Heidi Rehn: Das Haus der schönen Dinge

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Heidi Rehn: Das Haus der schönen Dinge
Verlag
ET (D)
2017
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783426519370

Informationen zum Buch

Seiten
656

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Endlich war der große Tag da!

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Handlungsort

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Handlungsorte
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Als der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl 1897 zum Königlich-Bayerischen Hoflieferanten ernannt wird, glaubt er sich und seine Familie als gleichwertige Mitglieder der Münchner Gesellschaft anerkannt. Zwar begegnet seine Frau Thea Jacobs Enthusiasmus mit einer gewissen Skepsis, doch der Erfolg des Kaufhauses belehrt sie eines Besseren.

Tochter Lily übernimmt das Kaufhaus am Münchner Rindermarkt in den goldenen 20ern und wähnt sich am Ziel aller Wünsche. Eine glückliche Zukunft scheint auf die Familie zu warten, doch als die Nazis die Macht ergreifen, müssen die Hirschvogls erleben, wie sich Bayern und München, das für sie stets Heimat war, plötzlich gegen sie wendet …

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Wunderbar lebendig und atmosphärisch dicht

Ende des 19. Jahrhunderts in München. Jacob Hirschvogl ist soeben Königlich-Bayerischer Hoflieferant geworden und erfüllt sich mit dem "Hirschvogl" am Rindermarkt einen Lebenstraum. Schon immer wollten seine Frau und er ein Kaufhaus eröffnen, in dem sich die Menschen Träume erfüllen können. Anders gesagt, in seinem Haus sollen die Menschen all das finden können, was ihr Herz begehrt.

Doch nicht alles wird so watteweich und strahlend, wie der Traum der Hirschvogls vermutlich aussah: schon zu dieser Zeit ist der Antisemitismus greifbar - nicht jeder gönnt der jüdischen Familie den Erfolg - und dieser wird im neuen Jahrhundert nur noch mehr erstarken. Aber auch die Mitbewerber, allesamt Besitzer namhafter Häuser in der bayerischen Landeshauptstadt, sehen den steigenden Stern der Hirschvogls nicht mit Anerkennung. Hinzu kommt, dass die Söhne des Hauses das Familienunternehmen nicht weiterführen können. Und so beweist nicht nur Thea, Jacobs Frau, dass sie für das Haus unentbehrlich ist, sondern auch Lily wird Jahre später ihren 'Mann' stehen...

Heidi Rehn legt hier eine Geschichte vor, die wie einige Vorgänger in München spielt und bei der man die Leidenschaft der Autorin für die Historie ihrer Stadt regelrecht spüren kann. Auch wenn "Das Haus der schönen Dinge" die fiktive Geschichte der Hirschvogls erzählt, atmet diese die Atmosphäre der damaligen Zeit. Die alles überstrahlenden Jahre zu Beginn des Kaufhauses, der Rausch des Erfolges, die Goldenen Zwanziger - aber eben auch der Niedergang all des Schönen, der immer stärker werdende Hass in der Gesellschaft. Bemerkenswert, wie Heidi Rehn sowohl die glanzvollen als auch die dunkelsten Zeiten schildert und mir damit die Möglichkeit eröffnet hat, ganz und gar in die Handlung anzutauchen... Dabei werden die historischen Fakten ebenso eingebunden wie beispielsweise sehr anschauliche Beschreibungen der ersten Dekorationsideen von Thea oder aber die neuesten Modetrends, von denen die betuchten Frauen nicht genug bekommen können.

Der Roman erstreckt sich über eine relativ große Zeitspanne und mehrere Generationen. Hier muss ich gestehen, dass ich mich nicht gewehrt hätte, wenn die Autorin der Geschichte noch mehr Raum gewährt und nicht nur ein Buch geschrieben hätte. Denn ich habe die authentischen, warm gezeichneten Figuren sehr lieb gewonnen und bin in die Handlung so abgetaucht, dass ich gerne mehr erfahren und gelesen hätte. Aber natürlich ist ein mehrbändiger Roman nicht unbedingt einfach und so ist klar, dass gewisse Abstriche in der Ausführlichkeit - und somit ein paar zeitliche Lücken - gemacht werden mussten. Das ist in meinen Augen durchaus gelungen - ich meine meinen Wunsch nach "mehr Lektüre" auch nicht als Kritik, ich mochte nur alles einfach so gerne, dass ich gerne mehr gelesen hätte.

Für mich ein durchweg toller Roman, eine wunderbare Familiengeschichte vor einem sich immer dramatischer entwickelnden zeitlichen Hintergrund und einer anfangs schier greifbaren opulenten Kaufhaus-Atmosphäre.

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Münchner Kaufhausdynastie

Das Haus der schönen Dinge ist das Kaufhaus Hirschvogl in München. Jacob Hirschvogl und seine Frau Thea eröffnen Ende des 19. Jahrhunderts ihr Warenhaus am Münchner Rindermarkt. Insbesondere Thea strotzt nur so vor kreativen Ideen, wie sie sich von der Konkurrenz absetzen können und der Erfolg gibt ihr immer wieder recht, so dass sich das Hirschvogl schnell in die allererste Riege der Münchner Warenhäuser schiebt. Doch es ist kein leichtes Geschäft und immer wieder drohen wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische und familiäre Krisen und Katastrophen, den Erfolg zunichtezumachen. Dass die Hirschvogls Juden sind, macht es in den kommenden Jahrzehnten natürlich auch nicht einfacher.
Dennoch besteht das Kaufhaus immer weiter fort und nach Jacob und Thea steht in ihrer Tochter Lily schon die nächste Generation bereit, es weiter durch die schwierigen Zeiten zu führen.

Ich greife bedenkenlos zu jedem neuen Buch von Heidi Rehn und wurde da auch noch nie enttäuscht. In dieser Geschichte musste ich mich jedoch erst ein bisschen zurechtfinden. Zu Beginn sind es sehr viele Personen und den Blick auf den eingefügten Stammbaum habe ich mir verkniffen, um nicht zu früh zu erfahren, wer Kinder bekommen wird und wer wann stirbt. Aber nach und nach findet man sich auch so in der Fülle der Figuren zurecht.
Woran ich mich ebenfalls erst gewöhnen musste, waren die Zeitsprünge. Die Autorin erzählt die Geschichte der Familie über mehrere Generationen hinweg. Dabei lässt sie manchmal einige Jahre aus. Das ist für mich an den entsprechenden Stellen immer ein kleiner Bruch während der Lektüre gewesen, aber im Nachhinein hat es mir gut gefallen. Gerade die Kriegsjahre und ihre Gräuel werden in so vielen Romanen so detailliert beschrieben, dass ich es hier eigentlich gerade gut fand, dass wir uns auf die Handlung vor und nach bzw. zwischen den Kriegen konzentrieren. Auch da passiert genug und auch nicht immer nur Schönes!
Durch diesen langen Zeitraum und die verschiedenen Generationen fiel es mir aber auch ein bisschen schwer, eine richtige Bindung zu den einzelnen Personen aufzubauen, denn der Fokus schwenkt nun mal von einem zum nächsten, die anfänglichen Protagonisten werden im Verlauf der Handlung teilweise zu Nebenfiguren, teilweise verschwinden sie ganz – nur wenige sind von Anfang bis Ende mit dabei.

Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau, denn letztlich hat mich das Buch wieder einmal hervorragend unterhalten, ich habe einiges gelernt und freue mich jetzt schon auf das nächste Buch der Autorin!

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Die Geschichte eines Kaufhauses

München, 1897. Eine jüdische Kaufmannsfamilie wagt ihr Glück und eröffnet ein Kaufhaus der Superlative. Die reiche Münchnerelite bekommt dort allen Luxus, den man sich wünschen kann. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht und so müssen sich alle Familienmitglieder dem Konkurrenzkampf mit all den ständigen Neuerungen, aber auch dem privaten Glück stellen. Eine Familiengeschichte über drei Generationen - im Mittelpunkt das Kaufhaus, der Hirschvogl.

In dem Buch werden auf 600 Seiten drei Generationen und 40 Jahre geschildert. Das eine große Aufgabe, die von der Autorin mit vielen Zeitsprüngen genommen wurde. Die Zeitsprünge sind dabei teils geschickt eingesetzt, aber manchmal auch zu abrupt für meinen Geschmack. Dennoch schafft die Autorin es, alle Personen dem Leser nahezubringen - egal ob Protagonist oder Nebendarsteller.

So wird im "Haus der schönen Dinge" ein Potpourri an Personen aufgezählt, die verschiedener nicht sein könnten. Da die Geschichte bis in die Nazi-Zeit hinein erzählt wird, werden die Charaktere auch auf die Probe gestellt und so vielfältig die Personen sind, so unterschiedlich handeln sie auch. Durch die verschiedenen Figuren ergibt sich also ein spannender Plot mit teils unvorhersehbaren Wendungen. Der lockere aber interessante Schreibstil tut sein Übriges dafür, dass die Seiten nur so dahin fliegen. Nur am Anfang tat ich mich mit der bayrisch angehauchten direkten Rede ein wenig schwer, aber auch da kam man fix rein und nach ein paar Kapiteln habe ich das gar nicht mehr wahrgenommen.

Die Skizzierung der Personen war wunderbar. Vor allem das Schicksal die (jüdischen) Hauptpersonen ging einem Nahe und immer hat man mit ihnen und ihrem Kaufhaus gezittert. Mir gefiel auch die Idee das Kaufhaus in die Mitte des Geschehens zu stellen statt einer (oder mehrerer) Person(en). Das hat dem Buch etwas ganz Besonderes verliehen, was ich so auch nie gelesen habe.

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geschichtlich lesenswert

„Das Haus der schönen Dinge“ war mein erstes Buch von Heidi Rehn. Ich konnte einfach nicht widerstehen, da es in meiner Heimatstadt spielt und zu einer Zeit, die mich immer besonders interessiert.

Die fiktive jüdische Familie Hirschvogel betreibt 1897 ein angesehenes „Kaufhaus“ in der Münchner Innenstadt. Thea und ihr Mann Jakob leiten die Firma mit viel Herzblut und Engagement. Sie und ihre Familie gehören zu den angesehenen Unternehmern der bayerischen Landeshauptstadt, sind gestandene Münchner und schon seit vielen Generationen tief verwurzelt in der deutschen Kultur. Vor allem Thea ist es, die mit Modernisierungen und zukunftsweisenden Entwicklungen das Kaufhaus in den nächsten Jahren zu einem florierenden und stetig wachsenden Betrieb macht. Nicht nur die neueste Mode aus England und Paris liegt ihr am Herzen, sondern auch das Wohlergehen ihrer Angestellten und die Zufriedenheit der Kundschaft. Aber als Leser weiß man natürlich, dass die Tage der jüdischen Firmeninhaber im Deutschen Reich bereits gezählt sind und auch die Hirschvogels bald in Gefahr schweben.

Die Geschichte wird über drei Generationen und 5 Jahrzehnte erzählt. Zwangsläufig musste die Autorin also Zeitsprünge einbauen, um all das abzudecken, was sie erzählen wollte. Eben diese Zeitsprünge waren es aber leider auch, die mir überhaupt nicht gefallen haben. Mir war das Tempo, in dem hier durch die Jahrzehnte erzählt wurde zu groß. Ich hatte mehr als einmal das Gefühl, dass die Geschichte etwas zusammengestaucht ist. Mir passiert das nicht so oft, aber ich bin der Meinung, die Familie und ihre Erlebnisse hätten noch mindestens 200 Seiten mehr gebraucht, um angemessen Raum zu bekommen. Es waren ja auch sehr viele Lebensgeschichten, die hier erzählt wurden. Viele Beziehungen, viele dramatische Entwicklungen. Zwangsläufig konnte viele Dinge nur in einem Rückblick oder einer Zusammenfassung erzählt werden und einige wichtige Ereignisse wurden dabei mit wenigen Sätzen abgehandelt, was ich schade fand. Dadurch fiel es mir schwer, die große Schar an Protagonisten richtig kennen zu lernen und die meisten Personen konnten mich gefühlsmäßig nicht erreichen. Auch nahm die reale Zeitgeschichte und die geschichtlichen Fakten einen großen Raum ein. Das fand ich zwar positiv aber ich hatte dabei das Gefühl, dass die menschlichen Dinge zurückstehen mussten, weil einfach nicht genug Seiten dafür waren.

Unbedingt zu erwähnen ist die herausragende Recherchearbeit von Heidi Rehn. Akribisch und genau beschreibt sie, wie die Kaufhäuser sich von kleinen Gemischtwarenläden zu richtigen mehrstöckigen Warenhäusern mauserten. Wie sie durch immer neue Ideen und Innovationen die Menschen in ihren Bann zogen. Wie in den Geschäftsräumen durch Konzerte und Lesungen und Bibliotheken die Kultur gefördert wurde. Auch die Entwicklungen von Arbeitsrecht und Unternehmertum und natürlich die Anfänge des Dritten Reiches werden anschaulich erzählt. Viele kleine und große Details gibt es hier zu entdecken und für einen Münchner ist das Lokalkolorit und der Münchner Dialekt sicherlich ein weiteres Schmankerl.

Mein Fazit:
Historisch hat mich das Buch voll und ganz überzeugt. Die Menschen blieben mir darüber aber leider fremd.

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Geschichte einer jüdischen Kaufmannsfamilie

Jacob Hirschvogl erfüllt sich einen Lebenstraum, als das Kaufhaus „Hirschvogl“ am Münchner Rindermarkt öffnet. Sein Kaufhaus bietet etwas, das München so vorher noch nicht hatte. Das Angebot unter einem Dach umfasst exquisite Damenbekleidung aus Paris, maßgeschneiderte Herrenbekleidung, feinste Unterwäsche, beste Stoffe, Parfum, Kaffee, Tee und Pralinen. Die Mitbewerber versuchen mitzuhalten, aber es gelingt nicht, denn Jacobs Frau Thea hat sehr kreative Ideen. Jacob wird im Jahre 1897 Königlich-Bayerischer Hoflieferant.
In den „Goldenen Zwanzigern“ übernimmt Tochter Lily die Geschäftsführung, da ihre Bruder Benno kein Interesse zeigt und auch Sepp, ihr jüngerer Bruder, nicht in Frage kommt. Aber bald schon macht sich der Einfluss der Nazis bemerkbar. Die Familie dachte immer, wie wäre ein vollwertiges Mitglied der Münchener Gesellschaft, aber nun zeigt sich, dass die Menschen sich mehr und mehr gegen die jüdische Familie stellen. Die Kunden bleiben weg und die Hirschvogls müssen um ihre Existenz bangen.
Das Buch erzählt die Familiengeschichte über drei Generationen. Das Kaufhauses Hirschvogl ist fiktiv, steht aber stellvertretend für die vielen Geschäfte in jüdischem Besitz.
Ich mag die Bücher von Heidi Rehn, die unterhaltsam sind und dennoch immer nachdenklich stimmen. Der historische Hintergrund ist sehr gut recherchiert und so erhält man einen Überblick über die Lebensumstände jener Zeit, das gesellschaftliche Leben und auch über die politischen Verhältnisse.
Alle Charaktere sind sehr vielschichtig und interessant dargestellt. Besonders Lily hat es mir angetan. Sie muss sich in einer schwierigen Zeit um das Kaufhaus kümmern.
Ich kann diese unterhaltsame, spannende und sogar zeitweise dramatische Familiengeschichte nur empfehlen.

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Die starken Frauen der Hirschvogls

Der Roman beginnt im Jahr 1897 mit der Eröffnung des fiktiven Kaufhauses Hirschvogl im Herzen von München und führt den Leser bis in die Nachkriegszeit ins Jahr 1952.
Er erzählt die wechselvolle Geschichte dreier Generationen der jüdischen Familie Hirschvogl vor dem historischen Hintergrund des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik bis hinein in die Zeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem unaufhaltsamen Weg in den Zweiten Weltkrieg.
Drei Frauen vor allem sind es, die die Geschicke des Kaufhauses über die Jahre lenken: Thea, ihre Tochter Lily und ihre Enkelin Edna. Drei starke Frauen, die mit Phantasie, Tatkraft und einer gehörigen Portion Geschäftssinn das Hirschvogl zum ersten Haus am Platz machen und es auch über schwere Zeiten hinweg erhalten - bis es schließlich, wie alle jüdischen Geschäfte, ein Opfer der bösen braunen Zeit wird...

Mit fundiertem Hintergrundwissen ausgestattet beschreibt Heidi Rehn die Welt der Kaufhäuser, der Häuser "der schönen Dinge" und ihrer Anfänge. Fasziniert lässt sich der Leser durch die Konsumtempel von einst führen, die exzellente Warensortimente von hoher Qualität zum Kauf anboten oder auch nur zum Schauen einluden.
Die Autorin schildert dies so anschaulich und verführerisch, dass bei so manchem Leser der Wunsch geweckt werden mag, eine Zeitreise in die so liebevoll eingerichteten Märkte von damals zu unternehmen, für die das Hirschvogl stellvertretend ist und die so gar nichts mit den Kaufhäusern heutzutage gemein haben, um sich staunend dem Sinnesgenuss hinzugeben.

Aber es ist nicht nur die schillernde Welt der Warenhäuser, die den Roman so reizvoll macht, - es sind vor allem auch die Charaktere, die Heidi Rehn zeichnet und an deren Schicksal ich bis zur letzten Seite lebhaft Anteil genommen habe, die mich bewegten, anrührten, beschäftigten, ob ich sie und ihre so unterschiedlichen Handlungsweisen nun mochte oder nicht. Und da die Sprache der Autorin so prägnant ist, bedarf es nicht vieler Worte, um sich ihre Figuren auf das Lebhafteste vorstellen zu können!

Von Tragödien bleiben weder die Hirschvogls noch deren treue oder weniger treue Freunde verschont - wie denn auch, in einer Zeit, als den Deutschen jüdischen Glaubens das Leben zunehmend erschwert wurde, sie nicht nur den Schikanen eines unmenschlichen Systems sondern auch unzähliger ihrer Mitbürger ausgesetzt waren.
Als Leser kann ich hier nicht bloß Zuschauer sein! Man ist, ob man das nun möchte oder nicht, unwillkürlich mittendrin, ist entsetzt, voll ohnmächtigem Zorn und voller Trauer.
Dies umso mehr, als man weiß, dass das, was den Hirschvogls zugestoßen ist, keine Fiktion ist, dass es tausendfach so oder so ähnlich geschehen ist.

Auch was die Vorgänge in Hitlerdeutschland anbelangt, erweist sich die Autorin als genaue Kennerin der Materie!
Als Schriftstellerin von hohem Niveau lässt sie sich zu keinem Zeitpunkt zu Sentimentalitäten hinreißen, ihre Sprache ist immer klar und sachlich, ihre Aussagen sind präzise. Und sicher übt ihr Roman gerade auch deshalb eine so nachdrückliche Wirkung auf mich als Leser aus.
Sie zerredet nichts. Vieles lässt sie ungesagt, lässt sie zwischen den Zeilen erahnen. Sie überlässt dem Leser so manche Schlussfolgerung, gibt ihm Raum zum Nach- und Weiterdenken, Raum auch für eigene Interpretationen.
Gerade das ist es, was für mich den Roman so besonders macht, denn es hebt ihn ab von der Flut der Bücher, die in der gleichen Epoche angesiedelt sind und die mit ausführlichsten Schilderungen der Dinge angefüllt sind, die keiner Erwähnung mehr bedürfen, weil hinlänglich bekannt ist, wie Nazideutschland mit der jüdischen Bevölkerung umsprang...

So gesehen ist "Das Haus der schönen Dinge" ein wenig spektakulärer, ein leiser Roman, der gerade deshalb so eindringlich ist, so berührend, dass man ihn nach dem Lesen nicht einfach beiseite legen und rasch vergessen kann.
Mir selbst wird er, bedrückend und verstörend, aber nachhaltig, im Gedächtnis bleiben!

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Eine spannende und berührende Geschichte

In ihrem neuesten Roman "Das Haus der schönen Dinge" entführt uns die Autorin Heidi Rehn in die Landeshautpstadt München. Hier dürfen wir die Familie Hirschvogel über drei Generationen hinweg begleiten und tauchen beim Lesen wieder tief in die Vergangenheit ein.

Wir befinden uns im Jahre 1897. Endlich ist es soweit. Für den jüdischen Kaufmann Jacob Hirschvogel geht ein Lebenstraum in Erfüllung. Die Eröffnung des von ihm gegründeten Kaufhauses Hirschvogl am Rindermarkt steht an. Und Jacob wird zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten ernannt. Endlich wird seine Familie als gleichwertiges Mitglied der Münchner Gesellschaft anerkannt. Aber der Schein trügt. Wir erleben die Goldenen Zwanziger und die Blütezeit des Hirschvogls. Tochter Lily ist mit ebenso großer Begeisterung dabei und unterstützt ihren Vater und ihre Mutter wo sie nur kann. Eine Zeit ist alles vom Erfolg gekrönt, doch dann muss Lily erleben, wie sich ihre Heimat Anfang der 30er Jahre gegen sie wendet. Über drei Generationen begleiten wir die Familie - von ihrer Blütezeit bis zum tiefen Fall .....

Für mich ein absoluter Bestseller. Ich bin noch jetzt ganz gefangen in der Geschichte, die so was von spannend und voller Emotionen war. Und die mich auch sehr berührt hat. Ich befinde mich im Jahr 1897 und sehe die glanzvolle Eröffnung des Kaufhauses vor mir. Die damalige Mode und dann das Erscheinen des Prinzregenten. Es herrschte einfach weißblauer Himmel und Lebensfreude. Ich sehe die erste Kundschaft als sie das Kaufhaus betreten. Ihre erstaunten Gesichter über die Vielfalt der dargebotenen Waren und das prunkvoll geschmückte Haus. Und Stolz durften Thea und Jacob auch sein. Wir lernen ihre Kinder kennen, allen voran Lily, die eine besondere Liebe zum Hirschvogl entwickelt. Wir lernen Lily und ihre Brüder als Kinder kennen und dürfen sie auf ihrem Lebensweg, der wahrlich nicht einfach war, begleiten. Wir lernen echte und falsche Freunde können, Gönner und Neider. Die Glanzzeiten gehen viel zu schnell vorbei. Und in der Zeit des Nationalsozialismus mußte die Familie Schreckliches erleben. Es werden viele Bilder, die irgendwie verdrängt wurden, wieder lebendig. Die Angst ist förmlich zu spüren. Und dann diese Zerstörungswut und die furchtbare Hilflosigkeit der Menschen. Solch eine Zeit brauchen wir nie mehr. Durch diesen Roman wird uns auch wieder Geschichte nahe gebracht, es ging dadurch auch viel verloren.

Ein Wahnsinnsroman, der für unterhaltsame und nachdenkliche Lesestunden gesorgt hat. Denn auch wenn dies ein fiktiver Roman ist, könnte man sich solche Ereignisse wirklich vorstellen. Total interessant finde ich auch das Glossar am Ende des Buches. War wirklich sehr informativ.
Und das herrliche Cover - ein echter Hingucker. Genauso prunkvoll habe ich mir "Das Haus der schönen Dinge" vorgestellt. Selbstverständlich vergebe ich 5 Sterne (leider können es nicht mehr sein).

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Ein Kaufhaus, das ich gern mal besucht hätte

nämlich das fiktive "Hirschvogl" und seine Eigentümer, die gleichnamige jüdische Familie, stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Romans und zwar gleich über mehrere Generationen hinweg. Wir erleben das Auf der späten Kaiserzeit, in die auch das erste Ab fällt, dann geht es noch ein paar Mal im Achterbahnmodus rauf und runter, bis - man kann es sich leider ganz klar vorstellen - in der Zeit des Dritten Reiches - sich das Schicksal der Familie und das des Kaufhauses endgültig voneinander trennen.

Gut, das Hirschvogl gab es nicht, aber Hertie und Ludwig Beck, die in diesem Roman auch Erwähnung finden und es ist unglaublich spannend, diese fiktive, aber absolut realistische Darstellung in literarischer Form zu verfolgen. Zumal alle Charaktere so plastisch sind, als würde mal einen Film sehen.

Eine absolute Stärke der Autorin: die Figuren sind allesamt eindringlich gezeichnet, man sieht sie quasi vor sich, jede davon hinterlässt ihre ganz eigene Duftmarke. Dabei sind längst nicht alle sympathisch, auch die Protagonistin Lily, vor allem jedoch ihre arischen Freunde, sind aus meiner Sicht nicht oder zumindest nicht durchgängig Sympathieträger. Doch das macht nichts bzw. macht gerade dies den Reiz des Buches aus, verkörpern sie doch Eigenschaften, durch die man als Leser die jeweils beschriebene Epoche sehr intensiv vermittelt bekommt. Das wird unterstützt durch die vielen liebevollen Details die auf sorgfältigste Recherchen schließen lassen.

Es ist in jeder Hinsicht ein gewichtiges Buch, eines, das sehr viele Informationen beinhaltet, sehr viele Erzählstränge ineinander verwebt. So ist es nur allzu gut nachzuvollziehen, dass einige wenige davon nicht ganz "aufgedröselt" werden. Trotzdem ist das ein bisschen traurig, denn man kommt den Figuren sehr nahe und das macht neugierig auf die Hintergründe. Im Vergleich zu den Vorgängerromanen "Spiel der Hoffnung" und "Tanz des Vergessens" hat es mich diesmal durchaus ein wenig gestört, denn es waren beileibe nicht nur die ganz nebensächlichen Figuren, deren Schicksal sich verlor oder auch nur angedeutet wurde.

Also nicht ganz so spitze wie meine bisherige Lektüre aus der Feder von Heidi Rehn, dennoch hat es sich unbedingt gelohnt, denn neben einer packenden Geschichte gibt es noch zeitgeschichtliche Fakten - diesmal gleich aus mehreren wichtigen Epochen der deutschen Geschichte - rund 60 Jahre werden hier abgedeckt. Zu keiner Zeit war es langweilig, im Gegenteil: sowas wie Längen gibt es bei Heidi Rehn nicht und das trotz der über 600 Seiten! Also ein Schmöker im besten Sinne, den man auch gut am Strand oder im Zug lesen kann. Aber vorher die Wertsachen gut sichern, denn zu leicht kann es passieren, dass man alles um sich herum vergisst!

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