Kirsten Schützhofer: Die Kalligraphin

Kirsten Schützhofer: Die Kalligraphin

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Kirsten Schützhofer: Die Kalligraphin
Verlag
ET (D)
2008
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783453352698

Informationen zum Buch

Seiten
653

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Der seytan hatte den Vater getötet.

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Handlungsort

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1689: Als Sklavin gelangt die junge Habar aus ihrer Heimat Ungarn auf das Gut Schwarzbach in Sachsen. Dort wird das exotisch aussehende Mädchen bestaunt, aber auch wegen seiner Fremdartigkeit und seines muslimischen Glaubens angefeindet. Kraft schöpft sie aus der Kunst der Kalligraphie, die ihr Vater sie gelehrt hat. Als sie jedoch gezwungen wird, diese besondere Fähigkeit zur Fälschung von Dokumenten einzusetzen, gerät Habar in höchste Gefahr ...

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Interessantes Thema

„Die Kalligraphin“ entführt uns in eine Zeit und zu Ereignissen, von denen ich persönlich noch nichts vorher gelesen hatte. „Beutetürken“ ist ein für mich neuer Begriff und so habe ich mit großem Interesse zu diesem Buch gegriffen.

Habar und Ibrahim, zwei junge türkische Geschwister, wurden zu solchen Beutetürken. Geraubt und verkauft. Schlimme Szenen haben sich dabei abgespielt, die sehr eindringlich geschildert wurden und für einen heftigen Einstieg in die Geschichte sorgten. Aber gerade diese, wie ich finde, eindringliche Erzählweise ist es, was ich an Kirsten Schützhofers Romanen so mag. Zusammen mit den vielen oft kleinen, erwähnten Details stehen die Figuren deutlich vor mir und ihre Emotionen und die Geschehnisse erlebe ich dadurch sehr intensiv mit. Die Figuren sind vielschichtig und auch die Nebenfiguren werden bildhaft beschrieben. Mir fiel es nicht schwer, mich in die einzelnen Personen hineinzuversetzen, ihre Beweggründe nachzuvollziehen (auch wenn ich sie natürlich nicht immer gutheißen und gerade ihre häufige Sprachlosigkeit auch nicht immer verstehen konnte)

Denn leider fehlte tatsächlich etwas die Kommunikation. Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass tatsächlich ein stummes Nebeneinanderher das Leben auf Jahre sehr schwer machen kann und manche Menschen aufhören, richtig miteinander zu sprechen und deshalb kaum wieder gut zu machende Missverständnisse und emotionale Härten entstehen. Aber es war hier schon sehr geballt und betraf gleich mehrere Personen. Ein bisschen mehr Aufbegehren, gerade von Habar, die anfangs sehr stark rüberkam, hätte gut getan. Ich empfand es teilweise als zu viel Lethargie auf einmal, so als wenn jemand das Leben aller auf Zeitlupe gestellt und die Lautstärke herunter gedreht hätte. Auch wenn gegen Ende sich dann doch etwas rührte, wirkte vieles eher unbeweglich auf mich. Ich hatte oft den Drang die Leute zu schütteln und zu treten, damit sie in die Gänge kommen.

Insgesamt überwog in dieser Geschichte eine eher gedrückte Stimmung, positive und erhellende Momente kamen nicht so oft auf. Aber diese Stimmung war wiederum ganz toll beschrieben. Verzweiflung, Entsetzten, Trauer, Angst, Hass, Wut ....all diese Emotionen konnte ich sehr gut spüren und es entstand während des Lesens immer eine melancholische Stimmung bei mir, die auch noch im Nachhinein eine Weile anhielt, aber dabei erstaunlicherweise gar nicht negativ war. Ich konnte mich sehr gut darauf einlassen.

Die Handlung hätte ich mir in einigen Szenen zwar gesprächsintensiver gewünscht und dazu auch einen Schwerpunkt auf eher wenige Personen, anstelle der häufigen Blickrichtungen auf andere, aber ich habe auch so das Buch sehr genossen. Der Schreibstil war einfach wieder sehr, sehr schön und bot so viele emotionale Lesemomente, dass mir die Lektüre dieses Romans gut gefallen hat und ich mich jetzt schon auf das nächste Buch von Kirsten freue.

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Das Buch fängt vielversprechend an, man wird sogleich in die Handlung hineingeworfen. Habar und Ibrahim, zwei türkische Geschwister aus Ofen, werden bei der Eroberung ihres Heimatortes verschleppt und aufs deutsche Gut Hartleben gebracht. Zunächst scheint es, als ob Habar sich besser an die neuen Lebensumstände anpassen könnte, sie kann sich sogar ein wenig mit der Kalligraphie, die sie als Kind erlernt hat, ablenken, auch wenn ihre Fähigkeiten von ihrem neuen Herrn, Georg von Hartleben, zu seinen Zwecken missbraucht werden. Doch nach der Trennung der beiden Geschwister verlaufen ihre Lebensläufe sehr unterschiedlich, jeder von beiden kommt mit seinem Schicksal anders klar.

Kirsten Schützhofer behandelt in diesem Roman ein interessantes Thema, über Beutetürken hatte ich selbst noch nie etwas gehört. Ich nehme an, dass die historischen Hintergründe sehr gut recherchiert worden sind und auch das Äußere des Buches ist sehr ansprechend; ein Glossar und eine Zeittafel runden den positiven Ersteindruck ab.

Leider plätscherte die Handlung meiner Meinung nach zu sehr dahin. Es passiert zwar einiges, doch kaum etwas, was mich hätte mitreißen können. Die Protagonisten waren mir nicht unsympathisch, aber ich konnte selten mit ihnen mitfühlen. Man erfährt zwar ihre Gedanken, aber jede Person stand irgendwie für sich, Interaktion fand leider kaum statt. Die meiste Zeit fühlte ich mich als Beobachter, der das Geschehen aus der Ferne verfolgt. Vieles wird angerissen, aber nicht fortgeführt und zum Ende hin waren einige der Handlungsstränge etwas überflüssig. Wären diese weggelassen worden, hätte die Handlung einen wesentlich kompakteren und weniger zerfaserten Eindruck auf mich gemacht.

Es gab jedoch einige Stellen, die mir sehr gut gefallen haben, wie z.B. Habars Liebe zur Kalligraphie, so dass mein Gesamteindruck nicht nur negativ, sondern ausgewogen ausfällt.

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Im Jahr 1686 gelangen die Geschwister Ibrahim und Habar im Zuge der Belagerung und Eroberung Ofens, Teil des heutigen Budapest, in die Gewalt Georgs von Hartleben, der sie mit in seine sächsische Heimat nimmt. Nach dem Tod seines älteren Bruders Alexander erhofft er sich dort ein Erbe, aber dieser hatte „vergessen“, daß er Georg bedenken wollte und sein Sohn Rupert ist Alleinerbe. Davon, von seinen Kriegserlebnissen und der kühlen Begrüßung durch seine Frau Theodora frustriert, sinnt Georg auf Abhilfe. Diese bietet sich ihm in Form von Habar, die sich im Gegensatz zu Ibrahim etwas besser in die neuen Verhältnisse einfügt, obwohl die Kinder wegen ihrer Andersartigkeit und ihres Glaubens mit vielen Vorurteilen und Haßgefühlen zu kämpfen haben. Schließlich gelten „die Türken“ als Christenschlächter, und besonders Rupert steigert sich in die Vorstellung hinein, an den beiden seinen persönlichen Kriegszug auszuleben. Habar wurde von ihrem Vater in die Kunst der Kalligraphie eingewiesen, und diese Fähigkeit macht sich Georg zunutze, um sie Dokumente und Unterschriften fälschen zu lassen, die ihm die Kontrolle über das Gut in die Hand geben.

Die Wechselfälle des Lebens führen Habar zur Familie Schwarzbach, wo sie zur Gesellschafterin der jungen Amalia avanciert, die sich bald in eine zweifelhafte Liebschaft stürzt. Die Umstände, vorher für Habar in der Familie schon nicht günstig, verbessern sich dadurch nicht. Gleichwohl hält sie an dem Versprechen fest, daß sie dem Bruder gegeben hat: die Heimat nicht zu vergessen und dem Glauben treu zu bleiben. Umso größer ist der Schock für Habar, als sie ihren Bruder, inzwischen zum Christentum übergetreten und mit militärischer Karriere vor Augen, wiedersieht. Ibrahim und Georgs Sohn Karl, die inzwischen eng befreundet sind, ziehen gemeinsam in den Großen Nordischen Krieg gegen die Schweden, während Habar sich erneut neu einrichten muß, da inzwischen Rupert von Hartleben sie den Schwarzbachs abgekauft hat.

Kirsten Schützhofer hat sich hier eine interessante Zeit und einen wenig bekannten Aspekt der „Türkenkriege“ zum Aufhänger ihres Romans gewählt und die Geschichte gut in die historischen Fakten eingebettet. Unter diesem Gesichtspunkt habe ich nichts zu bemängeln. Leider hat die Konstruktion des Romans darüber hinaus aber einige Schwächen, die sich für mein Empfinden zum Teil an den Personen, zum Teil an der Erzählweise festmachen. Die Charaktere sind nicht langweilig und auch weder eindeutig gut noch böse, sie haben alle ihre Schwächen und können mit diesen mehr oder weniger (leider meist weniger) gut umgehen. Auch habe ich selten eine so glaubhafte Wandlung vom Fiesling zum Sympathieträger erlebt wie hier. Aber es wäre ausgesprochen wünschenswert gewesen, wenn sie einfach öfter miteinander geredet hätten. So lebten sie ein wenig nebeneinander her, ohne ernsthafte Anstrengungen, einander zu verstehen oder näherzukommen. Insbesondere Habar war mir über weite Strecken einfach zu passiv, etwas mehr Bemühen um das eigene Leben wäre schon möglich gewesen, ohne aus ihr gleiche eine typische Die ...in-Superwoman zu machen – schlimm genug, daß der Buchtitel etwas derartiges suggeriert, und abgesehen davon, daß er auch sonst eher irreführend ist.

Der zweite Punkt betrifft im wesentlichen die Erzählweise. Was bei Kirsten Schützhofers Erstling Die Tochter des Advokaten (auch als Die Farbe der Revolution) hervorragend gepaßt hat, nämlich der schnelle und häufige Wechsel von Schauplätzen und Perspektiven, der das Überrollende einer Revolution sehr gut eingefangen hat, führt hier eher zu einer Zerfaserung der einzelnen Handlungsstränge, die irgendwann nur noch sehr oberflächlich miteinander verbunden sind und zum Teil gar nicht mehr zur gleichen Geschichte zu gehören scheinen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Es hätte nicht gestört, wären einige Figuren im Laufe der Geschichte einfach verschwunden, so, wie man eben Menschen im Leben aus dem Blick verliert. Wären dafür dann die Motive und Gedanken der Hauptpersonen etwas ausführlicher gewesen, hätte sich insgesamt ein runderes Bild ergeben. So bleibt eine eher traurige, in manchen Punkten etwas im Dunklen verborgene, aber wie gewohnt sprachlich schön erzählte Geschichte.

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In „Die Kalligraphin“ hat Kirsten Schützenhofer mal wieder in gewohnter Manier bewiesen, wie wunderbar einfühlsam und stimmungsbetont sie schreiben kann. Sprachlich ausgezeichnet gestaltet, hat sie sich in diesem Buch diesmal einem Thema gewidmet, welches auch für mich ein Neuland war: Den Beutetürken. Umso interessanter empfand ich dann auch die geschilderte, sowie gut ausgeschmückte Kulisse dieser Zeit, Ende des 17. Jahrhunderts. Heftig und spannungsgeladen war dann auch der Einstieg, der das beinahe schon unfassbare Los der Besiegten in Budin schilderte. Lange Zeit habe ich dann auch gebangt, um das Schicksal der beiden Türkengeschwister, die es als so genannte Kriegsbeute bald darauf nach Gut Schwarzenbach in Sachsen verschlagen hatte. Sehr interessant auch die unterschiedlichen Konstellationen und Charaktere, welche im Folgenden in der Geschichte aufeinander stießen.

Allerdings entpuppten sich dann fast durchweg alle Individuen als recht passive Figuren, die sich allesamt am liebsten in ihrer eigenen Resignation ertränkt hätten, anstatt es einmal mit Kommunikation zu probieren. Hier fehlten mir persönlich dann die Lichtblicke. Selbst unsere Protagonistin schien wie plötzlich befangen und lies kaum ein Aufbegehren erkennen. Ihre Liebe zur Kalligraphie kam zwar wieder sehr schön herüber, doch die kurzen Momente, der Zufriedenheit waren mir hier einfach zu wenig. Und so schwappte die bedrückende Stimmung des Buches auch zu mir herüber und zog mich zeitweise ein ganzes Stück mit runter. Was bleibt ist ein sehr niederdrückendes Gefühl.

Letztendlich aber sicher trotzdem ein Buch für eben jene Leser, die gerne einen sprachlich wunderbar formulierten, historischen Roman über einen wohl sehr interessanten Zeitabschnitt in der Geschichte lesen. Für mich persönlich aber war die bedrückende Stimmung zu viel.Schade eigentlich, da mir ihr Buch "Die Farbe der Revolution" so ausgesprochen gut gefallen hat.

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Habar und ihr Bruder müssen als Kinder mit ansehen, wie ihr Eltern auf schlimme Art und Weise misshandelt und umgebracht werden. Sie selber werden versklavt und landen auf einem Gut in Sachsen. Hier werden sie zuerst auch misstrauisch beäugt und teilweise aufs Übelste drangsaliert, weil sie "anders" sind und außerdem die übelsten Geschichten über die Türken kursieren. Früh werden die Kinder getrennt und müssen sich alleine durch das Leben schlagen. Dabei scheint das Schicksal sehr lange sich nicht zu Gunsten von Habar verändern zu wollen, sondern ihr eh schon mühseliges Leben, teilweise noch schlimmer werden zu lassen.



Das Buch beginnt gleich mitten im Geschehen und konfrontiert den Leser gleich mal mit den Grausamkeiten und der Sinnlosigkeit des Krieges. Denkt man als Leser, dass nach diesem Beginn vieles nicht mehr schlimmer werden kann, muss man noch einiges Leid der Protagonisten und auch Nebenfiguren lesen und verdauen.



Die Figuren verbindet alle leider eine Gemeinsamkeit: Sie kommunizieren nicht miteinander. Als Leser kann man die Gedanken der Figuren mit verfolgen und sich so gut in sie hinein versetzen, jedoch findet kaum Austausch zwischen den Figuren statt, wodurch viel Kummer und Unglück geschieht und man als Leser die Figuren mehr als einmal am liebsten schütteln würde, dass sie endlich ihren Mund aufmachen. Wenige Figuren sind wirklich nur gut oder nur schlecht, sondern viele befinden sich irgendwo zwischendrin, was das Ganze sehr natürlich wirken lässt. Der Held am Anfang entpuppt sich als vollkommener Versager und der scheinbar fieseste Charakter des Buches hat es doch tatsächlich geschafft, dass ich ihn richtig gern gewonnen habe! Und dabei ist diese Entwicklung des Charakters sehr gut beschrieben und war für mich zu jeder Zeit nachvollziehbar.



Schade ist, dass das Buch über viele Strecken hinweg mich sehr deprimiert hat und es meiner Meinung nach viel zu wenig Lichtblicke gab. Erst ganz am Ende wird die Stimmung um einiges besser und hat dazu beigetragen, dass ich wenigstens noch mit einem guten Gefühl zurück gelassen wurde.



Alles in allem ein Buch, dass einen guten Einblick in die Zeit der Beutetürken wirft, ein für mich sehr gelungenes Ende mit einem sehr faszinierend weiterentwickelten Charakter hat, jedoch teilweise ein bisschen zu deprimierend war, mir aber trotzdem doch gut gefallen hat.

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