Noah Gordon: Der Medicus

Hot
 
3.2 (2)
 
3.7 (11)
6405   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Noah Gordon: Der Medicus
Verlag
ET (D)
1987
Ausgabe
Taschenbuch
Originaltitel
The Physician
ET (Original)
1986
ISBN-13
9783442437689

Informationen zum Buch

Seiten
636

Sonstiges

Originalsprache
amerikanisch
Verfilmungen

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Es ist die Welt der Bader und Gaukler, der reisenden Kaufleute, der Pest und des Hungers, des blinden Gottesglaubens und der Scheiterhaufen.

Der Waisenjunge Rob Jeremy Cole findet bei einem Bader Schutz und wird sein gelehriger Schüler. nach dem Tod seines Meisters bricht er nach Persien auf, denn dort, im fernen Isfahan, lehrt der berühmteste aller Ärzte, ein wahrer Heiler und Helfer der Menschen...

Autoren-Bewertungen

2 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.2
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.5  (2)
Charaktere 
 
3.0  (2)
Sprache & Stil 
 
3.0  (2)
Gesamtbewertung 
 
1.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
2.0
Charaktere 
 
1.0
Sprache & Stil 
 
1.0

Eine Nebenfigur stirbt mal wieder? Wayne interessiert's?

Nachdem ich im letzten Jahr keinen richtigen Leseflop zu verzeichnen hatte und sich die meisten Bücher bei "ganz gut, aber weder besonders schlecht noch überragend" einreihten dachte ich schon, ich hätte die "Fähigkeit" verloren ein Buch auch mal mies zu finden. Dann kam der Medicus.

Eigentlich verfügt der Medicus ja über viele Zutaten für einen interessanten, historischen Roman. Exotische Länder, fremde Kulturen, ein interessantes Thema (Medizin in früherer Zeit) … vermutlich ist das mit dafür verantwortlich wie erfolgreich dieses Buch geworden ist. Je länger ich las desto mehr bekam ich jedoch den Eindruck dass der Autor sich übernommen hatte. Ich fühlte mich ein bisschen wie in einem Ausmalbuch für Kinder. Noah Gordon lieferte die Skizze (wenn auch in Übergröße), Ausmalen sollte ich als Leser dann selber.

Zum einen – gerne stellt Noah Gordon Dinge in den Raum wie "Er hatte immer noch großen Charme" (sinngemäß) bleibt es dem Leser aber schuldig tatsächlich zu zeigen das dieser Charakter über seinen eigenen Charme verfügt.

Zum anderen – die Geschichte spielt über einen langen Zeitraum. Dementsprechend packt der Autor das Buch voll mit diversen Ereignissen, denen er einzeln erzählt aber selten viele Worte widmet - ein paar Zeitraffer zur Überleitung finde ich ja in Ordnung, aber nicht in diesem Ausmaß. Da wird ein Beutezug nach Indien inkl. der langen Hin- und Rückreise, mehreren (sehr blutleeren) Kämpfen, einer toten Nebenfigur etc. auf 25 Seiten behandelt. Als die jungen Studenten zur Bekämpfung der Pest in eine entfernten Stadt weilen, wobei zwei der Mediziner selber erkranken braucht der Autor nicht mehr als 12 Seiten.

Das führt außerdem zu einer recht paradoxen Situation – obwohl die Ereignisse selbst selten länger beschrieben sind ist der Roman alles andere als kurzweilig. Spannung wurde durch das rasche Abhandeln von potentiellen gefährlichen Situationen im Keim erstickt und weil ich mich von einer blutleeren Episode zur nächsten hangelte wurde die Lektüre für mich schnell mühsam und eintönig. Vor allem hatte ich den Eindruck das es zum Ende hin immer schlimmer wurde, wobei das auch daran liegen kann das der Zeitraffer für Robs Jugendjahre am Anfang erst einmal noch okay ist und ich erst später zunehmend genervt war.

Dem Ganzen wurde schließlich die Krone aufgesetzt, als der Autor von der Verhaftung, Verurteilung, Hinrichtung (und Beerdigung) einer Nebenfigur erzählt. Dafür lässt er sich insgesamt 3 – DREI!! – Seiten Zeit. Und das beschreibt er dann auch noch so verkürzt und komplett distanziert / emotionslos das ich heulen könnte … nicht weil da jemand stirbt sondern weil ich noch nie so einen KALTEN Bericht über den Tod einer - nicht ganz so unwichtigen Figur! - gelesen habe. Unfassbar.

Überhaupt! Eine Nebenfigur stirbt mal wieder? Wayne interessiert’s! Fühlt Rob was? Der Leser erfährt durch den Autor jedenfalls nichts davon, das kann man sich höchstens selber ausschmücken. Dann wirkte Rob ohne weitere Erläuterung seines Verhaltens/Gefühle/Gedankengänge auf mich häufig auch eher selbstherrlich und arrogant in seinen Aussagen. Manche Taten waren zudem reichlich naiv (z.B. die Signatur seiner Zeichnungen). Was nicht besser wurde dadurch dass der Autor mehrfach einbringt was für ein überaus talentierter und toller Arzt er ja ist. Das wurde mir an einigen Stellen übertrieben betont. Und so ist Rob mir über das ganze Buch hinweg immer unsympathischer geworden.

Ich habe auch nicht immer den Eindruck gehabt, dass der Autor besonders sorgsam geschrieben hätte. (Oder das Lektorat sorgfältig gearbeitet hat?) Da ist ein Darmkrebs 20 Seiten später plötzlich Magenkrebs (oder war das der Übersetzer?). Und erst denkt man gar nicht an einen bevorstehenden Krieg, drei Sätze später macht man sich [natürlich] Sorgen? Also bitte … Auch erfolgen Themenwechsel teilweise doch sehr abrupt, mir fehlten häufiger Überleitungen.

Was ich hier nicht kritisiere (kritisieren kann) ist die historische Korrektheit. Für den frühen Zeitraum in dem das Buch spielt kam mir zwar einiges merkwürdig vor, dennoch kann ich diesen Aspekt nicht beurteilen. Der Autor sagt im Nachwort meiner Ausgabe (1990, Übersetzung von Willy Thaler) immerhin selbst dass es nicht viele Aufzeichnungen gibt und wo diese fehlen er einfach dazuerfunden hat.

Ich denke der Medicus ist eher ein Roman für Leute, die Geschichten lieber selber ausschmücken. Für diejenigen, die lange Abhandlungen nicht mögen und ein schnelles Umreißen des Geschehens bevorzugen. Wobei man da bei der Länge des Buches auch schon wieder aufpassen muss. ;-) Wer eine gewisse Ausführlichkeit in den Beschreibungen sucht, etwas das eine ganz eigene Atmosphäre erzeugen kann (auch wenn manchen das langweilig erscheinen mag), dem würde ich das Buch nicht empfehlen.

Mein Fazit: Skizzenhafter, blutleerer Roman ohne Emotionen, das macht selbst das exotische Setting zunichte. Mein erster Leseflop 2015. Dafür gibt es nur einen Punkt.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

#1 Rezensent
Zeige alle meine Rezensionen (1135)
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Dieses Buch sollte eigentlich auch jeder Fan historischer Romane verschlungen haben.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

11 Bewertungen

 
(6)
 
(1)
 
(1)
 
(1)
 
(2)
Gesamtbewertung 
 
3.7
 
3.7  (11)
 
3.7  (11)
Zeige alle Einträge Zeige die hilfreichsten
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Rezension zum Hörbuch:

Die Geschichte von Rob dem Bader, der zum Medicus wird, ist die schönste Story, die ich in den letzten Jahren gehört habe (leider habe ich das Hörbuch erst jetzt geschenkt bekommen): Es ist als würde der Erzähler mit seiner einfühlsamen Stimme neben mir sitzen und mir das Buch vorlesen. Es war mir fast unmöglich das Anhören der 8 CD`s durch irgendetwas zu unterbrechen. Selten war eine Geschichte so interessant und hat mich so gefesselt, wie der Medicus. Ich habe mit gelitten, mich gefreut und gezittert. Jeder, der dieses Buch nicht gelesen, oder das Hörbuch nicht gehört hat, weiß nicht was er verpaßt hat.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Meine Mutter hat mich zu diesem Buch gebracht. Als ich eine Woche schulfrei hatte und ich nicht wusste, was ich aus Langeweile machen sollte, drückte sie mir das Buch in die Hand. Eigentlich liebte ich historische Romane, das Cover hatte mich aber nicht sehr beeindruckt. Außerdem war ich nach "Den Säulen der Erde" schon ziemlich voreingenommen was das Mittelalter betrifft. Doch ich begann zu lesen und muss ehrlich sagen, dass das eines der wenigen Bücher war, welches mich von Anfang bis zum Ende gefesselt hat. Die Geschichte ist so anschaulich geschrieben, dass man die "Fehler" durchaus verzeihen kann. Ich habe mitgelacht, mitgelitten und mitgeweint. Ich kann es nur weiter empfehlen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

Nach Empfehlung meiner Mutter habe ich diesen Roman in Angriff genommen und war begeistert. Selbstverständlich ist “Der Medicus” kein historisch genauer Roman. Aber die Geschichte um den jungen Robert Jeremy Cole, der im Laufe seines Lebens seine Bestimmung als Arzt findet und sich auf die Reise nach Persien begibt, fesselt einen geradezu. Auch die medizinischen Grundlagen der damaligen Zeit kennen zu lernen, macht Spaß und erweitert das eigene Grundwissen über einfache Medizin und der damaligen Zeit. In dem Roman sind sowohl spannende und angespannte Phasen zu finden, genauso wie traurige Teile oder gar eine Liebesgeschichte. Wer Gefallen an mittelalterlichen Romanen findet und gleichzeitig sein Wissen über die damalige Medizin erweitern will, dem kann ich diesen Roman nur empfehlen.

Mich hat das Buch sehr gefallen und ich würde es jederzeit weiterempfehlen!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Ich habe mir dieses Buch zur Lektüre vorgenommen, da ich sehr viel Gutes darüber gehört hatte. Dies wurde mir auch über weite Strecken der Geschichte bestätigt. Es lässt sich sehr gut lesen und bleibt überwiegend spannend, wenn auch nicht fesselnd - um dies mal als Steigerung zu nennen. Wer Geschichten aus dieser Zeit mag oder gerne einen ersten kleinen Einblick in diese Zeit haben möchte, kann getrost auf dieses Buch zurückgreifen. Wer mehr an historischen Wahrheiten bzw. Einzelheiten interessiert ist, sollte weitersuchen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
3.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
3.0

Noah Gordons Der Medicus ist sicherlich kein historisches Sachbuch. Deshalb nennt man es ja auch ROMAN! Gordon selbst schreibt zum Ende des Buches in seiner Danksagung, dass das fiktive Element in seiner Geschichte eine bedeutende Stellung einnimmt und er selbst nicht den Anspruch auf eine historisch verifizierte Darstellung erhebt. Gordons literarischer Stil und Ausdruck lassen allerdings zu Wünschen übrig. Zuweilen weist die Geschichte Längen auf. Dennoch ist es ein überwiegend kurzweiliges, gut zu lesendes Buch, das einen kleinen Einblick in die "drei grossen Weltreligionen" gibt. Dabei scheint es, dass es Gordon eher um das Miteinander gläubiger Menschen als um eine konkrete Religion geht. Also zeitlos aktuell. Es ist ein Buch für Leseratten, denen Geschichten aus dem Mittelalter, der Nahen Osten oder Coelhos Der Alchemist gefallen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Alle Rezensionen ansehen

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue