Dan Simmons: Drood

Hot
 
3.9 (3)
 
0.0 (0)
2192   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Dan Simmons: Drood
Verlag
ET (D)
2009
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
Originaltitel
Drood
ET (Original)
2009
ISBN-13
9783453265981

Informationen zum Buch

Seiten
976

Sonstiges

Übersetzer/in
Erster Satz
Ich heiße Wilkie Collins, und da ich die Veröffentlichung dieser Aufzeichnungen auf einen Zeitpunkt hinauszuschieben gedenke, der mindestens eineinviertel Jahrhunderte nach meinem Ableben liegt, vermute ich, dass Du meinen Namen nicht kennst.

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei Thalia kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)
London im Juni 1865: Bei einem dramatischen Eisenbahnunglück finden etliche Menschen den Tod. Unter den Überlebenden ist der bedeutendste Schriftsteller seiner Zeit, Charles Dickens. Doch nach diesem Ereignis ist Dickens nicht mehr derselbe: Wie besessen macht er sich auf die Suche nach einem mysteriösen Mann namens Drood. Aber wer oder was ist Drood wirklich? Und kann es sein, dass Charles Dickens in seinen letzten Lebensjahren zum kaltblütigen Mörder wird?

Autoren-Bewertungen

3 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.9
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (3)
Charaktere 
 
3.7  (3)
Sprache & Stil 
 
4.0  (3)
Gesamtbewertung 
 
3.7
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
3.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Opium, Mesmerismus und ein unsympathischer Wilkie Collins

Peinlicherweise ist mir erst als es (ziemlich spät) im Buch erwähnt wurde, aufgefallen, dass „Drood“ ja ein Bestandteil des Titels von Dickens letztem, nicht fertigstellten Roman ist – und das obwohl ich doch schon mal einen Roman darüber gelesen habe. So bin ich also ziemlich unvoreingenommen an diese Geschichte herangegangen und habe viktorianischen Grusel und Interessantes zu echten Personen der (Literatur-)Geschichte erwartet.

Das gab es dann auch, Wilkie Collins gibt den Erzähler und guten Freund Charles Dickens‘, der ihm deswegen auch prompt von dem Zugunglück erzählt, welches er nur mit Glück überlebt hat und von dem seltsamen Mann, der aussah, wie eine Personifikation des Todes und zwischen den Sterbenden umherging. Dickens will diesen Mann suchen, und im Verlauf der mehrere Jahre umfassenden Erzählung gibt es Ausflüge in die Slums und Unterwelt Londons, Mesmerismus im Übermaß, aber auch immer wieder schriftstellerischen Alltag und familiäre Sorgen. Dabei sorgten manche Beschreibungen und vor allem Ansichten zu Grummeln und Augenrollen bei mir, sind aber zum Teil sicherlich einfach nur korrekte historische Darstellung der damaligen Normalität.

Am Anfang war ich auch meist mit dem Erzähler Wilkie Collins auf einer Seite und habe seine immer wieder eingefügten spitzen Seitenhiebe als berechtigte Kritik an einem arroganten Dickens betrachtet, doch mit der Zeit erschien er mir immer mehr als simpler Miesepeter, der allen alles missgönnt. Seine offensichtlichen, von seiner Laudanum-/Opiumsucht genährten Wahnvorstellungen trugen das Ihrige dazu bei, seine Aussagen mehr und mehr anzuzweifeln.

Wie bei seinem vorigen Roman „Terror“ (das gefiel mir übrigens besser) lässt der Autor seinen Leser wieder selbst entscheiden, was er als Wahrheit akzeptieren und was als Hirngespinst abtun will. „Drood“ ist insgesamt zwar nicht schlecht gemacht, hat aber seine Längen und vor allem habe ich aber gerne Verständnis für meine Hauptfiguren und das habe ich Wilkie Collins gegenüber immer mehr verloren…

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Dan Simmons erzählt in seinem Buch die letzten 5 Jahre von Charles Dickens. Jedoch nicht aus der Perspektive von Charles Dickens, sondern aus der Ich-Perspektive von Wilkie Collins. Ein doch auch berühmter Schriftsteller, der aber sein Leben lang im Schatten von Charles Dickens stand, jedoch wohl zumindest einige Zeit auch mit ihm befreundet war.

Gleich mal vorne weg: Ein Kritikpunkt von mir ist, dass der Autor in seinem Nachwort leider nicht erwähnt hat, was in dem Roman noch Tatsachen entspricht und was reine Fiktion ist. Tatsachen sind wohl die ganzen Werke sowohl von Dickens, als auch von Collins, die innerhalb des Romans rege Erwähnung finden und auch am Ende nochmal alle aufgelistet werden.

Als Leser taucht man mit Collins in eine surreale Welt ab, wo man sich nie sicher ist, ob man gerade die Realität sieht oder in einem Drogenrausch von Collins untergeht. Wilkie Collins betreibt einen üblen Drogenmissbrauch und wird dadurch im Laufe der Zeit immer misstrauischer, panischer und auch neidischer gegenüber Charles Dickens. Darunter leidet die Freundschaft, aber auch das gesamte Leben von Collins.

Dabei ist Collins die Hauptfigur keine sympathische Person und obwohl er wirklich unmögliche Gedanken hegt, sich teilweise total daneben benimmt, habe ich sehr gerne aus der Perspektive von Collins gelesen und hatte die meiste Zeit eigentlich Mitleid mit ihm. Das Bild von Charles Dickens wird auch nicht immer besonders positiv dargestellt. Er ist ein gefeierter Autor und seine Lesungen sind sehr beliebt. Jedoch ist ihm das Wort Bescheidenheit fremd und auch menschlich fehlt es ihm wohl an der einen oder anderen Stelle. Wie viel in diesen Figuren von den tatsächlich gelebten Personen ist und was nicht, kann ich leider nicht beurteilen.

Trotz Drogenträumen und -visionen erlebt man als Leser die Straßen und Gassen von London, die Lesungen von Dickens und fühlt sich einfach zurückversetzt in das London und England von damals. Ich fand die Dispute zwischen Dickens und Collins über Stilelemente und Handlungsaufbau in ihren Romanen total spannend und auch die dargestellten Verbindungen zwischen den Romanen und den Personen, die Dickens, aber auch Collins gekannt haben.

Drood bleibt im Nebel. Ob er wirklich existiert oder nicht, ist die große Frage des Romans - neben vielen anderen, aber obwohl "Drood" auch Titelgeber ist, steht für mich die Figur nicht im Mittelpunkt. Im Fokus steht die Hass-Liebe zwischen Dickens und Collins, die teilweise echt irre Ausmaße annimmt und wo ich als Leser teilweise gar nicht wusste, was ich jetzt davon halten soll.

Gewöhnungsbedürftig war für mich zu Beginn, dass ich als Leser von Collins oft direkt angesprochen wurde. Im Verlauf des Romans habe ich mich jedoch daran gewöhnt und fand es teilweise richtig lustig, was er sich unter der "fernen Zukunft" so alles vorgestellt hat.

Am Ende bleiben viele Dinge ungelöst, es gibt viel Raum für Spekulationen, aber mir hat es gefallen. Das komische an der Sache ist, dass ich normalerweise offenen Enden gar nichts abgewinnen kann und eine Geschichte gerne sehr rund dargestellt bekomme. Hier passt das aber irgendwie zusammen. Das Buch beginnt mit dem Zugunglück von Staplehurst und endet schließlich nach vielen Irrungen und Wirrungen mit dem Tod der beiden Autoren. Viele Dinge zwischen ihnen bleiben ungelöst und viele offene Fragen für den Leser auch, aber das passt für mich irgendwie zu diesem Buch.

Alles in allem ein Buch, dass ich auch in gar keine Kategorie stecken kann, das mir aber sehr gut gefallen hat und bei mir richtig den Wunsch geweckt hat, noch Bücher von Charles Dickens und auch mal welche von Wilkie Collins zu lesen!

Das war übrigens das erste Buch von Dan Simmons, das ich gelesen habe und ich bin jetzt doch sehr neugierig auf die anderen Bücher von ihm geworden!

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

1865 kommt Charles Dickens beim verheerenden Zugunglück von Staplehurst unverletzt davon, während zahlreiche andere Reisende ums Leben kommen. Dort begegnet er zum ersten Mal einer rätselhaften Gestalt, die aussieht wie der Tod persönlich, und sich Drood nennt.



Sein Freund, der Schriftsteller Wilkie Collins, der mit ihm in stetem Wettstreit steht und etwas zu großzügig bei der Anwendung von Laudanum gegen seine Gichtschmerzen vorgeht, stellt fest, dass Dickens danach nicht mehr der alte ist. Eines Tages schleppt er Collins auf eine unheimliche Expedition in die Londoner Unterwelt, in Opiumhöhlen und unterirdische Kanäle, wo Drood angeblich hausen soll. Er hat sich in den Kopf gesetzt, die unheimliche Gestalt zu stellen, die nicht nur für das Desaster von Staplehurst verantwortlich sein, sondern auch mehrere hundert Morde auf dem Gewissen haben soll. Während der wenigen Jahre, die Dickens danach noch am Leben ist, nimmt diese Suche bizarre Ausmaße an.



Er und Collins entfremden sich derweil immer mehr voneinander - Collins' Opiumsucht (und Eifersucht auf Dickens) wird immer schlimmer, während Dickens' Gesundheitszustand sich rapide verschlechtert (was ihn nicht davon abhält, eine anstrengende Vortragstour zu unternehmen). Collins bleibt von Dickens' Suche nach Drood ausgeschlossen und versucht auf eigene Faust herauszufinden, was es mit ihm auf sich hat ...



Ein höchst atmosphärischer Wälzer, jede Menge Gaslicht, unheimliche Krypten, Kanäle, Geheimgänge, sehr merkwürdige Gestalten, viktorianische Prüderie an der Oberfläche vs. pikante Liebesgeheimnisse und ein detaillierter Einblick in den Literaturbetrieb jener Zeit.



Wilkie Collins, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, wirkt nicht unbedingt immer sympathisch, funktioniert als Gegenpart zu Dickens aber hervorragend. Man spürt regelrecht, wie er immer tiefer in seine Laudanumabhängigkeit rutscht und ihm dabei gelegentlich der klare Verstand abhanden kommt.



Der Gruselfaktor war viel weniger gegeben als erwartet (was aber durchaus nicht negativ auf mich wirkte). Sicher sind Drood und seine Verbündeten gruselige Figuren, und es kommt zu einigen recht blutigen Auseinandersetzungen, doch der Drood-Handlungsstrang macht nur einen Teil des Buches aus - für mich nicht einmal den besten, denn streckenweise zog sich die Suche nach dem Widerling ziemlich hin und die Auflösung vermochte mich nicht wirklich zu überzeugen.



Viel mehr genossen habe ich die Einblicke in Dickens' und Collins' Liebes- und Familienleben, bei beiden ziemlich kompliziert, die Entstehungsgeschichten ihrer Werke und die detaillierten Schilderungen von Dickens' aufwendig inszenierten Vortragsabenden.



Abzug für einige Längen und die Drood-Auflösung, ansonsten eine schöne Urlaubslektüre.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

In dieser Liste gibt es noch keine Bewertungen.
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue