Gerit Bertram: Die Tochter des Medicus

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Gerit Bertram: Die Tochter des Medicus
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch (Broschiert)
ISBN-13
9783764504403

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
"Ciao, Mattia, bis morgen", rief Gideon Morgenstern seinem Kollegen aus der Buchhaltung zu, mit dem er sich ein Büro teilte.

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Handlungsort

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Als Gideon Morgenstern in Regensburg das Erbe seines Großvaters antritt, ahnt er nicht, dass der Koffer, den der alte Mann ihm vermacht hat, sein Leben für immer verändern wird. Gideon, der stets gegen die Traditionen aufbegehrte und als Einziger in der Familie nicht Arzt wurde, entdeckt plötzlich die tragischen Zeugnisse einer längst verschwundenen Welt: alte Fotografien, ein Hochzeitsgewand – und vor allem eine uralte Holztruhe. Diese gehörte Daniel Friedman, einem jüdischen Arzt, der 1519 in Regensburg bei einem Pogrom ermordet wurde. Als einzige Überlebende nahm seine Tochter Alisah den Medizinkoffer an sich und führte sein Handwerk fort. Doch als jüdische Frau war es nicht nur gefährlich, sondern auch verboten, als Ärztin tätig zu sein …

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Das Leben der Alisah Friedmann im mittelalterlichen Regensburg und Frankfurt

Regensburg 1519: die Juden in Regensburg leiden zunehmend unter Diskriminierung und Ausgrenzung. Die Ablehnung findet ihren Höhepunkt im Regensburger Pogrom, das neben offener Gewalt die Ausweisung der Juden zur Folge hat. Besonders hart trifft es die Familie der jungen Alisah Friedmann, die ihrem Vater, dem Medicus, zur Hand geht. Alisahs größter Traum wäre es, als Medica zu arbeiten, jedoch ist dieser Beruf Frauen untersagt und als Jüdin hat sie es doppelt so schwer.
Trient 2013: Gideon Morgenstern erbt überraschenderweise von seinem Regensburger Großvater einen alten Koffer, der Erinnerungsstücke seiner Vorfahren enthält. Unter diesen Schätzen findet er auch die Tagebücher seiner Ahnin Alisah Friedmann.

Mit ihrem Buch entführt das Autorenduo Gerit Bertram den Leser in die mittelalterliche Welt der Regensburger und Frankfurter Juden, die mir bisher unbekannt war. Es ist erschreckend zu sehen, wie jüdische Mitbürger schon immer unter Ablehnung und Ausgrenzung zu leiden hatten. Mehrmals mußte ich beschämend erkennen, wie die Ereignisse von damals den Geschehnissen aus der jüngerer Vergangenheit ähneln.

Die Handlung des Buches wird in zwei Zeitebenen aufgeteilt: in der Vergangenheit begleitet der Leser Alisah auf ihrem Weg. In der Gegenwart erleben wir, wie die Tagebücher seiner Ahnin das Leben von Gideon Morgenstern veränderm, dem seine jüdischen Wurzeln und Vergangenheit bis dahin eher lästig waren.

Neben vielen historischen Fakten lernt der Leser auch einiges über die Arbeitsweise der damaligen Medicae, den Ärzten des Mittelalters. Auch hier waren die Juden federführend und wegweisend, was ihnen jedoch oftmals angekreidet wurde.

Alisah Friedmann ist eine mutige junge Frau, die sich trotz aller Schicksalsschläge immer wieder aufrafft und ihren Traum, als Heilerin zu arbeiten, verfolgt. Dabei hilft ihr der Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft, aber auch unter den Christen findet sie Menschen, die zu ihr halten und sich wohltuend vom Mob abheben.

Gideon Morgenstern ist ein Mensch, der manchmal etwas länger braucht, um bestimmte Dinge anzunehmen. Zugegeben, der alte Koffer samt Inhalt krempelt sein Leben aber auch komplett um.

Mir hat das Buch schöne Lesestunden beschert und es wird sicherlich nicht das einzige Buch der sympathischen Autoren bleiben, das ich gelesen habe.

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Der Koffer wider des Vergessens

Gideon Morgenstern bekommt einen Koffer voller Erinnerungen vererbt, der seine Familiengeschichte enthält. Die Geschichte seiner Familie, mit der er vor einigen Jahren gebrochen hatte. So kommt es, dass er sich Schritt für Schritt seiner Familie und seinen Wurzeln nähert.

Alisah Morgenstern, eine Vorfahrin von Gideon, hielt ihre Erinnerungen an ihre Lebenszeit schriftlich fest und hinterließ sie für ihre Nachkommen in einem Koffer. Eine starke Frau, deren Schicksal bei den Judenprogromen in Regensburg eine Wendung erhält und ihr Leben nachhaltig beeinflusst.

Sowohl das Leben von Gideon als auch von Alisah weist zu Beginn des Buches eine Wendung auf, die deren Leben komplett ändert. Beide müssen einen Weg ins Ungewisse gehen, aber stellen sich dieser Herausforderung. Schön in diesem Roman, der auf zwei Ebenen gleichzeitig spielt, ist die geschickte Verflechtung der beiden Handlungsstränge. Man merkt als Leser sehr, wie das Schicksal von Alisah Gideon beeinflusst und seinen Lebensweg formt. So werden die beiden völlig verschiedenen Handlungsstränge zu einem, ohne dass es konstruiert wirkt.

Die Hauptpersonen fand ich auch sehr interessant und es war spannend ihren Entwicklungsweg nachzuverfolgen. Die Entwicklungstufen empfand ich als sehr realistisch, vor allem bei Alisah wurden die Schicksalsschläge stark berücksichtigt und die Verarbeitung derer dargestellt. Das gefiel mir ausgesprochen gut! Insgesamt führte das dazu, dass man mit den Protagonisten mitfühlen und mitfiebern konnte.

Der Stil in diesem Buch war sehr besonders – aber nicht im negativen Sinne! Man merkt, dass sich zwei Stile vermischen und zu einem werden. Es führte – wie ich finde – zu einer sehr feinfühligen Sprache, die gerade bei diesem Thema sehr zum Gelingen des Buches beitrug!

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Die Geschichte der Morgensterns…

Als leidenschaftliche Leserin von historischen Romanen war es nur eine Frage der Zeit, dass ich über das Autorenduo Gerit Bertram stolpern würde. Der vorliegende Roman ist das erste Buch der beiden, welches ich gelesen habe.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen und ein Erzähler führt uns durch die Geschehnisse. In der Gegenwart, im Jahr 2013, begleiten wir Gideon Morgenstern, in der Vergangenheit ab 1519 Alisah Friedman. Gideons Großvater, bei dem er aufwuchs, ist gestorben und nun gilt es das Erbe anzutreten. Doch zu dem geerbten Haus gehört noch ein geheimnisvoller Koffer. Als Gideon diesen öffnet erfährt er mehr über sich und seine Familie als er jemals geglaubt hätte.

Den Hauptteil der Geschichte nimmt die Handlung in der Vergangenheit ein, was mir sehr gut gefiel. Alisah ist ihrer Zeit voraus, denn sie möchte unbedingt als Ärztin tätig sein, nur leider ist das 1519 Frauen nicht erlaubt und schon gar nicht jüdischen. Das Besondere an ihr ist, dass sie mit Mut, Herz und Verstand trotz aller Schicksalsschläge ihren Weg geht. Ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Gideon dagegen war mir anfänglich etwas suspekt, aber mit der Zeit wuchs auch er mir ans Herz.

Mir hat der Roman richtig was gegeben, denn ich habe wieder einiges über die Juden und deren Geschichte dazulernen können.

Das Autorenduo verwendet eine sehr bildhafte Sprache, die das Vorstellungsvermögen befeuert. Für mich lief die Handlung teilweise wie ein Film vor Augen ab.

Ebenfalls positiv hervorheben möchte ich das Personenregister am Anfang des Buches und das Glossar am Ende, denn so etwas hilft immer sehr beim Verständnis der Lektüre.

Fazit: Gute Unterhaltung, die zum Nachdenken einlädt. Ich empfehle den Roman nur zu gern weiter.

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Großartiger historischer Roman

Wer einen Roman sucht, der in verschiedenen Zeitebenen spielt sollte nicht am neuen Werk von Gerit Bertram vorbeigehen, denn hier gibt es genau die Mischung, die ein gutes Buch braucht ... Liebe, Leid und Freud, Erfolg, Glück und Trauer ... Wir leiden, lieben, hoffen, bangen und freuen uns mit den charakterstarken und sehr symphatischen Protagonisten dieses Romans. Dem Leser wird es am Ende schwer fallen, das Buch ein letztes Mal zuzuschlagen. Aber zurück bleibt ein Gefühl von Zufriedenheit, weil sich alles wunderbar aufgeklärt hat, man viel erfährt und nicht zuletzt regt die Geschichte auch zum Nachdenken über das eigene Leben an.

Zunächst lernen wir Gideon kennen, ein junger Italiener, mit jüdischen Wurzeln und keinerlei Interesse an seiner Vergangenheit oder seiner Religion und Tradition. Dies ändert sich jäh, als er das Erbe seines Großvaters antritt, ein Erbe, welches sein Leben komplett auf den Kopf stellen wird ...

Im zweiten Erzählstrang lernen wir Alisah und ihre Familie kennen, die als Juden im Jahre 1519 in Regensburg leben. Doch die Juden werden nicht länger in der Stadt geduldet und somit sind die Menschen gezwungen, all ihr Hab und Gut zurückzulassen und zu fliehen. Alisah, die stets wissbegierig ihrem Vater assistierte, der ein angesehener Medicus ist, bleibt nach einem schrecklichen Überfall allein zurück. Aber sie wird nicht nur ihren Vater verlieren ....

Getrieben von dem Wunsch ihres Vaters und ihres eigenen Wunsches macht sich Alisah auf einen beschwerlichen Weg, der sie nach Frankfurt führt. Denn sie will dort weitermachen, wo ihr Vater aufhören musste ... sie will heilen und eine Medica werden, anerkannt und wertgeschätzt. Auf ihrem Weg liegen viele Steine, viele Hürden, viele Veränderungen, aber eines behält Alisah immer im Blick: ihr Ziel. Sie lässt sich tapfer auf alles ein, was das Leben ihr bietet und wird am Ende nicht nur mit einem Titel belohnt ...

Ein toller, flüssiger Roman, mit lebendigen und authentischen Charakteren und vielen interessanten Details aus unserer Geschichte und der Medizin unserer Vorfahren.

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Die Tochter des Medicus

Im Jahr 2013 erbt Gideon von seinem verstorbenen jüdischen Großvater, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, weil er entgegen der Familientradition nicht Arzt, sondern Buchhalter und Controller geworden und seinen eigenen Weg gegangen ist, neben dessen Haus in Regensburg einen alten Holzkoffer. Den Koffer wider das Vergessen. Mit dem Inhalt dokumentiert Gideons Familie seit Jahrhunderten ihr Leben, ihr Wirken und ihre Traditionen und findet darin Trost und Halt. Nun ist es an Gideon, den Koffer sicher aufzubewahren, ihn mit Achtung zu behandeln und irgendwann selbst Zeugnis über sich abzugeben, indem er etwas, das ihm viel bedeutet, für seine eigenen Nachfahren in den Koffer legt.

Unter den Erinnerungsstücken entdeckt Gideon ein Tagebuch, das er nicht lesen kann, weil er kein Hebräisch beherrscht. Mit Hilfe der Studentin Paula gelingt es ihm jedoch, die Geschichte seiner Vorfahrin Alisah zu ergründen. Das Schicksal der jungen Frau lässt ihn auch sein eigenen Leben überdenken...

1519 werden die Juden in Regensburg gezwungen, innerhalb weniger Tage die Stadt zu verlassen, ihr gesamtes Wohnviertel und ihre Synagoge zerstört. Im Zuge dieses Pogroms wird der jüdische Arzt Daniel Friedmann ermordet. Infolgedessen erleidet seine Tochter Alisah, die ihrem Vater bei der Behandlung seiner Patienten sonst hilfreich zur Seite steht, ein Trauma und verliert ihre Stimme. Als einzige Überlebende der Familie findet sie Zuflucht in Frankfurt und versucht, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Allerdings ist ihr der Beruf des Mediziners eigentlich verwehrt, weil es Frauen verboten ist, zu studieren. Nur wenn Alisah ein doctor medicinae in Heilkunde unterweisen würde, wäre es ihr gestattet, als Chirurgin oder Hebamme zu arbeiten. Und so verfolgt Alisah zielstrebig ihren Traum...

Die Geschichte der "Tochter des Medicus" auf zwei Zeitebenen, die gelungen miteinander verknüpft werden, weist eine detaillierte und fundierte Recherche auf. Die Autoren Iris Klockmann und Peter Hoeft, die unter dem Pseudonym Gerit Bertram schreiben, haben nicht nur den historischen Hintergrund ausführlich dargestellt, sondern machen den Leser auch in umfassender Weise mit dem jüdischen Glauben und Leben und der Kultur vertraut. Das ist interessant und wissenserweiternd. Im Übrigen tragen ein ausführliches Glossar und Nachwort ebenfalls hierzu bei.

Der Erzählton zeigt sich in der Regel unaufgeregt, ruhig und entschleunigt, doch sehr einfühlsam. Dies vermittelt ein angenehmes Lesegefühl, das das nahe Erleben des Geschehens möglich macht.

Die Protagonisten fügen sich gut in das Geschehen ein, sind mit erkennbarem Engagement charakterisiert worden und durchlaufen im Verlauf der Handlung eine nachvollziehbare Entwicklung.

Die in der Vergangenheit im Mittelpunkt stehende Alisah zeichnet sich durch Herzenswärme aus, sie ist geistvoll und klug. Nach dem Tod und dem Verlust der Stimme verlässt sie den ihr vorbestimmten Lebensweg, da sie begierig ist, zu lernen und zu helfen. Ein Leben daheim, wie es die vorgeschriebenen Gesetze seit jeher verlangen, ist ihr nicht genug. Sie möchte stattdessen auf den Spuren jüdischer Ärztinnen wie Rebekka in Salerno, Floreta und Ceti, die sogar im Dienst spanischer Königinnen standen, folgen. Sie eignet sich medizinische Fähigkeiten an und beeindruckt durch ihre Art und Weise, Menschen kenntnisreich und beherzt zu behandeln.

Gideon in der Gegenwart ist temperamentvoller Italiener, nicht besonders fromm, weshalb er gut wie nie die Synagoge besucht. Anfangs schenkt Gideon seinen jüdischen Wurzeln wenig Beachtung. Einst hatte er sich gegen die Familientradition für einen anderen Beruf entschieden. Im Laufe der Zeit ist er aber auch mit diesem nicht glücklich, ihm fehlt das Gefühl von Erfüllung und das sichere Wahrnehmen, die richtige Position gefunden zu haben. Zudem hat er viele Jahre an einem Ort gelebt, der nie zu einem Zuhause wurde. Während er Alisahs Geschichte erfährt, verändert er sich, verliert seine Lässigkeit, verspürt zunächst Trauer und legt eine Verletzlichkeit an den Tag, die den Leser für ihn einnimmt und freut, an seinem Wachsen und seiner Selbstfindung teilzuhaben.

Alles erzählt "Die Tochter des Medicus" von Gerit Bertram vom Schicksal der Menschen an Wendepunkten ihres Lebens und eröffnet dem Leser dadurch nicht nur die Möglichkeit, sich mit jüdischem Glauben und der Kultur vertraut zu machen, sondern bietet ebenso einen Blick auf die medizinischen Gegebenheiten im Mittelalter.

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