Volker Kutscher: Goldstein

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Volker Kutscher: Goldstein
ET (D)
2010
Ausgabe
Gebundene Ausgabe
ISBN-13
9783462042382

Informationen zum Buch

Seiten
2010

Serieninfo

Sonstiges

Erster Satz
Es roch nach Holz und Leim und frischem Lack.

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Raths dritter Fall ist ein harter Brocken: Abe Goldstein, jüdischer Gangster aus Brooklyn, mischt Berlin auf.

Berlin 1931: Die Wirtschaftskrise verschärft sich, die Auseinandersetzungen zwischen SA und Rotfront werden gewalttätig, unter den Ringvereinen tobt ein Machtkampf und Gereon Rath bekommt den Auftrag, den US-Gangster Abraham "Abe" Goldstein zu beschatten. Aus einer Gefälligkeit für das Bureau of Investigation wird ein tödlicher Wettlauf.Es beginnt im KaDeWe. Alexandra, genannt Alex, und Benny, beide obdachlose Gelegenheitsdiebe, lassen sich im prächtigsten Konsumtempel der Stadt einschließen, um Schmuck und Uhren zu erbeuten. Doch was bei Tietz und Karstadt noch ein Kinderspiel war, geht nun fürchterlich schief. Am Ende kann Alex knapp entkommen, muss aber mit ansehen, wie Benny von der Balustrade stürzt - und dass ein Schupo daran beteiligt war. Von da an wird sie gejagt.

Gereon Rath hingegen langweilt sich auf seinem Beobachtungsposten im Hotel Excelsior, in dem Goldstein Quartier bezogen hat. Der Gangster scheint sich damit abgefunden zu haben, unter Beobachtung der Polizei zu stehen. Dass Goldstein sich längst frei in der Stadt bewegt und dort eine Waffe besorgt hat, ahnt niemand. Unterweltboss Johann Marlow zwingt Rath derweil zu einer privaten Ermittlung: Der rote Hugo, Chef des Ringvereins Berolina und Marlows Geschäftspartner, ist verschwunden. Schnell gerät Gereon zwischen die Fronten eines Bandenkriegs.

Und dann ist da noch Charly Ritter, die Nochimmernicht-Verlobte von Gereon Rath, die mittlerweile ihr Juraexamen bestanden und den Vorbereitungsdienst im Amtsgericht Lichtenberg angetreten hat. Als sie eine junge Obdachlose, die ohne Fahrschein in der S-Bahn erwischt wurde, bei der Vernehmung entwischen lässt, berühren sich ihre Ermittlungen mit denen Gereons - und sie bekommen richtig Krach.

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Goldstein

„Goldstein“ ist der Name eines amerikanischen Profikillers, dem bisher allerdings nie etwas nachzuweisen war. Nun ist er in Berlin und Kriminalkommissar Gereon Rath ist zu seiner Überwachung abgestellt, die deutsche Polizei will sichergehen, dass er in Berlin keine Verbrechen begeht. Zur gleichen Zeit stirbt ein jugendlicher Dieb nach einem Einbruch ins KaDeWe. Die Komplizin flieht und die ganze Angelegenheit scheint sich zu einem Polizeiskandal auszuweiten, in dessen Aufdeckung auch Charlotte Ritter, Raths Freundin, eine wichtige Rolle spielt. Natürlich verschweigt sie die dazugehörigen Geheimnisse auch vor Rath, der ihr wiederum seine Unterweltkontakte vorenthält – die Beziehung der beiden steht also nicht nur aus privaten Gründen so manches Mal auf dem Prüfstein.

Ich glaube nicht, dass ich „Goldstein“ überhaupt begonnen hätte, wenn das Buch nicht schon bei mir gelegen hätte, so genervt war ich nach dem zweiten Band der Reihe nämlich von ihrer Hauptfigur. Gereon Raths Überheblichkeit war mir so etwas von zuwider, dass ich trotz der interessanten Umgebung, in der die Romane spielten, nichts mehr von ihm lesen mochte. Aber wo das Buch schon einmal hier war, wollte ich ihm eine letzte Chance geben und es zumindest beginnen. Und – oh Wunder – Rath hat sich gewandelt. Der Autor hat zwischen Band 2 und 3 etwas über ein Jahr in Gereon Raths Leben vergehen lassen und für eine Charakteränderung gesorgt. Natürlich ist er kein völlig anderer geworden, das wäre unrealistisch gewesen, aber seine unerträgliche Arroganz hat sich gemindert.

Neben dem bekannten Pärchen Charly und Gereon nimmt die flüchtige Diebin, die obdachlose Alex, eine wichtige Rolle ein. Durch sie bekommt man einen Blick auf ein anderes, roheres und härteres Berlin. Die Beschreibung der Straßenkinder damals, unterscheidet sich meiner Meinung nach noch nicht einmal sonderlich von aktuellen Berichten über Straßenkinder /ausgerissene Jugendliche. Manche Dinge ändern sich längst nicht so sehr, wie man vermuten würde.

Goldstein, der Titelgeber des Romans entwickelt sich ebenfalls sehr interessant und gewinnt im Verlauf der Geschichte immer mehr an Profil und auch an Sympathie. Seine jüdisch-amerikanische Herkunft lässt ihn dabei so manches an der politischen Lage Deutschlands anders wahrnehmen. Während in den ersten Bänden Rechte und Linke gleichermaßen radikalisiert und wenig akzeptiert dargestellt wurden, gewinnen die Nazis nun immer mehr an Präsenz. Als Leser ist einem natürlich bewusst, wie das enden wird und man möchte die Figuren, die die Gefahr einer Machtübernahme nicht sehen, so manches Mal warnen, dass das keine Außenseitertruppe ist, die auch schnell wieder verschwinden wird.

Nach diesem Band finde ich es doch tatsächlich wieder schade, dass bislang noch keine weitere Fortsetzung erschienen ist.

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Gereon Raths neuer Auftrag könnte langweiliger nicht sein: Der US-amerikanische Gangster Abraham Goldstein besucht Berlin und als reine Vorsichtsmaßnahme soll er von Rath überwacht werden. Herausforderungen sehen anders aus. Viel lieber würde Rath bei den Ermittlungen mitmischen, als zum Beispiel Mitglieder der beiden Ringvereine Berolina und Nordpiraten spurlos verschwinden. Tragisch geht zugleich auch ein Einbruch im KaDeWe aus, bei dem einer der Einbrecher ums Leben kommt und die Einsatztruppe der Polizei hinterher in Bedrängnis kommt. Denn am Tod des Einbrecher ist möglicherweise ein Polizist Schuld. Die Partnerin des Einbrechers, Alex, kann zwar flüchten, spürt aber, dass ihr eben jener Polizist auf den Fersen ist und keine Zeugen gebrauchen kann.

Im dritten Band um Gereon Rath muss ausgerechnet die Hauptperson zumindest zeitweilig in der zweiten Reihe stehen; die spanndenden Sachen finden ohne ihn statt, weil er mit einem Kollegen abwechselnd in Goldsteins Hotel die Stühle platt sitzt. Ein unerwarteter Einstieg, der aber zumindest für den Leser einen gewissen Humor mit sich bringt: Goldstein ist von der Beschattung zwar nicht begeistert, macht sich (und mir) aber einen Spaß daraus, Rath mit seinem Job zu foppen. Auch die Arbeit seiner Freundin Charly bekommt Gereon Rath nur mit halbem Ohr mit, seit die beiden von einem Urlaub gereizt statt erholt zurückgekehrt sind. Eher halbherzig hilft er Charly, als ihr eine Straßengöre während des Verhörs abhaut und Charly sie auf Biegen und Brechen finden will.

Für meine Begriffe hält die Serie weiter ihr hohes Niveau - sie entführt sehr atmosphärisch in das Berlin der 1930er und liefert zugleich spannenden Krimistoff. Diese Kombination möchte ich schon nicht mehr missen und unbewusst werde ich das eine oder andere Buch aus dieser Zeit sicher an den Rath'schen Fällen messen.

Gut eingebunden ist die historische Entwicklung. Die latente Ausländer- und speziell Judenfeindlichkeit nimmt zu, doch die meisten Bürger glauben nach wie vor, dass das Phänomen vorübergehend ist. Sie sind mit Arbeit oder der Suche danach beschäftigt, vergnügen sich nachts, wenn das Geld dazu da ist und leben ein Berliner Leben, das vom heutigen gar nicht so weit entfernt scheint. Mit dem Wissen, wie es in den kommenden Jahren weitergeht, liest sich diese historische Krimiserie besonders spannend. Unwillkürlich fragt man sich schon hin und wieder, bei welchen Strömungen heute besonders Augenmerk angebracht wäre.

Volker Kutscher fügt sein komplexes Puzzle Stück für Stück zusammen und lässt trotz jeder kleinen Lösung für die Endzusammensetzung noch genügend Möglichkeiten offen. Ob Einzelfälle überhaupt zusammenhängen und wenn ja, wie, bleibt lange Zeit vage und spannend. Ich hoffe, dass die eine oder andere Person aus diesem Buch in späteren Bänden noch einmal zum Zuge kommt; sowohl auf der guten als auch der schlechten Seite gibt es Personen, deren Werdegang interessante Möglichkeiten böte. Leider müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt nach Kutschers Angaben fast noch ein Jahr warten, bis Band 4 erscheint, der 1932 spielen wird. Für Gereon Rath lohnt sich das Warten auf alle Fälle.

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(Aktualisiert: 18 Februar 2012)
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Wieder ein spannender Fall

Dies ist der dritte Fall mit Kommissar Gereon Rath und auch ihn habe ich wieder mit Begeisterung gelesen. Schon die Atmosphäre des damaligen Berlins wieder hautnah mitzuerleben, macht die Lektüre für mich wieder zu einem besonderen Lesevergnügen. Der Autor schafft es auch hier wieder, durch die detailreichen Beschreibungen der Umgebung und der handelnden Personen, mir die Stimmung und die besondere Situation kurz vor dem Zweiten Weltkrieg greifbar zu machen. Toll sind dabei auch die mit der Handlung verknüpften realen historischen Vorgänge, die dieses Bild noch realistischer machen. Mit unseren jetzigen Kenntnissen verfolgt man mit einem ganz seltsamen Gefühl das Aufkommen der rechten Strömungen, die von der Bevölkerung noch als eher lästig aufgenommen werden, besonders da deren Kämpfe mit den Kommunisten immer gewalttätiger werden. Man möchte ihnen zurufen: „Nehmt euch in Acht, nehmt das vor allen Dingen ernst und tut etwas dagegen“. Muss dann aber irgendwie hilflos mitansehen, wie die Protagonisten in einen baldigen Krieg steuern, der für sie überhaupt kein Thema ist. Man stellt sich dann oft die Frage, was wird aus ihnen und ihren Plänen werden?

Denn wir erleben ihren Alltag und das bedeutet für Gereon zum einen Polizeiarbeit, die auch hier wieder sehr interessant zu lesen ist. Viele Spuren, viele Fährten und immer wieder neue Wendungen machen das Miträtseln zu einem großen Vergnügen und halten die Spannung für mich immer oben. Zum anderen bedeutet es für ihn ein kompliziertes Privatleben, das er auch hier wieder schwer in den Griff bekommt. Er ist aber auch ein schwieriger Charakter, den man öfter einmal gerne schütteln möchte. Trotzdem mag ich ihn sehr und gerade seine nicht immer so astreinen Ermittlungsmethoden, seine Geheimniskrämerei, seine unbeliebten Alleingänge und seine illegalen Verbindungen führen doch immer zu einem Ziel, nämlich Gerechtigkeit. Dies muss hier nun auch einmal seine Freundin Charly erkennen, die damit diesmal eigene Erfahrungen macht und zum ersten Mal in Bezug auf die Polizeiarbeit Verständnis für Gereon aufbringen kann. Ob es für die beiden eigensinnigen Personen irgendwann mal ein Happy End geben wird? Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Fall!

Die handelnden Personen sind vielschichtig und realistisch dargestellt, so dass ich oft das Gefühl habe, sie hätten wirklich existiert. Ihr Schicksal lässt mich nicht kalt, so auch Alex das Straßenmädchen, das für mich auch ein sehr starker Charakter hier in der Geschichte war. Sogar Gereons Hund hatte Persönlichkeit. Ein atmosphärischer Krimi, der, wie ich finde, verfilmt werden sollte!

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