Alex Capus: Eine Frage der Zeit

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Alex Capus: Eine Frage der Zeit
Verlag
ET (D)
2007
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783813502725

Informationen zum Buch

Seiten
304

Sonstiges

Erster Satz
Blind und irr vor Erschöpfung kletterte Anton Rüter den Bahndamm hinauf, dem er seit der Morgendämmerung entgegengelaufen war.

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Drei norddeutsche Werftarbeiter werden 1913 von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, ein Dampfschiff in seine Einzelteile zu zerlegen und am Tanganikasee südlich des Kilimandscharo wieder zusammenzusetzen. Der Monarch will damit seine imperialen Ansprüche unterstreichen. Die drei Männer fahren nach Deutsch-Ostafrika mit der Aussicht auf guten Verdienst, lassen sich bezaubern von der exotischen Kulisse und der schönen Gouverneurin, geraten aber rasch in das gewalttätige Räderwerk des Kolonialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zur gleichen Zeit beauftragt Winston Churchill den exzentrischen, aber liebenswerten Oberleutnant Spicer Simson, zwei Kanonenboote über Land durch halb Afrika an den Tanganikasee zu schleppen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, liegen sich Deutsche und Briten an seinen Ufern gegenüber. Keiner will, aber jeder muss Krieg führen vor der pittoresken Kulisse des tropischen Sees. Alle sind sie Gefangene der Zeit, in der sie leben, und jeder hat seine eigene Art, damit fertig zu werden.

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"Eine Frage der Zeit" behandelt ein Kapitel deutscher Kolonialzeit, die wahrscheinlich kaum jemandem bekannt ist. So verrückt sich das Unterfangen, ein Dampfschiff in Deutschland zu bauen, zu demontieren und am Tanganjika-See wieder zu montieren, liest, entspricht es doch den Tatsachen.

Alex Capus verpackt diese Geschichte in seinem Roman auf sehr lesenswerte Art. Obwohl er manches Mal ziemlich ins Detail geht, wird der Leser von diesem Buch geradezu gefangengenommen. Es geht dabei nicht nur um um das Dampfschiff "Götzen", die von den drei norddeutschen Werftarbeitern in Deutsch-Ostafrika zusammen gebaut werden soll. Denn wir reisen mit den dreien an den Tanganjika-See - in eine fremde Kultur, zu den Schwarzen und die sie beherrschenden Kolonialherren.

Das einzige, was mir an dem Roman nicht gefiel, war dass meiner Meinung nach übertrieben positive Verhalten der drei den Einheimischen gegenüber. Das war mir etwas zu sehr Schönfärberei. Besser gefallen hat mir in diesem Zusammenhang die Bemerkung des deutschen Offiziers, der den Schwarzen lediglich übel nahm, dass sie ihn zwingen Dinge zu tun, die er für böse hält, aber aufgrund seiner Stellung dazu gezwungen ist. Er muss als Offizier handeln und nicht als Mensch.

Es sind jedoch auch die Schiffbauer, die er unter Druck setzen muss. Der Dampfer muss fertig werden und auch die Wissmach bedarf der Überholung. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden Rüter, Tellmann und Wendt seinem Kommando unterstellt. Über längere Zeit gelingt es ihnen durch Arbeitsverzögerungen passiven Widerstand gegen ihre aktive Kriegsteilnahme zu leisten.

Den bedächtigen, wortkargen Deutschen wird ein Ausbund von Energie in Gestalt von Geoffrey Spicer Simson, Commander der britischen Armee, gegenüber gestellt. Das groteske und abstossende Verhalten Simsons unterstützt noch das "Feindbild". Und gerade er war es, der mich am meisten überraschte.

Mit spitzer Feder zeigt Capus die Lächerlichkeit der Gefechte auf dem See auf. Da ist man versucht beim Lesen den Kopf zu schütteln über dieses ganze Gehabe.

Ich bin sehr angetan von diesem Roman und kann ihn nur weiterempfehlen.

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Die Idee, ein Dampfboot gleich nach dem Zusammenbau wieder auseinanderzunehmen und am afrikanischen Tanganika-See wieder zusammenzubauen, kam mir reichlich bizarr vor - aber natürlich ist dies der Stoff, aus dem solch ungewöhnliche Geschichten wie diese hier entstehen. Das Bestreben der Deutschen, im Spiel der Kolonialmächte mitzumischen und Anspruch auf ein Stück vom akfrikanischen Kuchen zu erheben, treibt hier seltsame Blüten. Daher finden sich drei Werftarbeiter, darunter der Konstrukteur der "Götzen", plötzlich in Deutsch-Ostafrika wieder. Sie arrangieren sich mit den Gegebenheiten und konzentrieren sich auf ihre Aufgabe, während sie in Wahrheit nur Marionetten der Mächtigen sind, die nichts anderes als einen Krieg im Kopf haben.

Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges tritt auch die englische Gegenseite in Person des exzentrischen Commanders Spicer Simson auf den Plan, der seinerseits ebenfalls den Auftrag bekommt, zwei Boote auf dem Tanganika-See zu platzieren und die Kontrolle über den See und damit das ganze Gebiet zu übernehmen. Seine Figur hat mir sehr viel Spaß gemacht, da er zum einen immer mit einem kleinen Augenzwinkern geschildert wird, andererseits aber überraschend auch eine Art Entwicklung vom selbstverliebten Spinner zur souveränen Leitfigur durchmacht, was wohl niemand so erwartet hätte.

Die Handlung verläuft in einem ruhigen Erzählstil ohne allzu dramatische Augenblicke. Die afrikanische Atmosphäre wird vom Bestreben der Deutschen, ihre Lebensweise so deutsch wie möglich zu gestalten, etwas überlagert. Trotzdem hat das Buch auch seine afrikanischen Momente, und auch die Unverfrorenheit im Umgang mit der einheimischen Bevölkerung seitens der deutschen Kolonialisten ist ein Thema. Schön fand ich, dass die Hauptfiguren dennoch ein gutes Verhältnis zu den Afrikanern aufbauen und zahlreiche Freundschaften entstehen.

Am Ende kommt die Sinnlosigkeit des Krieges in ihrer vollen Bandbreite zum Tragen und ich konnte angesichts der Ereignisse nur mit dem Kopf schütteln; so viele Mühen und Strapazen stellen sich am Ende als umsonst heraus. Alex Capus hat einen Roman verfasst, der zum Nachdenken und Nachsinnen einlädt; aber auch zum Schmunzeln und zum Augenrollen. Manche Passagen hätte ich mir gerne noch etwas ausführlicher gewünscht, denn so richtig tief eintauchen konnte ich angesichts der Kürze nicht in die Geschichte. Aber dennoch hab ich das Buch sehr gerne gelesen und fand die Idee sowie die Ausführung gut gelungen.

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