Ulrike Renk: Die Australierin

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Ulrike Renk: Die Australierin
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783746630021

Informationen zum Buch

Seiten
544

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Der Tag, an dem Julius zur Welt kam, hatte sich für immer in Emilias Gedächtnis eingebrannt.

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Handlungsort

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Von Hamburg nach Sydney Als Tochter eines Werftbesitzers wächst Emilia in Hamburg auf. Sie soll eine gute Partie heiraten, aber nicht den Mann, in den sie sich verliebt hat. Carl Gotthold Lessing ist der Großneffe des berühmten Dichters. Er hat ein Kapitänspatent erworben und sich Geld geliehen, um ein Schiff zu bauen. Er will Emilia heiraten, doch ihre Familie ist strikt gegen diese Verbindung. Die beiden beginnen, nachdem Lessing von seiner ersten großen Fahrt zurückgekehrt ist, eine Affäre. Als ein Hausmädchen sie verrät, kommt es zum Bruch. Emilia beschließt, mit ihm zu reisen. In Südamerika kommt ihr erstes Kind zur Welt, in Hamburg das zweite. Doch sie haben ein anderes Ziel: Australien. Die spannende Geschichte einer Auswanderung, die auf wahren Begebenheiten beruht.

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Hochinteressantes Frauenschicksal, nach realem Vorbild geschrieben

Emilia Bregartner wächst in Othmarschen, in der Nähe von Hamburg, als Tochter einer wohlhabenden Reederfamilie auf. Ihre Kindheit im ländlichen Othmarschen ist glücklich und geprägt von einem liebevollen familiären Umfeld. Dies ändert sich, als ihre Eltern nach England gehen, um die Geschäfte dort auszubauen und Emilia in die Obhut ihrer Tante und ihres Onkels übergeben. Diese leben in Hamburg und Emilia muss sich an ein Leben mit deutlich mehr Zwängen und weniger Freiheiten gewöhnen. Zudem fehlt ihr ihre Familie sehr. Als sie den jungen Kapitän Carl Gotthold Lessing kennenlernt, freundet sie sich schnell mit ihm an und es entwickelt sich zuerst eine intensive Brieffreundschaft. Ihre Familie hält wenig von dieser Freundschaft, ist Lessing doch keine standesgemäße Partie in ihren Augen. Doch die beiden lassen sich davon nicht abhalten. Nach ihrer Heirat geht Emilia mit ihrem Mann auf große Fahrt und lernt so deutlich mehr von der Welt kennen als damals für Frauen üblich. Nachdem sie mehreren Kindern das Leben geschenkt hat, müssen sie sich irgendwann ein neues Zuhause suchen und wählen Sidney in Australien.

Für mich war es das erste Buch der Autorin Ulrike Renk, aber sicher nicht das letzte. Ihre unaufgeregte Art, das interessante Leben der Emilia Lessing zu erzählen, hat mir sehr gefallen. Sie gibt der Geschichte am Anfang viel Raum und dementsprechende Tiefe, sowohl was die Charaktere als auch was die Handlung angeht. Besonders gerne habe ich die Szenen in Othmarschen gelesen, dort schien für mich immer das perfekte, liebevolle Zuhause zu sein. Aber ebenfalls als sehr spannend empfunden habe ich Emilias späteres Leben auf See, die vielen kleinen Details vom Leben an Bord eines Hochseeseglers, über die ich mir bisher noch nie Gedanken gemacht hatte. Auch gut dargestellt wird die aufkommende Industrialisierung, die den Niedergang der Segelschiffe und das Aufkommen der großen Dampfschiffe bedeutete.
Nach ihrer Ankunft in Australien erfolgt ein relativ großer Zeitsprung und dann widmet sich die Autorin noch etwas detaillierter dem Leben einer von Emilias Töchtern.
Hier wird für mich besonders schön deutlich, wie anders Familienleben früher war, als man noch eine ganze Schar Kinder hatte und der Zusammenhalt gefühlt einfach viel stärker war.

Ehrlich gesagt, finde ich aber den Titel vom Verlag sehr unglücklich gewählt. Emilia Lessing war für mich nicht „Die Australierin“. Der australische Kontinent spielt natürlich eine Rolle in ihrem Leben, lässt sich das Ehepaar doch schließlich in Sidney nieder und zieht dort seine Kinder auf. Der Lebensweg dieser hochinteressanten Frau hat sie aber vorher an so viele andere Orte geführt, die sie entscheidend geprägt und beeinflusst haben, dass der Buchtitel für mich einfach nicht passend ist. Hier hat man anscheinend versucht, auf eine gewisse Welle der Auswanderer- und „love&landscape“-Romane aufzuspringen, was aber nicht der Handlung dieses Buches entspricht und dementsprechend wahrscheinlich bei einigen Lesern zu Enttäuschung führen wird.

Emilia Lessing hat wirklich gelebt und im Nachwort erklärt die Autorin, wie es dazu kam, dass sie ihre Geschichte aufgeschrieben und zu einem Roman gemacht hat. Viele Details beruhen also auf historischen Fakten, die Lücken dazwischen hat Ulrike Renk meiner Meinung nach absolut lesenswert mit eigenen Gedanken und Ideen gefüllt.

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Ein bemerkenswertes Leben

Emilia ist die Tochter des Hamburger Werftbesitzers Bregartner und wächst sehr behütet vor den Toren der Hansestadt in Othmarschen auf. Nachdem ihre Eltern in den 1840ern mit ihrem kleinen Bruder aus geschäftlichen Gründen nach England gehen, bleibt das Mädchen bei Onkel und Tante zurück und soll von diesen auf ein Leben in den höheren Kreisen Hamburgs vorbereitet werden. Während Emilia in den anfänglich geplanten zwei Jahren hofft, dass ihre Eltern sie doch noch nach England nachholen, wird sie langsam erwachsen und ihre Familie erwartet von ihr, dass sie eine gute Verbindung mit einem jungen Mann aus einer angesehenen Hamburger Familie eingeht.
Auf einem der sorgsam geplanten Dinners von Onkel Hinrich und Tante Minna lernt Emilia den Kapitän Carl Gotthold Lessing kennen - ein Großneffe des berühmten Schriftstellers. Die beiden sind sich gleich sympathisch - teilen sie doch die Leidenschaft für gute Bücher und das Schreiben von Briefen. Doch natürlich ist der junge Lessing keine standesgemäße Wahl, nicht nur, weil er sich das Geld für sein erstes eigenes Schiff bei seinen Brüdern leihen musste… Doch Emilia und Carl schreiben sich während seiner ersten großen Fahrt zahlreiche Briefe und kommen sich so näher. Als sie sich über ein Jahr später wieder begegnen, ist es längst um sie geschehen und sie beginnen eine heimliche Beziehung. Der Bruch mit der Familie ist somit unaufhaltsam, aber Emilia hat sich längst entschieden: für ein Leben ohne Luxus und Konventionen, dafür mit Carl - und so geht sie mit ihm auf große Reise.

Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die durch die Autorin in einen solch schönen Rahmen gepackt wurde, dass ich kurzer Lektüre bereits fasziniert war: die Atmosphäre der damaligen Zeit ist in meinen Augen sehr authentisch eingefangen, so dass ich an der ein oder anderen Stelle schlucken musste, denn elterliche Entscheidungen waren damals sehr häufig von nüchternen Erwartungen geprägt als von liebevollem Verständnis. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Bregartners ihre Tochter einfach bei Onkel und Tante "zwischenparken" und auch nach zwei Jahren - für ein Mädchen sicher eine Ewigkeit - nicht wieder zu sich holen. Dass das Mädchen leiden könnte und Sehnsucht nach Mutter, Vater und Bruder hat, hat offensichtlich keiner bedacht. Zum Glück gibt es eine Handvoll wirklich liebenswerter Figuren, die Emilia so gut sie es können unterstützen… Die Geschichte ist packend, auch wenn sie sich langsam entwickelt und damit ein wirklich interessantes Leben voller Abenteuer und Emotionen aufbaut wird. Dabei haben mir vor allem die Schilderungen der unterschiedlichen Schiffsreisen gefallen und wie Emilia das ihr ungewohnte Leben an Bord meistert. Dass sie an manchen Stellen sicherlich ein entbehrungsreiches Leben führt, hindert Emilia nicht daran, ein glückliches zu führen - mit sich und ihrer Entscheidung im Reinen. So erlebt sie Freundschaft, Gefahren, große Hilfsbereitschaft und die Geburt ihrer Kinder auf hoher See und trifft letzten Endes mit ihrem Mann eine weitere große Entscheidung…
Emilia hat ein spannendes und vor allem sehr unkonventionelles Leben geführt, das mir aus heutiger Sicht einiges an Respekt abverlangt - gerade deshalb finde ich es großartig, dass Ulrike Renk uns diese Geschichte erzählt. Die Mischung aus Fakten und Fiktion, die ruhige und stimmungsvolle Erzählweise haben mir große Freude beim Lesen bereitet und ich hätte gerne noch mehr aus dem Leben dieser bemerkenswerten Frau gelesen. So ging es mir zum Ende hin fast ein bisschen zu schnell, denn ich hätte gerne mehr aus dem Leben der Kinder von Emilia und Carl gelesen - aber dennoch bin ich mit dem Ende natürlich zufrieden.
Bleibt eigentlich nur ein Punkt, den ich kritisch erwähnen muss, nämlich den Titel des Buches. Auch wenn ich verstehen kann, dass man einen Titel durchaus auch aus Verkaufsgründen wählen muss, finde ich, dass dieser dem Inhalt einfach nicht gerecht wird. Zum einen, weil die Geschichte zum größten Teil nichts mit Australien zu tun hat, zum anderen, weil ich den Eindruck habe, dass dem Buch damit ein Genre verpasst werden soll, in das es meiner Meinung nach nicht gehört. "Die Australierin" ist kein Love & Landscape-Roman und auch kein Auswandererroman, bei dem die Helden ihr Glück in einem fernen, vielleicht sogar exotischen Land suchen. Dieses Buch ist ein toll erzählter historischer Roman, dessen Autorin einen perfekten Weg gefunden hat, aus den Eckdaten eines spannenden Lebens eine Geschichte zu machen, die authentisch und fesselnd ist, deren Figuren mir schon nach wenigen Seiten ans Herz gewachsen sind und dabei mit liebevollen Details aufwartet. Ein echtes Lesevergnügen!

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Das Leben der Emilia Lessing geb. Bregartner

Der Roman beginnt im Jahr 1842, Emilia ist 6 Jahre alt, ihre Mutter Anna liegt in den Wehen und Hamburg brennt. Es handelt sich um den „Großen Brand“ vom 05. – 08. Mai, bei dem mehr als ein Viertel des Hamburger Stadtgebietes verbrannt ist. Die Flammen waren kilometerweit zu sehen –auch im Hamburger Stadteil Othmarschen, der Heimat der Bregartners.

Martins Bruder Hinrich und seine Frau Wilhelmina haben durch das Feuer alles verloren was ihnen lieb und teuer war und so ziehen sie mit ihren Dienstboten nach Othmarschen. Auf engem Raum leben die beiden Familien fast 2 Jahren zusammen. Zum 8. Geburtstag von Emilia beschließen Anna und Martin Bregartner in England in den Überseehandel einzusteigen und ..... sie lassen Emilia bei Tante Wilhelmina und Onkel Hinrich in Othmarschen zurück.

Emilia wächst nun unter der strengen Aufsicht ihrer Tante heran und als es Zeit wird für Emilia einen standesgemäßen Ehemann zu suchen entwickeln sich die Dinge anders als von Tante und Onkel geplant. Emilia verliebt sich in einen einfachen Kapitän.

Als sie 19 Jahre alt ist heiratet Emilia Bregartner den Kapitän Carl Gotthold Lessing gegen den Willen ihrer Familie.

Mein Fazit:

Begehe ich einen Faux Pas wenn ich meine Rezension mit einem negativen Punkt beginne? Ich weiß es nicht. Es ist aber auch der einzige negative Punkt den ich zum ganzen Buch aufzulisten habe – von daher stelle ich ihn vorne an.

Der Titel „Die Australierin“ ist ein klein wenig irreführend, denn mit Australien hat das Buch erst ziemlich gegen Ende zu tun. Wer das Buch nur kauft weil er/sie glaubt die Handlung spiele überwiegend in Australien, wird hier vielleicht enttäuscht sein.

Trotzdem steckt hinter diesem Titel ein wundervolles Buch nicht zuletzt dank der hervorragenden Recherche der Autorin Ulrike Renk. Der Roman um die Lebensgeschichte von Emilia und Carl Gotthold Lessing beruht auf Tatsachen, die beiden haben tatsächlich so gelebt und ihre Geschichte wurde nur ein wenig ausgeschmückt um daraus dieses wundervolle Buch entstehen zu lassen.

Durch die Zusammenlegung der Haushalte von Martin und Hinrich Bregartner wird man am Anfang des Buches mit recht vielen Charakteren bekannt gemacht. Alle Personen sind so beschrieben, daß eine Zuordnung leicht fällt. Das ist nämlich einer meiner Schwachpunkte – tauchen direkt am Anfang des Buches viele Charaktere auf einmal auf, brauche ich eine gewisse Zeit alles zu sortieren. Aber hier fiel es mir echt nicht schwer die Familienangehörigen und die Dienstboten beider Familien auseinanderzuhalten.

Für Emilia ist es sicher nicht leicht achtjährig von ihren Eltern bei Onkel und Tante zurückgelassen zu werden aber sie entwickelt sich zu einer charakterstarken Frau die weiß was sie will und die ihre Ziele verfolgt – auch wenn sie sich deswegen mit ihrer Familie entzweit. Für sie war es wichtiger ihrem Herzen zu folgen als mit einem Mann verheiratet zu werden der zwar standesgemäß ist, mit dem sie aber sonst nichts verbindet.

Emilia begleitet ihren Mann auf große Fahrt und ihr 1. Kind kommt auf dem Schiff zu Welt - fernab von Arzt und Hebamme, nur mit Hilfe des Schiffskoch (weitere 7 Kinder folgen, mal zu Schiff und mal zu Land geboren).

Erst als die Dampfschiffe die Frachtsegler so langsam verdrängen und die Aufträge für Carl Lessing immer weniger werden, lassen sie sich in Australien nieder.

Das Buch ist so geschrieben, daß man es eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen möchte bevor man am Ende angelangt ist.

Vielen Dank an Ulrike Renk, daß sie die Geschichte von Emilia und Carl Lessing in dieser Form aufgeschrieben hat. So machen Biografien Spass.

Ich hoffe, daß es irgendwann eine Fortsetzung gibt.

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