Isabel Beto: Die Bucht des grünen Mondes

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Isabel Beto: Die Bucht des grünen Mondes
Verlag
ET (D)
2011
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783499257018

Informationen zum Buch

Seiten
544

Sonstiges

Erster Satz
Hier in dieser Bucht war das Wasser ungewöhnlicht klar.

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Eine Liebe, so mächtig wie der Amazonas Berlin, 1896: Für die junge Fabrikantentochter Amely bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihr Vater sie mit einem deutlich älteren Verwandten verheiraten will. Kilian Wittstock ist märchenhaft reich - und er lebt am anderen Ende der Welt. Als einer der mächtigsten Kautschukbarone beherrscht er das Amazonasgebiet. Schweren Herzens macht sich Amely auf die Reise über den Ozean. In Manaus erwartet sie ein fremdes, exotisches Leben voller Luxus und ein ebenso exzentrischer wie brutaler Ehemann. Erst als ein dramatisches Ereignis sie mit dem Indianer Aymáho zusammenführt, erfährt Amely, was Liebe bedeutet. Aymáho weckt in ihr tiefe Gefühle und nie geahnte Leidenschaft. Doch ihr gemeinsames Glück ist bedroht durch ein Geheimnis, das Aymáho in sich trägt.

Autoren-Bewertungen

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Ein farbenprächtiger Roman über Brasilien Anfang des 20. Jahrhunderts

Die deutsche Fabrikantentochter Amely wird Ende des 19. Jahrhunderts von ihrem Vater mit einem sehr viel älteren Kautschuk-Baron in Brasilien verheiratet. Ihr neuer Ehemann Kilian, ist nicht nur doppelt so alt wie sie, sondern auch sehr dominant und egozentrisch. Auch das neue Land, Brasilien, erfordern eine Menge von Amely und sie droht an ihrem neuen Leben zu zerbrechen. Erst als sie den Indianer Aymáho kennenlernt, scheint es wieder einen Lichtblick in ihrem Leben zu geben...

Gemeinsam mit Amely lernt der Leser Brasilien kennen. Sehr gut ist dabei der Verlauf der Wahrnehmung dargestellt: Während das neue Land mit seinem ganz anderen ungewohnten heißen Klima, Amely am Anfang quasi die Luft zum Atmen nimmt, lernt sie im Laufe des Buches das Land lieben und die schönen Seiten von Brasilien schätzen. Dieser Wandel ist sehr schön beschrieben und hat auch mir Brasilien näher gebracht.

Gleichzeitig mit dem Wandel der Wahrnehmung des Landes, verändert sich auch Amely selber und reift an den neuen Herausforderungen und Lebensbedingungen, die an sie gestellt werden. Der einzige Kritikpunkt, der bei mir blieb, ist ihre Naivität, die sie bis zum Ende nicht vollständig ablegen konnte und sie zu Handlungen veranlasst haben, die ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr nachvollziehen konnte. Ich glaube prinzipiell auch an das Gute im Menschen, aber irgendwann ist für mich das Faß voll und dieses Vollsein, gibt es für Amely irgendwie nicht.

Sehr gut gefallen hat mir bei den anderen Charakteren, dass fast jede Figur noch überraschende Wendungen präsentiert hat, mit denen ich beim ersten Kennenlernen der Figur gar nicht gerechnet hätte. Sehr gut werden auch äußere und ältere Einflüsse auf die Personen dargestellt und so waren die Handlungen für mich fast immer gut nachvollziehbar.

Sehr faszinierend fand ich die Einblicke, die in das Leben der Ureinwohner, der Indianer von Brasilien in dem Buch gegeben werden. Viele Bräuche und Rituale muten für uns seltsam an, jedoch finde ich immer spannend, wie gut die Indianer mit der Natur im Einklang leben und sie nicht zerstören, sondern pflegen und erhalten. Zusammen mit Amely lernt der Leser die Natur zu lieben und zu verstehen und Entsetzen darüber zu empfinden, welcher Raubbau durch den Abbau von Kautschuk an der Natur betrieben wird.

Auch die Gegenseite, das Leben der reichen und mächtigen Kautschukbarone wird dargestellt und oft musste ich den Kopf schütteln bzw. war total entsetzt angesichts der Egozentrik und des Größenwahnsinns, den diese mächtigen Barone an den Tag legten. Alleine das Anzünden einer Zigarette mit einem Geldschein, was Tatsachen entspricht, hat mich einfach nur noch entsetzt den Kopf schütteln lassen. Sehr gut wird in diesem Buch dabei die Ausbeutung auf der einen Seite und das Leben in Saus und Braus auf der anderen Seite dargestellt.

Alles in allem ein farbenprächtiger und intensiver Roman über einen Teil der Geschichte Brasiliens verbunden mit einer romantischen Liebesgeschichte. Ein bisschen Abzug gibt es von mir nur aufgrund der am Ende vermehrt auftretenden nicht mehr nachvollziehbaren Handlungen von Amely. Trotz allem ein wunderbares Buch, dass zum Träumen einlädt.

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Die Bucht des grünen Mondes

Zuerst ein Wort zur Gestaltung des Buches. Hier hat sich der Verlag RoRoRo etwas einfallen lassen – die Gestaltung der Umschlagseiten – sowohl innen als auch außen und die Gestaltung des Buchschnittes sind sehr schön und ansprechend. Der Roman um Amely, den Dschungel und des Kautschuks begann mit der Kolonialausstellung 1896 in Berlin und stimmt damit schon auf die Geschichte des Buches ein. Dort erfährt Amely das sie verheiratet wird – an einen reichen Verwandten am anderen Ende der Welt und so reist sie an den Amazonas. Das Buch ist aus zwei Sichten geschrieben – zum einen aus der Amelys. Wir erleben mit ihr die Ankunft in Manaus, ihr leben bei einem der reichsten Kautschukbarone – lernen mit ihr die unterschiedlichsten Menschen kennen und sollen mit ihr Lieben und Leiden. Amely bleibt jedoch für mich etwas blass, ihre Gedanken und Gefühle erschließen sich mir nicht nicht ganz und ihre Handlungsweise bleibt mir mit unter ein Rätsel. Ich vermisse in ihrem Teil das Lebendige; Farben, Gerüche und Emotionen bleiben irgendwie flach. Dann gibt es jedoch eine zweite Seite - die des Indianers Aymáho. Hier explodieren die Farben und Gerüche förmlich, man ist richtig in der Geschichte drin, wird förmlich reingesogen und erlebt an der Seite Aymaho ein Abenteuer. Als beide Fäden aufeinander treffen bleibt dies so und Amely überrascht mich mit ihrer Stärke, ihrer Leidenschaft. Auch wenn hier wieder teilweise ein paar Stellen dabei sind wo ich mich frage, warum sie so reagiert. In dem Moment wo beide Fäden wieder auseinander gehen ist das gleiche Phänomen wieder zu beobachten. Die Geschichte von Aymaho bleibt „farbig“, die Geschichte von Amely verblasst wieder. Der große Showdown, das Ende sozusagen, kommt dann fast ein Stückchen zu abrupt und schnell. Es geht gut aus – dafür ist es ein historischer Liebesroman – aber man hätte es etwas weiter ausbauen können. Grundsätzlich hat mir das Lesen des Buches viel Spaß gemacht. In der trüben Jahreszeit konnte man gut in wärmere Gefilde abtauchen und auch so wurde man richtig gut unterhalten. Für mich ist eine Wertung dennoch recht schwierig. Die Umschlaggestaltung und die Idee des Buches bekommen von mir 4 von 5 Sternen; die Geschichte um Amely 3 von 5 und die Geschichte von Aymaho bekommt 5 von 5 Sterne – ergibt zusammen eine Wertung von 4 von 5 Sternen ?

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Ein wundervolles Abtauchen in die Wäder des Amazonas.

Im Jahre 1896 wird die wohlbehütete, Berliner Fabrikantentochter Amely durch eine schwerwiegende Entscheidung ihres Vaters aus ihrer so heilen Welt gerissen. Gerade noch frisch verliebt und kurz vor ihrer Verlobung, mit einem Büroangestellten ihres Vaters, soll sie aus wirtschaftlichen Gründen einen entfernten Onkel und Kautschukbaron, tief im Herzen des Amazonas, ehelichen. Dieser wesentlich ältere Bräutigam, entpuppt sich inmitten der ausschweifend dekadenten Gesellschaft Manaus, als machtbesessen und brutal. Durch die junge Amely erhofft er sich ausschließlich neue männliche Nachkommen, da er zuvor seine Söhne aus erster Ehe verloren hat. Amely, gerade zu einem verzweifelten, letzten Schritt bereit, wird durch einen Zufall von einem Indio entführt, der den einflussreichen Kautschukbaron als rettende Maßnahme seines Volkes, töten will. Für das naive Stadtmädchen beginnt ein Überlebenskampf quer durch den brasilianischen Buch und seiner Bewohner.

Wunderbar lebendig und farbenreich beschrieben, schaffte es Isabel Beto, mich in eine wilde, ungestüme Welt zu entführen. Gemeinsam mit der jungen Amely ging ich auf Entdeckungsreise in die urige Welt der Indios. An der Seite des Stammesjägers Aymàhos entdeckt sie eine Welt, die sie sich zuvor nicht in ihren kühnsten Träumen vorgestellt hätte. Fesselnd und einfühlsam beschrieben, konnte ich mit „Die Bucht des grünen Mondes“ wunderbar abtauchen und dem Alltag entfliehen. Dass ich die Reaktionen und Entscheidungen der Protagonistin nicht jedes Mal auch für mich verbuchen konnte, hatte das Potenzial an so mancher Stelle mit den Figuren zu hadern. Doch dies belebte meine Leselust nur umso mehr. Auch gut beschriebene Nebencharaktere und haarsträubende Einblicke in die Welt der gelangweilten Reichen dieser Ära fügten sich dabei jeweils sehr abwechslungsreich und anschaulich ins Bild. Und die Liebe kam auch nicht zu kurz. Für mich ein Pagenturner mit dem man wunderbar dem Alltag entfliehen kann.

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Im Amazonas-Regenwald

Der Roman ist neben einem Prolog und einem Epilog gegliedert in drei größere Abschnitte. Im ersten Teil lernt der Leser die Berliner Fabrikantentochter Amely kennen und begleitet sie von Berlin quer durch den tropischen Dschungel in die laute und schrille Stadt Manaus, die zur Blütezeit des Kolonialismus das „Paris der Tropen“ genannt wird. Die Autorin zeigt mit sehr bildhaften Beschreibungen die Schönheit und Intensität des tropischen Amazonasgebietes und im Kontrast dazu die Auswüchse einer unglaublichen Dekadenz der gehobenen Kreise, die sich durch den unermesslichen Reichtum der Kautschukbarone entwickelt hat. Amely spürt sehr schnell den Widerspruch von Sein und Schein. In der besseren Gesellschaft kommt es nur darauf an, seinen Reichtum möglichst aufdringlich zu präsentieren, während menschliche Werte eine unbedeutende Rolle spielen. Isabel Beto ist in diesem Teil des Buches sehr gesellschaftskritisch und zeigt die unwürdigen Lebensbedingungen der ärmeren Bevölkerung schonungslos auf, die im Dienste der Kautschukbarone ausgebeutet werden und ein Sklavendasein fristen.

Im Mittelteil des Romans werden wir entführt zu einem Indiostamm der im Dschungel im Einklang mit der Natur lebt. Aber auch da ist nicht alles erfreulich, manche Eigenheit oder mancher Ritus erscheint uns sehr brutal und auch unmenschlich. Im Nachwort schreibt Beto, dass die geschilderte Alltagskultur des fiktiven Stammes der Yayasacu dem Stamm der Yanomani nachempfunden ist mit nur wenigen Ergänzungen, die der schriftstellerischen Freiheit entspringen.
Dennoch hatte ich beim Lesen den Eindruck, dass dieser Indiostamm sämtliche Klischees erfüllt, die ich irgendwann mal über Indios aus dem Amazonas gehört oder gelesen habe. Das ist allerdings mein rein subjektives Empfinden.
Ich habe mich beim Lesen dieses Teiles etwas schwer getan. Einerseits empfand ich viele Abschnitte als sehr langatmig aufgrund ausschweifenden „Liebesgesäusels“, andererseits war mir manches einfach zu abgefahren.

Im dritten Teil kehrt Amely zu ihrem Ehemann „in die Zivilisation“ zurück. Leider konnte dieser Teil nicht mehr an die Glaubwürdigkeit und die Atmosphäre des ersten Teils anknüpfen. Die Dialoge wirkten für mich aufgesetzt und unnatürlich. Das für Amely und ihre große Liebe glückliche Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen.

Sprachlich hat mir der Roman sehr gut gefallen. Er ist angenehm flüssig und abwechslungsreich geschrieben. Manchmal schockiert die Autorin mit Ausdrücken wie „Neger“ und „Wilde“, andererseits beschwört sie fast märchenhafte Bilder herauf, die aber gleich wieder kontrastieren mit Gewalt und Brutalität. Mit sehr viel Sorgfalt wird die Geräuschkulisse aufgebaut. So meint man im Hintergrund Grillenzirpen oder Aras zu hören und fühlt förmlich das bedrohliche Rascheln im undurchdringlichen Unterholz.

Die Charakterisierung der Personen hat mir leider weniger gut gefallen. Amely macht zwar durchaus eine Entwicklung durch, sie blieb mir aber bis zum Schluss unnahbar und ich fand ihr Handeln teilweise nicht nachvollziehbar. Das gleiche gilt für die männlichen Protagonisten, die für mich mit Ausnahme meines Lieblingscharakters, des Herrn Oliveira, zu eindeutig auf der Schwarz/Weiß Skala einzuordnen sind.

Obwohl ich mich nach dem ersten Drittel etwas durch dieses Buch durchkämpfen musste, haben mir einzelne Aspekte sehr gut gefallen. Mir wurde ein weiterer Mosaikstein der deutschen Kolonialgeschichte eindrücklich näher gebracht. Einen Extrapunkt gibt es für die gesellschaftskritischen Aspekte, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Ich sehe bei der ausbeuterischen Gewinnung des Rohkautschuks durchaus Parallelen zu heutigen menschenunwürdigen Zuständen in Coltan-Minen im Kongo, bei der Produktion von Billigkleidung in Asien und in manch anderem Bereich.


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