Iris Kammerer: Der Pfaffenkönig

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Iris Kammerer: Der Pfaffenkönig
Verlag
ET (D)
2006
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783746622958

Informationen zum Buch

Seiten
420

Sonstiges

Erster Satz
Die Kinder lagerten am Waldrand auf einer kleinen Böschung bei den Weiden und dehnten die schlanken Glieder, um sich von der Sonne wärmen zu lassen.

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Als Nachgeborener hat Heinrich Raspe, Sohn des mächtigen Landgrafen von Thüringen, eigentlich keine Aussicht auf eine einflußreiche Stellung. Doch als sein älterer Bruder Ludwig auf einem Kreuzzug stirbt, wird er Landgraf und soll das Erbe der Familie führen, bis der kleine Hermann, Stammhalter Ludwigs und dessen Frau Elisabeth, herangewachsen ist. Von Kindesbeinen an hegt Heinrich tiefe Gefühle für seine verwitwete Schwägerin, die aber erfüllt ein Gelübde und weiht ihr Leben der Kirche. Erbittert und machtlos muß er zusehen, wie sie die Burg verläßt, um unter der Aufsicht des ihm verhaßten Inquisitors Konrad von Marburg ein Leben in Armut zu führen. Und dennoch bestimmt die später als Heilige Elisabeth Verehrte weit über ihren Tod hinaus sein Schicksal.

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Etwas zäh

Das Buch erzählt von Heinrich Raspe, der sich, auf dem Sterbebett liegend, an sein Leben zurückerinnert. Diese Erinnerungen werden episodenhaft erzählt und scheinen ihm nach und nach in den Sinn zu kommen, wie man sich das gut bei einer kranken Person vorstellen kann. Das Gefühl, neben dieser Person zu sitzen und ihm bei seinen Erinnerungen zuzuhören, ist gut zu spüren und wirkt authentisch.

Mit dieser Erzählweise wurde ich aber leider nicht so warm, denn das Gefühl neben einem Fremden zu sitzen und viele Lücken in seinen Erzählungen nicht zu erfahren und zu verstehen, ergaben teilweise ein Gefühl von Ausgeschlossenheit. Erlebnisse, die dem Kranken natürlich klar sind, aber nicht erzählt wurden, hätte ich oft gerne auch erfahren. So waren Situationen gerade noch schwierig und man fragte sich, wie sie gelöst werden würden, und im nächsten Moment war das Problem keines mehr und man fragte sich, warum, ohne es aber zu erfahren. Mit Spannung erwartete Aktionen kamen nicht, wurden nur als vollendet erwähnt. Das Lesen war dadurch oft mühsam, fehlende Jahreszahlen zu den einzelnen Sprüngen verstärkten das noch, da man oft erst mit der Zeit herausfand, dass mittlerweile einige Zeit vergangen ist und nicht nur der nächste Tag begonnen hatte.

Gefühlsmäßig ergab sich bei mir dadurch eine gewisse Distanz beim Lesen, ich beobachtete mehr, als dass ich mich „dabei“ fühlte. Dadurch fehlte mir die Nähe zum Geschehen und zu den Personen, die ich gerne beim Lesen erfahre, und das hinderte mich, in die Geschichte einzutauchen, was mein bevorzugtes „Lesegefühl“ ist.

Andererseits bot das Buch ein gutes Bild des Mittelalters, auch durch die angepasste Sprache und die lateinischen Einschübe wirkte die Zeit echt. Sehr ausführlich recherchiert wurde das Mittelalter in der Geschichte dargestellt und besonders durch die vielen zusätzlichen Informationen der Autorin wurde das Lesen des Buches zu einer sehr lehrreichen Zeit. Ich muss aber auch sagen, dass die Fülle an Informationen, die wir von der Autorin in einer Leserunde zusätzlich erhalten haben, doch gefehlt hätte, wenn ich das Buch alleine gelesen hätte. Die einzelnen Erinnerungen waren für sich schön und flüssig erzählt und gerade deshalb hätte ich gerne die Geschichte durchgängiger gelesen. So war es leider einfach alles recht abgehackt und etwas zäh.

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Iris Kammerer - Der Pfaffenkönig


Heinrich Raspe, ein in der heutigen Zeit doch eher unbekannter Herrscher des mittelalterlichen Europas, liegt mit einer tödlichen Verletzung in seinem Sterbebett und berichtet aus seinem Leben. Die Autorin Iris Kammerer ist eine aufmerksame Zuhörerin, und ihr gelingt es, diese Erinnerungsbruchstücke zu Papier zu bringen. Der geneigte Leser wird zunächst einen lückenlosen Bericht erwarten, doch ist dies aufgrund der Krankheit und der seltener werdenden klaren Momente des Kranken nicht der Fall.

Das Lesen erfordert ein wenig Aufmerksamkeit, einerseits weil sich die Handlung über drei Zeitebenen abspielt, andererseits können die vielen verschiedenen Figuren mit gleichen oder ähnlich klingenden Namen schnell zu Verwirrungen führen. Eine gewisse Neugier wird erwartet, denn der Inhalt lässt viel Freiraum für eigene Recherchen, ja fordert geradezu auf, weitere Quellen zu bemühen, historische Ereignisse nachzulesen bzw. Wissenslücken zu schließen.

Der Roman ist in sich schlüssig, chronologisch aufgebaut und abgeschlossen. Dennoch war nach dem Lesen das Bedürfnis, wissen zu wollen, wie es nach Heinrichs Tod weiter ging. Kein Manko im eigentlichen Sinn, eher ein Plus. Der Leser erlebt eine Geschichte aus der Sicht eines Sterbenden, episodenhaft, aber dennoch spannend. Es wird die vergangene Zeit aus einem neuen, anderen Blickwinkel betrachtet, wobei die fundierten Kenntnisse der Autorin einen sehr farbigen Eindruck der Zeit vermitteln und dem Leser nahe bringen.

Mit einer angenehmen Sprache und einfließenden lateinischen Zeilen wird der Bericht sehr lebendig. Die Gedankengänge des Kranken sind nachvollziehbar, seine Gefühle und Motive glaubwürdig, so als hätten sie so und nicht anders sein können. Seine unerfüllte Liebe, seine Kinderlosigkeit trotz dreier Ehen mit liebenswürdigen Frauen und sein schweres Erbe erfüllen den Leser nach Ende des Buches mit Mitgefühl und Trauer. Um so stärker wird dieses Gefühl, wenn sich die vergangene Zeit in einem anderen Licht präsentiert und Ereignisse, Personen und politische Geflechte anders interpretiert werden, als sie vielleicht waren.

Iris Kammerer ist mit diesem Buch ein historischer Roman gelungen, welcher die vergangene Zeit aus einem anderen, für einige gewöhnungsbedürftigen Blickwinkel beleuchtet. Die Tatsache, dass ein Personenregister fehlt, ebenso wie eine Landkarte oder orientierende Zeitangaben, ist aus meiner Sicht nicht gravierend, jedoch hätte ich es gern gesehen. Dafür werden die lateinischen Texte im Anhang übersetzt, und der Epilog beleuchtet die historischen Verhältnisse noch etwas eingehender, was nach der Lektüre teilweise sehr erleuchtend war.

Insgesamt kann ich das Buch nur empfehlen, wer anspruchsvolle aber unterhaltende historische Lektüre sucht, ist mit diesem Buch sehr gut beraten.

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Heinrich von Thüringen erzählt auf dem Sterbebett seine Geschichte, über Elisabeth die Heilige, über Ränkespiele und Politik, über Liebe und Schmerz. Ein historischer Roman, aber doch keiner wie "jeder andere". Die episodenhafte Erzählung des Heinrich Raspe auf dem Sterbebett, wie er seine Erinnerungen ordnet, wie sein Leben an ihm vorbeizieht, ist wunderschön und stilistisch stark umgesetzt. Das bringt Atmosphäre und Stimmung in die Geschichte, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, weil es so besonders war. Schnell war klar, dass hier nicht mit einer durchgängigen Handlung zu rechnen ist, da ich aber vor allem zu Beginn des Buches auch selbst nur bruchstückhaft zum Lesen kam, hat das Buch gut zu meiner momentanen Situation gepasst.

Mir war es nicht wichtig, alle Zusammenhänge zu erfahren oder ein "rundes" Bild zu erhalten. Es steckt eher Motivation drin, sich mit diesem Teil der Geschichte näher zu befassen. Wenn man diesen Gedanken zuläßt ist es ein wirklich schönes Buch. Aber, selbst diese Konsequenz der Betrachtung konnte es nicht verhindern, dass mir von Zeit zu Zeit bestimmte Personen oder Ereignisse zu kurz gekommen sind. Das lag m.M.n. wohl daran, dass bestimmte Dinge erst näher beleuchtet werden und dann das Gerüst in sich zusammenbricht und man in 1-2 Sätze das Ergebnis präsentiert bekam. Es wurde eine Erwartungshaltung aufgebaut, die dann abrupt in sich zusammenfiel. In der Gesamtbetrachtung erinnere ich mich so an Stellen, die für mich offen bleiben, bei denen ich jedoch gern, fernab von jeglicher realen Geschichtsschreibung, eine "literarische" Info bekommen hätte. Trotz allem für mich ein gutes Buch, dessen Lektüre ich nicht missen möchte.

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