Volker Kutscher: Der nasse Fisch

Volker Kutscher: Der nasse Fisch

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Volker Kutscher: Der nasse Fisch
ET (D)
2007
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783462040227

Informationen zum Buch

Seiten
528

Serieninfo

Sonstiges

Erster Satz
Wann würden sie zurückkommen?

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Berlin 1929: Kriminalkommissar Gereon Rath erlebt eine Stadt im Rausch. Kokain, illegale Nachtclubs, politische Straßenschlachten - ein Tanz auf dem Vulkan. Der junge, ehrgeizige Kommissar, neu in der Stadt und abgestellt beim Sittendezernat, schaltet sich ungefragt in Ermittlungen der Mordkommission ein - und ahnt nicht, dass er in ein Wespennest gestoßen hat.

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Gereon Rath wird von Köln nach Berlin versetzt und muss sich in einer Stadt mit einem völlig anderen Lebensgefühl einfinden: Die Berliner sind frecher, die Kriminellen dreister und anders organisiert, Ausländer mag man hier weniger, die Kollegen stellen hinter seinem Rücken Fragen, die Leute sind politischer eingestellt und noch dazu muss er einen Posten bei der Sitte annehmen statt - wie bisher - bei den Mordermittlern. Eher zufällig stolpert er in einen Fall mit einer übel zugerichteten Leiche und meint, Morgenluft zu wittern: Der Fall könnte ihn mit dank eigenmächtiger Ermittlungen einen Platz in der Mordkommission sichern.

Gereon Rath lernt schnell, wie er auftreten muss und welche Leute ihm mit Informationen helfen können. Hinweise kann er relativ fleißig sammeln, aber er hat bis fast zum Schluss genauso wenig Ahnung wie der Leser, wie die Puzzlestücke zusammen gehören. Passt überhaupt alles zusammen oder passieren verschiedene Geschichten nebeneinander?

Selten gibt es Krimis, die mich vollauf begeistern und wo selbst kritisierte Details am Ende im Nebel verschwinden - und sich in Wohlgefallen auflösen. Mit dem nassen Fisch hatte ich mal wieder so einen Krimi in der Hand. Der Plot ist clever verwoben und Gereon Rath ist zwar ein bisweilen sehr fehlerhafter Ermittler, aber einer, für den man genug Sympathien entwickeln kann. Für mich wiegen sich Raths Fehltritte und Stärken gut gegeneinander auf: Er lässt sich zum Beispiel zum Kokainmissbrauch verführen, hat aber im entscheidenden Moment den Mumm, Fehler zu gestehen und für Wiedergutmachung einzutreten. Er hat einen übertriebenen Ehrgeiz, aber auch eine Familiengeschichte, die das begründet und die man keinem wünschen würde.

Im ersten Band der Serie baut Rath bei seinen Frauengeschichten mehr Mist als alles andere. Wenigstens bei Charly, mit der es ihm ernst ist, verzeihe ich ihm, da er viel zu sehr in seinen Fall verbohrt war (kein Wunder übrigens, wenn man die Tragweite kennt). Aber ich hoffe, dass sich das regelt, denn die Kommissare mit üblem Privatleben nehmen in der Krimilandschaft etwas überhand.

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Gereon Rath ist Polizist mit Leib und Seele, umso mehr trifft es ihn, als er sein heimatliches Revier Köln nach einem unglücklichen Schusswechsel verlassen muss. Dank familiärer Beziehungen kommt er in Berlin unter, allerdings zunächst bei der Sitte, was er jedoch als unterhalb seiner Fähigkeiten empfindet und so beschließt er verhängnisvollerweise ganz alleine eine Spur in einem Mordfall zu verfolgen, um auf diese Weise spektakulär in das Morddezernat Einzug zu nehmen. Wen er dabei alles vor den Kopf stößt, ist ihm erst dann nicht mehr egal, als die Kollegin, in die er sich verliebt hat, ihm die kalte Schulter zeigt. Aber da steckt Gereon schon bis zum Hals in Schwierigkeiten.

Stahlhelm, SA, Rotfront, Schwarzhundert, rote Festung, Berolina Ringverein, die Sozis,… - 1929 ist es in Berlin anscheinend nicht gerade einfach, sich zwischen den vielen verschiedenen Organisationen zurecht zu finden, vor allem nicht ganz ungefährlich. Als Leser tappt man ein bisschen unwissend daher, viele der politischen Gruppierungen kannte ich zwar vom Namen her, ihre Abgrenzung untereinander und das Verhältnis zueinander, war mir, von Offensichtlichkeiten abgesehen, aber eher unbekannt. Dabei ist die Darstellung der Gesellschaft für mich eigentlich das Interessanteste und Beste an diesem Buch.

Der Kriminalfall blieb für mich aufgrund der vielen verschiedenen, in die Sache verwickelten Parteien, mit völlig unterschiedlichen Zielsetzungen etwas undurchsichtig, ich habe das Gefühl, nur an der Oberfläche gekratzt zu haben

Charly, die Frau, in die Gereon sich verliebt, ist mir etwas zu plakativ eine starke, selbstständige Frau, die in der Männerwelt Polizei „ihren Mann“ steht und noch hochfliegende (wenn auch machbare) Pläne hat. Gereon hingegen hätte ich mehr als einmal gerne den Kopf gewaschen. Mit seiner Neigung zu Alleingängen, weil er sich schlauer fühlt als alle anderen, während er sich in Wirklichkeit mehr als einmal ziemlich unprofessionell aufführt, ging er mir etwas auf die Nerven. Da mir andere Verhaltensweisen an ihm durchaus sympathisch erschienen (sein Umgang mit jüngeren Kollegen, seine Beziehung zu seinem ausgewanderten Bruder), war mein Verhältnis zu dieser Figur insgesamt ziemlich zwiespältig. Den meisten Nebenfiguren konnte ich nicht viel abgewinnen, dazu waren sie nicht komplex genug und bestanden nur aus einigen plakativen, für die Geschichte notwendigen Charakterzügen.

Ich denke, ich werde die Serie trotz meiner Kritik weiterlesen, Volker Kutschers Blick auf Berlin gefiel mir gut genug, um mit den mittelprächtig sympathischen Figuren zu leben.

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Das Cover vermittelt mir gleich ein Schwarz-Weiß-Film-Gefühl und genau solch einen Film hatte ich während des Lesens im Kopf. Sehr gut könnte ich mir eine Verfilmung dieses spannenden Krimis vorstellen. Die Atmosphäre des Berlins in den Zwanziger/Dreißiger Jahren kommt sehr gut rüber, wobei man hier eher die Schattenseiten vermittelt bekommt. Politische Straßenschlachten, zerstrittene rote Gruppierungen, der aufkommende braune Sumpf, verbotene Nachtclubs, Drogen, Korruption und Verbrechen im großen Stil. Dazwischen die Berliner Sitte und Mordkommission, genauer gesagt, Gereon Rath, der bei seinen Ermittlungen teilweise persönlicher davon berührt wird, als ihm lieb sein kann.

Und damit komme ich zu den Charakteren. Nicht nur die besondere Atmosphäre, in die der Krimi spielt, ist toll beschrieben, auch die Figuren haben mich gefesselt, allen voran Gereon. Er ist nicht immer einfach zu nehmen, auch wenn er mir gleich sympathisch war. Sein Verhalten während seinen Ermittlungen, macht es nicht immer leicht, auf seiner Seite zu stehen, handelt er doch manchmal am Recht vorbei und geht oft eigene Wege, von denen man ihn gerne wieder herunter nehmen würde, bevor er sich noch mehr schadet. Er ist ein Einzelkämpfer, der seine Kraft überschätzt und nicht nur sich selbst wehtut, aber er ist echt und sehr menschlich und verfolgt beharrlich seinen Weg. Und das macht ihn so sympathisch.

Der Krimi selbst ist sehr spannend. Es werden immer wieder neue Spuren gelegt, neue Verwicklungen aufgezeigt und nach und nach Verbindungen und Vertuschungen aufgedeckt, so dass ich irgendwann das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte, um endlich zu erfahren, wie und ob Gereon aus der ganzen Sache wieder herausfindet.

Eine sehr spannender Krimi in einer atmosphärisch toll beschriebenen Zeit mit interessanten Charakteren, von denen ich auf jeden Fall mehr lesen will!

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Der erste Satz:

„Wann würden sie zurück kommen? Er lauschte.“

Meine Meinung zum Buch:

Bei „Der nasse Fisch“ handelt es sich um einen (meiner Meinung nach) sehr gut recherchierten Kriminalroman, der die Zustände im Berlin der späten 20er Jahre sehr detailgetreu schildert. Insbesondere konzentriert sich die Schilderung auf die ärmere Schicht der Bevölkerung, die Kommunisten und Sozialdemokraten, und hier ersetzt das Buch einige Stunden Geschichtsunterricht. Schade, dass mir in der Schule die Zustände zwischen den beiden Weltkriegen nicht auf diese Art nahe gebracht wurden.

Die Handlung ist sehr komplex, was mir immer sehr gut gefällt. Es ergeben sich für den Leser dabei überraschende Momente, was das Lesen interessant und abwechslungsreich macht.

Leider wurde ich mit keiner der im Roman handelnden Personen wirklich warm. Sie erschienen mir insgesamt zu zynisch, zu distanziert, zu fanatisch, zu abgeklärt, zu verloren. Das ist für mich aber ein wichtiger Punkt beim Lesen. Ich konnte bei diesem Buch nicht wirklich mitfühlen. Mich haben mehr die Milieuschilderungen erschüttert als das, was mit der eigentlichen Handlung zu tun hat. Das hat mir das Lesen auch sehr erschwert. Zuletzt war es fast so, dass ich die geschichtlichen Details, die mir wesentlich authentischer und lebensnäher erschienen, lieber gelesen habe als die Krimihandlung.

Vom Stil her lässt sich das Buch sehr gut lesen. Allerdings mag ich es nicht, wenn Dialogteile in Berliner Mundart geschrieben sind – vermutlich sollte das für eine größere Authentizität sorgen, aber in meinen Augen war das zu dick aufgetragen. In puncto Berliner Mundart und Milieu zu dieser Zeit war und ist Heinrich Zille der Meister, und Volker Kutscher kommt daran leider nicht ganz heran.

Insgesamt hat mich das Buch zwar beeindruckt, aber doch kalt gelassen.

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"Der nasse Fisch", bei diesem Titel fragt man sich erst einmal, was denn Fische eigentlich mit einem Kriminalfall im Berlin der 20er Jahre zu tun haben könnten. Doch mit der Zeit und mit dem tieferen Eintauchen in das Buch stellt sich plötzlich heraus, dass dieser Titel durchaus seine Berechtigung hat; ist es doch die interne Bezeichnung der ermittelnden Polizeiinspektion für ungeklärte Fälle. Und es lassen sich im Laufe der Handlung durchaus auch noch weitere Interpretationsmöglichkeiten finden....

Für mich ist das Buch als solches jedenfalls kein ungeklärter Fall, sondern ganz eindeutig ein Highlight im fast schon unüberschaubaren Angebot der Kriminalromane und unter dem Prädikat "absolut empfehlenswert" einzuordnen. Das liegt zum einem daran, dass Volker Kutscher ein sehr eindringliches und aufrüttelndes Bild der 1920er Jahre zeichnet. Während man dabei meistens die Goldenen Zwanziger mit ihrer ganz speziellen Atmosphäre und den Künstlern, Intellektuellen und Nachtschwärmern im Hinterkopf hat, wird in diesem Roman auch die dunkle Seite der damaligen Zeit nicht verschwiegen; soziale Spannungen, Straßenkämpfe mit den Kommunisten, das Aufkommen des Nationalsozialismus, dies alles ist auch ein Teil der Goldenen Zwanziger und wird thematisiert.

Zum anderen gestaltet sich der Kriminalfall an sich so spannend, dass ich das Buch fast nicht mehr aus der Hand legen konnte. Scheinbar unglaubliche Verwicklungen und Zusammenhänge verknüpfen sich langsam aber sicher zu einem dramatischen Gesamtbild, das sich immer noch weiter steigert. Dabei legt Volker Kutscher so manche heiße Spur für seine Leser aus, was natürlich zu Rätselraten und Spekulationen einlädt; nichts desto trotz hielt der Roman so einiges an Überraschungen für mich bereit, so dass es nie langweilig oder vorhersehbar wurde.

Die Protagonisten, allen voran die Hauptfigur Gereon Rath, sind erfrischend anders. Jeder hat seine kleinen Geheimnisse, jeder seine Fehler und Schwächen, so mancher hat sogar zwei Gesichter. Vor allem ist es dem Autor gelungen, die Sympathie für seinen Ermittler zu wecken, obwohl dieser sich nicht immer korrekt und rechtskonform verhält. Gerade diese dunkle Seite der Figur hat mich immer wieder zum Nachdenken und Zweifeln gebracht, auf welcher Seite er denn nun steht und vor allem, ob ich überhaupt noch mit ihm mitfiebern kann, trotz seiner Rechtsbrüche. Dieser Konflikt während des Lesens hat mir gut gefallen, denn er hat mich gedanklich immer wieder sehr beschäftigt und das ist für mich ein wichtiger Pluspunkt bei jeder Art von Lektüre.

Auch sprachlich hat mich der Krimi voll überzeugt; Volker Kutschers schnörkelloser Sprachstil passt sehr gut zu den Figuren und lässt sich sehr flüssig lesen. Der dramatische Showdown stellte für mich einen gelungenen Abschluss der Falles dar und ich bin ja schon sehr gespannt, wie es mit Gereon Rath weitergeht; denn "Der nasse Fisch" bildet den Auftakt zu einer Reihe und ich denke, mit dieser vielschichtigen Figur wird es noch jede Menge interessanter Fälle und Ermittlungen geben.

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