Mani Beckmann: Die Kapelle im Moor

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Mani Beckmann: Die Kapelle im Moor

Autor

Biografie & Bibliografie von
ET (D)
2002
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783404147977

Informationen zum Buch

Seiten
510

Sonstiges

Erster Satz
Wer in den Chroniken und Geschichtsbüchern nach bedeutenden Ereignissen des Jahres sechzehnhundertachtundsechzig fahndet, wird kaum fündig werden.

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Das Münsterland nach dem Dreißigjährigen Krieg: Im Sommer des Jahres 1668 kehrt der Schausteller und Taschendieb Daniel Wagenknecht anlässlich einer Kirchweih in das Moordorf Ahlbeck zurück, in dem er als Säugling von drei Bauern vermeintlich lebendig begraben wurde. Daniel will die Geheimnisse von damals lüften - und sich an den Schuldigen rächen. Begleitet wird er von seinem Ziehvater Roloff. An der Stelle im Moor, wo dieser ihn einst gefunden hat, steht nun eine geheimnisvolle Kapelle, in der ein geistig verwirrter Pater auf die Rückkehr des Satans wartet. Während alle sich auf die bevorstehende Kirmes vorbereiten, kommt Daniel des Geheimnis des Dorfes und einem grauenvollen Verbrechen auf die Spur.

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Wir schreiben das Jahr 1668. Auch in Ahlbeck im westlichen Münsterland, nahe der holländischen Grenze, sind die Folgen des Dreißigjährigen Krieges noch zu spüren. Aber im Dorf herrscht trotzdem gespannte Freude, denn das Schützenfest steht vor der Tür. Zwar ist schon ausgemacht, daß der Sohn des Vogtes, seines Zeichen der Wirt des Ortes, den jüngsten Sohn des Schulzen im Amt des Schützenkönigs beerben wird, aber das stört niemanden. Das Fest zieht natürlich auch fahrendes Volk, Zigeuner und Bettler an, darunter Roloff Wagenknecht, einen Quacksalber aus dem Rheinland, mit seiner Zigeunerfrau Tabitha und ihren Kindern. Dem Sohn Daniel obliegt es, vorab Erkundigungen anzustellen, damit Tabitha Material für ihre Wahrsagekünste bekommt. In der Nähe von Ahlbeck verplappert sich Roloff allerdings und enthüllt Daniel, daß dieser zwar wirklich "nur" sein angenommenes Kind ist, daß aber die Geschichte seiner Herkunft, die er dem jungen Mann bislang aufgetischt hat, nicht der Wahrheit entspricht. Im Januar 1650 hatte Roloff drei Männer im Wald nahe Ahlbeck beobachtet, die ein Kind begraben. Aus purem Instinkt grub er das Bündel wieder aus und stellte fest, daß das Kind noch lebte und so nahm er es mit.

Als Daniel diese Geschichte hört, beschließt er verständlicherweise, im Ort seiner Herkunft nachzuforschen. Viele merkwürdige Geschichten verbinden offensichtlich die drei reichsten Bauern des Ortes. Der älteste Sohn des Schulzen, von seinem eigenen Vater dafür an den Galgen gebracht, hatte die Tochter des Vogtes geschändet, und zur Wiedergutmachung erhielt der Sohn des Vogtes nicht nur die Wirtschaft des Erhängten, sondern auch gleich noch dessen verwitwete Frau und später deren Tochter dazu. Der mittlere Sohn des Schulzen war bei den Soldaten und ist dann nach Neu-Spanien verschwunden, und auch der jüngste Sohn ist eine Enttäuschung. Der dritte reiche Mann ist ein Holländer, der als Katholik seine Heimat fliehen mußte. Der älteste Sohn hat die Schmiede übernommen, spricht mit dem Vater aber nicht mehr, der jüngere ist nicht richtig im Kopf und ins Kloster gegangen. Zudem treibt eine Schmugglerbande ihr Unwesen in der Nähe, und schnell ist klar, daß es auch hier Verbindungen zu den drei Bauern gibt. Während Daniel die Familiengeschichten entwirrt, spitzt sich die Lage zu, denn die Fahrenden würden gerne von den Schmugglern profitieren und diese planen wohl eine besondere Aktion gegen die Zollstation, wo ein merkwürdiger Gefangener einsitzt ...

Wie schon in "Moorteufel" gelingt Mani Beckmann auch hier eine stimmige Geschichte in dem münsterländischen Bauernmilieu. Alles Geschehen spielt sich in den wenigen Tagen um das Schützenfest ab, Auch kommt man aus Ahlbeck hinaus nach Westen nur bis zur holländischen Grenze, wo die Zollstation und eine mysteriöse Kapelle liegen, letztere errichtet über der Stelle, wo Roloff Daniel ausgegraben hatte, nach Norden bis zum Hof des Schulzen und im Süden bis zu dem des Holländers. Aber diese "Gedrängtheit" in Zeit und Ort tut der Geschichte keinen Abbruch, im Gegenteil. Ich hatte beim Lesen nie den Eindruck, daß sich das Ganze verzetteln könnte, trotzdem gab es ein paar überraschende Wendungen, die sich rückblickend als völlig logisch herausstellen und auch für ein stimmungsvolles Ende sorgen, bei dem ich doch über einiges schmunzeln mußte. Die Personen sind ausgesprochen glaubwürdig, sie passen in ihre Zeit und an ihren Ort, auch wenn man als Heutiger über manches mit den Augen rollt.

Auch hier nutzt Beckmann die Möglichkeit, gleichfalls wie im "Moorteufel", durch Wörter und Phrasen aus dem Niederdeutschen, dem Niederländischen und dem Rotwelschen für zusätzliche Stimmung und Lokalkolorit zu sorgen, erläutert sind alle Begriff in einem mehrseitigen Glossar am Ende, so daß es keine Verständnisprobleme geben sollte. Vorn findet sich auch eine Karte, der man die Lage der Orte zueinander entnehmen kann, ein schönes Extra. Die Abschnitte werden alle mit einem klassischen Kapitel, also einer kurzen Zusammenfassung des Geschehens eingeleitet, die nur andeutet und neugierig macht, und bei einem solchen Ausblick fällt es dann besonders schwer, den Roman doch einmal zur Seite zu legen.

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