Susanne Goga: Der verbotene Fluss

Susanne Goga: Der verbotene Fluss

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Susanne Goga: Der verbotene Fluss
Verlag
ET (D)
2014
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783453356504

Informationen zum Buch

Seiten
464

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Der Mond schien fahl in jener Nacht.

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Handlungsort

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Charlotte wagt einen großen Schritt, als sie 1890 Berlin verlässt und eine Stelle als Gouvernante in einem herrschaftlichen Haus bei London antritt. Dort ist sie für die junge Emily verantwortlich, die seit dem tragischen Verlust ihrer Mutter von schlimmen Albträumen verfolgt wird und den nahe gelegenen Fluss fürchtet. Besorgt um das Wohl des Mädchens versucht Charlotte, mehr über den Tod von Lady Ellen herauszufinden, doch niemand im Haus ist bereit, das Schweigen zu brechen. Erst mithilfe des Journalisten Tom kommt Charlotte einer dunklen Wahrheit auf die Spur …

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Ein Hauch von Mystery

Charlotte Pauly tut etwas nahezu Unerhörtes für eine junge Frau Ende des 19. Jahrhunderts: sie geht mutterseelenalleine nach England und tritt eine Stellung als Hauslehrerin bzw. Gouvernante der achtjährigen Emily Clayworth an.

Ihr neuer Schützling ist ein liebenswertes, aufgewecktes Mädchen, das aber noch sehr unter dem Tod der Mutter einige Monate zuvor leidet. Emilys Vater Sir Andrew hat strengstens untersagt, dass im Haus über die Tote gesprochen wird, was Charlotte die Arbeit nicht gerade erleichtert, denn sie ist überzeugt, dass sie Emily, die schnell Zutrauen zu ihrer neuen Gouvernante gefasst hat, am allerbesten helfen kann, wenn sie weiß, was damals geschehen ist.

Mit viel Fingerspitzengefühl bekommt sie schließlich heraus, dass Ellen Clayworth im Fluss Mole ertrunken ist, dem Fluss, den Emily fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Ob es ein Unfall oder Suizid war, wagt niemand zu sagen. Auf alle Fälle hat Emily immer wieder Alpträume, die sich mit der Zeit noch verschlimmern, so dass ihr Vater zu einer ungewöhnlichen Maßnahme greift, um herauszufinden, was mit der Kleinen los ist. Währenddessen hat Charlotte ihre eigenen Vermutungen, doch die traut sie sich kaum zu äußern.

Mit diesem Roman um ein totgeschwiegenes Familiengeheimnis legt Susanne Goga einen richtigen Schmöker zum Abtauchen vor. Leicht und fesselnd fließt die Erzählung dahin, mit schönen Beschreibungen von Orten und Charakteren und einer grundsympathischen Hauptfigur, die durch resolute Tatkraft, gesunden Menschenverstand und ein Herz am rechten Fleck überzeugt, ohne sich dabei anachronistisch zu benehmen.

Was es tatsächlich mit Ellens Tod, Sir Andrews Schweigen und Emilys traumatisiertem Verhalten auf sich hat, ahnen erfahrene Leser womöglich schon sehr zeitig (ich hatte nach knapp der Hälfte drei Vermutungen bezüglich des Ausgangs, die sich allesamt bestätigt haben). Weiterlesen macht aber trotzdem Spaß, weil Susanne Goga ein so lebendiges Bild der damaligen Zeit zeichnet, von strengen Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Skandalen, von spiritistischen Sitzungen und vom Alltag einer Gouvernante, von gaslampenbeleuchteten Londoner Straßen und dem beschaulichen ländlichen Surrey. Der Weg zur Auflösung ist das eigentlich Spannende, weniger des Rätsels Lösung selbst. Und der Schluss lässt Raum für Spekulationen (oder für den Wunsch, noch mehr über Charlotte Pauly zu lesen).

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Ein spannender Schauerroman mit liebevollen Figuren

Inhalt
Charlotte verlässt im Jahr 1890 ihre Heimatstadt Berlin, um in der Nähe von London eine Stelle als Gouvernante anzunehmen. Auf dem herrschaftlichen Anwesen möchte sie ein neues Leben beginnen, nachdem ihre letzte Anstellung schmerzhaft endete. Auf Chalk Hill erwarten sie nun die achtjährige Emily und ihr Vater, Emilys Mutter ist vor einiger Zeit durch einen tragischen Unfall verstorben. Charlotte schließt Emily sofort in ihr Herz und auch Emily zeigt schnell eine zarte Zuneigung zu ihrer neuen Lehrerin. Um so besorgter ist Charlotte um das Wohlergehen des Mädchens, das nachts wiederholt von Alpträumen geplagt wird, in denen ihr ihre Mutter erscheint. Charlotte möchte dem Mädchen helfen, das mehr und mehr unter den geisterhaften Besuchen leidet, und versucht deshalb mehr über den Tod der Mutter herauszufinden. Aber sie stößt auf eine Mauer des Schweigens und sogar Feindseligkeit.

Der Journalist Tom, der sich nach dem Tod seiner Frau der Society of Psychical Research anschließt und für diese übersinnliche Phänomene und Geisteranrufungen beobachtet und untersucht, wird für Charlotte dabei zu einer großen Hilfe. Gemeinsam versuchen sie, das Geheimnis um den Tod von Emilys Mutter zu lösen und Emilys immer bedrohlichere Geistererscheinungen zu vertreiben.

Meine Meinung
Der Roman strahlt von Anfang an eine besondere, etwas schaurige Stimmung aus. Schon auf der Fahrt zu dem herrschaftlichen Anwesen beobachtet Charlotte eine Séance und man ahnt, dass Geisterbeschwörungen für die Menschen gerade ein Thema sind. Auf Chalk Hill angekommen, spürt man als Leser schnell, dass auf dem Haus ein Geheimnis liegt. Schweigen und eine düstere Traurigkeit liegen zwischen den Wänden, Bedrohung strahlt der angrenzende Wald aus und der Fluss wirkt gefährlich. Die Feindseligkeit und Lieblosigkeit, die der Hausherr oft zeigt, verstärken das Gefühl von Kälte. Und die Sprachlosigkeit im Haus, wenn es um Emilys Mutter geht, lassen Schlimmes ahnen. Emilys Alpträume werden immer seltsamer und bedrohlicher und mehr und mehr fühlt man sich beim Lesen in eine Schauergeschichte versetzt.

Aber nicht nur die etwas schaurige Atmosphäre sorgte für Spannung, sondern auch die geheimnisvollen Spuren, die Charlotte nach und nach findet. Man konnte als Leser sehr gut miträtseln über den Tod von Charlottes Mutter, über die Alpträume von Emily und über das, was damals geschah und so sehr verschwiegen werden soll. Nach und nach bringt Charlotte etwas Licht in die Geschehnisse, aber gerade dies scheint die Situation zu verschärfen, was die Spannung immer mehr ansteigen ließ.

Neben der Spannung und der besonderen Stimmung sind es auch die Figuren, die mir besonders gut gefallen haben. Charlotte strahlte von Anfang an eine besondere Wärme und Herzlichkeit aus. Und Emily wirkte in ihrer Verletzlichkeit und ihrer vorsichtigen Zuneigung so liebebedürftig und gleichzeitig auch so freundlich und aufgeweckt. Das Verhältnis zwischen den beiden war mit vielen kleinen Gesten und Worten einfach herzerwärmend beschrieben. Auch Tom war eine Figur, die man leicht liebgewinnen konnte in seiner verletzten, aber auch aufgeschlossenen und ehrlichen Art. Ebenso waren die Nebenfiguren liebevoll gezeichnet und auch die eher unsympathischen Charaktere wirkten in ihrer Zerrissenheit nachvollziehbar. Insgesamt waren die Figuren sehr lebendig und emotional beschrieben.

Die Autorin versteht es nach meinem Empfinden wirklich sehr gut, durch ihre Beschreibungen eine leicht gruselige, aber gleichzeitig auch durch ihre Figuren eine herzliche und warme Stimmung zu erzeugen, die einen beim Lesen mit den Personen besonders gut mitfiebern lässt und das Buch zu einem Wohlfühlbuch macht.

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Eine geheimnisvolle Suche nach der Wahrheit

England 1890: Die junge Charlotte Pauly zieht von Berlin in die englische Grafschaft Surrey, um dort die Anstellung als Gouvernante und Hauslehrerin für die 8-jährige Emily Clayworth anzutreten. Die Mutter des Mädchen, Lady Ellen, ist vor einem halben Jahr gestorben. Kaum auf Chalk Hill angekommen, bemerkt Charlotte, daß weder der Ehemann noch die Dienstboten über Lady Ellen oder ihren Tod sprechen. Zudem leidet Emily nachts unter Alpträumen, die mit ihrer Mutter zusammenzuhängen scheinen. Um ihrem Schützling helfen zu können, führt Charlotte auf eigene Faust Nachforschungen an.

Bisher habe ich von der Autorin nur die Berlin-Krimis um Leo Wechsler gelesen, daher war ich sehr gespannt auf diesen historischen Roman – und ich wurde nicht enttäuscht, das Buch hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen.

Der Spannungsbogen zeigt permanent nach oben, um in einem tollen Ende zum Abschluß zu kommen. Die Autorin baut geschickt mysteriöse Ereignisse ein, von denen der Leser lange nicht weiß, ob sie tatsächlich einen übernatürlichen Ursprung haben oder ob es nicht doch eine rationale Erklärung für sie gibt. Das Ende hielt für mich ein paar überraschende Wendungen bereit und hat mich noch Tage nach der Lektüre gedanklich beschäftigt.

Die Darstellung der Charaktere ist ebenfalls sehr gut gelungen: Charlotte Pauly als deutsche Gouvernante habe ich von Anfang an gemocht, da sie resolut und mutig ist, alleine ein neues Leben in einem fremden Land zu beginnen. Es wird schnell klar, daß es ein Geheimnis gibt, weswegen sie ihrer Heimat den Rücken gekehrt hat. Ihre Schülerin Emily wächst ihr bald ans Herz, Charlotte macht sich wegen Emilys Alpträume Sorgen; aus diesem Grund und aufgrund der ihr eigenen Neugierde möchte sie mehr über Lady Ellen und deren Tod herausfinden, auch wenn sie weiß, daß das großen Ärger mit ihrem Arbeitgeber bedeuten kann.

Thomas Ashdown, Journalist und bekannter Theaterkritiker, hat mit einem persönlichen Schicksalschlag zu kämpfen und kommt dadurch mit Mitgliedern der Society of Psychical Research in Kontakt, die sich der wissenschaftlichen Erforschung übernatürlicher Phänomene verschrieben hat. Durch seine Unterstützung der Gesellschaft erfährt er von Emilys Alpträumen und Visionen. Die Art, wie die Autorin die Geschichte von Tom Ashdown in die Handlung einfliessen läßt, hat mir sehr gut gefallen. Mr. Ashdown war mir mit seiner direkten und charmanten Art ebenfalls sympathisch.

Die 8-jährige Emily ist für ihr Alter ein beinahe zu ruhiges Kind, welches gerne und leicht lernt und es damit Charlotte leicht macht, den Zugang zu ihr zu finden. Sie leidet darunter, nicht über ihre verstorbene Mutter sprechen zu dürfen, ist aber davon überzeugt, daß sie sie regelmäßig nachts besucht. Sind das wirklich Geister, die das Mädchen sieht, oder sind es wirklichkeitsnahe Alpträume?

Sir Andrew Clayworth, der Vater von Emily, ist eine Figur, die sich am wenigsten in die Karten sehen läßt. Warum verbietet er seiner Umgebung, über die verstorbene Lady Ellen zu sprechen? Liegt der Grund wirklich in der überwältigenden Trauer – und warum hat er für seine Tochter kaum Zeit, wo sie ihn so dringend brauchen würde?

Das Buch ist keine Geistergeschichte und doch gibt es vielleicht Dinge in dem Buch, die sich nicht mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand erklären lassen, getreu nach dem Zitat aus Hamlet, welches sich auch im Buch wiederfindet: „Es gibt mehr Dinge im Himmel und in der Erde, Horatio, als unsere Philosophie sich träumt.“

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Der verbotene Fluss

Susanne Goga schafft es wieder einmal eine ganz besondere Atmosphäre aufleben zu lassen. Als Leser konnte ich in die Zeit des Ausklingenden 19. Jahrhunderts reisen und in die Welt des englischen Adels eintauchen. Mit Charlotte Pauly lernen wir eine junge deutsche Frau kennen, die für damalige Zeiten sehr selbständig war und alleine im Ausland ihrem Beruf nachgeht. Als Gouvernante der kleinen Emily stößt sie bald auf Rätsel die sie gerne lösen möchte, um ihre Schülerin von Alpträumen zu befreien. Es gibt aber außer Charlotte Pauly noch eine weitere Hauptfigur, Thomas Ashdown. Er ist Theaterkritiker, der sich einer Gesellschaft anschließt um unnatürliche Phänomene zu untersuchen. Zusammen schaffen die zwei es schließlich das Rätsel zu lüften.
Das Buch ist spannend geschrieben und leicht und flüssig erzählt. Es fiel mir schwer es nicht in einem Rutsch auszulesen. Die Personen sind überzeugend und die Geschichte absolut nachvollziehbar.

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Der verbotene Fluss

Inhalt:
Um eine unglückliche Liebe in Berlin zu vergessen, möchte Charlotte in England ein neues Leben beginnen. Sie fängt als Gouvernante der 8-jährigen Emily an, die vor kurzem ihre Mutter verloren hat.
Emily wird von schlimmen Täumen geplagt und behauptet, ihre Mutter würde ihr erscheinen.
Hilflos wie er sich verhalten soll, wendet sich Emily`s Vater an die SPR, eine Organisation, die Paranormales untersucht. Die Vereinigung schickt Tom Ashdown und mit Hilfe von Charlotte versuchen die beiden, die Emily schnell in Herz geschlossen haben zu helfen.

Meine Meinung:
Hier ist der Autorin ein spannender Roman gelungen, der mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Susanne Goga versteht es perfekt, den Leser bis zur letzten Zeile unter Spannung zu halten.
Charlotte ist eine sehr sympathische und mutige Hauptfigur, die sich trotz der Anfeindungen des Personals nicht unterkriegen läßt und unbeirrbar ihren Weg geht um der kleinen Emily zu helfen.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er ist flüssig und leicht zu lesen und fesselt den Leser ans Buch. Zudem konnte ich die unheilvolle und düstere Atmosphäre die teilweise geherrscht hat förmlich durchs Buch spüren. Andererseits hatte ich aber auch viele Wohlfühlmomente in der Geschichte.

Dies war mein erster Roman der Autorin, da ich aber absolut begeistert war, möchte ich schnellstens noch andere Werke von Susanne Goga lesen.
Von mir gibt es 5/5 Sternen und eine unbedingte Leseempfehlung.

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Tragisch!

Tragisch ist für mich das Wort, dass diese Geschichte am besten beschreiben kann. Tragisch ist die Vergangenheit von Charlotte, die ihr ein Weiterleben in ihrer Heimatstadt Berlin unmöglich macht. Tragisch ist die Geschichte von Tom, dessen humorvoller und intelligenter Geist vom Tod seiner Frau überschattet wird und tragisch sind die Vorkommnisse in Chalk Hill.

All das verbindet Susanne Goga zu einem historischen Roman, der sich bei all der Tragik wunderbar lesen lässt. Ich mag Geschichten, die im alten England spielen und Susanne Goga hat die etwas neblige Atmosphäre perfekt eingefangen. Alte dunkle Häuser, das stürmische Wetter, etwas verknöcherte Hausdamen, der arrogante Snobismus der Oberschicht. All das erwartet Charlotte in ihrer neuen Heimat. Und Tom, den ich vor ihr kennen lernen darf. Ausgestattet mit einem köstlichen Humor verfasst er Theaterrezensionen und ich musste mehr als einmal über seine Kreationen schmunzeln.

Zunächst konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie die Beiden aufeinander treffen, aber dann nahm die Geschichte eine Wendung, mit der ich nicht gerechnet hatte und die mich sehr überrascht hat. Alles ist sehr geheimnisvoll, aber Charlotte ist so hartnäckig und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, je näher ich mit Tom und Charlotte der dunklen Wahrheit über Lady Ellen kam. Damit hat Susanne Goga mich überrascht und macht so ihren Roman zu einem Buch, das ich nicht so schnell vergessen werde. Ich hatte die übliche Geschichte um ein Familiengeheimnis erwartet und habe so viel mehr bekommen. Denn das Thema ist sehr aktuell und hat mich sehr nachdenklich gemacht.

Geheimnisvoll, tragisch und fesselnd bis zum Schluss!

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Das Geheimnis der Lady Ellen

Als Charlotte Pauly sich im Jahre 1890 auf den Weg von Deutschland nach England macht, um dort Gouvernante in einem angesehenen Haus zu werden, verändert sich ihr Leben. Wie sehr ahnt sie jedoch noch nicht.

Mit viel Einfühlungsvermögen nähert sie sich ihrem neuen Schützling Emily. Die Achtjährige hat ihre Mutter verloren. Doch statt die Erinnerung an die Frau, die ihrer Tochter eine zärtliche Mutter gewesen war und die Emily aufopferungsvoll pflegte, wenn diese krank wurde, darf im Haus nicht über sie geredet werden. Ja, sogar jeder Gedanke an Lady Ellen scheint verboten zu sein. Emilys Vater - Sir Andrew - steht als Abgeordneter in der Öffentlichkeit, reagiert oft sehr streng und scheint zunächst wenig Verständnis für die seelischen Bedürfnisse seiner Tochter zu haben. Denn zwar ist Emily ein aufgeschlossenes, lernwilliges Mädchen. Doch des Nachts wird sie von Albträumen gequält, in denen sie ihre Mutter sieht. Da sie über den Verlust nicht sprechen kann, ist sie verunsichert, fasst aber sehr schnell Vertrauen zu ihrer neuen Gouvernante. Charlotte möchte dieses Vertrauen nicht enttäuschen und Emily eine Verarbeitung des Todes ihrer Mutter ermöglichen. Deshalb zieht sie Erkundigungen über Lady Ellen ein. Nach und nach setzt sie ein Puzzlestück nach dem anderen zusammen.

Charlotte ist sehr jung, und nicht jedem jungen Menschen traut man zu, sich Kindern so zuzuwenden zu können, wie es ihr gegenüber Emily gelingt. Sie findet damit nicht nur bei dem Mädchen einen Platz im Herzen, sondern auch beim Leser. Wohltuend dabei ist, dass die Autorin mit Charlotte zwar eine sympathische, sich dem Leben des ausgehenden 19. Jahrhunderts stellende Frau geschaffen hat, die ihren Werdegang realistisch einzuschätzen vermag, mutig Fragen stellt und sich von ablehnendem Verhalten und Äußerungen nicht abschrecken lässt. Gleichwohl tritt sie nicht zu forsch auf und ist sich insbesondere ihrer Stellung im herrschaftlichen Haus und damit in der Gesellschaft bewusst. Und obwohl sie in der Hierarchie beispielsweise dem Kindermädchen Nora gegenüber eine höhere Stufe einnimmt, legt sie eine bescheidene Zurückhaltung an den Tag und vermag so, auf deren Befindlichkeiten - Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes - angemessen zu reagieren. Obwohl Nora und auch die übrigen Bediensteten im Haus keinerlei Hilfestellung bei der Lösung der Probleme geben.

Unterstützung dagegen erhält sie jedoch durch Thomas Ashdown. Ein zweiter Handlungsstrang, der zeitlich etwas früher, nämlich 1888 einsetzt, führt den geradlinigen und mitfühlenden Mann in das Geschehen ein. Tom hat wie Sir Andrew ebenfalls seine Frau verloren, der er in Liebe zugetan war und die er schmerzlich vermisst. Er arbeitet als Theaterkritiker äußerst erfolgreich und weiß geschickt mit Worten umzugehen. Durch eine intensive Beobachtungsgabe fallen ihm Dinge auf, die anderen verborgen bleiben. Aus diesem Grund hat ihn die Society of Psychical Research, die es im Übrigen tatsächlich heute noch gibt, gebeten, sich bestimmter übernatürlicher Phänomene anzunehmen und diese aus der Sicht eines klar denkenden Menschen zu beurteilen. Und als endlich auch Emilys Vater, nachdem die Ereignisse sich zuspitzen und geistige Gesundheit des Mädchens in Gefahr zu sein scheint, mit der Bitte um Beistand der Gesellschaft offenbart, dass ihm doch etwas am Wohl seiner Tochter liegt, entsendet diese Tom als ihren Vertreter.

Tom und Charlotte verstehen sich von Anfang an. Beide sind aufrichtig darauf bedacht, die Ursache für Emilys Verhalten herauszufinden. Während sich die Lage zuspitzt, entwickeln sie zarte Gefühle füreinander. Dies geschieht dezent, ist angenehm zurückhaltend und wird nicht in den Vordergrund gerückt.

So liegt der Blick weiterhin auf dem Hauptthema das Romans, das Geheimnis um Lady Ellen zu ergründen. Die Handlung kommt in einem ansprechende flüssigen und unterhaltenden Stil daher. Man fühlt sich in das England des 19. Jahrhunderts versetzt. Es gibt überraschende Momente, die auch ein wenig Spannung zu erzeugen vermögen. Die Hauptfiguren sind sorgsam ausgearbeitet worden. Lediglich Sir Andrew hätte - vor allem hinsichtlich seiner wahren Gefühle - ein wenig mehr Tiefe vertragen. Doch ein Hindernis für ein kurzweiliges Lesevergnügen ist dies nicht.

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