Stef Penney: Die Zärtlichkeit der Wölfe

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Stef Penney: Die Zärtlichkeit der Wölfe
Verlag
ET (D)
2007
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
The Tenderness of Wolves
ET (Original)
2006
ISBN-13
9783442311507

Informationen zum Buch

Seiten
480

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Das letzte Mal sah ich Laurent Jammet in Scotts Laden - mit einem toten Wolf über der Schulter.

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1867, Kanada: Als der Winter mit Macht, Eis und Schnee über die Siedlung Dove River hereinbricht, wird ein Mann skalpiert in seinem Bett aufgefunden. In derselben Nacht verschwindet der 17-jährige Frances, der schweigsame, eigenbrötlerische Adoptivsohn der Ross-Familie. Hat er etwas mit dem Mord zu tun? Oder ist auch er nur ein unschuldiges Opfer? Wurde er womöglich von Indianern verschleppt? Während in Dove River noch spekuliert wird, folgt Mrs. Ross den Fußspuren, die von der Hütte des Ermordeten nach Norden, direkt in die Tundra hinein führen. Schnell heften sich jedoch zwielichtige Abenteurer an ihre Fersen, und unwillentlich gerät die sanfte Frau zwischen die Fronten mächtiger Interessen. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um ihren Adoptivsohn, sondern auch um kostbare Pelze, zwei verschollene Mädchen und eine vergessene indianische Schriftkultur.

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Es ist ein kalter Winter in Kanada, aber das ist es nicht, was die kleine Siedlung Dove River erschüttert. Der Franzose Laurent Jammet wird in seiner Hütte ermordert und skalpiert aufgefunden. Die Hudson Bay Company nimmt sich der Nachforschungen an, da ihr das Gebiet untersteht. Der Leiter der Kommission, Mackinley, ist sich schnell sicher: Der 17jährige Francis Ross, der nach dem Mord verschwunden ist, hat etwas mit der Sache zu tun. Als William Parker, ein Halbblut, der Jammet auch kannte, in Dove River auftaucht, versucht er, von diesem ein Geständnis zu erzwingen. Die Spannungen in der Siedlung zwischen dem bedächtigen und wohlmeinenden Friedesrichter Knox und Mackinley entladen sich daraufhin in Knox' Hilfe zu Parkers Flucht. Diesem schließt sich Mrs Ross, Francis Mutter, an, die sich Sorgen um ihren Sohn macht. Mackinleys Kollege Donald Moody und dessen indianischer Freund Jacob folgen den beiden.

In Himmelvanger, einer norwegischen Siedlung religiösen Charakters treffen Francis, seine Mutter, Parker, Moody und Jacob zusammen, aber das Rätsel des Mordes löst sich nicht, denn Francis behauptet hartnäckig, Jammets Mörder gesehen zu haben und diesem lange gefolgt zu sein, bis er die Spur verlor und erschöpft und verletzt liegenblieb. Manches deutet darauf hin, daß eine entfernte Station der Company eine Rolle spielt, und so machen sich Parker, Moody und Mrs Ross dorthin auf. Parker kennt den dortigen Leiter Stewart, der aber bei ihrer Ankunft unterwegs ist. Schnell wird klar, daß in der Station einiges im Argen liegen muß, was nicht nur an der relativen Bedeutungslosigkeit des Postens liegt: Der stellvertretende Leiter ist drogenabhängig, Stewart kehrt allein zurück, weil sein indianischer Begleiter im Eis eingebrochen sei, es gibt dunkle Andeutungen und versteckte Bemerkungen, von denen keiner der Stationsangehörigen etwas wissen will, wird er darauf angesprochen. Parker weiß, daß Jammet an der Gründung eines Konkurrenzunternehmens zur Company beteiligt war, er weiß auch von einem Stapel wertvoller Pelze, die verlorengingen, und er weiß um Stewarts Ehrgeiz, der an diesem verlorenen Posten nicht befriedigt werden kann. So macht er sich erneut mit Mrs Ross auf den Weg, verfolgt von Stewart, verfolgt von Moody. Es muß eine Abrechnung geben ...

Obwohl ein Mord - und darüber hinaus ein verschwundenes Elfenbeinplättchen mit merkwürdigen eingeritzten Zeichen, die einen Hinweis auf eine indianische Schriftkultur darstellen könnten - im Mittelpunkt steht, handelt es sich nicht um einen Kriminalroman. Denn beides dient lediglich als Aufhänger für das Offenlegen komplizierter Verflechtungen in der kleinen Siedlung mit Fäden, die weit über die beschränkte Geographie hinauslaufen. Innerhalb der Siedlung war Jammet ein Sonderling, einziger Franzose und etwas argwöhnisch beäugt, und seine Freundschaft mit dem verschlossenen Francis Ross hat zumindest innerhalb der Familie Ross Irritationen ausgelöst. Die Company, die um ihren Machterhalt kämpft, verfolgt nicht nur in Gestalt von Mackinley zweifelhafte Ziele. Und die Interessenten für das Elfenbeinplättchen haben auch höchst eigene Ambitionen.

Dabei verläuft gerade diese Erzählung um das Elfenbeinplättchen am Ende leider im Sand oder in diesem Fall wohl eher im kanadischen Schnee, was sehr schade ist, nicht nur wegen der damit verbundenen Theorie, sondern auch, weil einige Personen wie bestellt und nicht abgeholt in der Geschichte stehenbleiben. Der Mord selber mit seinen Rahmenbedingungen und Motiven wird aber geklärt.

Erzählt wird das Ganze aus wechselnden Perspektiven, Abschnitte mit Mrs Ross als Ich-Erzählerin wechseln mit solchen eines auktorialen Erzählers, der besonders Einblicke in Donald Moody eröffnet. Dadurch weiß man als Leser mehr als die Figuren, aber nicht so viel mehr, daß der Gang der Ereignisse vorhersehbar wird. Erst Stück für Stück enthüllen sich Querverbindungen zwischen den Personen, die teils weit in der Vergangenheit liegen. Das wird noch angereichert durch einige Nebenepisoden, die mit dem Hauptstrang der Erzählung um den Mord zunächst in keinerlei Beziehung zu stehen scheinen, sich aber letztlich doch recht gut in den Gesamtkontext einfügen.

Durch die harten äußeren Bedingungen, die der Winter setzt, bekommt die Psychologie eine besondere Bedeutung. Reisen erfordert dabei eine Gemeinschaft, die auf Vertrauen gründen muß. Die wechselnden Zusammensetzungen der "Reisegruppen" erfordern immer eine neue Ausbalancierung des Umgangs miteinander, und insbesondere für Parker und Mrs Ross wird dies zu einer Herausforderung. Aber auch die zum Teil abgerissene verbale Kommunikation zwischen einander an sich nahestehenden Personen, die durch Gesten und Zeichen ersetzt wurde, spielt eine wichtige Rolle.

Insgesamt ein sehr ruhiger Roman, der nicht von spektakulären Aktionen, sondern eher von der winterharten Landschaft, den Menschen mit ihrem Pioniergeist und eben den Beziehungen untereinander lebt. Leider hat der Verlag keine Karte spendiert, das wäre eine willkommene Ergänzung gewesen, aber auch ohne diese ist es eine schöne Lektüre für Wintertage, im Hochsommer verliert er wahrscheinlich einiges an Reiz und Intensität.

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