine Verehrung für ihren Erstling ausdrückt und sie einlädt einem Treffen der "Gemeinschaft des Neuen Lebens" beizuwohnen, ahnt sie noch nicht, dass diese Zusammenkunft ihr Leben verändern wird.

Dr. Henry St. Liver ist für Olive anfangs eine große Unbekannte, aber je mehr sie über ihn erfährt, umso mehr erliegt sie der Faszination seiner Berufung. Henry untersucht ganz im Stile Sherlock Holmes Verbrechen. Doch im Gegensatz zu denen des wohl berühmtesten Detektives aller Zeiten, zeichnen sich seine Fälle durch ihre eher pikanten Details aus. Um einen "viktorianischen Porno", so die Bezeichnung auf Rückseite, handelt es sich nicht unbedingt, aber trotzdem spielt Erotik eine zentrale Rolle. Olive fühlt sich weniger zu dem Mann Henry hingezogen, als mehr zu den lüsternen Rätseln, die er mit überraschendem Scharfsinn zu lösen weiß.

Wer dieses Buch - erwähnenswert sei hier beispielsweise Monsieur Guillaumes Monolog über das Defäkieren - nicht mit einem Dauergrinsen im Gesicht liest, dem ist wahrhaftig nicht mehr zu helfen. In diesem Füllhorn schriftstellerischer Qualität ist jede Seite ein Genuss und ein Erlebnis der besonderen Art. Normale Unterhaltungen zwischen Henry und Olive gestalten sich folgendermaßen:

"Das Konsumieren von Exkrementen ist wohl ein recht vernachlässigtes Leitmotiv in der Weltkultur", begann Henry an einem schönen Junimorgen, als wir beim Frühstück saßen.

Henrys Empfehlungen bringen es auf den Punkt und beweisen immer wieder seinen Scharfsinn und die Fähigkeit, Menschen und deren Beziehungen untereinander zu beobachten und einzuschätzen: "Die regelmäßige und harmonische Ausübung des Sexualaktes über einen langen Zeitraum mit einem Mann, für den Sie tiefe, erwiderte Gefühle hegen, hat eine starke anti-aphrodisierende Wirkung."

Gary Dexter liebt Bücher und die Welt der Literatur. Und deshalb schreibt er auch so gerne Bücher über Bücher. Er widmet eine der Kriminalgeschichten Oscar Wilde, den er als wortkargen Genossen vorstellt und dessen Ruf wohl sein größtes Werk sei. Auch Edgar Rampoe, der Erfinder der japanischen Kriminalliteratur, tritt in Erscheinung und immer wieder gibt es Bezüge Sherlock Holmes mit einer hinreißenden Olive Salter als Pendent zu Dr. Watson. Die sexualwissenschaftlichen Beobachtungen basieren unter anderem auf Freud und Iwan Bloch und manchmal wirft Dexter mit Begriffen, die einer Sexualenzyklopädie entsprungen zu sein scheinen, nur so um sich.

"Der Marodeur von Oxford" erschien im Diaphanes-Verlag in der Reihe "Penser Pulp", die der Verlag mit den folgenden Worten beschreibt: "Stellen Sie sich vor, Avantgarde und Pulp, Georges Perec und Jim Thompson, hätten zusammengearbeitet, und Alain Corneau hätte daraus einen Film gemacht, der dann programmatisch »Série noir« heißen mu?sste. So eine Mischung könnte man gar nicht anders nennen als »Penser Pulp«." Das Titelbild mit dem viktorianisch beschuhten Frauenbein passt zum Inhalt (genau genommen sogar zum ersten Fall), aber leider spricht es mich gar nicht an. Den Stil empfinde ich als reizlos und gewöhnlich und ich hätte dem Buch im Handel kaum einen zweiten Blick gegönnt.

Einen weiteren, sehr detaillierten Einblick in das Buch gibt das Nachwort von Herausgeber Thomas Wörtche, der sich in Deutschland schon lange einen Namen als Literaturkritiker und Publizist gemacht hat und auch die Übersetzung von Zoë Beck ist hervorragend.

Zugegeben: Ich hatte Angst vor dieser Rezension, denn wie könnte ich so einem Buch gerecht werden? Noch immer bin ich vollständig erfüllt von der raffinierten Wortgewalt Gary Dexters und trotzdem fühlt es sich so an, als ob mich "Der Marodeur von Oxford" der Fähigkeit, mich angemessen auszudrücken, beraubt hätte. Doch kann das sein? Und welche erotischen Hintergründe könnte dies haben? Ein Rätsel, das wohl nur Henry lösen könnte. Eigentlich müsste ich auf den Autor böse sein. Das Buch lässt sich mit einem Mann vergleichen. Hat man so einen Schatz entdeckt und verliert ihn, ist man für viele Nachfolger erst einmal verdorben. Natürlich, ich kann jederzeit wieder zurückkehren in Olives und Henry St. Livres London des Jahres 1892, aber zukünftige Bücher müssen nun ganz penibel ausgesucht werden, denn solche Perlen gibt es nicht oft und sie sind mir in der Vergangenheit auch schon selten genug begegnet.

Spielte ich Rezensionen-Bullshit-Bingo, so müsste ich Kreuzchen setzen bei den Adjektiven: ebenso scharfsinnig wie scharfzüngig, detailreich, humorvoll, pointiert und satirisch.

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