Tereza Vanek: Die Rebellin von Shanghai

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Tereza Vanek: Die Rebellin von Shanghai
Verlag
ET (D)
2013
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783937357812

Informationen zum Buch

Seiten
680

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Shanghai anno 1900: Das neue Jahrhundert scheint Viktorias Adoptivtochter Charlotte zunächst die große Liebe zu bringen. Doch ihre Hoffnung, die Ehefrau eines englischen Offiziers zu werden, stellt sich bald als Illusion heraus. Tief enttäuscht macht das dickköpfige Mädchen sich auf die Suche nach ihrer wahren Herkunft und gerät so in den Sog des Boxeraufstandes. Gleichzeitig trifft Elsa Skerpov, die Nichte von Viktorias früherer Zofe, in Shanghai ein, um ein neues, selbstständiges Leben zu beginnen. Die Aussicht auf eine gut bezahlte Stelle bringt sie nach Peking, wo die Animositäten zwischen Chinesen und Ausländern schon bald eskalieren. In einem belagerten Stadtviertel muss Elsa gemeinsam mit Menschen verschiedenster Nationen ausharren und auf ihre Rettung hoffen. Als sie entführt wird und sich plötzlich allein in der feindseligen Stadt wiederfindet, lernt sie einen Chinesen hoher Abkunft kennen. Während ihr Leben durch eine scheinbar aussichtslose Liebe vollends aus der Bahn gerät, fühlt sich Charlotte von der Brutalität des Aufstandes zunehmend abgestoßen und gerät zwischen die Fronten.

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China zur Zeit des Boxeraufstandes

Shanghai im Jahre 1900. Charlotte ist die Adoptivtochter der deutschen Viktoria ihrem halb-chinesischen Ehemann Jinzi. Charlotte wurde westlich erzogen, vom Äußeren her ist sie aber eine Chinesin. Bisher war ihr dies nie so wirklich bewusst, aber nun verliebt sie sich in einen englischen Offizier und ihre Herkunft erweist sich nun als Problem. Dem jungen Mann wird sowohl von seiner Familie als auch von seinen Vorgesetzten nahegelegt, sich nicht zu nah mit einer Chinesin einzulassen, wenn ihm sein beruflicher und gesellschaftlicher Erfolg am Herzen liegt. Als er daraufhin mit Charlotte Schluss macht, entschließt sie sich, sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter zu machen und begibt sich auf eine gefährliche Reise nach Peking, wo sie mitten in den Wirren des Boxeraufstandes landet.

Parallel zu Charlottes Geschichte wird ein zweiter Handlungsstrang erzählt, in diesem geht es um die junge Deutsche Elsa Skerpov, die aus Hamburg nach Shanghai kommt und dort erst einmal Unterkunft bei Viktoria und Jinzi findet. Aus beruflichen Gründen führt auch ihr Weg sie weiter nach Peking und die Lebenswege von Elsa und Charlotte kreuzen sich immer wieder.

Anhand dieser beiden ganz unterschiedlichen Frauen erzählt die Autorin Tereza Vanek auf äußerst spannende und detailreiche Art und Weise die Geschichte Chinas in dieser aufregenden Zeit.

Das in seinen uralten Traditionen verhaftete Riesenreich wird mit der steigenden Macht der westlichen Staaten konfrontiert und ist gezwungen, einen Weg zu finden, um weiterbestehen zu können. Verschiedene Gruppierungen haben hierzu ihre unterschiedlichen Ansichten und Pläne und letztlich führt diese Uneinigkeit das Reich und die Hauptstadt in einen Strudel der Gewalt, in dem die beiden Protagonistinnen auf verschiedenen Seiten um ihr Leben kämpfen müssen.

Mir hat sehr gut gefallen, wie die Autorin diese beiden Geschichten verknüpft und so von zwei Seiten aus die damalige Situation erzählt und beleuchtet. So ergibt sich eine wundervoll erzählte Darstellung unterschiedlicher Kulturen und Sichtweisen und am Ende ein Hoffnungsschimmer, dass beide vielleicht nicht für immer unvereinbar sein müssen.

In einem ausführlichen Nachwort geht die Autorin darauf ein, was historisch belegte Fakten sind und was ihrer Phantasie entsprungen ist und gibt für den interessierten Leser wertvolle Tipps zur weiteren Lektüre über die damalige Zeit.

„Die Rebellin von Shanghai“ setzt die Geschichte aus „Das Geheimnis der Jaderinge“ fort, man kann diesen zweiten Teil aber auch problemlos eigenständig lesen, denn im ersten Band ging es vielmehr um das Leben und Schicksal von Charlottes Mutter Viktoria.

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Ein fesselnder Roman

Shanghai 1900: Die 16-jährige Charlotte wächst wohlbehütet bei ihren Adoptiveltern auf. Ihre Adoptivmutter ist deutscher Herkunft, ihr Vater ist ein Halbchinese.

Als Charlotte sich in einen englischen Offizier verliebt, schwebt sie zunächst wie auf Wolken. Doch schon bald muss sie erkennen, dass ihre Liebe kaum eine Chance hat.

Sie beschließt, ihre leibliche Mutter zu suchen und schließt sich dabei einer Gruppe von Aufständischen an. Bald schon gerät sie zwischen die Fronten und muss um ihr Leben fürchten.

Mein Leseeindruck:
Literarisch gesehen war ich bisher noch nicht oft in China unterwegs, daher war dieser Roman in vielerlei Hinsicht etwas ganz Neues für mich. Sehr schnell hatte ich mich eingelesen und war fasziniert von der Geschichte. Es geht hierbei nicht nur um Charlotte, sondern auch um die junge Elsa, die aus Deutschland nach China kommt und sich in einer vollkommen anderen Welt zurechtfinden muss.

Tereza Vanek hat die Geschichte von Charlotte und Elsa sehr bildhaft erzählt. Ich war mittendrin im Geschehen, habe gebangt und gehofft mit den Figuren. Sehr schockierend waren die Kriegsszenen, auch wenn die Autorin sie gar nicht besonders blutig geschildert hat. Aber das Bild der zahlreichen getöteten Chinesen hat sich in meinem Kopf festgesetzt, und ich werde die Geschichte bestimmt noch lange im Gedächtnis behalten.

Der Roman ist sehr gut recherchiert worden. Mir gefallen die Anmerkungen zu den geschichtlichen Daten und das ausführliche Nachwort der Autorin dabei besonders gut.

Leider habe ich den Vorgängerband "Das Geheimnis der Jaderinge" noch nicht gelesen. Man kann aber ohne Probleme "Die Rebellin von Shanghai" lesen, ohne den ersten Band zu kennen. Aber ich bin jetzt so neugierig auf den ersten Teil des Romans, der die Geschichte von Charlottes Adoptivmutter Viktoria erzählt, dass ich diesen recht bald lesen möchte.

Auf jeden Fall kann ich für "Die Rebellin von Shanghai" eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen. Es ist ein großartiger, exotischer Roman, der mich sehr fesseln konnte!

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Die Rebellin von Shanghai

Inhaltsangabe:

Shanghai 1900: Charlotte, die chinesische Adoptivtochter der deutschstämmigen Viktoria Huntingdon und ihres Ehemannes Jinzi, hat sich zum ersten Mal verliebt. Doch ihr Traummann, der englische Soldat David Stuart, zieht sich aus Karrieregründen von ihr zurück, denn eine Ehe mit einer Chinesin gilt in seinen Kreisen als nicht standesgemäß. Charlotte ist verzweifelt und will harte Konsequenzen ziehen: sie verlässt ihre Adoptiveltern und macht sich auf den Weg nach Peking, um ihre leibliche Mutter zu suchen. Wenig später macht sich die energische Elsa Skerpov ebenfalls auf den Weg von Shanghai nach Peking, um dort eine Stelle als Hilfsschreiberin in der deutschen Gesandtschaft anzutreten. Für beide Frauen entpuppt sich ihr Vorhaben als gefährliche Reise, denn es gibt Aufstände, die sich gegen die Anwesenheit von Ausländern in China richten. Doch nicht nur Ausländer geraten in Gefahr, die Stimmung der Aufständischen wendet sich auch gegen eigene Landsleute ...

Das Buch ist die Fortsetzung von „Das Geheimnis der Jaderinge“, in dem die Geschichte von Viktoria Huntingdon und Jinzi erzählt wird. Aber es lässt sich ohne Schwierigkeiten auch ohne Vorwissen lesen.

Der erste Satz:
„Charlotte lief eine Weile an der Uferpromenade, dem Shanghaier Bund, entlang und beobachtete, wie magere, muskulöse Gestalten Kisten von riesigen Schiffen hievten und auf Karren luden, um sie dann mit flinkem Geschick durchs Getümmel zu lotsen.“

Meine Meinung zum Buch:

Das Buch hat mir schöne Lesestunden voller Spannung beschert.

Die Wege der beiden Hauptpersonen Charlotte Huntingdon und Elsa Skerpov kreuzen sich im Laufe der Erzählung immer wieder, und doch erleben beide ihre ganz eigene Geschichte.

Charlotte ist eine junge Frau aus angesehener Familie, die sich nach einer tiefen Enttäuschung auf die Suche nach ihrer eigenen Identität macht und dabei auf raue Weise erwachsen werden muss. Es machte mir Spaß, sie dabei zu begleiten, auch wenn man als Leser manchmal unter ihrem Dickkopf ebenso zu leiden hatte wie ihre Adoptiveltern. Mit Charlotte konnte ich die chinesische Seite der Aufstände erleben und auch viel über das Leben der einfachen Bevölkerung und die Auswirkungen des Aufstandes auf eben diese erfahren.

Auf der anderen Seite, gewissermaßen als Gegenpol zu Charlotte, steht Elsa Skerpov, eine junge Frau, die sich schon in ihrer Heimat Hamburg aus einfachsten Verhältnissen hochkämpfen musste und in Shanghai bzw. Peking ein eigenständiges Leben führen möchte. An ihrer Reise konnte ich viel Interessantes über das Leben der Ausländer in China und die politische Situation lesen, und als sich ihr Weg mit dem von Wenrou, einem chinesischen Mandarins und Mitgliedes im engeren Kreis um die Kaiserin, zu kreuzen beginnt, werden auch die Hintergründe mancher Entscheidung des Kaiserpalastes deutlich.

Die Informationen rund um den Boxeraufstand liefert die Geschichte praktisch nebenbei, denn in der Hauptsache geht es um die beiden Frauen, die sich jede auf eine eigene und ganz andere Art ihr Leben führen wollen. Ich konnte bei beiden Frauen mitfiebern, ihre Entscheidungen hinterfragen und auch manchmal mit ihnen mitleiden, wenn alles schief zu gehen drohte, was sie sich erarbeitet oder erträumt hatten. Sie wuchsen mir beim Lesen sehr ans Herz und ich hätte nichts dagegen, noch mehr über sie erfahren zu dürfen. Glaubwürdig erschienen mir beide, Elsa mochte ich noch einen Tick lieber als Charlotte, denn ihre tatkräftige und praktische Art war mir sehr sympathisch.

Wie immer in den Büchern von Tereza Vanek hat mich die bildhafte Sprache fasziniert. Mit nur wenigen Worten kann die Autorin von den Augen der Leser Bilder hervorrufen und man wird mit den Protagonistinnen in das Gewimmel des Chinesenviertels von Shanghai gezogen oder erlebt hautnah, wie man sich in einer vor aufständischen Boxern verbarrikadierten Gesandtschaft fühlt.

Für mich ist das Buch ein ganz klarer Buchtipp und ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.

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Mit Zorn und Hass reißt man alles nieder, mit Geduld und Liebe aber baut man aus nichts einen Tempel

Mit Zorn und Hass reißt man alles nieder, mit Geduld und Liebe aber baut man aus nichts einen Tempel.
Herkunft
vietnamesiches Sprichwort

Der sog. Boxeraufstand in China im Jahr 1900 war eine Rebellion gegen die dort lebenden
Ausländer, aber auch gegen Chinesen christlichen Glaubens und gegen eine Modernisierung des
Landes. Die Aufstände und Angriffe waren geprägt von Zorn, Hass und großer Brutalität und
ereigneten sich vor allem in der Hauptstadt Peking.
Zwei junge Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, lernen in diesen gefährlichen Zeiten eine Menge über sich selber und über die Kraft, die man entwickeln kann, wenn es etwas gibt, für das es sich lohnt, zu (über-)leben.
Die 17-jährige Charlotte ist Chinesin und wurde als kleines Kind adoptiert von Viktoria und ihrem Mann Jinzi, die einige Leser bereits aus dem Roman „Das Geheimnis der Jaderinge“ kennen.
Charlotte besucht eine Schule, lernt Fremdsprachen und ihr Denken ist europäisch geprägt, auch wenn ihr Adoptivvater Halbchinese ist.
Durch eine unglückliche Liebe muss sie erfahren, wie tief die Gräben sind zwischen den in China lebenden Europäern und der einheimischen Bevölkerung.
Beide Seiten begegnen sich mit tiefem Misstrauen und Vorurteilen, was ein Zusammenleben schwierig, wenn nicht gar unmöglich macht.
Charlotte steht zwischen den Kulturen, macht sich auf die Suche nach ihren chinesischen Wurzeln und gerät dadurch in den Sog der Boxeraufstände in Peking.

Elsa Skerpov aus Hamburg arbeitet als Schreibkraft im Gesandtschaftsviertel in Peking, als die Kämpfe dort eskalieren und das Viertel belagert wird.
Ihr Weg führte sie von Shanghai, wo sie bei Charlotte`s Familie gewohnt hat in die Hauptstadt, wo sie zudem versucht, nach Charlotte zu suchen.

Die beiden jungen Frauen lernen Menschen kennen, die für das "alte China" mit klaren Strukturen von familiärer Autorität und Hierarchie stehen, ebenso wie tolerante und vorurteilsfreie Denker, die es nicht unbedingt einfach haben als
Wanderer zwischen den Welten, die sich Reformen und eine Modernisierung der Gesellschaft und Politik wünschen.
Unter der europäischen Bevölkerungsgruppe gibt es ebenso Verfechter einer eher liberalen Politik als auch einer starren Abgrenzung gegenüber den Chinesen.

Am Ende des Romans gibt es Zeichen von Hoffnung, einen gemeinsamen Weg zu finden, der erkennen lässt, was die Kulturen voneinander lernen können und wie sie sich gegenseitig unterstützen können.
Für Charlotte und Elsa ist dieser neue Weg auch mit dem Wagnis einer Beziehung verbunden, die nicht mehr so undenkbar erscheinen mag wie zuvor, ein Weg, der viel Geduld und Liebe erfordert, aber auch eine neue Sicht auf die Welt möglich macht.

Dieser sehr bewegende Roman über ein Land und eine Epoche, von denen wir nicht so häufig erzählt bekommen, ist dramaturgisch und stilistisch ein unvergessliches Leseerlebnis und lässt uns teilhaben am Schicksal von Personen, die in einer Zeit des Umbruchs eines der größten Abenteuer des Lebens wagen, nämlich die Suche nach der eigenen Identität.

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Der Boxeraufstand

Inhalt

Dieser historische Roman befasst sich mit dem Boxeraufstand, der im Jahr 1900 Peking erschüttert und die Zukunft von ganz China stark geprägt hat. Die Handlung wird erzählt anhand der beiden fiktiven Hauptcharaktere Charlotte und Elsa. Charlotte ist die chinesische Adoptivtochter von Viktoria Huntingdon, der Hauptfigur des Vorgängerbandes „Das Geheimnis der Jaderinge“. Obwohl der aktuelle Band die Familiengeschichte weiterführt, können die Bücher unabhängig voneinander gelesen werden, weil sie in sich abgeschlossene Geschichten erzählen.
Elsa Skerpov ist eine junge Hamburgerin aus einfachsten Verhältnissen, die es dank einer begüterten Tante und ihrem Ehrgeiz geschafft hat, sich weiter zu bilden, so dass sie in einem Handelskontor eine Stellung annehmen konnte. Da sie unverschuldet eines Diebstahls bezichtigt wird, bleibt ihr nichts anderes übrig, als Deutschland zu verlassen. Da ihre Tante eine Bekannte von Charlotte Huntingdon ist, kann sie es Elsa ermöglichen, nach Shanghai zu reisen, wo sie erstmal im Haus von Viktoria unterkommt, wo sie Charlotte kennen lernt. Elsa sucht sich eine Arbeit, um unabhängig zu sein und findet eine Stellung als Schreibkraft in der deutschen Gesandtschaft in Peking.

Charlotte rebelliert nach einer unglücklichen Liebe gegen ihre Adoptiveltern und reißt von zu Hause aus. Sie macht sich auf den Weg nach Peking, um ihre leibliche Mutter zu finden. Sie findet Aufnahme in einer Gauklertruppe, die sich der Boxer-Bewegung anschließt, die zum Ziel hat, China von den „fremden Teufeln“ zu befreien.


Meine Meinung

An der Seite der beiden jungen Frauen Charlotte und Elsa erlebt man als Leser den Boxeraufstand hautnah mit. Ohne Effekthascherei stellt Tereza Vanek die Gräueltaten nachvollziehbar und anschaulich dar. Durch geschickt gewählte Perspektiven hat man aus verschiedenen Seiten Einblick ins Geschehen und kann die Beweggründe der handelnden Figuren sehr gut nachvollziehen. Die Zusammenhänge der historischen Begebenheiten, aber auch der kulturellen Unterschiede werden einem beim Lesen sehr bewusst. Mit den fiktiven Figuren sind auch sehr viele historisch verbürgte Personen verwoben, so dass man ein interessantes und auch realistisches Beziehungsgeflecht beobachten kann. Sowohl Elsa als auch Charlotte machen eine Entwicklung durch. Der rohe ungeschliffene Diamant Elsa findet sich zunehmend in der vornehmeren Gesellschaft der Diplomaten zurecht, während das behütete und auch verwöhnte Kind Charlotte schmerzhaft erfährt, wie viel Glück sie mit ihrem Elternhaus eigentlich hatte. Die Erlebnisse der beiden Frauen in Peking sind sehr spannend zu lesen und ich habe richtig mitgefiebert und mit gelitten, als die Versorgung mit Nahrungsmittel knapp wurde und die Armee der Befreier nicht wie erwartet aufgetaucht ist.

Sprachlich hat mir dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Die Autorin setzt stets eine zur Zeit und dem sozialen Umfeld passende Ausdrucksweise ein, die einem durch einen sehr angenehmen und abwechslungsreichen Satzbau ermöglicht, sich voll auf den Inhalt zu konzentrieren.

Hervorheben möchte ich auch die schöne Gestaltung des gebundenen und mit einem Lesebändchen ausgestatteten Buches. Auf den ersten beiden Seiten ist ein zeitgenössischer Stadtplan des Gesandtschaftsviertels von Peking abgedruckt, was einem das Verfolgen der Handlung während des Aufstandes sehr erleichtert. Zur zeitlichen Orientierung dient eine Auflistung der wichtigen Daten und Eckpunkte des Boxeraufstandes. Eingerahmt wird alles von einem ausführlichen Personenverzeichnis und einem sehr informativen Nachwort, in dem noch mal eindrücklich klar wird, wie viel historische Feinarbeit Tereza Vanek für diesen Roman geleistet hat.


Mein Fazit

So sollte für mich ein historischer Roman sein! Spannend, wahrheitsgemäß und gefühlvoll. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die sich für die Geschichte Chinas interessieren.

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Die fremden Teufel

Historische Romane zeichnen sich oft durch eine wunderschöne Aufmachung aus und die finde ich in diesem Buch sehr gelungen. Neben einem Verzeichnis der wichtigsten Personen gibt es auch noch einen Stadtplan des Gesandtschaftsviertels in Peking. Und nach ein paar wenigen Zeilen war ich schon fasziniert von der Geschichte, die mich in eine mir völlig fremde Welt katapultierte.

Tereza Vaneks spannender und gefühlvoller Schreibstil ließ sofort Bilder vor meinem inneren Auge entstehen. Alle wichtigen Ereignisse aus dem Vorgängerbuch „Das Geheimnis der Jaderinge“ wurden kurz erwähnt. Und sie gibt mir Zeit, ihre Hauptpersonen nacheinander kennen zu lernen. Besonders angetan war ich von der Hamburgerin Elsa, die mich durch ihre pragmatische und unkonventionelle Art sofort für sich eingenommen hat. Charlotte war für mich anfangs das verzogene und verwöhnte Töchterchen, aber das sollte sich im Laufe der Geschichte ändern. Die Ereignisse bringen viele Veränderungen hervor und die schmerzhafteste Veränderung muss Charlotte durchmachen.

Da Charlotte nach ihrer großen Enttäuschung ihr Elternhaus verlässt und sich bei der Suche nach ihren Wurzeln den Rebellen anschließt, bin auch ich mittendrin in diesem rebellischen Wahnsinn gegen die fremden Teufel – wie die Ausländer von den Aufständischen boshaft genannt werden. Die andere Seite erlebe ich durch Elsa, die sich im Gesandtschaftsviertel in Peking aufhält, als die Aufstände ihren Höhepunkt erreichen. Tereza Vanek hat die jeweilige Atmosphäre so gut eingefangen, ich konnte das Gewimmel und den Lärm in der chinesischen Hauptstadt so gut spüren. Sie ließ mich eintauchen in Situationen, die zum Greifen nah waren. Sie ließ mich Teil haben an den Emotionen ihrer Akteure … Liebe und Hoffnung, aber auch Hass und Verzweiflung. Ich wusste manchmal gar nicht, für wen ich mehr Verständnis aufbringen sollte und habe gelitten und gehofft. Ich war so gefesselt von dieser Geschichte, dass sie mir gar nicht mehr aus dem Kopf ging.

Ich liebe schöne Sprache und auch damit hat Tereza Vanek mich verwöhnt. Das Beisammensein von Mann und Frau nennt sie Kunst von Wolken und Regen (S. 251), sie preist das schlichte Glück in dem Gefühl von Sauberkeit (S. 99) und lässt das Mitleid in einer Kloake auch Gift ersterben (S. 525). Sie schreibt enorm fesselnd und legt dabei Wert auf historische Korrektheit, was die Geschichte sehr glaubhaft macht und für mich in einem historischen Roman sehr wichtig ist.

Nach der Ketzerin von Carcassone ist dieses nun das zweite Buch, mit dem Tereza Vanek mich überzeugt und begeistert hat. Ich freue mich schon auf die nächste Reise in die Vergangenheit mit ihr! Den Namen Tereza Vanek sollte sich jeder merken, der fesselnde und gut recherchierte historische Romane liebt.

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Shanghai anno 1900: Das neue Jahrhundert scheint Viktorias Adoptivtochter Charlotte zunächst die große Liebe zu bringen. Doch ihre Hoffnung, die Ehefrau eines englischen Offiziers zu werden, stellt sich bald als Illusion heraus. Tief enttäuscht macht das dickköpfige Mädchen sich auf die Suche nach ihrer wahren Herkunft und gerät so in den Sog des Boxeraufstandes. Gleichzeitig trifft Elsa Skerpov, die Nichte von Viktorias früherer Zofe, in Shanghai ein, um ein neues, selbstständiges Leben zu beginnen. Die Aussicht auf eine gut bezahlte Stelle bringt sie nach Peking, wo die Animositäten zwischen Chinesen und Ausländern schon bald eskalieren. In einem belagerten Stadtviertel muss Elsa gemeinsam mit Menschen verschiedenster Nationen ausharren und auf ihre Rettung hoffen. Als sie entführt wird und sich plötzlich allein in der feindseligen Stadt wiederfindet, lernt sie einen Chinesen hoher Abkunft kennen. Während ihr Leben durch eine scheinbar aussichtslose Liebe vollends aus der Bahn gerät, fühlt sich Charlotte von der Brutalität des Aufstandes zunehmend abgestoßen und gerät zwischen die Fronten.

Tereza Vaneks Roman "Die Rebellin von Shanghai" ist die Fortsetzung des Romans "Das Geheimnis der Jaderinge", kann jedoch auch ohne Probleme gelesen werden, wenn man den ersten Teil nicht kennt. Die bildliche und detailgetreue Schreibweise zieht den Leser schon nach den ersten paar Seiten in seinen Bann und lässt ihn bis zur letzten Seite nicht mehr los. Die Schauplätze und die Geschichte selbst fand ich sehr interessant und beides hat mir wirklich sehr, sehr gut gefallen. Die Charaktere sind mir alle richtig sympathisch und ich war wirklich traurig, als ich das Buch zu Ende gelesen hatte. Ich hätte gerne noch mehr über sie gelesen, denn ich habe alle gleich in mein Herz geschlossen. Charlotte und Elsa, die zwei Hauptprotagonisten, unterscheiden sich zwar sehr, sind jedoch beide richtig toll. Besonders gut gefallen hat mir auch, wie Tereza Vanek die beiden Handlungsstränge (Charlottes Geschichte und Elsas Geschichte) zum Ende verknüpft hat. Diese Verknüpfung hat für mich das Buch noch richtig perfekt gemacht.

Ich habe es genossen, "Die Rebellin von Shanghai" zu lesen. Ich werde das Buch sicherlich weiterempfehlen und hoffe, dass ich bald mehr von Tereza lesen kann. "Die Rebellin von Shanghai" erhält von mir 5 von 5 Sternen.

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