Heidi Rehn: Der Sommer der Freiheit

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Heidi Rehn: Der Sommer der Freiheit
Verlag
ET (D)
2014
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783426512166

Informationen zum Buch

Seiten
672

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Wieder einer jener Sommer, in denen entweder alles möglich oder zu ewigem Stillstand verdammt war.

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Selma, die Tochter eines angesehenen Zeitungsverlegers, fährt mit ihrer Familie wie jedes Jahr in die Sommerfrische nach Baden-Baden. Man genießt das elegante Ambiente, die Konzerte und Bälle. Selma hat gerade – zum Entsetzen der Mutter! – das Autofahren gelernt und wartet ungeduldig auf die Ankunft ihres Verlobten Gero. Da lernt sie bei einem Ausflug ins nahe gelegene Elsass den französischen Fotografen Robert kennen – und verliebt sich unsterblich in ihn.

Doch wir schreiben das Jahr 1913, und bald wird der Geliebte zu den Feinden zählen …

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(Aktualisiert: 28 Oktober 2014)
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Der Sommer der Freiheit

Als Selma, jung, hübsch und selbstbewusst, mit ihrer wohlhabenden Familie den Sommer 1913 in Baden-Baden verbringt, könnte das Leben für sie nicht angenehmer sein. Gut, ihren Verlobten Gero hätte sie gern an ihrer Seite gehabt, doch immerhin hat er ihr sein nagelneues Auto geschickt, und sie genießt es, mit ihrem Bruder Spritztouren zu unternehmen, Galadinners und Bälle zu besuchen, ihre neue Freundin Constanze zu treffen und es sich einfach gutgehen zu lassen. Nicht einmal die spießige Mutter kann ihr die gute Laune verderben, und als sie den charmanten französischen Fotografen Robert kennenlernt, kann sie dem Kribbeln im Bauch nicht widerstehen und lässt sich auf einen heftigen Flirt mit ihm ein.

Gerade mal ein Jahr später liegt die Welt, die Selma kannte, in Trümmern. Nicht nur, weil sie persönlich einige Tiefs erleben musste, sondern weil das Unfassbare geschehen ist - nach dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo hatte man die Gefahr eines Krieges noch großspurig weggeredet, doch nur wenig später stehen sich Deutschland und Frankreich in den Schützengräben gegenüber. Selma muss um Gero und ihren Bruder bangen und fragt sich auch, was aus Robert geworden ist. Und auch wenn Berlin weit weg von der Front ist, machen sich die Auswirkungen des Krieges auch im zivilen Leben immer mehr bemerkbar.

Was wie eine locker-leichte, romantische Dreiecksgeschichte beginnt und mir fast ein bisschen zu seicht wirkte, entwickelt sich nach und nach zu einem beklemmenden Porträt dieses ersten weltumspannenden Krieges. Selma, anfangs ein verwöhntes, ein wenig hochnäsiges Töchterchen aus reichem Hause, die gar nicht immer so sympathisch wirkte, muss, wie auch ihre Freunde und ihr Bruder, schneller erwachsen werden, als ihr lieb ist, als der Krieg ausbricht.

Heidi Rehn punktet mit guter Recherche und vielen kleinen, interessanten Details sowohl zum Krieg als solchem als auch über die Zeit zwischen 1913 und 1920, so dass die Atmosphäre förmlich mit Händen zu greifen ist, was mir in einigen Kapiteln über die Schrecken des Krieges ziemlich an die Nieren ging.

Es gab eine Entwicklung, die mich mal kurz die Augen hat verdrehen lassen, weil sie mir erst etwas unrealistisch vorkam, aber letztendlich fügte sich auch diese gut in den Gesamtkontext ein und war für den Plot einfach notwendig. Was mir auch nicht so gut gefallen hat: manche Erläuterungen zum historischen Hintergrund werden den Figuren als wörtliche Rede in den Mund gelegt, was manchmal ein wenig sperrig wirkte.

Ansonsten habe ich zwar nicht alle Hauptfiguren durchgehend gemocht, aber gerade deshalb empfand ich sie als ziemlich authentisch. Dafür sind mir einige Nebenfiguren wie Selmas Bruder Grischa und die resolute Oma Meta sehr ans Herz gewachsen. Ein wenig schade fand ich, nicht mehr über Robert zu erfahren, ich hatte mir noch mehr über seinen Hintergrund erwartet.

Der Lesezeitpunkt für diesen unterhaltsamen und auch, um ein altmodisches Wort zu gebrauchen, lehrreichen Roman war überdies perfekt, da der 1. Weltkrieg durch die zahlreichen Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Kriegsbeginns gerade wieder sehr präsent ist.

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Das Ende der Unschuld

Baden-Baden im Sommer 1913. Wie jedes Jahr fährt die Familie Rosenbaum zur Sommerfrische nach Baden-Baden. Insbesondere die junge Selma genießt diese sommerlichen Aufenthalte in vollen Zügen. Da ihr Verlobter Gero in Berlin aufgehalten wurde, schickt er ihr zur Entschädigung sein Auto. Zum Entsetzen ihrer Mutter Hedda, die es höchst unschicklich findet, dass eine junge Frau selbst Auto fährt. Zum Glück hat Selma hier Unterstützung durch ihren Verlobten und auch ihr Vater findet nichts dabei, genausowenig wie ihre Großmutter Meta, die deutlich moderner eingestellt ist als ihre eigene Tochter. Durch Zufall lernt Selma auf einer ihrer Fahrten die Familie Weißkirchner kennen, bestehend aus dem Vater und seiner Tochter Constanze. Selma nimmt das „Küken“, wie sie die wenige Jahre jüngere Constanze liebevoll-herablassend nennt, unter ihre Fittiche und die beiden jungen Frauen sind nun oft gemeinsam unterwegs. Bei einem Ausflug ins benachbarte Frankreich lernen sie den jungen und feschen Fotografen Robert Beck kennen. Zwischen den drei jungen Menschen entwickelt sich eine Freundschaft mit tiefen Gefühlen.

Doch es ist das Jahr 1913 und die Unschuld hat bald ein Ende, die Welt versinkt im Schlamm und Blut der Schützengräben des Ersten Weltkriegs, der die Freundschaft der drei auf harte Proben stellen wird.

Der Beginn des Ersten Weltkriegs ist dieses Jahr 100 Jahre her. Ein Grund für viele Bücher, die in dieser Zeit spielen. Heidi Rehn schildert anschaulich den Kontrast zwischen den sorgenlosen Vorkriegsjahren und dem danach folgenden Grauen und trifft die unterschiedlichen Stimmungen und Atmosphären der Jahre 1913 bis 1920 meiner Meinung nach hervorragend.

Ihre Figuren entwickeln sich entsprechend und dies immer wieder auf eine Art und Weise, die für mich als Leser unerwartet und überraschend kommt. Auch die Handlung ist nicht vorhersehbar, was mir sehr gut gefallen hat, man fiebert immer wieder mit, man denkt, man weiß, was als nächstes passiert und dann kommt es doch ganz anders. Für einen historischen Roman, der an gewisse Eckdaten gebunden ist, ganz erstaunlich und meiner Meinung nach sehr gut gelungen.

Ich freue mich schon sehr auf das nächste Buch der Autorin, welches zeitlich anschließend in der Weimarer Republik spielen wird und im Sommer 2015 erscheinen soll.

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Eine Familiengeschichte in den Wirren des Ersten Weltkriegs

Die Familie des Zeitungsverlegers und Zentrumsabgeordneten Joseph Rosenbaum fährt alljährlich zur Sommerfrische nach Baden-Baden – so auch im Sommer 1913. Selma, die Tochter der Rosenbaums, genießt die träge Leichtigkeit des eleganten Lebens und wartet ungeduldig auf die Ankunft ihres Verlobten Gero. Als sich Gero entschuldigen läßt, schickt er seinen roten Audi als Entschädigung nach Baden-Baden, denn Selma hat kurz zuvor ihren Führerschein gemacht. Bei einem ihrer Ausflüge lernt sie den französischen Fotografen Robert kennen – und verliebt sich in ihn. Selma liebt aber auch Gero; während am politischen Horizont immer dunklere Wolken aufziehen, genießt sie das Leben in Berlin mit den beiden Männern, bis der Beginn des Ersten Weltkriegs alles auf den Kopf stellt.

Da ich bei diesem Buch eher mit einem geschichtlichen Roman gerechnet hatte, hat mich die Sinnlichkeit der ersten Jahre überrascht – aber im positiven Sinne. Aber es ist keine leichte Liebesgeschichte, auch wenn man auf den ersten Seiten den Eindruck gewinnen könnte, vielmehr durchläuft die Handlung eine dramatische Entwicklung und unterwirft ihre Protagonisten durch den Weltkrieg einem Reifeprozess, den sie 1913 nicht für möglich gehalten hätten.

Die Autorin schafft es, durch detaillierte Beschreibungen die Atmosphäre der damaligen Zeit in den gehobeneren Familien einzufangen: die elegante Leichtigkeit des Seins vor dem Krieg, die Überzeugung, daß der Krieg spätestens bis Weihnachten 1914 gewonnen sein wird, die folgende Ernüchterung und seine Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit der jungen Männer, die an die Front geschickt wurden. Geschickt verwebt Heidi Rehn die geschichtlichen Hintergrundinformationen in die Handlung; neben den Auswirkungen des Krieges auf das gesellschaftliche Leben bekommt man bspw. auch die Bombenangriffe auf die lothringische Stadt Metz hautnah mit.

Die Charaktere sind sehr detailliert gezeichnet und machen eine tolle Entwicklung mit. Die junge Selma genießt das privilegierte Leben in vollen Zügen, ihr Hauptaugenmerk liegt auf den gesellschaftlichen Vergnügungen und den modischen Trends der damaligen Zeit. Mit Gero lebt sie eine moderne Beziehung, Geschlechtsverkehr vor der Ehe ist kein Tabu für die Beiden, und sie lassen sich gegenseitig ihre Freiräume. Sehr zum Entsetzen von Selmas Mutter Hedda, die konservativ eingestellt und darauf bedacht ist, daß der Anstand gewahrt wird.
Selma genießt es, sowohl von Gero als auch Robert begehrt zu werden – was gibt es Besseres, als mit zwei attraktiven Männern zur Tanzgesellschaft zu erscheinen und die neidischen Blicke der anderen Frauen auf sich zu wissen. Ich bin normalerweise kein Freund von erotischer Literatur, aber in diesem Buch fand ich diese Szenen sehr gut beschrieben, bekommen wir doch durch sie einen Einblick in das Innerste der Charaktere, welches für die weitere Entwicklung wichtig ist. Außerdem beschränken sich die erotischen Beschreibungen hauptsächlich auf die Vorkriegsjahre, denn auch Selma macht kriegsbedingt eine Entwicklung durch, die ich ihr anfangs nie zugetraut hätte.
Von der oberflächlichen und vergnügungssüchtigen Selma entwickelt sie sich zu einer verantwortungsbewußten und selbständigen Frau, die gleichermaßen zwischen zwei Männern steht, aber sich ihrer Verantwortung und Loyalität bewußt ist.

Es dauert eine Zeit, bis wir Gero kennenlernen: ich war sehr gespannt auf ihn, da ich ihn aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Deutschnationalen eher als steif und konservativ erwartet habe. Aber er läßt Selma ihre Freiheiten, die er auch für sich selber in Anspruch nimmt. Er hat ein Geheimnis, das Selma bald herausfindet, und immer deutlicher wird seine innere Zerrissenheit und da damit verbundene Einsamkeit. Durch seine Erfahrungen an der Westfront bei Verdun macht er eine tragische Entwicklung mit und wurde für mich zu einem der stärksten Charaktere dieses Buches.

Selma lernt 1913 bei einem ihrer Ausflüge die junge Constanze kennen, zwischen den beiden ungleichen Frauen entwickelt sich eine langjährige Freundschaft. Während Selma das Leben lebt, wird Constanze in naher Zukunft in Berlin ein Ingenieursstudium beginnen, Vergnügungen sind ihr nicht so wichtig. Durch die beruflichen Ambitionen ihrer Freundin fühlt sich Selma ab und an etwas zurückgesetzt, so daß sie Constanze gerne etwas von oben herab als „Küken“ bezeichnet.

Der französische Fotograf Robert Beck schafft es mit seiner charmanten und anziehenden Art, Constanze und Selma für sich einzunehmen; zwischen den Dreien entwickelt sich eine sommerleichte Freundschaft, die aber mit Selma tiefergeht. Sehr zum Verdruss von Constanze, deren Freundschaft zu Selma in den nächsten Jahren immer wieder darunter leiden wird. Aber auch Robert kämpft mit einer Traurigkeit, über die er nicht sprechen möchte. Als der Krieg ausbricht, gehört Robert plötzlich zu den Feinden: hat ihre Freundschaft noch eine Chance?
Leider hat Selmas Bruder Grischa, der ein Auge auf Constanze geworfen hat, neben Robert keine Chance.

Ein weiterer spannender Charakter ist Selmas Großmutter Meta, eine überzeugte Feministin, die es gerne sehen würde, wenn ihre Enkeltochter ihr schriftstellerisches Talent nutzen würde – Selma hat daran jedoch kein Interesse. Metas konservative Tochter Hedda hat es oftmals nicht leicht mit der modernen Mutter und Tochter.

Mich konnte die Entwicklung des Buches überzeugen, auch wenn manchmal für meinen Geschmack zu viele Zufälle beteiligt waren - das Ende rundet das Buch perfekt ab.

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Mit dem Ende des Alten ist immer mehr Platz für Neues…

Dies ist mein zweites Buch der Autorin und mit diesem Roman führt sie uns in das beginnende 20. Jahrhundert zum Ausbruch des ersten Weltkrieges.

Als Leser lernen wir die ungestüme Selma Rosenbaum kennen, die zu den modernen Frauen der damaligen Zeit gehört, denn gerade hat sie das Autofahren gelernt und erkundet mit dem knallroten Auto ihres Verlobten Gero die Gegend um den Sommerfrischeort Baden- Baden. Doch die Idylle ist nur von kurzer Dauer, denn wir schreiben den Sommer 1913 und der erste Weltkrieg ist nicht mehr fern und wird die Welt komplett verändern. Und dann lernt sie auch noch den sympathischen Franzosen Robert kennen, der ihre Gefühlswelt komplett durcheinander wirbelt…

Frau Rehn schafft es nicht nur die Hauptprotagonistin Selma zum Glänzen zu bringen, denn auch die Nebencharaktere wie Großmutter Meta, Selmas Freundin Constanze oder die Herren der Schöpfung sind sehr realistisch dargestellt, man fühlt und leidet mit den Charakteren.

Der historische Roman erzählt in erster Linie nicht vom Krieg, sondern zeigt vielmehr den Umbruch der damaligen Zeit auf. Was änderte sich in der Gesellschaft? Inwiefern betrifft das unsere Protagonisten? Zudem wirft die Autorin ein Auge auf die Sexualität der Protagonisten, was mich ein wenig überrascht hat, aber nicht unangenehm zu lesen war. Die Schilderungen werden nur immer mal wieder am Rande erwähnt, dominieren aber keinesfalls die Handlung.

Mir hat vor allem gefallen, dass die Schrecken des Krieges realistisch und nachvollziehbar erzählt worden sind. Nie hatte ich das Gefühl, dass etwas geschönt oder bagatellisiert worden ist. Als Leser ist man nicht direkt an der Front dabei, sondern erfährt über die Männer in der Geschichte was ihnen passiert ist.

Mich hat dieser Roman überaus gut unterhalten und in eine Zeit katapultiert, über die jeder Deutsche durchaus Näheres wissen sollte, erst Recht wo der Beginn des ersten großen Krieges bereits hundert Jahre zurückliegt.

Fazit: Ein gelungener Roman mit allem was man als Leser so braucht: Spannung, Liebe, Trauer, … Lesenswert und daher empfehle ich ihn gerne weiter.

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Der letzte „Sommer der Freiheit“ vor dem 1. Weltkrieg

Die 21jährige Selma Rosenbaum verbringt, wie jedes Jahr, gemeinsam mit ihrer Familie die Sommerfrische in Baden-Baden. Ihr Vater ist Zeitungsverleger und Abgeordneter in Berlin und Selma hat es in ihrem bisherigen Leben an nichts gemangelt.

Im Sommer 1913 erwartet sie ihren Verlobten, den Rechtsanwalt Gero von Sudloff, in Baden-Baden. Leider ist er geschäftlich verhindert und als Entschuldigung sendet er Selma seinen Wagen. Einen roten Audi Typ C mit offenem Verdeck. Hinter dem Rücken ihrer Eltern, jedoch mit Wissen ihrer Großmutter und ihres Bruders hat Selma den Führerschein gemacht und nun vertreibt sie sich die Zeit, die sie ohne ihren Verlobten verbringen muss, mit kurzweiligen Fahrten.

Als sie auf einer dieser Erkundungsfahrten gemeinsam mit ihrem Bruder Grischa mit dem Auto liegen bleiben lernen sie Constanze Weißkirchner kennen – statt für Mode, Partys oder andere Vergnügungen interessiert sich Constanze für Motoren. Sie ist in der Maschinenfabrik ihres Vaters beschäftigt und möchte Ingenieur werden.

Selma und Constanze verstehen sich auf Anhieb sehr gut. Auf einem ihrer Ausflüge ins Elsass lernen sie den französischen Fotografen Robert Beck kennen. Immer wieder treffen sich die beiden Frauen mit Robert und verbringen den Tag gemeinsam. Sie sind jung, ausgelassen und wissen nicht, daß es in diesem Jahr vorerst ihr letzter „Sommer der Freiheit“ sein wird. Im darauf folgenden Jahr 1914 bricht der 1. Weltkrieg aus.

Nach der Sommerfrische kehrt Selma mit Gero nach Berlin zurück. Es scheint sie hätte ihr Glück gefunden – bis sie auf einer Abendveranstaltung Robert wieder trifft.

Mein Fazit:

Ich tue mich sehr schwer bei diesem Roman mit einer Rezension, leider weiß ich nicht so genau warum. Es gäbe so viel zu schreiben, doch das wäre allesamt gespoilert.

Es ist das 1. Buch das ich von der Autorin Heidi Rehn gelesen habe und es hat mir sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist angenehm und das Buch liest sich flüssig.

Die Protagonisten sind allesamt sehr schön ausgearbeitet.

Selma, die vom Leben bisher nur verwöhnt wurde. Sie muss sich über nichts Gedanken machen, die gebratenen Tauben fliegen ihr direkt ins (sorry) Maul. Für ihr Alter und in der Zeit in der der Roman spielt ist sie meiner Meinung nach sehr forsch. Sehr selbstbewusst und fast schon revolutionär kommt sie eher nach ihrer Großmutter Meta nach als ihrer Mutter Hedda.

Constanze ist das totale Gegenteil von Selma. Sie interessiert sich für Motoren, arbeitet in der Maschinenfabrik ihres Vaters und wird diese später auch einmal erben. Mode, Tanzveranstaltungen und all die Dinge die Selma so faszinieren sind Constanze eher fremd. Aufgrund ihres Lebensalters und der fehlenden Erfahrung in Dingen des Amüsement wird sie von Selma manchmal liebevoll, manchmal aber auch herablassend „Küken“ genannt. Für mich ist Constanze jedoch die, die fester mit beiden Beinen auf dem Boden steht.

Robert, der französische Fotograf, behandelt Selma und Constanze fast mit der gleichen Liebenswürdigkeit. Tief in seinem Inneren hat er sein Herz jedoch nur an eine der beiden Damen verloren. Auch wenn er mit Ausbruch des 1. Weltkrieges auf einmal zur feindlichen Seite gehört, bleibt die Freundschaft und der Kontakt zwischen Selma, Constanze und Robert bestehen.

Gero, der Verlobte von Selma, ist mir anfangs sehr unsympathisch. Weil er selbst nicht nach Baden-Baden kommen kann, schickt er schwülstige Liebesbriefe, sehr anzüglich und für die damalige Zeit eigentlich viel zu freizügig im Gebrauch eindeutiger Worte. Sein Charakter entfaltet sich erst so richtig während des Krieges. Er hat seinen Weg gefunden.

Hedda, Selmas Mutter, ist erzkonservativ und hat während des Krieges auch nicht wirklich verstanden, daß alle Menschen Entbehrungen hinnehmen müssen. Statt dessen nörgelt sie über dieses und jenes und wenn ihr etwas nicht passt versteckt sie sich hinter ihrer Migräne.

Bruder Grischa (Christian) ist auch am Anfang eher unscheinbar und blass, entwickelt sich dann aber auch zu einem sehr liebenswerten Charakter der seine Erfüllung im Fliegen gefunden hat – und dann den Krieg in der Luft erlebt.

Großmutter Meta ist eine sehr starke Persönlichkeit, von ihr hat Selma sehr viel mitbekommen. Wenn ihre Tochter Hedda das kleine Geheimnis ihrer Mutter kennen würde, würde sie tagelang in Migräne verfallen.

Das waren die für mich wichtigsten Charaktere im Buch. Natürlich gibt es noch andere, auffällige und weniger auffällige Mitmenschen.

Der 1. Weltkrieg ist nicht vordergründige Handlung aber es wird sehr gut beschrieben was Krieg aus einem Menschen machen kann und wie er von den unterschiedlichen Beteiligten gesehen wird. Gero, im Schützengraben an der Front, und Grischa von seinem Flugzeug aus erleben beide das Gemetzel auf unterschiedliche Art und Weise aber für beide Männer ist es ein prägendes Erlebnis auf das sie ganz sicher gerne verzichtet hätten.

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Sommerfrische in Baden-Baden

Sommer 1913. Wie jedes Jahr war Selma mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Baden-Baden in die Sommerfrische gefahren. Nun erkundete sie das Bellevue, in dem sie immer abstiegen, auf Veränderungen.
Eigentlich wollte ihr Verlobter Gero auch kommen, doch irgendetwas hielt ihn zurück und er schickte ihr dafür sein Auto. Auf diese Art erfuhr ihre Mutter, dass Selma seit Kurzem einen Führerschein besaß. Und ihr Bruder Grischa teilte ihnen mit, dass er, freiwillig, zum Militär wollte, und zwar zur Luftwaffe…
Die kurze Zeit, die sie noch zusammen hatten, nutzten sie zu Ausflügen und trafen auf Constanze und ihren Vater, die in Metz eine Maschinenfabrik besaßen und auch in Baden-Baden abgestiegen waren. Später machte Selma die Ausflüge mit Constanze allein und die beiden lernten den Franzosen Robert aus Belfort kennen, in den sich Selma und auch ein bisschen Constanze verliebten. Selma lud Robert für Aufträge nach Berlin ein und Constanze würde in Berlin studieren. So geschah es, dass Selma viel Zeit mit Robert verbrachte, eigentlich zu viel Zeit, denn aus dem Verliebtsein wurde immer mehr…
Einmal ging Selma zu ihrem Verlobten Gero – sie hatte einen Schlüssel zu seiner Wohnung – da hatte er Besuch im Schlafzimmer, was sie zunächst sehr schockierte…
Und eines Tages stellte sie fest, dass sie schwanger war. Und sie wusste nicht mit Sicherheit, wer der Vater war…
Und dann war da noch der Krieg. Ein Krieg, der nicht enden wollte. Ein Krieg in den Gero zog und auch Grischa….
Warum wollte Grischa unbedingt zur Luftwaffe? Und liebte Selma ihren Verlobten so wenig, dass Robert ihr gleich den Kopf verdrehen konnte? Was bzw. wen hatte Selma mit Gero im Schlafzimmer gesehen? Wer war der Vater des Kindes, das Selma erwartete? Es hätten beide sein können. Würden Gero und Grischa aus dem Krieg heil zurückkommen? All diese Fragen beantwortet dieses Buch.
Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen. Es war nicht superspannend, aber es kam immer wieder Spannung auf. Doch zog sie die Person Roberts wie ein roter Faden durch das ganze Buch. In die Geschichte habe ich schnell und gut hineingefunden. Auch konnte ich mit den Protagonisten mitfühlen und mich in sie hineinversetzen. Der Schreibstil der Autorin ist unkompliziert, man muss sich nicht dauernd fragen, was sie gerade meint. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen.

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