Kirsten Schützhofer: Die Kapelle der Glasmaler

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Kirsten Schützhofer: Die Kapelle der Glasmaler
Verlag
ET (D)
2008
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783453351523

Informationen zum Buch

Seiten
720

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Heftiger Wind trug den salzigen Geruch des Meeres in die Stadt hinein, drängte ihn unablässig in die Nasenflügel der jungen Frau.

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Frankreich um 1241: Einmal in seinem Leben will der Glasmaler Clément etwas schaffen, das der Schönheit Gottes angemessen ist. Und so zieht er mit seiner Familie nach Paris, um an der Erbauung der königlichen Sainte Chapelle mitzuwirken. Doch er wird diesen Traum teuer bezahlen - denn in der Kapelle der Glasmaler begegnet er Thomas, einem alten Widersacher um die Liebe von Cléments heutiger Frau Edwige. Dieser hat die damalige Zurücksetzung nie verwunden - und wittert die Gelegenheit zur Rache ...

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Die Kapelle der Glasmaler

In dem Roman „Die Kapelle der Glasmaler“ lernen wir auf der einen Seite einen Glasmaler mit Familie kennen auf dem Weg zu einer neuen Baustelle in Paris, der Kapelle Sainte-Chapelle, und auf der anderen Seite einen kleinen Jungen, der auf fürchterliche Weise seine Heimat verliert und jahrelang schon auf der Suche nach seiner Identität ist. Die Wege der beiden kreuzen sich auf schicksalhafte Weise, verlieren sich aber auch wieder. So wie man sich bei mancher Begegnung, die man selber hat, immer mal wieder fragt, was der andere wohl tut, ohne jemals wieder von ihm zu hören, so bleibt auch hier eine gedankliche Verbindung und auch wenn sie immer geringer wird, so schließt sich doch für mich am Ende der Kreis.

Dazwischen nehmen wir Leser aber am teilweise schweren Schicksal von beiden Parteien teil und ich empfand dabei beide Erzählstränge gleichwertig, hätte mich manchmal am liebsten zerrissen, um beide Schicksale gleichzeitig weiter zu verfolgen. Doch es geht nicht nur um diese beiden Personen und ihre Familien, denn einige andere sind jeweils mit betroffen. Es hat mir sehr gut gefallen, dass es keine wirkliche Hauptperson gab, sondern alle eine besondere Bedeutung und Wertigkeit hatten, alle waren mir wichtig. Auch die Nebenfiguren waren so intensiv und detailliert beschrieben, dass ich sie direkt vor mir sah und ich mich für sie und ihr Schicksal genauso interessierte.

Überhaupt ist es eine große Stärke von Kirsten Schützhofer, Figuren und Schauplätze zum Leben zu erwecken. Im ihrem ersten Buch „Die Tochter des Advokaten“ bzw. „Die Farbe der Revolution“ war mir schon auf den ersten Seiten aufgefallen, wie durch ihre Beschreibungen der Umgebung und des „Drumherums“ ein Film im Kopf ablief. Und so war es auch hier im Buch wieder (und ich meine sogar verstärkt) dass durch kleine, wie nebenbei erwähnte Details, wie z. B. wild klappernde Schilder, ein Lehrjunge, der einen Ellbogen ins Gesicht bekommt, Holzeimer, die einfach stehengelassen wurden, etc. das Gefühl entsteht, mitten in der Geschichte zu sein. Sogar den Geruch der Stadt oder der Kräuter im Kloster (und leider auch der Fäulnis und der Krankheit) konnte man riechen. Genauso erging es mir mit den Personen selbst und ihren Gedanken und Handlungen. Ihre Emotionen waren so gut zu spüren, dass mir das ein oder andere Mal vor Traurigkeit ein Kloß im Hals saß oder ich selbst zusammen mit den Protagonisten tief getroffen war von den Geschehnissen

Die Personen selbst waren sehr vielschichtig, liebevoll erarbeitet und wirkten sehr realistisch. Es fiel sehr leicht, sie liebzugewinnen, sie zu bedauern oder auch sie nicht zu mögen, wobei auch die böseren Charaktere nicht einfach nur böse waren, sondern auch teilweise einen emotionalen Hintergrund hatten, mit dem man sich auseinandersetzen konnte. Und auch die „Guten“ hatten ihre Schwächen und Fehler. So waren ihre Handlungen nicht immer vorhersehbar, aber egal was sie taten, man konnte es oft nachvollziehen. Manchmal stand man aber auch einfach nur fassungslos vor dem was da passierte. Manche Entwicklung war am Ende nicht nach dem typischen Happy-End-Schema, aber gerade das hat mir sehr gut gefallen, denn ein bisschen Traurigkeit, ein bisschen Unwissenheit, ganz viel Hoffnung, Raum für eigene weiterführende Gedanken fand ich hier sehr gut.

Zwischen den Handlungen zogen sich kleine Kapitel durch die Geschichte, deren Bedeutung sich im Laufe des Romans erschloss, aber besonders durch die detaillierten Beschreibungen über die Glasmalerei für mich eine besondere Ruhe ausstrahlten, es mir ermöglichten, kurz Atem zu schöpfen. Mir wurde immer ganz warm, wenn ich der jungen Frau bei ihrer ruhigen Arbeit mit den Farben über die Schulter schauen konnte.

Vervollständigt wird der Roman durch ein sehr interessantes Glossar, das noch mehr Einblick in die Arbeit an den gigantischen Fenstern gibt.

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Angesiedelt in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts rund um den Bau der Sainte Chapelle erzählt Kirsten Schützhofer eigentlich zwei Geschichten. Da gibt es den Glasmaler Clément aus Chartres, der bei diesem Bauwerk unbedingt mitwirken will und sich deshalb mit seiner Frau Edwige und den drei Töchtern Lise, Jehanne und Margaux auf den Weg nach Paris macht. Sie fallen einem Wegelagerer in die Hände, der sie bestiehlt und Clément schwer verletzt und ohne die Hilfe des jungen Jongleurs Ghislain wäre die Reise wohl zu Ende gewesen. In Paris angekommen erlebt die Familie eine böse Überraschung: Für Clément gibt es eigentlich keine Arbeit, er muß zunächst Hilfsdienst verrichten, und als er schließlich in seinem Fach werken kann, ist es ausgerechnet in der Hütte von Thomas, der vor Jahren selbst Edwige heiraten wollte. Während sich Clément in seiner Arbeit für die Kapelle verliert und sich von seiner Familie, mit Ausnahme der künstlerisch begabten Jehanne, immer weiter entfernt, braut sich über den Frauen Thomas' Rache zusammen. Die zweite Geschichte dreht sich um Ghislain, der offensichtlich aus guter Familie stammt, aber als Kleinkind verloren ging, keine Erinnerung an seine Familie hat und von einem Jongleur aufgezogen wurde. Um seine Herkunft rankt sich ein Geheimnis und er wird gesucht, ohne daß er versteht, warum und welche Rolle er spielt.

Wieder ist es Kirsten Schützhofer gelungen, die Atmosphäre hervorragend einzufangen und zu vermitteln, oftmals durch den Blick für Kleinigkeiten wie liegengelassene Gegenstände, zufällige Bewegungen und ähnliches. Dabei werden, soweit das mit einem Buch möglich ist, durchaus alle Sinne bedient, so daß der Leser sich mitten in das trubelige Paris der Zeit versetzt fühlen kann. Auch die Personen fügen sich hier sehr gut ein, agieren glaubwürdig und sind nie eindimensional. Manch einem würde man gerne den Hals umdrehen, aber selbst für die "Bösen" kommt auch mal Mitleid auf. Und auch den ein oder anderen "Guten" würde man zwischenzeitlich gerne mal schütteln, um ihn zur Vernunft zu bringen. Einige Male mußte ich auch heftig schlucken, die Autorin hat wenig Hemmungen, ihre Charaktere ordentlich leiden zu lassen.

Die Erzählung wechselt ständig zwischen den beiden Erzählsträngen hin und her, was mich oftmals stört. Auch hier hätte ich meist gerne die eine Gruppe weiterverfolgt, war zur gleichen Zeit froh, auch wieder von der anderen zu lesen, so daß ich die "Atemlosigkeit", die sich aus dieser Erzählweise ergibt, gerne in Kauf genommen habe. Vor allem die Geschichte um Ghislain bietet viel Anlaß zum Rätselraten über die Hintergründe. Der ein oder andere Hinweis ist eingestreut, aber diese sind so dezent, daß man sie auch leicht überlesen kann und sich hinterher über die Auflösung wundert. Hier wäre etwas mehr wirklich mehr gewesen und hätte die Spannung sicher nicht geschmälert.

Durch die Einteilung in sieben Teile mit Jahresangaben weiß man als Leser immer genau, wo man sich im Zeitablauf gerade befindet und die Kapitel innerhalb dieser Teile sorgen für lesefreundliche Abschnitte. Ein Anhang mit Eckdaten zum Bau der Kapelle, einem Glossar und einem Nachwort der Autorin bilden eine willkommene Ergänzung. Ein lesenswerter historischer Roman!

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