Monika Bittl: Freiwild

Hot
 
3.9 (3)
 
4.0 (1)
6000   1  
Bewertung schreiben
Add to list
Monika Bittl: Freiwild
Verlag
ET (D)
2012
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783426199329

Informationen zum Buch

Seiten
336

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Freiheit ist keine luxuriöse Dame, die nachmittags mit Sonnenschirm durch einen Park spaziert.

Community

Kaufen

[Werbung / Affiliate-Link]

Bei Amazon kaufen Bei Booklooker kaufen Bei LChoice kaufen

Handlungsort

Handlungsorte
Karte anzeigen (Gesamtübersicht)

Die junge Theres kennt als Magd nichts anderes als Arbeit, Strenge und Ungerechtigkeit. Wieso müssen sie verzichten, während andere alles haben? Als sie den Gesetzlosen Heigl trifft, sieht sie die Chance, ihren Traum von Freiheit zu leben. Von klein auf fällt Theres durch ihren Wissensdrang auf. Sie setzt durch, dass sie lesen und schreiben lernt. Harte Arbeit stört sie nicht, aber gegen Ungerechtigkeit wehrt sie sich stets. Theres will die bestehende Ordnung nicht als gottgegeben hinnehmen. Als sie Michael Heigl kennenlernt, glaubt sie die ersehnte Freiheit gefunden zu haben. Gemeinsam wildern sie und bringen die Beute den Ärmsten. Bald spricht das ganze Land über das ungleiche Paar, das von den Armen verehrt wird. Der Obrigkeit dagegen ist jedes Mittel recht, die Rebellion der beiden zu brechen.

Autoren-Bewertungen

3 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
3.9
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.7  (3)
Charaktere 
 
4.7  (3)
Sprache & Stil 
 
3.3  (3)
Gesamtbewertung 
 
3.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
3.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
2.0

Seinerzeit, aus dem tiefsten Bayern

Tief im bayerischen Wald treibt ein Räuberpärchen sein verbrecherisches Unwesen, so die Anklage der Justiz des Straubinger Landesgerichtes anno 1854. Die „Rote Res„ alias Therese Pritzel und Michael Heigl stehen dort vor Gericht. Das Buch spielt eigentlich nach der Ergreifung der „Übeltäter“, und spiegelt die vorangegangenen Geschehnisse anhand von Aussageprotokollen, Gerichtsnotizen, Presseausschnitten sowie Tagebucheinträgen wieder. Dabei wird schnell klar, dass die „Rote Res“ und ihr Kompagnon eigentlich nur die Reichen geschröpft haben um die Armen zu unterstützen. Ihr Kampf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit, beziehungsweise ihr Traum von Freiheit und Gleichheit für alle, kristallisiert sich nach und nach aus den jeweiligen Kurzabschnitten heraus. Ebenso, dass der durch die Märzrevolution erkämpfte Fortschritt dort bei den Wäldlern anscheinend nach und nach zurückgedreht wurde oder erst niemals richtig ankam. Mit Hilfe der Erzähltechnik über Zeugenaussagen und Dokumente hat es die Autorin richtig gut geschafft, in kurzen aber sehr prägnanten Auszügen der unterschiedlichsten Beteiligten ein Stück Zeitgeschichte zu kreieren. Beim Lesen fühlt man sich geradezu zurück in diese Zeit versetzt und muss doch hier und da staunend den Kopf schütteln, über soviel Borniertheit und die jeweiligen, so unterschiedlichen Motivationen der einzelnen Figuren. So erhält der Leser Einblick in das Denken eines erzkonservativen Gerichtsreporter des Königs, einem von sich selbst überzeugten Pfarrers, eines wesentlich liberaler gestimmten, französischen Presseattaches aber auch von den Angeklagten selbst und ihren Getreuen. Die Dinge eskalieren dann, als ein allein für das Aufspüren der flüchtigen „Räuberpaares“ aus der Großstadt abbeorderter Regierungskommissar in der Gegend stationiert wird.

Nachdem ich zu Beginn doch so meine Schwierigkeiten mit dem Erzählstil in Form von Dokumenten und Tagebucheinträgen hatte, rutschte ich nach den ersten Kapitel dennoch recht schnell hinein in die Geschichte. Dabei ging es wohl vor allem darum selbst Zeitzeuge eines entlegenen, zurückgebliebenen Landstriches zu werden, der nach der Märzrevolution an alten Strukturen festhielt und nichts dazulernen wollte. Eine intensive Mischung aus fiktiven Erzählungen und historisch belegter Fakten, die nicht immer klar zu unterscheiden waren. Die landsmännisch angehauchte Umgangssprache hingegen fand ich eher passend als störend, wenn auch ungewohnt. Alles in allem ein interessanter Ausflug, in diese Zeit zwischen Umbruch und Festhalten an Jahrhunderte alter Privilegien, Gesellschaftsgefüge und dem Aufbegehren von jungen Menschen, die ihrer Zeit, zumindest dort, vielleicht einfach einen Tick voraus waren.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.3
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
5.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Nach einer wahren Begebenheit

Therese Pritzl und Michael Heigl waren mir vor dieser Lektüre kein Begriff, was durchaus auch daran liegen mag, dass sie im Bayrischen Wald des 19. Jahrhunderts lebten. Auch heute haben die beiden dort noch eine gewisse Bekanntheit - haben sie doch als Räuber in der Region gelebt, gestohlen, gewildert und vor allem auch mit den Menschen geteilt. Damals wurden die Rote Res und der Heigl Michael, wie sie der Volksmund nannte, durchaus auch verehrt - eben weil sie Fürsten, Kirchenmänner und reiche Reisende nicht um des eigenen Reichtums willen überfallen haben, sondern in erster Linie, um den armen Menschen - den Bauern, Mägden und Knechten, kurzum den einfachen "Wäldlern"- beim Überleben zu helfen. Zum Beispiel mit gewildertem Fleisch, das sie einfach vor den Haustüren ablegten. Die beiden Räuber waren erfüllt von ihrem unbändigen Freiheitswillen und vor allem die Res hat sich durchaus Gedanken zu den repressiven Entwicklungen nach der Märzrevolution gemacht. Beeindruckend ist aber auch ihr Streben nach Bildung, denn diese kann - das merkte sie schnell - durchaus Tür und Tor zu einer besseren Lebenssituation sein...
Nach etlichen Jahren des Versteckens und wechselnder, teilweise auch sehr karger Behausungen, werden die beiden gefasst und vor ein Gericht gestellt. Dieses Buch erzählt in Rückblenden, Tagebucheinträgen, Gerichtsprotokollen und Zeugenaussagen die Geschichte der Roten Res und ihres Gefährten Michael Heigl.

Zugegebenermaßen war ich anfangs über den Stil erstaunt, denn mir war nicht klar, dass das Buch in einem derartigen - und für mich ungewohnten - Stil geschrieben ist, aber spätestens nach dem ersten Abschnitt war ich in der Geschichte. Letzten Endes hat die Erzählweise sogar dazu geführt, dass ich richtig das Gefühl bekam, "Geschichte" mitzuerleben... Ein bißchen wie bei einer gut gemachten Dokumentation im Fernsehen. Durch Res wird man an die Entwicklungen der damaligen Zeit herangeführt und versteht die Zusammenhänge besser, zum Beispiel was die Märzrevolution in Deutschland angeht und wie ihre Fortschritte im Nachhinein in Bayern auch wieder rückgängig gemacht werden. Oder aber wie der Prozeß später gegen die beiden Räuber im Ausland wahrgenommen wird. Aber auch die Charaktere werden durch die unterschiedlichen Betrachtungsperspektiven sehr gut dargestellt und so kann man sich ein sehr gutes Bild von einzelnen Figuren machen und entscheidet sich relativ zügig, ob man sie eher sympathisch oder nicht findet.
Und - last but not least - sind viele der Gedanken von der Res auch auf unsere heutige Zeit übertragbar und haben mich nicht nur einmal während des Lesens zum Nachdenken angeregt. Mein Fazit nach der Lektüre ist auf jeden Fall, dass es auch heute noch notwenig ist, seine Meinung zu vertreten, seine Rechte und mehr (soziale) Gerechtigkeit einzufordern und zu wissen, dass auch heute Bildung wichtig ist und für jedermann zugänglich sein muss. Es lohnt sich meiner Meinung nach eben immer, für eine gute Sache einzustehen.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Eine Geschichte aus dem Bayrischen Wald

Therese Pritzl wächst als Magd auf einem Hof im Bayrischen Wald auf. Schon von kleinauf zeigt sich, dass das Mädchen sich vom anderen Gesinde unterscheidet. Sie lernt lesen und schreiben und macht sich viele Gedanken um das Leben der Menschen, die unterschiedlichen Stände und ob das alles wirklich die gottgegebene Ordnung ist und bleiben muss. Natürlich eckt sie mit dieser Einstellung bald allerortens an. Nach einem kurzen Versuch, in München Fuß zu fassen und bürgerlich zu werden, kehrt sie doch wieder in ihre Heimat zurück und begegnet dort dem schon berüchtigen Wilderer und Räuber Michael Heigl. Die beiden tun sich zusammen und bringen die ganze Gegend in Aufruhr. Das kann die Obrigkeit selbstverständlich nicht durchgehen lassen und die beiden werden bald auf beispiellose Art gejagt.

Das Buch rollt die Geschichte quasi von hinten auf. Die „Res“ und der Heigl sind festgenommen worden und nun macht man ihnen den Prozess. Erst nach und nach enthüllt sich, wie es zu alldem gekommen ist.

Dabei bedient sich die Autorin eines ganz besonderes Stils: Die Geschichte wird nicht durchgängig in normaler Erzählform dargestellt, sondern anhand vieler kleiner Absätze aus unterschiedlichsten Sichten erzählt. Da sind Beobachtungen des bayrisch-königlichen Gerichtsbeobachters, sowie eines französischen Journalisten,Tagebucheinträge der Res von jetzt und früher, Zeugenaussagen von allerlei Menschen, die die Res seit ihrer Kindheit gekannt haben, Briefe und vieles mehr.

Anfangs war ich überrascht und hatte auf den ersten Seiten auch so ein bisschen meine Probleme damit, in diese Art der Erzählung hineinzufinden. Nachdem aber die meisten Stimmen dann etwas klarer zugeordnet werden konnten, wurde es immer leichter. Sehr spannend fand ich, wie die Autorin quasi jede Stimme für etwas Bestimmtes stehen lässt, so zum Beispiel den erwähnten Gerichtsbeobachter für die politische Einstellung in Bayern nach der deutschen Revolution 1848, den französischen Journalisten für das schon deutlich liberalere Frankreich, den alten Lehrer der Res für die Zeit der Romantik, etc.

Die Geschichte der Res hat mich dann doch wirklich gefangengenommen und an vielen Stellen zum Nachdenken gebracht.

Allerdings hätte ich mir ein Nachwort gewünscht, zur Klarstellung, was von der Geschichte auf realen Tatsachen beruht und was reine Fiktion der Autorin ist.

Dadurch, dass ich das Buch in einer autorenbegleiteten Leserunde gelesen habe, wurden viele Fragen direkt von Frau Bittl beantwortet, beim Alleinelesen wäre bei mir sicherlich die eine oder andere Sache offengeblieben.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Benutzerkommentare

1 Bewertungen

Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0  (1)
Charaktere 
 
4.0  (1)
Sprache & Stil 
 
4.0  (1)
Bewertung (je höher desto besser)
Plot / Unterhaltungswert
Charaktere
Sprache & Stil
Rezensionen
Gesamtbewertung 
 
4.0
Plot / Unterhaltungswert 
 
4.0
Charaktere 
 
4.0
Sprache & Stil 
 
4.0

Ein weiblicher Robin Hood im Bayrischen Wald

Die Rote Res und ihr Partner, der Michael Heigl, treiben im Bayerischen Wald ihr Unwesen, doch sind sie nicht auf ihren eigenen Vorteil aus, sondern geben ihre Beute den Armen, so wie einst Robin Hood. Doch erfahren wir von ihren Taten durch eine Gerichtsverhandlung, denn das Räuberpaar steht vor Gericht, und muss sich für ihre Wilderein verantworten.

Die Geschichte wird uns durch Tagebucheinträge, Zeitungsberichte, Protokolle und Zeugenaussagen erzählt, was zwar anfangs etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber wenn man sich einmal eingelesen hat, so stockt man immer weniger, sondern ist erstaut, wie kleinkariert und engstirnig manche Leute gewesen sind, was heutzutage aber nicht viel anders ist, auch wenn zur damaligen Zeit eine Umbruchstimmung herrschte, so ist sie anscheinen nicht überall angekommen.

Alles in allem ist hier Monika Bittl ein sehr interessanter historischer Roman gelungen, der einem auch heute anregend, über seine Umwelt und deren Verhalten nachzudenken.

War diese Rezension hilfreich für Sie? 

Für eine werbefreie Plattform und literarische Vielfalt.

unterstuetzen books

 

 

Affiliate-Programm von Amazon, um Literaturschock zu unterstützen. Weitere Möglichkeiten, Danke zu sagen.

Tassen, Shirts und Krimskrams gibt es übrigens im

Buchwurm-Shop

I only date Booknerds

Diese Seite nutzt Cookies.

Datenschutz & Widerspruchshinweise

Erlauben
© 2018 Susanne Kasper, Literaturschock

Mobile-Menue