Regine Leisner: Die Rabenfrau

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Regine Leisner: Die Rabenfrau
Verlag
ET (D)
2007
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783548268897

Informationen zum Buch

Seiten
432

Sonstiges

Erster Satz
Tief atmete die junge Frau den beizenden Rauch ein.

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Vor 11.500 Jahren mitten in Deutschland: Ravan, die junge Vogelfrau der Eschenleute, kämpft gegen den Schamanen Godain, der die Macht der Großen Mutter nicht anerkennt. Sie verstößt ihn aus dem Stamm, obwohl sie ihn liebt. Plötzlich bebt die Erde, eine Katastrophe kündigt sich an. Nur gemeinsam können Ravan und Godain ihr Volk retten.

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Ravan wird in einer Zeit des Umbruchs zur Vogelfrau und damit spirituellen Führerin ihres Stammes geweiht. Sie hat den Ruf der Göttin gespürt - ist dadurch aber nicht allwissend, sondern begegnet ihrer Aufgabe unsicher und mit vielen Fragen. Mir hat gefallen, wie genau wir ihren Weg und ihre Entwicklung zu einer weisen Vogelfrau mitverfolgen konnten. Durch das Aufbegehren der Männer gegen das Matriarchat und der Katastrophe eines Vulkanausbruchs hat sie es nicht leicht - was ihre Lehrerin Imtu im Voraus ahnte, ihre Ausbildung verlief deshalb womöglich auch etwas strenger.

Beeindruckt hat mich auch die Darstellung der Männer und ihrer Gründe für das Aufbegehren gegen die Macht der Frauen. Oft ist es ja leider so, dass diese dann plump als machtgierige Wesen dargestellt werden. Hier ist das komplett anders! Die Ungerechtigkeiten gegenüber den Männern werden aufgezeigt, jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Und es gibt ganz bestimmte Dinge, wofür sie kämpfen - z.B. darum, auch ohne eine Frau bei ihrer Sippe bleiben zu können und nicht wandern zu müssen.

Es gibt auch viele mystische Ereignisse, Elemente aus dem Schamanismus, die meine Neugier weckten. Dabei spürte ich schnell, dass hier jemand davon schrieb, der auch wirklich Ahnung von dem Thema hat und nicht nur einfach etwas geheimnisvolles in die Geschichte bringen wollte. Ich hatte auch den Eindruck, dass diese Erlebnisse nie ohne Grund beschrieben wurden, sondern immer der Verdeutlichung von Ravans Entwicklung dienten.

Die Auseinandersetzung der Götter fand für mich dann auf einer anderen Ebene statt, in der sie durch die Körper von Ravan und Godain handelten. Es tat mir weh, die beiden als Gegner zu sehen - aber vielleicht wäre das Ende der Geschichte auch ganz anders gewesen, wenn sie sich nicht so nahe gestanden hätten.

Zum Ende hin gab es einige Kapitel, in denen die Ereignisse nur kurz zusammengefasst wurden. Mich hat das nicht gestört, da ich diese als Übergang zum Ende der Geschichte empfunden habe. Das Buch hätte schon früher zu Ende sein können, aber so begleiten wir Ravan durch ihr komplettes Leben und verfolgen ihr letztes und so wichtiges Gespräch mit dem Raben, bevor es eine etwas andere Art des Happy-Ends gibt. Dieses für mich sehr runde Ende hinterließ mich sowohl glücklich als auch nachdenklich, und ich freue mich schon sehr auf die weiteren Bände.

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"Die Rabenfrau" ist die Geschichte von Ravan, der Vogelfrau der Eschensippe, die vor ca. 11.500 Jahren in der Nähe des Mains gelebt haben könnten. Ravan bekommt die Berufung als spirituelle Begleiterin ihres Stammes und hat kaum Zeit, sich in ihre Rolle einzufinden, als eine Naturkatastrophe das Leben der Sippe von Grund auf verändert und sie zum Handeln zwingt. Diese Zeit des Umbruchs ist nicht nur durch die veränderte Lebensweise der Sippe geprägt, sondern auch die Machtverhältnisse zwischen den Frauen und Männern, aber auch zwischen den höheren Wesen, die die Geschicke der Menschen lenken, kommen ins Wanken.

Aus dieser Ausgangslage hat Regine Leisner eine wunderbare Steinzeitstudie geschaffen, die mich von Beginn an faszinierte. Mir gefiel die Darstellung des Lebens in dieser Zeit, als die Menschen sich mit einfachsten Mitteln ihre Lebensgrundlage schaffen mussten und trotzdem mit viel Elan und Geschicklichkeit ihr Leben meisterten. Das spirituelle Leben der Steinzeitmenschen, das geprägt von Schamanismus und Naturreligionen war, fand ich ebenso faszinierend. Und nicht zuletzt war es der Blick auf eine von Frauen beherrschte Welt, in der die Männer nur ein geduldetes Schattendasein führten, der die Lektüre so spannend machte.

Die Konflikte, die durch das Aufbegehren der Männer in dieser frauenbeherrschte Gesellschaft aufkommen, spielen eine zentrale Rolle in der Handlung. Ich fand es sehr spannend, den Kampf zwischen den beiden Geschlechtern mal aus einer ganz anderen Perspektive zu beobachten und darüber hinaus auch die Auseinandersetzung zwischen den Naturgöttern zu beobachten, die diesen Kampf parallel dazu, aber auf einer anderen Ebene führen.

Mit Ravan, der Vogelfrau und Godain, dem Schamanen hat Regine Leisner die idealen Hauptfiguren für diese Studie gezeichnet - ich fand die beiden Charaktere sehr fein ausgearbeitet, und insbesondere Ravan war mir durch den zeitweiligen Wechsel in die Ich-Perspektive sehr nahe. Aber auch sehr interessante Nebenfiguren hatten ihren Platz in der Geschichte, so zum Beispiel Imtu, die Vorgängerin von Ravan, oder auch Birkin, die von Anfang an meine Sympathien hatte, weil sie aus meinem neuzeitlichen Blickwinkel die modernste Einstellung hatte. Überhaupt kam mir die Eschensippe mit der Zeit wie eine Familie vor, die ich schon lange kenne. Extra erwähnen möchte ich noch Dachs, der als "verlorener Sohn" die Gemüter bewegt und sich bei mir sehr eingeprägt hat, weil er von Anfang an eine tragische Gestalt ist.

"Die Rabenfrau" hebt sich wohltuend aus der Flut historischer Romane ab, denn der Roman vereint Spannung und Unterhaltung mit Anspruch und Tiefe. Ich finde "Die Rabenfrau" intelligent konstruiert und überzeugend umgesetzt. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass der Erzählrhythmus nicht über die ganze Handlung hinweg beibehalten wird, sondern am Ende sehr getrieben wirkt, so dass die letzten Kapitel ein wenig an mir vorbeizogen. Aber damit kann ich gut leben, das Buch ist für mich trotzdem sehr gelungen und ich habe die Lektüre sehr genossen.

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Bei diesem Buch handelt es sich nicht um die "üblichen" historischen Romane mit einer weiblichen Hauptfigur, die sich gegen alle Widrigkeiten stellen muss und schließlich am Besten doch noch ihr Happy-End erlebt. Vielmehr geht es um Veränderungen, sowohl gesellschaftlicher, als auch umweltbedingter Art und wie die Menschen damit zurecht kommen.

Im Mittelpunkt steht dabei Ravan. Sie erzählt in Rückblenden die Geschichte ihres Stammes an ihre Nachfolgerin als Vogelfrau ihrer Sippe. Dabei erlebt der Leser zuerst eine kurze Zeit des Idylls, wo zwar schon leichte Differenzen zu erahnen sind, man aber noch nichts von dem kommenden Unglück bemerkt. Der Leser erlebt die Sicht auf eine matriachalische Gesellschaft, in der die Frauen "den Ton angeben" und die Männer entweder in die Sippe aufgenommen werden oder weiter wandern müssen. Dabei wird aber kein Bild von einer ausgeglichenen Gesellschaft gezeichnet, sondern auch klar aufgezeigt, dass es in diesen Strukturen ebenso zu Ungerechtigkeiten kommt, wie in einer patriacharlichen Gesellschaft, nur dass sich die Benachteiligung gegen die Männer und nicht die Frauen richtet.

Ravan wird zu einer kritischen Zeit zur Rabenfrau gewählt und muss schon bald ihre Sippe durch sehr schwere Zeiten bringen, in denen es nur noch ums nackte Überleben geht. Gleichzeitig trotz oder vielleicht sogar wegen der schweren Zeit, findet eine Umstrukturierung innerhalb der Sippe statt. Einige Männer wehren sich gegen die alten Strukturen und auch bei den Frauen beginnt ein Umdenken, als klar wird, dass beide Seiten ohne einander nicht überleben können. Jedoch zeigt sich bereits hier, dass es nicht einfach zu einem gleichberechtigten Dasein führen wird, sondern der Umschwung ins Patriachart zeichnet sich bereits ab.

Die Autorin schafft es dabei beim Leser sehr intensive Bilder erstehen zu lassen und zumindest ich konnte sehr tief in die Geschichte eintauchen und das Buch beschäftigte mich sehr während dem Lesen, als auch noch einige Zeit danach. Die Schicksalsschläge, die die Menschen zu meistern haben, sind sehr bewegend geschrieben und mehr als einmal musste ich ziemlich stark mit den Tränen kämpfen.

Mit der Vogelfrau Ravan wurde ein Charakter geschaffen, den ich sehr gut nachempfinden konnte und den ich sehr bewundert habe. Ravan ist keine Überfrau, die alles kann und immer perfekt ist, sondern der Leser darf auch bei ihren Ängsten dabei sein und sie als Mensch sehen. Als eine sehr starke und weise Frau, die schon früh sehr schwere Entscheidungen treffen muss, aber mutig ihren Weg geht und die Zeit der Veränderung erkennt und entsprechend handelt.

Das Ende wird schließlich im Zeitraffer nur noch erzählt, was mich persönlich nicht gestört hat, da zu erkennen war, dass die Geschichte von Ravan zu Ende ist und jetzt ihre Nachfolgerin weitermachen muss. Für Ravan persönlich gibt es dann schließlich auch noch eine Art Happy End, dass ich sehr schön und bewegend fand und mich zu Tränen gerührt hat.

Insgesamt ein sehr schönes Buch, dass ich jedoch nicht einfach mal so nebenbei lesen konnte, sondern für das man sich Zeit nehmen sollte.

Auf die Nachfolgebände bin ich schon sehr gespannt!

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