Heidi Rehn: Spiel der Hoffnung

 
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Heidi Rehn: Spiel der Hoffnung
Verlag
ET (D)
2016
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783426515921

Informationen zum Buch

Seiten
512

Sonstiges

Originalsprache
deutsch
Erster Satz
Die Adresse stimmte noch.

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Handlungsort

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1927 scheint die ganze Welt von einem Taumel ergriffen. Zwischen Berlin und München, Monte Carlo und Paris herrscht ausgelassene Aufbruchstimmung. Niemand ahnt, wie nah am Abgrund man sich in Wahrheit befindet. In vollen Zügen genießt Ella ihr junges Eheglück mit dem gutsituierten Unternehmersohn Jobst. Ihre gemeinsamen Reisen führen sie nach Montreux und Paris sowie an die italienische und französische Riviera, in mondäne Casinos und Varietés. Einzig Jobsts rätselhafte Geschäftstermine, zu denen er immer mal wieder verschwindet, manchmal gleich für mehrere Tage, behagen Ella gar nicht. Doch verbirgt ihr Mann wirklich etwas vor ihr – oder entspringt ihr Misstrauen nur ihrem eigenen schlechten Gewissen, weil sie selbst mehr als ein Geheimnis hütet?

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Die Goldenen Zwanziger

München, zur Zeit der Goldenen Zwanziger.

Nach dem frühen Tod ihrer Mutter kommt Ella Wittkamp von Berlin nach München. Ein Zettel im Nachlass ihrer Mutter hat die junge Frau dazu veranlasst - darauf steht, dass ein gewisser Constantin Lutz unbedingt von ihrem Tod erfahren soll. Völlig auf sich allein gestellt, besucht Ella den älteren Mann, ein Professor an der Münchner Universität. Doch schon die erste Begegnung ist sonderbar, denn Lutz gibt Ella spontan als seine Nichte aus...
Schon bald ist Ella glücklich verheiratet und genießt ein ungewohntes Leben mit dem Unternehmersohn Jobst, doch den, der sich für all das stark gemacht hat, hat sie auch verloren: ihr angeblicher Onkel ist noch vor ihrer Hochzeit verstorben. Zuvor hat er Ella jedoch eine Aktentasche überreicht - mit dem Hinweis, dass die darin enthaltenen Unterlagen sehr wichtig sind und ihren Stand in ihrer neuen Familie sichert.

Doch das neue, aufregende Leben an der Seite ihres Liebsten hält auch Schattenseiten bereit: Jobst verschwindet schon auf der Hochzeitsreise in Italien tagelang und die heimische Villa von Jobsts Eltern hat durchaus Ähnlichkeiten mit einem goldenen Käfig. Zumal die Schwägerin Viktoria nicht gerade zu den freundlichsten Zeitgenossinnen zählt...

Und so macht sich Ella daran, die eigenen Fragen zu beantworten: die ihrer Herkunft und der Aktentasche, aber auch das Rätsel, warum Constantin Lutz sie selbst bei seinem besten Freund, Jobsts Vater, als seine Nichte ausgegeben hat.

Die Autorin Heidi Rehn hat mit "Spiel der Hoffnung" den dritten Roman, der im noch jungen 20. Jahrhundert spielt, vorgelegt. 1927, die Weltwirtschaftskrise scheint noch in weiter Ferne, geht es der Bevölkerung einigermaßen gut - wenn einigen auch deutlich besser als dem Großteil. Doch die ersten dunklen Wolken ziehen auf: Hitler sammelt in der bairischen Landeshauptstadt bereits fleißig Anhänger, wenngleich der Schreihals vielerorts noch nicht wirklich ernst genommen wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Antisemitismus längst in Deutschland grassiert - eine Tatsache, die Ella schnell in ihrer neuen Familie bemerkt.

Und da bin ich schon bei einer großen Stärke dieses Romans: die Verknüpfung historischer Fakten mit der Hauptfigur Ella Wittkamp und ihren Erlebnissen. Sicher, es handelt sich um keine politischen Roman, sondern um richtig gut gemachte Unterhaltung, die von einer jungen, lebensfrohen Frau auf der Suche nach ihren Wurzeln ist. Aber - und das ist ein großes Aber - die Autorin schafft es perfekt, eine authentische Atmosphäre zu erzeugen und so die damalige Zeit vor dem geistigen Auge entstehen zu lassen.
Eine weitere große Stärke sind die Figuren, für die Heidi Rehn schlicht und ergreifend einfach ein Händchen hat. Sie sind glaubhaft und nicht eindimensional, so dass ich ihre Entwicklung gerne verfolgt habe - allen voran natürlich die von Ella. Als kleines Bonbon für alle KennerInnen von "Sommer der Freiheit" und "Tanz des Vergessens" gibt es kleine Wiedersehen mit der ein oder anderen liebgewonnenen Figur.

Kurzum, für mich ist "Spiel der Hoffnung" ein Volltreffer, der mich bestens unterhalten hat und mich schon gespannt auf weitere Bücher der Autorin warten lässt.

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Wieder ein sehr gelungener Roman!

1927: Die Berlinerin Ella Wittkamp findet nach dem Tod ihrer Mutter die Adresse eines Münchner Professors in deren Unterlagen. Als sie den Professor in München aufsucht, stellt dieser Ella seinen Freunden als seine Nichte vor. Dabei begegnet sie Jobst, dem Sohn des besten Freundes des Professors und verliebt sich in ihn. Bald heiraten die beiden und verbringen ihre Flitterwochen an der italienischen und französischen Riviera. Einziger Wermutstropfen: Jobst verschwindet immer wieder tagelang zu rätselhaften Geschäftsterminen. Verheimlicht er ihr was oder ist Ella umsonst misstrauisch?

Mit diesem Roman entführt die Autorin den Leser mitten in die Weimarer Republik: der Wirtschaft geht es sehr gut, die Menschen sind mit der Regierung relativ zufrieden, die NSDAP hat noch kaum Bedeutung. Die Romanhandlung spielt in München und Berlin und es wird schnell deutlich, dass zwischen den beiden Großstädten immense Unterschiede bestehen, die bayerische Stadt ist deutlich konservativer als das quirlige Berlin. Während die Berliner nichts von Hitler wissen wollen, wird er in München von der Oberschicht hofiert.

Das alles ist jedoch der Protagonistin Ella ziemlich egal, sie geniesst einfach die Zeit mit ihrem frischgebackenen Ehemann. Viel Zeit bleibt für die traute Zweisamkeit sowieso nicht, wohnt das Paar doch bei den Schwiegereltern im Haus und wird daher für allerlei geschäftliche und gesellschaftlichen Verpflichtungen eingespannt. Ihre Vergangenheit lässt sie gerne hinter sich und hinterfragt nicht, warum der Professor sie als seine Nichte ausgegeben hat. Erst als ihre intrigante Schwägerin beginnt, in Ellas Vergangenheit zu wühlen, muss sie sich ihr stellen.

Sehr geschickt verknüpft Heidi Rehn wieder fiktive Erzählung mit historischen Fakten, so dass der Leser ein umfassendes Bild der damaligen gesellschaftlichen und politischen Lage erhält. Was mich besonders gefreut hat, dass wir liebgewonnenen Figuren aus ihren beiden vorherigen Romanen begegnen, wobei es keine Voraussetzung ist, die Bücher zuvor gelesen zu haben.

Neben der gut recherchierten Handlung haben mich wieder die Charaktere überzeugt, die sehr vielschichtig dargestellt werden und damit nicht vorhersehbar und für manche Überraschung gut sind. So haben auch unsympathische Figuren durchaus positive Seiten und die Sympathieträger ihre Schwächen.

All das zusammen ergibt einen spannenden und schillernden Roman, bei dem auch die Liebe nicht zu kurz kommt. Jetzt heißt es warten auf das nächste Buch von Heidi Rehn, auf das ich mich sehr freue.

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Die goldenen Zwanziger

Ella Wittkamp findet nach dem Tod der Mutter in einer Schmuckschatulle einen Zettel mit der Anschrift eines Professors aus München. Da Ella keine Verwandten mehr hat, macht sie sich auf, um Professor Lutz aufzusuchen und mehr zu erfahren. Constantin Lutz gibt sich als Ellas Onkel aus und übergibt ihr eine Mappe mit Papieren. Bei Lutz lernt sie auch den Unternehmersohn Jobst von Kirchenreuth kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick und schon bald sind die beiden verheiratet. Isolde und Werner von Kirchenreuth sind angetan von ihrer neuen Schwiegertochter, aber Ellas Schwägerin Viktoria droht ihr unverhohlen vor dem Aufbruch in die Flitterwochen. Jobst und Ella genießen ihre Flitterwochen. Doch schon bald verschwindet Jobst zu rätselhaften Geschäftsterminen, über die er sich ausschweigt.
Ganz wundervoll schildert uns Heidi Rehn die Zeit der Zwanziger Jahre. Man hat gerade erst schwierige Zeiten hinter sich und nun genießt man das Leben. Auch bei den von Kirchenreuths gehören Vergnügungen mit zu den gesellschaftlichen Verpflichtungen. Gerade in diesen Münchner Kreisen hofiert man dabei auch Hitler. Seine Anhänger treten in München schon sehr ungeniert auf und Judenfeindlichkeit ist sogar in den besten Kreisen en vogue. Auch in Berlin gibt es Tanzvergnügen und andere Unterhaltung, aber es gibt auch Ecken, in denen Not herrscht. Aus einer solchen Gegend stammt Ellas Freundin Rike, die alles dafür tut, diesem Milieu zu entkommen.
Ella ist jung und unbedarft, als sie nach München kommt. Sie lässt sich von der leichtsinnigen Art, die Jobst an den Tag legt, mitreißen. Das sorgte dafür, dass ich sie nicht wirklich sympathisch fand. Nach den Flitterwochen kommt die Ernüchterung. Jobst ist in Geschäften unterwegs und oft tagelang weg. Ella langweilt sich in dem düsteren Haus der von Kirchenreuths und muss auch noch die Sticheleien ihrer Schwägerin ertragen. Als Jobst für die Firma ein Büro in Berlin eröffnet, bietet sich für Ella eine Chance, ihm im Geschäft zu helfen. Aber Jobst hat auch Geheimnisse und hält Ella von einigem fern. Doch auch Ella muss feststellen, dass es in ihrer Vergangenheit Dinge gibt, über die sie nichts wusste. Sie macht eine Entwicklung durch und kämpft für ihre Ehe. Am Ende überrascht sie mich mit ihrem Handeln.
Alle Charaktere sind sehr vielschichtig und interessant dargestellt. Besonders gut gefallen haben mir Rike und Wolf, die wunderbare Freunde sind. Auch begegneten uns Personen, die wir schon in vorherigen Büchern der Autorin kennengelernt haben.
Ich kann diesen wundervollen Roman aus den Zwanziger Jahren nur empfehlen.

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