Frank Baer: Die Brücke von Alcantara

Frank Baer: Die Brücke von Alcantara

Hot
 
5.0
 
0.0 (0)
6889   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Frank Baer: Die Brücke von Alcantara
Verlag
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783442720873

Informationen zum Buch

Seiten
889

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)
Man schreibt das Jahr 1064. Auf dem ersten blutigen Kreuzzug christlicher Ritterheere gegen das maurische Spanien begegnen sich drei sehr ungleiche Männer. Ibn Ammar, der gefeierte und verbannte arabische Poet, Yunus Ibn al-A'war, ein hochgeachteter jüdischer Arzt, in Kenntnissen und Praxis seiner Umwelt weit überlegen, und Lope, der Bursche eines spanischen Edelmannes, der im Verlauf seiner oft lebensgefährlichen Abenteuer zum Hidalgo wird. Dann trennen sich ihre Wege wieder, doch Jahre später treffen die drei in Sevilla wieder zusammen. Inzwischen ist der Maure zum Großvezir aufgestiegen, der spanische Christ Lope hat sich in die Tochter des Juden verliebt. Aber alle müssen sie in dieser unheilvollen Nacht auf der Brücke von Alcántara erkennen, daß die Tage der kulturellen Hochblüte und des friedlichen Zusammenlebens endgültig gezählt sind...

Autoren-Bewertungen

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0  (1)
Charaktere 
 
5.0  (1)
Sprache & Stil 
 
5.0  (1)
Gesamtbewertung 
 
5.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
5.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
5.0

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ist das muslimische Herrschaftsgebiet auf der iberischen Halbinsel in eine Reihe von Kleinfürstentümer zersplittert. Im Norden dagegen hat Kastilien nach Familienfehden auch noch Leon und Galicien hinzugewonnen und so seine Stellung stabilisiert. In Sevilla lebt der jüdische Arzt Yunus Ibn al-A'war mit seinen Töchtern. Noch ahnt er nicht, daß er in die politischen Ränkespiele und Kriegszüge der nächsten Jahre hineingezogen werden wird. Zur gleichen Zeit versucht der Dichter Ibn Ammar am Hof in Murcia eine gesicherte Position zu erreichen. Er mußte vor der Rache des Fürsten aus Sevilla fliehen, hat aber in dem Prinzen Muhammad dort noch einen treuen Freund. Und der junge Lope, Gefolgsmann eines Duero-Grafen und wie dieser Christ, flüchtet nach einem mißglückten Scharmützel um die Burg zusammen mit dem Capitan der Burgwache, der ihm ein Lehrmeister fürs Kämpfen wird. Die Wege von Yunus, Ibn Ammar und Lope treffen das erste Mal in Barbastro zusammen, bei der Belagerung dieser Grenzfestung Zaragozas durch die Christen. Dort wird der Grundstein für eine Freundschaft gelegt, die zunächst durch die verschiedenen Wege der drei keine besondere Vertiefung erfährt. Aber als Ibn Ammar nach dem Tod des alten Fürsten in Sevilla wieder in Gnaden aufgenommen wird, profitiert auch Yunus davon. Und Lope, der durchs Land zieht, taucht eines Tages verletzt in Yunus' Anwesen auf. Es dauert nicht lang, bis sich dessen Tochter Karima und Lope ineinander verlieben, eine Verbindung, die bei aller herrschenden Toleranz jener Zeit von Yunus nicht gern gesehen wird. Mit einer kleinen Intrige und der Unterstützung Ibn Ammars bringt man die beiden auseinander. Als der Druck auf die andalusischen Fürstentümer wächst, wird das Zusammenleben der Gruppen in den Städten zunehmend schwieriger und für alle vier hält das Schicksal noch einiges bereit ...

Baer entfaltet ein farbenprächtiges und detailreiches Gemälde der Zeit auf der iberischen Halbinsel, besonders an den Fürstenhöfen, aber auch in den andalusischen Städten und ihren weniger feinen Vierteln. Und auch, wenn es die ein oder andere Schlacht, ein paar Zweikämpfe und eine Liebesgeschichte gibt, so ist die eigentliche Hauptperson doch die Politik jener Zeit. Wer bislang geglaubt hat, die Fronten seien vor allem entlang der Religionszugehörigkeit verlaufen, wird sich hier eines Besseren belehrt sehen, denn tatsächlich schuf der Kampf um die Vorherrschaft einige recht eigenwillige Allianzen von mehr oder weniger langer Dauer. Auf diese politischen Spielchen und Intrigen muß man sich einlassen, aber Baer schafft es durchaus, sich nicht so weit in den Einzelheiten zu verzetteln, daß man den Überblick verliert. Sehr geholfen hat mir bei dieser Orientierung die Karte am Ende, in der nicht nur die Grenzen der jeweiligen Herrschaftsgebiete, sondern auch die genannten Orte, Burgen und Schlachtfelder eingetragen sind.

Das „goldene Zeitalter Andalusiens“ konzentriert Baer gut in seinen Protagonisten, die nicht wie Heutige wirken, die man in ein buntes, pseudo-historisches Setting transferiert hat. Sie gehen insgesamt durchaus glaubwürdig als Vertreter ihrer Zeit durch, mit den Einschränkungen, die zugunsten einer lesbaren Erzählweise immer in historischen Romanen gemacht werden (müssen). Es sind Kleinigkeiten, die zeigen, daß Baer sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat und seinen Stoff ernst nimmt. So wird jeder Abschnitt mit einer dreifachen Datumsangabe eingeleitet: nach jüdischer, christlicher und muslimischer Zeitrechnung, die jeweils erste Angabe verrät, welche Person oder Gruppe die Sichtweise liefert. Auch zeigt die Schreibweise arabischer Begriffe, daß die Danksagung an seine Berater ernst gemeint ist.

Insgesamt umfaßt der Roman den Zeitraum von 1063 bis 1086, in dem aber nicht alle Jahre und Phasen gleichermaßen Raum einnehmen und für die erzählte Geschichte von Bedeutung sind. Statt sich nun mühsam durch alle diese Jahre zu quälen, oder sie einfach zu überspringen und den Leser mittels hölzerner Dialoge o. ä. über die Ereignisse zu informieren, die wichtig sind, wählt Baer einen anderen Ansatz. Die Gliederung, die sich an Begriffen klassischer arabischer Musik und Lyrik orientiert, beginnt mit einem Vorspiel, in dem kurz skizziert wird, wie die Ausgangslage zu Beginn des Romans entstand. Dann gibt es in der Haupthandlung zwei kurze Abschnitte, die als Zwischenspiele betitelt sind und das Geschehen mehrerer Jahre, sowohl im Hinblick auf die tatsächlichen historischen Ereignisse als auch die Erlebnisse der Protagonisten zusammenfassen, und als Ausblick gibt es in ähnlicher Form noch ein Nachspiel. Abgerundet wird das ganze dann noch mit einem umfangreichen Glossar. Die ein oder andere Straffung wäre dem Roman vielleicht noch zugute gekommen, aber das ist natürlich auch Geschmackssache.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

In dieser Liste gibt es noch keine Bewertungen.
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue