Franziska Steinhauer: Fluch über Rungholt

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Franziska Steinhauer: Fluch über Rungholt
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783839220160

Informationen zum Buch

Seiten
346

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Wellen warfen sich brüllend gegen die Küste, der niedrige Himmel war durchgehend dunkelgrau und schwarze Wolken rasten vorbei, als versuchten sie, sich vor dem tobenden Wind in Sicherheit zu bringen.

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Handlungsort

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Schon seit geraumer Zeit beobachtet Pfarrer Roerd Asmus die Irrwege seiner Gemeinde mit Abscheu: Prügeleien, Saufgelage und Vergewaltigungen. An einem grauen Wintermorgen wird Arnft, einer der Torfsieder, in einem Bottich tot aufgefunden. Zu erkennen ist er nur noch an einer Tätowierung, die er sich vor vielen Jahren hatte stechen lassen. Der Mann hatte sich zuvor viele Feinde im Dorf gemacht. Die Bürger von Rungholt, einer kleinen Nordseeinsel, verdächtigen die Engelmacherin Silja.

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Fluch über Rungholt

Rungholt, kurz vor der großen, alles zerstörenden Flut im 14. Jahrhundert: Der Torfsieder Anrft wird Tod in einem Salzbottich aufgefunden, zwei junge Frauen sterben ebenfalls und ein Fremdverschulden ist hier nicht auszuschließen. Die Männer und Frauen der Insel machen was sie wollen und alle guten Worte des Pfarrers Roerd Asmus sind vergebens. Wer ist schuld an den Toten? Schnell werden genau die Verdächtigt, die nicht unbedingt zur Gemeinde gehören, wie die Engelmacherin Silja oder der geheimnisvolle Fremde aus dem Morgenland.

Franziska Steinhauer nimmt ihre Leser mit auf die Insel und gewährt hier einen schönen Einblick in die Zeit vor der großen Flut. Die Menschen beschreibt sie als raubeinig und eigenwillig. Sie haben ihre eigenen Gesetzte nach denen sie leben. Die plötzlichen Toten werfen sie aus der Bahn. Schuldige sind schnell gefunden, aber war es auch die Engelmacherin oder Shaid, der Fremde? Die Lösung hat die Autorin gut versteckt, so gut, dass ich nicht auf die Auflösung kam und bis zum Schluss rätselte, wer den nun der oder die Mörder waren. Allerdings fand ich dann auch, dass es nicht wirklich Hinweise gab, oder ich habe sie einfach nicht gesehen. Die Auflösung selbst war nachher aber schlüssig und gut.

Etwas seltsam fand ich den Fremden aus dem Morgenland. Er wird als Zeitreisender beschrieben. Seine kleine Geschichte offenbart sich so nach und nach. Shahid tritt hier als Ermittler auf und versucht den Fall zu klären. Etwas seltsam fand ich es jetzt schon in einem Roman, der als historischer Nordsee Roman angepriesen wird, einen Zeitreisenden vorzufinden. Ich hatte hier nicht mit Fantasy-Elementen gerechnet. Sie fügen sich zwar gut in die Geschichte ein, wirken aber trotzdem irgendwie fehl am Platz. Auch kam mir die ganze Geschichte recht düster vor. Die Menschen hatten hier durchweg ein schlechtes Leben und wurden offenbar nur schlecht behandelt. Ob dies wirklich damals so war? Mir war es einfach zu viel negatives. Wobei die letzten Seiten sehr spannend waren. Die Flut hat die Autorin wirklich gut beschrieben und das Ende dieser Geschichte somit spannend gesetzt. Leider war der Krimiteil nur mäßig spannend. Auch hat sich mir nicht wirklich erschlossen, woher Shahid am Ende wusste, wer der Täter war.

Ein interessantes Nachwort klärt am Ende Fiktion und Wahrheit und erzählt noch ein bisschen aus dem Leben dieser Epoche. Der Erzählstil von Frau Steinhauer ist der Zeit durchaus angepasst und lässt sich gut lesen. Das historische Leben wird lebendig geschildert und die Ereignisse sind gut in der gesamten Geschichte verpackt. Auch wenn „Fluch über Rungholt“ mich jetzt nicht so gefesselt hat wie erwartet, war es trotzdem gute Unterhaltung.

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Vom Untergang einer Insel

Auf Rungholt, einer kleinen Nordseeinsel geht es bügelhoch her. Ausschweifungen und Sünden, Verschwendungs- und Spielsucht, Eitelkeit – Pfarrer Rierd Asmus wird seiner Schäfchen nicht mehr Herr. Als kurz nacheinander zwei junge Frauen eines unnatürlichen Todes sterben und dann auch noch ein Mann in einem Salzbottich tot aufgefunden wird, verdächtigt man einen Fremden – den Zeitreisenden Shahid.

Franziska Steinhauer nimmt mich mit in das Jahr 1362, wo angeblich im Januar eine Sturmflut die Nordseesiedlung Rungholt und ihre Bewohner unter sich begraben hat.

Shahid, ein Zeitreisender mit spektakulärem Gedächtnis, taucht in Rungholt auf. Er ist sich sicher, dass die beiden jungen Frauen keines natürlichen Todes gestorben sind. Durch seine Methoden macht er sich verdächtig und die Bewohner haben schnell ihn als den Mörder in Verdacht. Er ist so ein ganz anderer „Ermittler“, der hier auch seine eigene Geschichte kurz erzählt.

Auch die weiteren Personen sind so menschlich und natürlich gezeichnet, die Örtlichkeiten so naturgetreu wiedergegeben, dass ich schnell mitten in der Geschichte drin bin. Ich meine den Schmutz auf den Straßen und am Markt riechen zu können, meine die Hitze in der Salzsiederei auf meiner Haut zu spüren und laufe mit den Pferden sehr vorsichtig durch die Torfregion um nicht einzusinken. Der Unterschied zwischen den wenigen durch das Salz reich Gewordenen und dem armen hart arbeitenden Volk kommt sehr gut rüber. Die Behandlung der Untergebenen und auch des kleinen Kindes eines Salzsiedereibesitzers und seiner Frau haben mich etwas entsetzt. Dass die Frauen damals überhaupt keine Rechte, sondern nur dem Manne untertan zu sein hatten, kann ich heute kaum noch verstehen, wird in der Geschichte sehr klar heraus gestellt.
Leid getan hat mir Pfarrer Asmus, der einen sehr schweren Stand in seiner Gemeinde hat und es nicht verwinden kann, wie sich alles zum Negativen verkehrt.

Vielleicht liegt es an der damaligen Zeit, dass ich außer mit Shahid mit keiner der Personen richtig „warm“ geworden bin. Er hat mich mit seiner so ganz anderen Art gefesselt und beim Lesen gehalten.

Für mich besonders interessant finde ich die Seiten nach der Geschichte. In Legende und Wahrheit erfahre ich vieles aus der vergangenen Zeit und auch über Rungholt. Und wer mag, kann sich in den Informationen zur Zeitgeschichte mit weiterem Lesestoff versorgen.

Für alle, die mittelalterliche Geschichten mit interessanten Figuren und einem guten Plot mögen – hier bitte zugreifen.

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Gut recherchierte, faszinierende Allianz von Krimi und historischem Nordsee-Roman

"Fluch über Rungholt" von Franziska Steinhauer erschien als tb im Gmeiner-Verlag (2017) und ist der erste, aber sicher nicht der letzte Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. (Es ist bereits der 16. Roman, der von ihr im Gmeiner-Verlag publiziert wurde). Er erschien in der Reihe 'Gmeiner Spannung' und trägt den Untertitel 'Historischer Nordsee-Roman'; das düster wirkende Cover passt mit seiner Düsterkeit und den schäumenden Nordseewellen sowie mit den historisch anmutenden Männern und Schiffen hervorragend zum Romaninhalt; auf den Innenseiten der Buchdeckel findet sich eine Karte von Rungholt und Strand, die ich südlich von Amrum vermute.

Rungholt, 1362:

Auf Rungholt, einer Nordsee-Insel, werden Tilda und Enken, zwei junge Frauen, im Moor gefunden: Beide tragen eine kleine Wunde am Körper und alles deutet auf Mord. Hauke, ein Weber und sein Freund Shahid, ein orientalischer Gelehrter und - wie im Verlauf der Geschichte zu lesen sein wird - ein Zeitreisender, ermitteln...
Es handelt sich um einen kulturhistorisch sehr interessanten Roman, da Landschaft und Menschen, die im 14. Jahrhundert auf Rungholt lebten, sehr detailliert beschrieben werden. Die Menschen suchen nach einem Sündenbock, den sie nur allzu gerne in Silja, der Engelmacherin und kundigen Kräuterfrau, sehen. Einige wenige Inselbewohner, die reich sind, besitzen Steinhäuser, die Ärmeren, meist Bauern oder Arbeiter in den Siedereien, leben in Holzhäusern. Kranke wie z.B. Aussätzige werden verbannt und aus der Gesellschaft ausgestoßen, wo man sie ihrem Schicksal überlässt. Ein Kranker, der ausgestoßen wurde, kann jedoch Shahid wertvolle Hinweise geben, als dieser den Ort aufsucht, an dem Enken gefunden wurde, das Moor...

Es gibt einen Kreis älterer Männer, die Selbstjustiz auf der Insel üben und einen geheimen Frauenzirkel, die Arme und Kranke unterstützen: Der Pfarrer, Asmus, hat einen schweren Stand und wird kaum ernst genommen, nur vor dem 'blanken Hans' haben alle Respekt - ansonsten sind Prügeleien, Saufgelage, Spielsucht und Gewalt an der Tagesordnung. Selbst vor dem Herrenhaus der von Eichwalds macht diese Gewaltanwendung nicht halt: Elisabeth von Eichenwald verprügelt mit Hingabe die eigene Tochter und Liese, ihre Zofe.
Ein dritter Toter wird im Sud der Salzsieder gefunden: Arnft, der grobe, bei allen unbeliebte Sieder, der ein Schürzenjäger war und sich immer nahm, was er wollte. Hauke und Shahid fragen sich, ob und was dieser Tod mit den Morden an den beiden Frauen zu tun haben könnte, während Liese zum Spielball der Herrin wird, die für einen Tiegel Creme ihre Zofe als Draufgabe der Zahlung an den zwielichtigen Alchimisten Comte de Champagne vereinbart; Shahid erweist sich hier als Retter in der Not und bringt Liese zurück ins Herrenhaus. Hier muss er erfahren, dass ein hübsches junges Mädchen weniger Wert hat als ein Pferd - was ihm zurecht den Atem stocken lässt....

Diese und weitere Szenen machen den großen Reiz dieses historischen Romans aus, da die Autorin sehr gekonnt gut recherchierte Details aus dem sozialen und kulturellen Zusammenleben der Bewohner Rungholts, die Not der einfachen Leute, der Rechtlosigkeit von Frauen etc. sehr gut darstellt, dass man sich als Leser das Leben auf Strand und Rungholt gut vorstellen kann. Mit dem dritten Mord steigt auch die Spannung weiter an.

Es gibt ulkige und tragische Szenen, z.B. der wahrsagenden Brüder Johannes und Berthold oder die Therapiefreudigkeit des gelernten Medicus Shahid, die er zweifelsohne an dem Alchimisten mit Erfolg testet. Man schmunzelt mit Bernadette, die von der Therapie erfährt und sie mit schallendem Gelächter gut heißt; der Humor kommt also nicht zu kurz; doch drei Morde und eine Entführung sind aufzuklären und Berthold hat eine "Vision" des blanken Hans....

Gegen Ende des Romans überschlagen sich die Ereignisse; der Plot ist stimmig und nicht vorhersehbar. Zu wünschen bleibt, dass es Shahid gelungen ist, erneut in ein Abenteuer zu stürzen, in dem seine ermittlungstechnischen Fähigkeiten gebraucht werden :)
Ein sehr gut zu lesender, schöner Sprachstil, der der Zeit angepasst wurde und fundierte Informationen über Rungholt - Legende und Wahrheit - sowie Literaturhinweise runden diesen sehr lesenswerten und unterhaltsamen, hervorragend recherchierten Roman ab.

Fazit:

Ein fundierter historischer Roman mit Krimielementen mit zwei gewitzten Ermittlern: Hauke und Shahid. Spannend und kulturhistorisch sehr interessant in gelungenem Sprachstil. Franziska Steinhauer gelingt es, die Protagonisten und das Leben auf Rungholt im 14. Jhd. sehr lebendig darzustellen und zieht den Leser in den (mittelalterlichen) Bann der Geschichte. Letztendlich versorgt sie den Leser am Romanende mit fundierten Informationen und Literaturangaben. Ich empfehle diesen historischen Nordsee-Roman sehr gerne weiter und vergebe 4,5 * sowie 93° auf der "Histo-Couch".

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