Heidi Rehn: Tanz des Vergessens

Heidi Rehn: Tanz des Vergessens

 
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Heidi Rehn: Tanz des Vergessens
Verlag
ET (D)
2015
Ausgabe
Taschenbuch
ISBN-13
9783426515914

Informationen zum Buch

Seiten
560

Sonstiges

Originalsprache
deutsch

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Handlungsort

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Frühling 1919: Die junge Lou will nach dem tragischen Tod ihres Verlobten in den Wirren der Münchner Räterepublik nur noch eines: vergessen! Um ihren Schmerz zu betäuben, stürzt sie sich in das Bohème-Leben der frühen Zwanzigerjahre. Doch wie ein schwarzer Schatten hängt die Vorstellung über ihr, allen Menschen, die ihr nahestehen, Unglück zu bringen. Als sich dieser Glaube ein weiteres Mal zu bewahrheiten scheint, bleibt ihr nur noch ein letzter Ausweg ...

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Eine Hommage an die deutschen Roaring Twenties

1919 in München.

Ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkrieges liebt die junge Lou den jungen Curd. Sie haben eine kleine Wohnung und kommen knapp durch's Leben - aber überhaupt machen die Beiden den Eindruck, dass sie sich vor allem selbst genügen. Judith und Max, zwei Freunde Curds aus Wiener Zeiten, und die zwei Verlobten genießen einfach das Leben und den Frieden, wie es ihnen möglich ist. Doch dann geschieht das Unfassbare: in den letzten Zügen der Münchner Räterepublik verirrt sich eine Kugel und trifft Curd tödlich.
Lou ist untröstlich und macht sich schwere Vorwürfe: immerhin hat sie Curd gebeten, etwas zu besorgen - nur deshalb hat er zu dieser Zeit überhaupt das Haus verlassen. Max und Judith stehen ihr in diesen schweren Stunden zur Seite, aber wirklich trösten kann sie nur das Tanzen. Hat sie früher zu gerne mit Curd gemeinsam getanzt, so tanzt sie nun um sein Grab und versucht so den Schmerz erträglich zu machen. Nun völlig mittellos geworden, sucht sie sich eine Stelle als Täschnerin und findet so auch eine neue Bleibe bei der Tochter ihres Arbeitgebers, Frida. Diese Frau ist etwas älter als sie und lebt gemeinsam mit ihrer Tochter Franzi in einer Wohnung, in der loh nun ein Zimmer bekommt. Doch auch ansonsten tut Frida Lou gut: sie geht mit ihr zum Tanzen aus und durch sie lernt Lou auch wieder Männer kennen. Relativ bald geht sie eine Beziehung ein - mit dem reichen Ernst, der ihr alles bieten kann. So tingelt Lou weiter durch die Tanzcafés und Nachtlokale, stets auf der Jagd nach dem Tanz des Vergessens. Zwischendurch hat sie immer wieder schwache Phasen, in denen sie sich schuldig fühlt. Die Eltern früh verloren, fühlt sie sich nicht nur am schweren Unfall ihres Bruders, zu dem sie kaum mehr Kontakt hat, sondern nun auch am Tod Curds schuldig - wer will ihr da die immer mal wieder aufkommende Schwäche übel nehmen?
Als Ernst sich finanziell verspekuliert und Lou fallen lässt, ergreift sie die nächste Chance und bricht erneut auf: dieses Mal sogar in eine andere Stadt, nach Berlin! Dort lässt sich ganz wunderbar zu neuen Rhythmen tanzen. Die Menschen sind in der Nachkriegszeit regelrecht vergnügungssüchtig und wollen einfach nur leben. Genau das richtige für Lou - zumal sie dort auch wieder auf Judith und Max, ihre alten Freunde trifft. Doch es sind auch andere Zeichen spürbar: noch in München bemerkte Lou den stärker werdenden Antisemitismus, jetzt kommen noch die rasche Geldentwertung und die zunehmend sichtbare Armut auf den Straßen hinzu...

Heidi Rehn zeigt mit diesem Roman - wie auch schon bei "Der Sommer der Freiheit" - ihr ausgeprägtes Gespür für den Lebenswillen, aber auch die Nöte und Sorgen der Menschen, dieses Mal aus den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Es ist eine hochspannende Phase der deutschen Geschichte, die unfassbar tragisch geendet hat, obwohl es in den Jahren der Weimarer Republik ja durchaus auch Hoffnung, Demokratiebestreben und Aufbruchsgeist gegeben hat. Gerade durch die Figuren und den Erzählstil der Autorin lehrt einen dieser Roman mehr als so manches Geschichtsbuch, denn sie sind allesamt - allen voran natürlich Lou - so plastisch und realistisch gezeichnet, dass man mit ihnen leidet und hofft; dass man ihnen das Beste wünscht und ob der heutigen Sicht das Schlimmste fürchtet. "Tanz des Vergessens" ist für mich schlicht und ergreifend eine Hommage an die Goldenen Zwanziger, die beides deutlich macht: die Licht- wie auch die Schattenseiten!

Die Autorin hat sich mit "Der Sommer der Freiheit" bei mir schlagartig zu einer sogenannten Autobuy-Autorin entwickelt. Dieser Roman hier beweist, dass ich damit völlig richtig lag: "Tanz des Vergessens" ist einfach wunderbarer, atmosphärisch dicht und mit liebenswerten Figuren, deren Schicksal mich berührt hat und mit denen ich gebangt habe. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Romane von Heidi Rehn.

Fazit: Wer sich für diese Zeit interessiert, gerne in eine Geschichte abtaucht und mit den Figuren leidet: auf jeden Fall lesen!

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Ein Tanz durch die wilden 1920er Jahre

Mai 1919: die junge Lou und ihr Verlobter Curd wollen nach dem Ersten Weltkrieg und den politischen Wirren in München endlich zusammen mit ihren Freunden das Leben genießen – da wird Curd das Opfer eines Querschlägers. Lou quält sich mit Schuldgefühlen und stürzt sich in das Münchner Nachtleben, um beim Tanzen ihr Unglück zu vergessen und hoffentlich eines Tages dem Glück wieder über den Weg zu laufen.

Der Leser begleitet Lou Seybold ab 1919 über mehrere Jahre lang und stürzt sich mit ihr und den anderen Figuren in das Münchner Nachtleben. Die Menschen sind gezeichnet von Krieg, Hunger und Entbehrungen und lechzen danach, das Leben endlich in seinen schönsten Formen zu genießen: es wird gefeiert und getanzt bis zum frühen Morgen. Aber nicht für jeden ist dieses Amüsement erreichbar: durch die galoppierende Inflation werden Grundnahrungsmittel beinahe unbezahlbar. Heidi Rehn gelingt es spielend, die Lebensgeschichte von Lou und ihren Freunden sowie die politische Entwicklung in München in einem unterhaltsamen Roman mit unerwarteten Wendungen zu vereinen.

Dabei kommt es zu der einen oder anderen unglaublichen Wendung, die jedoch auf historischen Fakten beruht – was mal wieder zeigt, daß das Leben die spannendsten Geschichten schreibt. Lediglich gegen Ende des Romans gibt es eine Szene, die mir persönlich etwas zu dramatisch war, aber das stört kaum den Gesamteindruck.

Ganz stark sind auch diesmal wieder die Charaktere, da sie überraschend und unvorhersehbar sind und man somit nie weiß, was man von ihnen erwarten kann. Manch eine Figur, die ich anfangs für nebensächlich gehalten habe, spielte dann doch noch eine wichtige Rolle, außerdem musste ich meine Einschätzung mancher Figuren öfters mal korrigieren.

Lou Seybold war aber der ersten Seite sehr interessant und sympathisch, was aber nicht heißt, daß sie nicht auch ihre Schwächen oder Fehler hat, vor allem ihre Schuldgefühle, die sie sich einredet, stehen ihr des öfteren im Weg. Sie kann sehr zielstrebig sein, wenn sie will, und mir hat es besonders gut gefallen, daß sie an ihrem Traum, als Täschnerin mit eigenen Kreationen zu arbeiten, festhält.

Judith und Max, die alten Freunde von Curd aus Wiener Zeiten, halten auch nach Curds Tod den Kontakt zu Lou aufrecht. Der Leser erfährt nach und nach immer mehr Details aus dem Leben der sympathischen Freunde, so daß sie einem immer mehr ans Herz wachsen. Daneben gibt es noch ein paar Nebenfiguren, die ich einfach nur stark fand, ohne mehr verraten zu wollen.

Ein tolles Buch, das den Leser durch die wilden Zwanziger führt, aber nicht die Augen vor dem Aufstieg Hitlers in München und den wirtschaftlichen Problemen der Zeit verschließt. Die Autorin kündigt im Nachwort an, daß sie noch ein weiteres Buch plant, daß ebenfalls in den 1920er Jahren spielen soll – ich bin jetzt schon sehr gespannt auf das Buch.

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Tanze dich lebendig...

Nach unglaublich tollen Büchern wie "Der Sommer der Freiheit" oder "Die Liebe der Baumeisterin" bin ich Fan der Autorin und freute mich schon sehr auf ihr neustes Werk. Und sie hat es auf Anhieb wieder einmal geschafft mich zu verzaubern.

Den ersten Weltkrieg haben Lou und ihr Verlobter Curd geradeso überstanden und blicken in die Zukunft als ein Unglück geschieht. Curd stirbt und lässt seine Verlobte damit mittellos zurück. Lou ist mit der Situation völlig überfordert. Hat sie ihrem Liebsten Unglück gebracht? Es wäre nicht das erste Mal, dass durch ihr Zutun jemand zu Schaden kommt, aber kann das wirklich sein?

Ein beobachtender Erzähler führt uns durch die Geschichte und bereits nach wenigen Seiten war ich total drin und genoss einfach die Handlung.

In diesem Roman gelingt es der Autorin wieder einmal authentische und vor allem vielschichtige Charaktere zu schaffen. Jeder Leser wird jemanden finden, mit dem er sich identifizieren kann. Zudem sind es Akteure, die man nicht dauerhaft sympathisch findet, sondern deren Handeln man regelrecht kritisch betrachtet.

Lou als Hauptdarstellerin der Geschichte ist geleitet von ihrem Gefühl. Oft wirkt sie zwar labil und schwach, aber wer mag ihr das zur damaligen Zeit übel nehmen, wo jeder sehen musste wo er bleibt. Da will man gern auch etwas vom Kuchen abhaben und nimmt sich, was man braucht.

Mein besonderes Highlight waren Frida und ihre Tochter Franzi, einfach Personen, die man lieb haben muss. Sie hatten so etwas Erfrischendes und sind Personen, die man gern selbst als Freunde hätte.

Heidi Rehn beleuchtet in der Geschichte die Zeit ab 1919, was ich vor allem dadurch spannend fand, weil meine Großmutter in dem Jahr geboren wurde. Dabei lenkt die Autorin die Aufmerksamkeit nicht nur auf politische Veränderungen in Deutschland, sondern auch auf die Gesellschaft.

Dieses Buch hat bei mir für tolle Lesestunden und mal wieder Wissenszuwachs gesorgt.

Fazit: Ein ganz toller Schmöker, den ich nur wärmstens empfehlen kann!

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Das Leben spüren

Endlich schweigen die Waffen, die während der Kämpfe zwischen den Weißen und den Roten in München ständig zu hören waren. Das treibt die Menschen wieder auf die Straße. Doch ein Querschläger tötet Curd. Seine Verlobte Lou plagen Schuldgefühle und Trauer. Sie sucht ihr Vergessen, indem sie tanzt.
Es ist keine einfache Zeit, durch die wir Lou und ihre Freunde begleiten. Der 1. Weltkrieg ist noch nicht lange vorbei und noch immer muss man viele Entbehrungen in Kauf nehmen. Die Menschen sind hungrig nach Unterhaltung und Vergessen. Doch das Leben ist teuer, die Inflation galoppiert schneller als man schauen kann.
Auch Lou und ihre Freunde suchen das Vergnügen in dieser wilden Zeit. Einige ihrer Freunde zieht es wegen der politischen Veränderungen weg von München nach Berlin. Lou hängt sich an einen älteren Mann, der ihr die Vergnügungen finanzieren kann. Sie trifft einige ungewöhnliche Entscheidungen und verliert sich ein wenig selbst. Da ist es gut, dass sie Freunde hat, die sie auffangen, wenn sie Hilfe braucht.
Die Geschichte lebt von den außergewöhnlichen Charakteren, die man oft falsch einschätzt. Gerade manche Nebenfiguren, die sehr lebendig und authentisch beschrieben sind, geben der Geschichte eine entscheidende Wendung. Nicht alle Personen sind einem sympathisch, auch Lou sehe ich mit zwiespältigen Gefühlen. Sie hat ihre Schwächen und macht eine Reihe von Fehlern. Dennoch oder gerade deshalb ist sehr glaubwürdig. Sie ist ein Kind der Zeit, nimmt sich alles, von dem sie meint, dass es ihr zusteht. Oft handelt sie sehr impulsiv und unverständlich und merkt erst mit der Zeit, dass es ihr nicht gut tut. Aber da ist immer jemand, der sie auffängt.
Spannend fand ich, dass ich eine Überblick erhalten habe über die Lebensumstände jener Zeit, das gesellschaftliche Leben und auch über die politischen Verhältnisse. Es ist schon deutlich spürbar, was die Zukunft bringen wird, wie man an dem Überfall auf den Boxclub sieht. Bedrückend fand ich es, dass die Damen der besseren Münchner Gesellschaft Hitler so anhimmelten und nie eine seiner Bemerkungen in Frage stellten.
Obwohl ich mit Lou nie warm geworden bin, hat mich ihre Geschichte angesprochen, da sie in das Lebensgefühl der Zeit passt.

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